Hallo zusammen,
muß mir einfach ein bisschen Luft verschaffen. Wie das Thema schon sagt, habe momentan das Gefühl "mit dem Rücken zur Wand zu stehen".
Habe einfach niemandem, dem ich meine privatesten Probleme anvertrauen könnte und möchte.
Mittlerweile ist auch meine Partnerschaft davon betroffen, es belastet die Beziehung enorm. Habe keine engen Freunde mehr, nur noch oberflächliche Kontakte. Außer Kollegen, und die gehen gar nicht, wüsste ich niemanden, dem ich meine Empfindungen oder Gefühle mitteilen könnte. Meine Schwester, eine meiner innigsten Vertrauten, ist letztes Jahr an Krebs verstorben. Meine Kinder führen ein eigenes Leben, Sorgen ihrer Mutter , belasten die spärlichen Kontakte nur noch mehr.
Und so sitze ich da mit meinem Berg und weiß nicht wo ich den abtragen kann. Ich spiele so viele Rollen, ich bin eine meist liebenswerte Partnerin, eine Mutter, eine ausgeglichene,freundliche Kollegin, eine gute Bekannte mit der man lachen kann, aber.....
Ich suche nach Verständnis in einer schwierigen Situation. Ich habe seit Jahren Probleme mit meinem jüngsten Sohn (22 J.) und meiner Mutter, bei der er wohnt.
Jetzt hat er sich zu allem Überfluß in eine junge Kollegin verliebt, die ich sehr mag, und ich sitze noch mehr zwischen den Stühlen. Er wil jetzt ausziehen, meine Mutter erpreßt ihn emotional. Er kann sich nicht lösen, er glaubt Verantwortung übernehmen zu müssen. Man muß dazu sagen, ich würde mich gerne um meine Mutter kümmern, sie ist 90 Jahre, aber dies läßt sie nicht zu. Ich habe ihr ein paar Vorschläge gemacht wie es laufen könnte. Sie wäre, wenn mein Sohn nicht mehr da wäre, ganz allein im Haus, das geht sicher nicht.
Aber sie läßt sich auch nicht darauf ein, in meine Stadt zu ziehen, geschweige denn, ein betreutes Wohnen wahrzunehmen. Ich kann meine Mutter teilweise verstehen, daß sie nicht ausziehen will, es ist ihr Zuhause, es können sich aber nicht ständig, alle Menschen nach ihr richten.
Mein Sohn wirft mir vor, sich die letzten fünf Jahre um die Oma gekümmert zu haben, daß mag wohl sein,das hat aber niemand von ihm verlangt, und er hat ja auch ein wenig profitiert von dieser Beziehung. Nun fühlt er sich in einer Abhängigkeit und macht mich dafür verantwortlich. Ich habe momentan von allen Seiten, den schwarzen Peter. Es ist wie in dieser Geschichte mit dem Esel. Die kennt ihr bestimmt. Vater, Sohn und Esel. Sitzt der Vater auf dem Esel, schimpfen die Leute, armer Sohn. Sitzt der Sohn auf dem Esel, ist der Vater der Arme. Sitzen beide drauf, ist der Esel der Gelackmeierte. Und gehen beide neben dem Esel, lachen die Leute weil sie so dumm sind.
Na ja, es ist schwierig im Forum alles in einem Post zu sagen, dann fehlt euch Hintergrundwissen und es ist schwierig zu antworten. Aber trotzdem. Ist schon mal gut, daß ich es losgeworden bin.
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 22
Thema: Mit dem Rücken zur Wand
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05.12.2012, 13:57Inaktiver User
Mit dem Rücken zur Wand
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05.12.2012, 18:08
AW: Mit dem Rücken zur Wand
Liebe Zonnebloem,
stehst Du mit dem Rücken zur Wand? Oder hast Du "nur" das Gefühl?
Deine Mutter und Dein Sohn sind erwachsen. Es ist ihre Entscheidung, was sie tun und ob und von wem sie sich Unterstützung holen. Warum ist es Dein Problem, wenn Dein Sohn mit Deiner Kollegin liiert ist? Trenne Berufliches und Privates, was insofern unproblematisch ist, als Dein Sohn nicht bei Dir lebt und Du seine Partnerin nur sporadisch treffen wirst. Auch, inwieweit Dein Sohn sich von Deiner Mutter emotional erpressen lässt, ist seine Sache.
