Hallo Zusammen,
ich hab ein Problem mit mir selbst.
Ich kann mich zu nichts motivieren. Seit Jahren nehme ich mir Alles mögliche vor, egal in welchem Bereich (Freizeit, Gesundheit, Haushalt, soziale Kontakte) und setze es einfach nicht um. Ich bin ein Organisationstalent, Plane mein Leben mit Listen, die ich dann aber nicht umsetze.
Ich bin so gefangen in meinem Alltagstrott, in dieser Routine und komm nicht raus aus diesem Teufelskreis. Es ist nicht so, dass ich nicht ehrgeizig wäre oder konsequent. Beruflich beispielsweise kann ich mich IMMER zu ALLEM motivieren. Lernen. Weiterbildungen machen. (damals mal) Bewerbungen schreiben. Termine einhalten. Das ist aber tatsächlich der einzige Bereich in dem das klappt.
Was mir auffällt: Sobald ich mir eine gewisse Regelmäßigkeit in einem Ablauf angeeignet habe, dann klappt das, dann zieh ich das durch, da darf mir dann auch keiner rein pfuschen. Aber diese "Routinen" habe ich nur bei klitzekleinen Kleinigkeiten. Bspw. bin ich beim Kochen wie eine Maschine. Abläufe sind perfekt strukturiert, zwischendrin räum ich die Spülmaschine ein, wenn das Essen fertig ist, ist auch in der Küche kein Chaos mehr. Da bin ich gut. Da bin ich routiniert.
Jetzt zu den Bereichen wo es gar nicht klappt, wo es mich ENORM einschränkt und total vom Leben abhält. Ich sitze zum Beispiel den GANZEN Tag vor der Klotze. Ich hab meine üblichen Listen, was zu tun ist und mache: NICHTS! Ich bin wie gelähmt.
Selbes beim Thema abnehmen. Mein Gewicht bringt mittlerweile gesundheitliche Einschränkungen mit sich, aber ich kann mich nicht aufrappeln, bin außerdem meine Fresserei schon gewohnt. Das ist also schon meine Routine geworden.
Oder: Wenn Freunde sich spontan melden, wegen einem Treffen. Ich hätte Zeit. Dann sag ich ab. Das würde mich sonst aus der Bahn werfen.
Es ist wie ein Teufelskreis. Ich kann nicht spontan sein, muss ALLES penibelst genau planen, scheitere dann aber komplett an der Umsetzung.
Ich möchte endlich LEBEN!
Kennt das Jemand? Ich überlege oft, ob es ein psychisches Problem ist, ob es von meiner Kindheit/Jugend her rührt, die SEHR chaotisch war, in der ich viele, viele traumatische Erlebnisse verabeiten musste. Ich vermute in manchen Dingen (z.B. beim Abnehmen/soziale Kontakte pflegen) auch eine versteckte Angst. Aber wovor? Und sind das eventuell nicht einfach nur Ausreden von mir um es mir schön zu reden?
Aber ich möchte so nicht mehr weiter machen. Schön langsam kann ich mich nicht mehr leiden. Ich bin eine richtig faule Kuh und bemitleide mich selbst, aber komm einfach nicht weiter....
Wie tretet ihr eurem Schweinehund in den Hintern?
Danke schon mal.
Dana
PS: Ach ja, ich sollte erwähnen: Die überlebenswichtigen Dinge schaffe ich, für Alles andere - habe ich das Gefühl - fehlt mir die Kraft. Also mein Haushalt bspw. ist schon in Ordnung, nicht pikobello, aber vorzeigbar. Das ist mir wichtig. Aber ich hab z.B. geplant Plätzchen zu backen und hab's einfach nicht gemacht/geschafft.
Antworten
Ergebnis 1 bis 9 von 9
-
07.12.2012, 14:07
Motivationsproblem beeinträchtig mein ganzes Leben
Geändert von Dana28 (07.12.2012 um 14:14 Uhr)
-
07.12.2012, 14:34
AW: Motivationsproblem beeinträchtig mein ganzes Leben
Liebe Dana,
ich kenne das!
ein klein bisschen von mir, meist wenn es schlimmer wurde, hatte es etwas von Depression!
Allerdings und daher so ausgeprägt von einem Freund!
Schau mal unter "Prokastination"
Bei ihm ist es exakt so, wie du beschreibst und in einer kurzen Therapie stellte sich heraus, dass es zum überlebenswichtigen reicht (Job) und darüberhinaus die Reserven verbraucht sind.
Anfangs dachte ich er ist zu faul, später dann, dass er sich selbst ausgeliefert ist!
