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    AW: Ich hasse meine Ironie

    Zitat Zitat von Frau-I Beitrag anzeigen
    ,
    viele Themen, über die sich z.B. meine Kollegen unterhalten, finde ich völlig irrelevant. Die ganze Mittagspause über inszenierte Casting-Shows reden...
    Es geht ja nicht um die Themen. Der Inhalt ist lediglich so ein notwendiges Füllmaterial, um durch Lächeln, Klang der Stimme, beieinander sitzen, miteinander essen... Nähe zu schaffen. Um sich gegenseitig zu sagen "wir sind ein Team, wir mögen uns, wir gehören zusammen".

    Die nonverbalen Anteile an dieser Kommunikation sind viel wichtiger als die verbalen Anteile. Du kannst ja mal diese beobachten, dann bist du auch beschäftigt und der Intellekt hat Futter, sodass deine Gesprächsbeiträge auch ganz locker auf der Ebene "dort, wo ich wohnte, waren die Tassen am Weinhachtsmarkt immer rot" beschränken kann.



    Ich will das zarte Pflänzchen nicht kaputt machen, indem ich jetzt schreibe: "Um mal ganz ehrlich zu sein: ich habe mich in dich verknallt" (ganz grob ausgedrückt).
    Das hier ist nun die perfekte Gelegenheit, ein bisschen Ironie nicht auszuschliessen, weil es ein so delikates Thema ist. "ich hab mich in dich verknallt" kannst du ohne weiteres schreiben, ob's der Geknallte dann ironisch oder ernsthaft aufnimmt, liegt dann an ihm.

    Hier ist wirklich mal ein Gebiet, wo Ironie ihre Berechtigung hat.

    grüsse, barbara

  2. Inaktiver User

    AW: Ich hasse meine Ironie

    Wenn man es genau nimmt, dann sind doch die allermeissten Gespräche ein Blabla
    Was geben sie einem außer, daß man zwischenmenschlich Austausch betreibt damit sozial dazugehört und sich so die Zeit vertreibt!?

    Klar kann sowas nerven aber es ist doch nichts Schlimmes!
    Man kann so einer Sache dann mit einem Lächeln zusehen- mitreden oder es lassen- und man kann sich natürlich darüber auch lustig machen.
    Mit den richtigen Menschen geht sowas dann auch richtig gut.
    Ich persönlich finde ja, daß oft gerade im Alltagsleben dermassen viele absurd witzige Situationen entstehen- man sie eben nur erkennen muss.
    Ebenso gehört natürlich genug Selbstironie dazu, daß man sich nicht zu ernst nimmt.

    Das Problem bei zuviel Ironie ist, daß man eben nicht merh weiss, ob man noch ernst genommen wird vom Gegenüber.
    Menschen mit zuviel Ironie- wirken unnahbar und man empfindet sie letztlich als distanziert, denn es gehört doch auch eine gewisse Offenheit dazu, die verschleiert werden kann und nicht gut tut.

    Was Ironie zwischen Mann und Frau angeht - so ist doch gerade sowas ein sehr feinsinniges Spiel um sich anzunähern- mit der Option, daß man auch wieder unbeschadet eigene WEge gehen kann.
    Ich glaube, daß dieses Doppeldeutige sehr viel ausmacht bei Annäherungen und man aber auch erst im Gegenüber dann mehr rüberbringen kann.

    Ich kenne es so, daß man zwar sehr rumfrotzeln kann, aber es irgendwann auch zu tieferen, ernsteren Themen kommt und dabei dann Gefühl und Nähe aufkommen kann.
    Da gibt es dann auch keine Ironie mehr, denn man redet offen von sich selber.

    Die Frage ist doch, ob Du im engen Miteinander überhaupt ernsthaft und offen erzählen kannst.
    Oder- beschreibst Du Dich selber immer nur ironisch??

    kenzia

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    AW: Ich hasse meine Ironie

    Zitat Zitat von Frau-I Beitrag anzeigen

    Wahrscheinlich ist es arrogant, aber ich kann diese Gespräche nur amüsiert aufnehmen, was dann wiederum dazu führt, dass ich später imitiere, wie ich sie wahrgenommen habe.