Mit Deiner Mutter ähnlich. Wenn sie keine Hilfe von Dir will, dann wird sie auch keine annehmen. Du kannst beobachten, wie es sich weiter entwickelt und ihr Vorschläge machen (statt Deines Sohnes kann auch ein ambulanter Pflegedienst bestimmte Tätigkeiten übernehmen). Was sie daraus macht, darauf hast Du aber wenig Einfluss.
Das Einzige, was Du machen kannst, ist Dir zu überlegen, wie Du DEIN Leben gestaltest. Dazu gehört auch die Überlegung, wie Du welche Beziehung pflegst. Die Verantwortung für ihre Lebensgestaltung hat aber jeder Deiner Angehörigen selbst. Auch wenn es schmerzen kann, offenen Auges zuzusehen, wie sie sich an der ein oder anderen Stelle unglücklich machen. Aber wer weiß, ob sie dies genauso empfinden?Mache das sichtbar, was ohne dich vielleicht nie gesehen werden würde.
- Robert Bresson -
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05.12.2012, 18:54
AW: Mit dem Rücken zur Wand
Hallo zonnebloem!
Du hast in Deinem Strang Unterschiedliche Einstellung zum Thema Autorität
meiner Meinung nach viele sehr gute Denk- und Handelsanstöße zum Thema bekommen - was machst Du denn damit? Alles ignorieren?
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05.12.2012, 18:56Inaktiver User
AW: Mit dem Rücken zur Wand
Verständnisfrage: hat sich dein Sohn in seine Kollegin verliebt, oder in deine?
Ich hatte es ganz automatisch so verstanden: in eine junge Kollegin (von sich) verliebt... Ist zwar letztendlich nicht so wichtig, könnte aber den Focus weg von deinem Arbeitsplatz nehmen.
Weshalb hat dein Sohn bei deiner Mutter gewohnt und nicht bei dir?
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06.12.2012, 12:23Inaktiver User
AW: Mit dem Rücken zur Wand
Nein, ich ignoriere sie nicht, macht es bei dir sofort "klack" und alles ändert sich? Vielleicht wollte ich ja nur schreiben, wie sich die Situation für mich momentan darstellt, wie ich mich fühle, vielleicht hätte ich einfach nur ein bißchen Mitgefühl gebraucht. Das Wissen ist sicherlich vorhanden, aber wie so oft, liegen Denken und Fühlen weit auseinander.
@ tired-pony
Mein Sohn hat sich in eine Kollegin von mir verliebt. Er wohnt mit meiner Mutter zusammen in unserem Einfamilienhaus, aus dem ich vor ein paar Jahren ausgezogen bin, um in der Stadt zu leben in der ich arbeite. Damals habe ich mit ihm diese Entscheidung getroffen, da er unbedingt die Schule wechseln wollte. Ich fand daraufhin einen Schulplatz, kurz nach dem Umzug eröffnete er mir, er würde gerne zurück in die Heimatstadt gehen. Er war achtzehn, trotz einiger Diskussionen war er nicht zu bewegen zu bleiben. Gut er hat dann ziemlich viel Scheiße gebaut, mehrmals Schulen abgebrochen, hat aber jetzt einen festen Job. Meine Mutter hat es immer verstanden, jemanden an sich zu binden und sei es mit Geld, auf das ein junger Mensch, nach der Trennung seiner Eltern auch etwas angewiesen ist.
Was mich halt an dieser Sache schmerzt, jenseits aller Einsicht, ist die Tatsache, ständig die "Arschkarte" zu haben. Für meine Freund bin ich zu lasch mit meinem Sohn, für Bekannte kümmere ich mich nicht genug um Sohn und Mutter, für meinen Sohn sowieso, weil er nicht ausziehen kann, weil die Versorgung für die Großmutter nicht gewährleistet ist.
