Ich denke, man kann lernen, gewisse Ausprägungen der eigenen Persönlichkeit abzumildern.
Das kostet Mühe, ja.
Aber lernen, ein anderes, der eigenen Ausprägung gar entgegengesetzes Wesensmerkmal dauerhaft anzunehmen - das kann ich mir schwer vorstellen, dass man das so einfach lernen kann. Und ich frage mich auch, warum das sein sollte?
Der Extrovertierte ist o.k., der Introvertierte auch.
Erst, wenn man sich nicht mehr wohl fühlt mit sich, wird man sich ändern - und kann es dann wohl auch.
Hast du das tatsächlich schon mal so zu hören bekommen?Darum ärgere ich mich oft über den Ausspruch: "Dir fällt das doch leichter, dann mach`mal." Oder: "Dazu habe ich keine Kraft, ich bin zu sensibel oder introvertiert oder was auch immer. Aber Du kannst es ja."
Fühlst du dich dann ausgenutzt, oder warum ärgerst du dich sonst?
Für mich ist das Kriterium: überwinde ich mich, strenge ich mich an, setze ich meine Energie ein - um etwas zu machen, was ich will? Oder weil jemand anders etwas von mir will?Wenn mir so etwas begegnet, dann bin ich immer völlig irritiert.
Was glauben denn solche Leute von sich und vor allem von mir?
Ist Anstrengung von Natur gegeben? Oder hat das mit eigenem Willen zu tun?
Ich finde das Thema sehr interessant und versuche hier verzweifelt einen Faden zu finden.
Wenn es nicht nach meiner Natur ist, z.b. 8-10 Stunden fröhlich und mit Genuss auf einem Volksfest zu verbringen, was hat denn ein anderer davon, wenn er mich dazu überreden will? Das wäre jetzt meine Frage retour....
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02.12.2012, 15:20Inaktiver User
AW: Introvertiert ... und unglücklich
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02.12.2012, 15:29Inaktiver User
AW: Introvertiert ... und unglücklich
Ich kann mir da nichts konkretes vorstellen.
Was für Herausforderungen meinst du denn?
Hast du ein Beispiel?
Genau.Und wenn es nicht die introvertierte Persönlichkeit wäre, die sie daran hindert, dann wären sie eben zu groß, zu klein, zu dick, zu dünn, zu müde... es findet sich schon was!
Wie sich auch immer jemand findet, der besser weiß, was in jemand vorgeht, als der Betroffene selbst.
Das ist eine echte Gabe!
Ja ... und?Ich bin ja selbst nicht scharf auf soziale Kontakte, im Mittelpunkt stehen etc. aber wenn ich etwas wirklich will, dann überwinde ich mich und komme auch mit Situationen klar, in die ich mit meiner Persönlichkeit vielleicht etwas langsamer hineinwachse, als andere Menschen!
Wenn für dich alles o.k. ist - wo ist dann das Problem?
Für mich liest sich das so, als würdest du dich ein bisschen darüber ärgern, wenn jemand diese Engergie nicht aufbgrinen kann oder will, wie du es tust.
Oder hattest du es anders gemeint?
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02.12.2012, 16:08
AW: Introvertiert ... und unglücklich
@ mondmaid: Mein Posting war längst nicht so vorwurfsvoll gemeint, wie du es offenbar auffasst...
Ich wollte nur auf Mushunt's Frage antworten, ob das was mit "Willen" zu tun hat und ich denke, ja zum Teil schon!
Beispiele: Referate an der Uni, Vorstellungsgespräche, 1. Tag im neuen Job, eine ungemütliche Bahnfahrt zu einem wichtigen Termin, ein Umzug etc. Alles Dinge, die mir und offenbar auch anderen Introvertieren oft schwer fallen.
Dann steht man aber vor der Frage: Stelle ich mich der Situation, weil sie Voraussetzung für etwas ist, was ich mir wünsche, was mich im Leben weiterbringt, oder wälze ich die Aufgabe auf jemanden ab, der weniger schüchtern, ängstlich, verklemmt oder was auch immer ist und sich daher offenbar besser für die Sache eignet, bringe mich aber dadurch vielleicht selbst um eine wichtige Erfahrung?
Das hat nix damit zu tun, dass ich mich irgendwer oder irgendwas böse macht... finde es nur schade, wenn Menschen Chancen nicht wahrnehmen, weil sie sich einer Herausforderung nicht gewachsen fühlen! Ich mag aber niemandem vorschreiben, wie es sich zu verhalten hat, nur mal sagen, wie ich es sehe!Du bist ein lebender Mensch, eine Frau, und kannst irren und zweifeln und gut sein. (Erich Fried)
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02.12.2012, 16:56Inaktiver User
AW: Introvertiert ... und unglücklich
Diese Dinge kann man doch aber kaum auf andere "abwälzen"?