    Wird da irgendwie ein Schuh draus?
    Liebe Frau-I,

    das mit den Gesprächen auf der Weihnachtsfeier ist ein gutes alltägliches Beispiel. Dazu kann ich nur sagen: Ja, es wirkt arrogant, wenn du dich über die anderen amüsierst. Und, ja, das ist ein Mechanismus, sich selbst zu "erhöhen".
    Gehe davon aus, dass auf solchen Veranstaltungen leichtes Geplauder angesagt ist.
    Ich bemühe mich darum, all meinen Gesprächspartnerinnen und -partnern ehrliches Interesse entgegenzubringen, das bedeutet eben auch, sich auf gänzlich andere Lebenswelten einzulassen. Die eine Kollegin macht sich große Gedanken, ob der Weihnachtsbraten mit der oder der Soße besser gelingt, andere erzählen womöglich von ihrer Kegeltour am Wochenende, der nächste beginnt jeden Satz mit "aus meiner langjährigen Erfahrung als Führungskraft"... da kann man vielleicht innerlich mit den Augen rollen, aber es ist so. Man kann nicht sich selbst als Maß der Dinge nehmen wollen und zugleich einen menschlichen Kontakt zu den anderen haben.
    Ich versuche, mir vorzustellen, wie Person X so lebt und warum er / sie das jetzt so erzählt. Das heißt ja nicht, dass ich nun auch kegeln gehen muss, aber ich finde es schon interessant, wie unterschiedlich Leben so aussehen kann. Wenn ich mich darüber amüsiere, erhebe ich mich ja darüber.
    Ich fand unsere Weihnachtsfeier auch super anstrengend, aber "es gehört nun mal dazu".

    Zu dem Mann:
    Wenn Ihr beide auf diese Art und Weise weiterhin miteinander umgeht, dann kommt Ihr Euch ja nie näher.
    Sag ihm doch einfach mal "Du, Y, ich bin so gern mit dir zusammen, ich freue mich so, dass ich jemanden kennengelernt habe, mit dem ich so toll zusammen lachen kann" und lass dich nicht auf die witzige Tour ein, sondern folge deinem Gefühl.
    Muss ja nicht gleich eine Liebeserklärung sein. Aber schon in Richtung "sich öffnen".

    Schöne Grüße
    Capbreton

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    AW: Ich hasse meine Ironie

    Zitat Zitat von Frau-I Beitrag anzeigen
    Ich weiß, dass ich mich zurücknehmen muss. Nur funktioniert das nicht. Das steckt irgendwo tief in mir drin und kommt immer wieder, wenn ich nicht ganz konzentriert aufpasse.
    Wer kennt das Geheimrezept, wie ich mich ändern kann?
    Wiederholungen, Wiederholungen, Wiederholungen, Wiederholungen!

    Der Mensch verinnerlicht das, was er wiederholt, wiederholt, wiederholt und wiederholt wiederholt.

    In deinem Fall: Achte genau auf ausgeschaltete Ironie, sprich aufrichtig, ernst und ehrlich. Wiederhole das täglich von morgens bis abends, wiederhole es im Bett, indem du dir selbst vor dem Einschlafen sagst, was du an dir magst - und streiche das Wort Ironie dabei aus deinen Satzformulierungen. Zieh das Ganze 3 Monate konsequent durch.

    Ob es so einfach ist? Tja, es ist der gleiche Weg, mit dem du dir deine Ironie anerzogen hast! Und keine Panik - da du dich selbst bereits darüber ärgerst und sie (gut erkannt) als Versteck benutzt, gehört sie ohnehin nicht zu deiner Persönlichkeit. Es dreht sich hier folglich nicht um das Abändern von Persönlichkeitsmerkmalen sondern um das Abtrainieren von selbst anerzogenen Merkmalen, die nicht zu deiner Persönlichkeit gehören. Antrainiertes lässt sich abtrainieren - auf die gleiche Weise.

  5. gesperrt

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    AW: Ich hasse meine Ironie

    schade, dass du dich ändern willst! für mich ist jeder mensch mit Fähigkeit zur Ironie ein Geschenk, einer, der Glanzpunkte setzt. Bierernsthafte Korinthenkacker gibts schließlich mehr als genug

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    AW: Ich hasse meine Ironie

    Hieraus

    Zitat Zitat von Frau-I Beitrag anzeigen
    Hier mal ein imaginärer Dialog im Netz (der der Realität schon sehr nahe kommt):
    Ich: "Heute bin ich mit dem Rad einkaufen gefahren. Die Straßen waren so nass und dreckig, dass meine Hose bis zu den Oberschenkeln mit Schlamm bespritzt ist."
    Er: "Schöne Frauen macht ein Schlammbad nur noch sexier ;)"
    Ich: "Tut mir leid, die Hose ist schon in der Waschmaschine ;)"
    Er: "Macht nichts, wir könen das ja wiederholen, wenn wir mal wieder ein Bier trinken gehen"
    lese ich gar keine Ironie, das ist in meinen Augen wortwitziges Flirten. Ironisch finde ich das gar nicht... eigentlich eher lebenslustig...