Auch bei einer noch so klaren Überzeugung richtig zu handeln, bleibt immer ein nagender Zweifel. So, mag sein, daß der eine oder andere dies wieder zum Anlaß nimmt verbal zurückzuschießen, aber vielleicht gibt es ja doch welche, die das ein bißchen nachvollziehen können.
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06.12.2012, 12:38Inaktiver User
AW: Mit dem Rücken zur Wand
Mitleid bekommt man ja bekanntlich geschenkt...
Nützt dir doch aber gar nichts.
du ziehst dir im Moment jeden Schuh an....
Dein Sohn ist alt genug, er kann ausziehen wenn er es sich leisten kann - nicht dein Problem.
Deine Mutter will nicht ins Heim und keine Betreuung? Auch da gibts Anlaufstellen die dir helfen...
Nur jammern ist einfach - laß dich nicht von jedem rumschubsen und steh dazu was du machst.
Dein Freund findet du bist zu lasch mit deinem Sohn - nicht sein Problem - sag ihm das!
Um aus dieser Ecke zu kommen mußt du doch schon bewegen - nicht nur reagieren auch agieren!!!
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06.12.2012, 12:49Inaktiver User
AW: Mit dem Rücken zur Wand
Es gibt ja bekanntlich einen Unterschied zwischen Mitleid und Mitgefühl, und ja, du hast schon recht, is einfach ein bißchen viel. Frage: Anlaufstellen? Sie weigert sichja schon einen Pflegedienst in Anspruch zu nehmen.
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06.12.2012, 13:03
AW: Mit dem Rücken zur Wand
zonnebloem, insbesondere Woltera, auf deren Beitrag Du im anderen Strang so heftig reagiert hast, schrieb Dir ein gleichzeitig einfühlsames und "aktivierendes" Post.
Du kannst in diesem und in weiteren Strängen sicher Schreiberinnen finden, die Mitleid oder Mitgefühl für Dich empfinden. Aber wirklich helfen kannst nur Du Dir selbst. So lange Du nicht verstehst, dass Du für Dein Wohlergehen selbst verantwortlich bist, wirst Du Dich weiterhin schlecht fühlen.
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06.12.2012, 13:10Inaktiver User
AW: Mit dem Rücken zur Wand
Ich wollte dich an dieser Stelle nur mal zitieren, weil ich klug und sachlich fand wie du geschrieben hast. Ich glaub eigentlich zu wissen, daß ich für jeden meiner Angehörigen versucht habe, dazu sein. Das Ergebnis ist aber, das meine Lösungen, nicht ihre sind. Das ist verständlich und nachvollziehbar. Aber ich tue mich trotzdem schwer, mit dieser Vorwurfshaltung meines Sohnes bzw. auch meiner Mutter umzugehen. Ich habe schon viel hier im Forum gelesen, und so selten ist das nicht, man weiß es, das es die einzige,mögliche Handlung ist, aber fühlt man sich auch gut damit?
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06.12.2012, 13:20Inaktiver User
AW: Mit dem Rücken zur Wand
Na ja, Massashi, du siehst, da ist bei mir wohl was anderes angekommen, als bei dir. Ich finde Kommunikation, noch dazu relativ unpersönliche hat recht unterschiedliche Aspekte. Ich fand z.B. nicht, daß ich heftig reagiert habe, und gleichzeitig fand ich Wolteras Post nicht unbedingt einfühlsam. Aber gut, um das geht es ja wohl nicht. Ich denke, was du sagen willst habe ich schon verstanden. Vielleicht fühle ich mich einfach schlecht, weil ich, wie ich geschrieben habe, mich ziemlich alleine fühle, mit meinem Problem, und natürlich, suchst du nicht auch bei Freunden erst einmal Wohlwollen und Zuneigung. Jeder noch so gut gemeinte Rat, jede Kritik, vielleicht hast du das auch schon mal gespürt, ist in Krisensituationen eher kontraproduktiv. Nicht falsch verstehen, ich brauche definitiv kein Mitleid. Ich glaube, es reicht auch, es mir von der Seele zu schreiben, und ja, danke für eure Ratschläge, das ist in Ordnung.


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