Es gibt sicherlich Menschen, die vorwiegend über oder durch andere Menschen ans Ziel kommen (und manche anderen Menschen machen da sogar gerne mit - ich glaube, das nennt man dann Co-Abhängigkeit). Aber das ist doch keine Spezialität der Introvertierten, von daher kommt deine Aussage hier etwas mißverständlich rüber.
Dass introvertierte Menschen gewisse Chancen nicht wahrnehmen kann ich mir vorstellen. Wobei das sicherlich oft auch etwas damit zu tun hat, dass sich bedingt durch frühere Erfahrungen schon das Gefühl eingeschlichen hat, man sei dem nicht gewachsen.
Und nicht jeder Mensch sieht die gleichen Dinge als Chancen oder positive Erfahrungen.
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02.12.2012, 17:02Inaktiver User
AW: Introvertiert ... und unglücklich
Darüber hab ich mich in letzter Zeit auch oft unterhalten.
Weißt du, meiner Meinung ist man in bestehenden Beziehung immer in einer Rolle.
Die hat man dir verpasst, so sollst du sein.
Weil es den Anderen so passt vielleicht.
Leider gibt es da nach meiner Erfahrung wenig Spielraum für Veränderungen.
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02.12.2012, 17:25Inaktiver User
AW: Introvertiert ... und unglücklich
[QUOTE=Inaktiver User;19675211]
Hast du das tatsächlich schon mal so zu hören bekommen?
Fühlst du dich dann ausgenutzt, oder warum ärgerst du dich sonst?
Für mich ist das Kriterium: überwinde ich mich, strenge ich mich an, setze ich meine Energie ein - um etwas zu machen, was ich will? Oder weil jemand anders etwas von mir will?
QUOTE]
Das höre ich ständig. Angeblich ist es mein Naturell, dass ich (fast) alles schaffe, was ich mir vornehme, dass ich die Dinge in die Hand nehme, dass ich was sage, wenn die anderen sich nicht trauen usw.. Als ob es mich nicht auch anstrengen würde.
Ich müsste es nicht machen, dann würde ich mir aber selbst schaden, oder der Firma oder den Kindern oder wem auch immer. Die Anstrengung lohnt, aber trotzdem ist es eine Anstrengung.
Ich setzte meine Energie ständig ein, weil ein anderer etwas von mir will. Der Chef, die Behörden, die kranke Mutter, die depressive Freundin, der Hund ....,
ich lebe doch nicht allein auf dieser Welt. Es fällt mir mal leichter, mal schwerer.
Genau.
Eine Rolle gibt man sich immer selbst, die anderen richten sich nur danach. Ohne Rolle geht es nicht, sonst wäre man zu sehr verletzlich.
Nicht alle Mitmenschen sind immer freundlich gesinnt.
Nur muß die Rolle zu einem passen, das ist klar. Eine Rolle kann man sehr gut verändern, weil es eben eine Rolle ist. Auch eine Art Selbstschutz.
Sein wirkliches inneres Ich zu kennen, ist schon eine Kunst, ich glaube, das können die wenigsten. Nicht umsonst boomt das Psychologengeschäft.
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02.12.2012, 18:34Inaktiver User
AW: Introvertiert ... und unglücklich
Ja, sorry - ich hab wohl auch etwas überreagiert.
Ich habs auch nicht unbedingt als Vorwurf verstanden, sondern als Zuschreibung: als ginge es nur darum, anders sein zu wollen. Und das ist eben nicht der Punkt, finde ich.
Ich hab das nämlich schon so erlebt, diese Sprüche: sei doch mal locker, sei doch nicht so, sei doch anders..... ich reagiere da wohl inzwischen echt allergisch.
Ich KANN nämlich locker sein.
Ich bin eine gute Zuhörerin und erzähle auch gerne was von mir - wenn man sich auf mein Tempo einlässt.
Ich kann das nur nicht auf Befehl und inzwischen auch nicht mehr, weil andere davon einen Vorteil haben und ich eben nicht. Z.B. diese unsäglichen Pärchenabende..... er hat sich super mit seinem Kumpel unterhalten (der Kontakt bestand meistens ursprünglich über seine "Männerschiene") und ich sollte mit der Frau das Damenprogramm machen. Ich habs dann irgendwann verweigert, das waren alles Menschen, die ich mir weder aussuchen konnte, noch mit denen ich trotz Bemühungen meinerseits warm wurde oder ein gemeinsames Thema aufkam.