    Das ist dann wieder die Situation, wie sie hier schon beschrieben wurde: die Gefühle sind da, meine Gefühle. Ich weiß nicht, wie es bei ihm aussieht, weil wir diese Mauer aus Ironie immer höher bauen. So zu flirten ist klasse, schmeichelt mir. Ich will das zarte Pflänzchen nicht kaputt machen, indem ich jetzt schreibe: "Um mal ganz ehrlich zu sein: ich habe mich in dich verknallt" (ganz grob ausgedrückt).
    Das passt natürlich in dieser Form nicht mitten in so einen Dialog, dafür gibts andere Zeitpunkte und andere Ausdrucksweisen.

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    AW: Ich hasse meine Ironie

    Zitat Zitat von ilazumgeier Beitrag anzeigen
    schade, dass du dich ändern willst! für mich ist jeder mensch mit Fähigkeit zur Ironie ein Geschenk, einer, der Glanzpunkte setzt. Bierernsthafte Korinthenkacker gibts schließlich mehr als genug
    Wer die Ironieebene nie verlässt, ist ein bierernster Korinthenkacker? Du meine Güte... es gibt doch nicht nur schwarz und weiß!

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    AW: Ich hasse meine Ironie

    P.S.: Meinen ersten Beitrag hier eben habe ich auf echte Ironie bezogen - nicht auf witzige Wortspielchen wie im Schlammhosen Beispiel.

  9. gesperrt

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    AW: Ich hasse meine Ironie

    Zitat Zitat von Divino Beitrag anzeigen
    Wer die Ironieebene nie verlässt, ist ein bierernster Korinthenkacker? Du meine Güte... es gibt doch nicht nur schwarz und weiß!
    BINGO!

    i off
    Geändert von ilazumgeier (23.12.2012 um 01:44 Uhr)

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    AW: Ich hasse meine Ironie

    Hi,

    Hmm, das klingt nun alles so, als ob ich sozial inkompetent wäre. Das ist auf jeden Fall nicht so.
    Ich kann auch prima über Glühweintassen sprechen, mache mir zusammen mit der Sekretärin Sorgen um die Topfpflanzen im Büro oder muntere die Kassiererin im Getränkemarkt auf, die da heute noch bis 22 Uhr sitzen musste. Das meine ich dann auch 100% ehrlich und es kommt von ganzem Herzen.
    Aber diese Situationen, in denen Menschen zusammenkommen, weil Job oder Gesellschaft sie dazu mehr oder weniger zwingen, sind in meinen Augen bizarr. Ich spiele da mit, trage auch dazu bei, aber ich finde es anstrengend. Ich kann es nur mit Ironie ertragen und schlepp sie dann weiter mit mir herum.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Die Frage ist doch, ob Du im engen Miteinander überhaupt ernsthaft und offen erzählen kannst.
    Oder- beschreibst Du Dich selber immer nur ironisch??
    Die grundsätzliche Antwort ist: ich kann ernsthaft und offen reden.
    Wenn ich darüber nachdenke, sind das aber immer ganz bestimmte Punkte, wo es dann plötzlich funktioniert. Ich glaube meistens warte ich ab, bis ich mir sicher bin, dass es "ankommt".
    Beispiel: meine Oma ist vergangenes Jahr gestorben. Ich bin darüber hinweg, aber gerade wenn es auf die Feiertage zugeht, denke ich doch oft an sie, weil sie früher fester Bestandteil davon war. Mit einem Freund, dessen Opa kürzlich gestorben ist, habe ich gut darüber sprechen können. Ich würde es aber niemals einfach als Statement für mein Befinden frei äussern.