Mittlerweile bin ich teilweise etwas sauer auf ihn, weil ich denke, er weiß nun dum und es gäbe Hilfe, aber dafür muß er sich halt BEWUßT aufraffen.
Er muß ja nicht alles alleine bewältigen, aber muß bereit sein, sich teilw unterstützen zu lassen - um sich dann in seinem Tempo weiter zu entwickeln..
Ich muß jetzt weg - später mal mehr!
LG
twix
-
07.12.2012, 15:10
AW: Motivationsproblem beeinträchtig mein ganzes Leben
hallo dana,
gaaaaanz wichtig: keine gewalt
ist das die art, wie du mit dir umgehst?
"meine fresserei, schweinehund, faule kuh..."?
na klar ist das ein psychisches problem.
tendiert in richtung depression, finde ich.
ich kann dir jetzt keine zwei-wort-lösung mitgeben. aber sieh mal hin, wie du dich beschimpfst. ausbremst. vorschriften machst.
vielleicht kannst du dir gegenueber ein bisschen gnade walten lassen.
freundlicher zu dir sein.
dir ein wenig hilfe holen, vielleicht erst mal mit jemandem besprechen, ob die ansprüche, die du an dich stellst, wirklich nötig sind. dann weitersehen.
ich hoffe, deine freunde sind netter zu dir als du selbst
Der Charakter eines Menschen läßt sich daran erkennen, wie er mit Leuten umgeht, die nichts für ihn tun können. by courtesy of ravina
-
07.12.2012, 18:16
AW: Motivationsproblem beeinträchtig mein ganzes Leben
Gut möglich. Ich halte es für sehr wahrscheinlich.Kennt das Jemand? Ich überlege oft, ob es ein psychisches Problem ist, ob es von meiner Kindheit/Jugend her rührt, die SEHR chaotisch war, in der ich viele, viele traumatische Erlebnisse verabeiten musste. Ich vermute in manchen Dingen (z.B. beim Abnehmen/soziale Kontakte pflegen) auch eine versteckte Angst. Aber wovor? Und sind das eventuell nicht einfach nur Ausreden von mir um es mir schön zu reden?
Das Wichtigste ist, dass du deine "Verhaltensstörung", so nenn ich es mal, erkannt hast und etwas ändern willst. Aber alleine, wird das echt schwierig, glaub ich.
Ein Therapeut kann dir bestimmt helfen. Ein guter kitzelt die ganz unangenehmen Dinge aus dir raus, ohne sie dir hinzureiben. Du kommst im Grunde von selbst drauf. Einfach wird das sicher nicht, aber man wächst an seinen Herausforderungen.
Versuch es!! Schlimmer wird es nur, wenn du nichts tust.
Alles Gute!
-
07.12.2012, 20:17Inaktiver User
AW: Motivationsproblem beeinträchtig mein ganzes Leben
Hallo Dana,
in einem Vortrag über Pädagogik habe ich mal den Satz gehört: Es gibt keine Faulheit, sondern nur die Angst vor Mißerfolgen.
Das hat großen Eindruck auf mich gemacht.
Kann es sein, dass Du insgeheim so ehrgeizig bist, dass Du Dir kein Scheitern erlauben willst?
Wenn Du erst gar nichts anfängst, dann kannst Du auch nichts falsch machen.
Überprüfe mal diesen Aspekt.
Zu sagen, ich habe keine Kraft hört sich einfach besser an, als zu sagen, ich traue mir nichts zu oder ich bin zu stolz, um zu versagen.
Hast Du den Eindruck, Du müßtest irgendjemandem etwas beweisen?
Besser sein als dieser oder jener?
Die absolute Lustlosigkeit oder Depression kann entstehen, wenn man glaubt, mit jemandem konkurrieren zu müssen, dem man ohnehin nicht das Wasser reichen kann.
Oder stellt sich Dein innerer Schweinehund irgend einen materiellen oder ideellen Wohlstand vor, den Du nie erreichen wirst?
Das sind nur so ein paar Fragen, die mir zu Deinem Problem einfallen.
Leben zu wollen, bedeutet alles zu leben, was es so gibt. Nicht nur den Ponyhof.
-
07.12.2012, 21:13
AW: Motivationsproblem beeinträchtig mein ganzes Leben
Huuuu. Ja wahnsinn! Danke für eure Antworten.
@mushunt: Im Ansatz könnte das schon stimmen. Bei den hausfraulichen Qualitäten versuche ich immer perfekt zu sein. Weil meine Schwiegermutter da perfekt ist. Ich komm aber gar nicht an sie ran, was ich eigentlich auch gar nicht will. Komische Sache! Es ist z.B. so, dass ich putze oder koche und ganz zufrieden damit bin. Relativ bald fange ich aber an meinen Putzplan, den ich nie einhalte, wieder zu überarbeiten und zu perfektionieren, sitze stundenlang da und grüble, was ich ändern muss. Mein Mann erwartet das gar nicht von mir und ich fühle mich auch sehr wohl mit meiner Definition von Sauberkeit, aber im Kopf ist das Haus meiner SchwieMu, denn das ist BLITZEBLANK!