Ach, das klingt schon wieder so misanthropisch, ich weiss. Manchmal war es auch einfach nur zu oft, zu viel.
Sind das nicht Sachen, die allen Menschen Anstrengung abverlangen?Beispiele: Referate an der Uni, Vorstellungsgespräche, 1. Tag im neuen Job, eine ungemütliche Bahnfahrt zu einem wichtigen Termin, ein Umzug etc. Alles Dinge, die mir und offenbar auch anderen Introvertieren oft schwer fallen.
Hm... das meiste von deinen Beispielen wird sich doch gar nicht abwälzen lassen. Ich stimme da emdi zu: das hat mit Introvertiertheit für mich auch nix zu tun, wenn man kneift.Dann steht man aber vor der Frage: Stelle ich mich der Situation, weil sie Voraussetzung für etwas ist, was ich mir wünsche, was mich im Leben weiterbringt, oder wälze ich die Aufgabe auf jemanden ab, der weniger schüchtern, ängstlich, verklemmt oder was auch immer ist und sich daher offenbar besser für die Sache eignet, bringe mich aber dadurch vielleicht selbst um eine wichtige Erfahrung?
DAs Problem scheint mir eher, dass Introvertierte an Stellen kneifen, wo andere Genuss haben: ellenlange Partys, Open-Ar-Konzerte etc. Oder Geschäftstermine mit Abendprogramm (hat hier auch jemand schön beschrieben). Das sind alles Dinge, die vermeidbar sein dürfen, finde ich. Wo ich aber immer wieder erlebt habe: och, bleib doch noch, du kannst doch nicht jetzt schon gehen, etc. pp.
Ich spreche jetzt mal nur für mich: ich habe alle diese Herausforderungen jahrelang angenommen. Immer wieder.Das hat nix damit zu tun, dass ich mich irgendwer oder irgendwas böse macht... finde es nur schade, wenn Menschen Chancen nicht wahrnehmen, weil sie sich einer Herausforderung nicht gewachsen fühlen! Ich mag aber niemandem vorschreiben, wie es sich zu verhalten hat, nur mal sagen, wie ich es sehe!
Und jetzt - mit 47 Jahren - bestimme ich selbst, eben weil ich die Erfahrung gemacht habe, wo es mich weiter bringen kann, und wo es nur ums "durchstehen" einer Zeitspanne geht, ohne Gewinn für mich. Ich bin nicht mehr bereit mich unwohl zu fühlen, nur damit die anderen sich wohl fühlen.
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02.12.2012, 18:39Inaktiver User
AW: Introvertiert ... und unglücklich
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02.12.2012, 18:45Inaktiver User
AW: Introvertiert ... und unglücklich
Das meine ich auch nicht. Ich bin auch berufstätig und in einer Position, wo ich viel mit anderen kommunizieren muss. Das macht mir aber nicht so viel aus, weil ich inzwischen nur noch selten reisen muss (Geschäftsreisen find ich übel, da muss ich mich jedes mal überwinden) und die kommunikation einerseits direkt mit einem kleinen Team besteht, auf das ich mich einstellen kann - und andererseits habe ich Kontakt mit der ganzen Welt, aber überwiegend schriftlich. Das ist o.k. für mich, so fühle ich mich wohl.
Das macht doch (hoffentlich) jeder, dass er versucht, sich seinen Job so auszusuchen bzw. einzurichten, dass er Leistung bringen kann, ohne dass einen schon die Grundkonstellation viel Energie kostet. Denn einsetzen muß ich mich auch, ich arbeite zur Zeit sehr viel und strenge mich dabei auch an.
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02.12.2012, 18:50Inaktiver User
AW: Introvertiert ... und unglücklich
[QUOTE=mondmaid;19677131)
Ich spreche jetzt mal nur für mich: ich habe alle diese Herausforderungen jahrelang angenommen. Immer wieder.
Und jetzt - mit 47 Jahren - bestimme ich selbst, eben weil ich die Erfahrung gemacht habe, wo es mich weiter bringen kann, und wo es nur ums "durchstehen" einer Zeitspanne geht, ohne Gewinn für mich. Ich bin nicht mehr bereit mich unwohl zu fühlen, nur damit die anderen sich wohl fühlen.[/QUOTE]
Das ist ganz wichtig, finde ich. Ist so wie mir aus der Seele gesprochen. Wenn man zu stark eingeengt wird, selbst keinen Entscheidungsfreiraum hat so wie man ihn braucht, dann ist es besser zu gehen und einen anderen Ort zu suchen, an dem man seine Talente und Gaben einsetzen kann.Geändert von Inaktiver User (02.12.2012 um 18:53 Uhr)



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