    Zitat Zitat von Capbreton Beitrag anzeigen
    Ich bemühe mich darum, all meinen Gesprächspartnerinnen und -partnern ehrliches Interesse entgegenzubringen, das bedeutet eben auch, sich auf gänzlich andere Lebenswelten einzulassen.
    Das trifft den Nagel quasi auf den Kopf: ich nehme es selbst so wahr, dass man sich dort nicht für die Lebenswelten anderer interessiert. Meine Chefin ist das beste Beispiel dafür: sie übergeht sämtliche Äusserungen, es gibt immer nur "Ich habe...", "Ich finde...", "Ich mache...". Wenn eine Antwort darauf kommt, geht es gleich zum nächsten Thema. Zack und weg.
    Ähnliches Verhalten erlebe ich nicht selten und leider sind das dann auch genau die Leute, die Gespräche dominieren. Diese Oberflächlichkeit macht mich krank und ich kann sie daher auch nur nicht ernst nehmen, also nur mit Ironie betrachten.


    Zitat Zitat von Divino Beitrag anzeigen
    lese ich gar keine Ironie, das ist in meinen Augen wortwitziges Flirten. Ironisch finde ich das gar nicht... eigentlich eher lebenslustig...
    Das heisst, er meint das alles ernst? Juhu!
    Aber ohne Ironie: ja, das ist lebenslustig und es tut mir sehr gut. Ich habe in den letzten Wochen viel Stress im Job gehabt, daher ist es doppelt so schön.
    Trotzdem macht mich diese Unsicherheit wahnsinnig. Ich weiß nicht, was ich empfinde. Ich weiß nicht, was er empfindet. Ich weiß, dass er mir gesagt hat, dass er oft nicht weiß, was ich nun ernst meine und was nicht. Ich weiß daher auch nicht, wie er mein Verhalten ihm gegenüber wahrnimmt. Ich habe Angst, dass ich einfach nur ein Spaßvogel bin, der ein wenig Unterhaltung liefert und keine Frau mit wirklichen Gefühlen oder Emotionen.

    Vielleicht muss ich auch noch dazu sagen, dass sich mein Leben in den letzten zwei Jahren sehr verändert hat. Ich habe mich nach einer langen Beziehung von meinem Ex getrennt, bin umgezogen, habe einen neuen Job angefangen. Das hat mir sehr gut getan, manche sagen dass ich aufgeblüht bin. Ich habe ein neues Lebensgefühl, sehr viel Selbstbewusstsein gewonnen. Manchmal denke ich, dass mein Kopf nicht so ganz hinterherkommt. Ich fühl mich attraktiv, merke dass mir Männer hinterherschauen oder Menschen auch einfach nur positiv (im freundschaftlichen Sinne) auf mich reagieren, aber wenn es dann mal ums Eingemachte geht, ist Schluss. Einem Mann deutlich zeigen, dass ich ihn mag? Geht nicht. Eine Bekannte anrufen und fragen, ob wir etwas unternehmen sollen? Ebenso nicht.

    Die Ironie macht Spaß, aber sie ist genauso eine Maske. Ich kriege es nicht hin, diese Welt einfach mal objektiv zu sehen und das alles zu ordnen. Ich erwarte immer gleich, dass alles geordnet ist und bin unzufrieden und unsicher, wenn es nicht so ist. Die Kollegen dort - nicht meine Welt, aber mein Job. Warum also daran stören, was sie tun und reden, wenn ich mein eigenes Leben habe? Und der Mann: warum ständig rätseln, täglich 10 mal checken, ob er mir was geschrieben hat und nicht einfach abwarten, was sich entwickelt? Einfach mal drauf einlassen, abtasten und gleichzeitig genießen was passiert?
    Ich nehme mich ständig selbst aufs Korn. Ich finde mich klasse. Aber gleichzeitig habe ich Angst vor Zurückweisung, davor, dass mich jemand nicht mag. Das ist unrealistisch, schließlich mag ich auch nicht jeden. Die Angst bremst dann wieder die ehrlichen Statements, dann ist wieder die Ironie da. Ich weiß, dass sie andere abschreckt.
    Jemand kommt auf mich zu, ich drücke ihm erst einmal einen ironischen Spruch. Was soll das? Warum sage ich nicht "ich freue mich". Nein, es könnte ja sein, dass er einfach da ist, weil er sich langweilt, weil er niemand besseren gefunden hat... es ist so bescheuert. So unendlich bescheuert.

    Gute Nacht, ich hoffe ich habe hier nicht gerade zu viel nächtliches Gedankengut abgeliefert,
    Frau-I

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