Andererseits habe ich beruflich keine Ängste, da bin ich tatsächlich sehr zielstrebig und mutig. Aber auch organisierter und zuverlässiger. Nicht so antriebslos.
Materieller Wohlstand ist nicht mein Ziel. Mir geht es finanziell gut, aber ich bin nicht reich. Trotzdem hat Geld keinen hohen Stellenwert in meinem Leben. Eher Freiheit/Spontanität (auch der Gedanken). Aber das krieg ich nicht hin. V.a. nicht mit meiner zwanghaften Planerei...
Und zu deinem letzten Satz: Ich habe eben das Gefühl, dass ich Alles lebe, nur NICHT den Ponyhof.
@Schmutzfink: Vielen Dank. Ich denke auch, dass ich ohne Hilfe da nicht mehr raus komme.
@CocoLores: Depression. Hm. Damit kenne ich mich zu wenig aus. Ich bin aber an sich sehr glücklich. Es ist jetzt nicht so, dass ich nur jammere oder unzufrieden bin, nur momentan merke ich eben, dass es überhand nimmt, bzw. mein Leben mittlerweile stark beeinflusst. Aber ich lebe gerne und habe auch keine Stimmungsschwankungen o.ä. ich lebe eben einfach nur so vor mich hin...
@Twix: Danke für den Hinweis. Ich habe außerdem eine liebe Mail zum Thema ADS bei Erwachsenen bekommen. Die Symptome ähneln meinem Verhalten sehr.
-
08.12.2012, 09:58Inaktiver User
AW: Motivationsproblem beeinträchtig mein ganzes Leben
@ Dana: mir erschliesst sich nicht ganz, ob du ein Motivations- oder ein Prokrastinationsproblem hast. Bei letzterem kann ich das Buch "Dinge geregelt kriegen" von Kathrin Passig und Sascha Lobo empfdhlen. Kommt gar nicht im typischen Selbsthilfe- Ratgeber-Stil daher und war zumindest fuer mich recht aufschlussreich... z.B. wurde da auch auf den Aspekt eingegangen, dass nicht jeder zu jeder Tageszeit alles machen kann - da funkt oft die biologische Uhr dazwischen. Wenn du beispielsweise ein Morgenmensch und nach der Arbeit ziemlich platt bist, ist es nicht verwunderlich, dass Einladungen zum Abendessen dich nicht motivieren. Aber vielleicht kannst du dich mit diesen Leuten mal Samstags auf einen Kaffee teffen? Nur so ein Beispiel aus dem Buch.
-
08.12.2012, 17:49
AW: Motivationsproblem beeinträchtig mein ganzes Leben
@Aeryn: Hm, pauschal würd ich sagen, ich bin ein Morgenmensch, da ich ab Mittag nur noch rumhänge. Andererseits ist mein Job, für den ich morgens aufstehe, dem ich auch zuverlässig und motiviert nachgehe ein MUSS-Ding und sowas mache ich zu 100%.
Wenn ich nur aus dieser zwanghaften Lebensweise raus kommen würde. Ich wär so gerne spontaner. Ich würd so gern mehr genießen. Statt dessen blockiere ich mich selbst und mach mir zu viele Gedanken, was Andere denken könnten bzw. habe den Anspruch, wie Andere zu sein. :(
Naja, Selbstmitleid hilft mir da auch nicht weiter.
Vielen Dank jedenfalls nochmal.
-
09.12.2012, 19:45Inaktiver User
AW: Motivationsproblem beeinträchtig mein ganzes Leben
Oder: Teilschritte.
Bsp: Makronen backen.
"Einfache Makronen" eingeben.
Dann speicherst du unter Favoriten.
Wenn du mal in der Küche bist,
und zufällig Lust hast
stellst du dir die paar Zutaten zurecht.
An nem andern Tag (oder ne Fernsehserie später)
hast du spontan 10 Minuten Lust
und Zeit die Dinger zu machen.
Du backst nur ein Blech. Reicht doch!
Soll ja nicht stressen!
Die Dinger sind genauso
köstlich wie bei der Schwiegermutter.
Dürfen total unperfekt aussehen.
Darauf kommts nicht an!
Meine waren giga!!!!Geändert von Inaktiver User (09.12.2012 um 19:49 Uhr)



Zitieren

