Ich hab auch mal im Vertrieb gearbeitet, 5 Jahre lang in leitender Position. War nicht meins, ich hab mir dann was anderes gesucht.
Bei mir waren es andere Aspekte wie bei dir: Aussendienst, mangelnde Unterstützung durch die Geschäftsführung und last, but not least: ich war vom Produkt nicht überzeugt.
Ich fand deinen Beitrag sehr interessant, denn genau dein Problem hatte ich gerade nicht. Obwohl ich deine Schilderung sehr gut nachvollziehen kann.
Den von dir beschriebene Typus "Vertriebler" - den kenne ich auch. Zumindest in der Aussenwirkung. Ich kann aber nichts darüber sagen, wie diese Menschen privat sind. Vieles erscheint mir da aufgesetzt, eine Rolle, die gespielt wird.
Ich will damit sagen: es ist möglich, im Vertrieb sein Ding zu machen, auch als eher introvertierter Mensch.
Meine Abschlußleistung war immer sehr gut, weil ich meine Zeit mit den Kunden in intensive Gespräche investiert habe und ihnen dadurch passgenaue Angebote machen konnte.
Kollegen respektieren einen, wenn man entweder ist wie sie (das hast du schon erkannt) oder wenn man überzeugend sein eigenes Ding macht (das wäre noch ein Schritt für dich). Mit überzeugend meine ich vor allem: von sich selbst überzeugt sein. Dann werden dich auch Neckereien oder ähnliches weniger ankratzen.
Mach dein eigenes Ding - und lass die anderen ihres machen.
Der zweite Punkt: mir war und ist es nicht wichtig, im Job beliebt zu sein. Ich wollte respektiert werden, Beliebtheit kommt dazu oder eben auch nicht. Sie für erstrebenswert zu halten oder gar herbeiführen zu wollen halte ich für eine Falle.
Weil man in das Fahrwasser kommen kann, Dinge zu tun, von denen man selbst nicht überzeugt ist, nur um von einer Gruppe akzeptiert zu sein.
Ich hab mich konsequent, so gut wie möglich, aus Machtspielchen rausgehalten, so wohl aktiv als auch passiv.
Manchmal ging das nicht - wenn ich mal selber betroffen war - aber ich hab meine Linie gefahren.
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16.12.2012, 17:57Inaktiver User
AW: Introvertiert ... und unglücklich
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16.12.2012, 18:57Inaktiver User
AW: Introvertiert ... und unglücklich
alles was du geschrieben hast, sehe ich genau wie du. Nur eben kann ich nicht bestätigen, dass es einen weniger ankratzt, wenn man geneckt oder kritisiert wird, obwohl man von sich selbst und dem was man tut überzeugt ist. Denn wenn man sich auf seine Arbeit einläßt und mit aller Energie, dem eigenen Wissen und Können dabei ist, kostet das auch viel Kraft. Sogar dann , wenn man davon begeistert ist wie es läuft, was geschafft wird und sich darüber freut, wenn man schlicht gesagt, mit Herzblut dabei ist. In dem Moment wo andere, die nicht gesehen haben, welcher Einsatz nötig war, wieviel Mühe sich alle am Prozeß einer Entwicklung gegeben haben, von außen draufschauen und quasi nur eine Oberfläche bewerten, weil sie den persönlichen Geschmack nicht trifft oder anderen oberflächlichen Ansprüchen nicht gerecht wird, tut es weh und wirkt kräftezehrend. Denn dann fragt man sich nach dem Sinn des Aufwands, wenn nicht gesehen wird, was an Arbeit drin steckt und was von den am Prozeß beteiligten Personen an Leistung, an Fähigkeit, an gutem Willen und dem Einsatz der vorhandenen Möglichkeiten gegeben und hineingelegt wurde. Wieviel es vielleicht für die Einzelnen gekostet hat, sich mitzuteilen und sich einzubringen damit etwas gelingt.
Okay, mach dein Ding wird sicher nicht überall und immer möglich sein und ist evtl auch gar nicht gut. Zusammenarbeit ist schon effektiver und sinnvoller. Es ist nur die Frage, ob es machbar ist oder ob die Arbeit so angelegt ist, dass sich eine Zusammenarbeit schwierig wegen ihrer Aufgabe gestaltet.Geändert von Inaktiver User (16.12.2012 um 19:00 Uhr)
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16.12.2012, 22:00Inaktiver User
AW: Introvertiert ... und unglücklich
Johannaclara,
ja, das ist natürlich blöd - ein positives Feedback ist natürlich gut und wichtig, und wer immer nur geneckt oder kritisiert wird, geht irgendwann auf dem Zahfleisch....
Steckst du soviel Energie in den Job? Soviel Herzblut? Das ist vermutlich auch so ein Faktor, der einen in Gefaht bringt, sich zu verausgaben. Dann wird man anfälliger für negativen Stress, glaub ich.
Ich will das jetzt auch nicht kritisieren, nur aufzeigen.
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16.12.2012, 23:05Inaktiver User
AW: Introvertiert ... und unglücklich
Eure Sichtweisen gefallen mir gerade sehr gut und setzen auch wieder einiges in Gang in meinem Oberstübchen. Noch kann ich nichts neues beitragen, auser dass beide Seiten durchaus verständlich sind.
Danke für den anregenden Austausch !!!
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25.12.2012, 18:40
AW: Introvertiert ... und unglücklich
Ich habe den Thread heute entdeckt und bin über diesen Satz gestolpert:
Mit diesem Thema beschäftige ich mich schon länger, da ich auch die bin, die nicht gleich in eine Runde/Gruppe aufgenommen wird. Die auch nicht gefragt wird, ob sie sich einer Gruppe anschließen möchte und zum Beispiel mit ins Kino kommt oder zum Fußball schauen. Die einfach immer irgendwie übersehen/vergessen wird
Und ich weiß nicht an was es liegt..
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25.12.2012, 18:47Inaktiver User
AW: Introvertiert ... und unglücklich
Alina,
weil du das jetzt hier in diesem Strang geschrieben habe, frage ich: würdest du denn gerne gefragt werden, dabei sein wollen?
Ich meine: geht es dir mehr um das Gefühl, anerkannt, angenommen und Teil einer Gruppe zu sein, oder würden dir die gemeinsamen Aktivitäten mit bestimmten Leuten Spaß machen?
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25.12.2012, 19:38
AW: Introvertiert ... und unglücklich
ich glaube, es ist eine Mischung aus beidem, wobei das Gefühl annerkannt, angenommen und Teil einer Gruppe zu sein schon überwiegt..
Selbstverständlich tut es weh, wenn eine Freundin weiß, das man zuhause alleine sitzt und nicht gefragt wird, ob man sich einer Gruppe zum Fußball schauen anschließen möchte.
Auch weil es sich so oder so ähnlich ständig wiederholt. Ich werde meistens irgendwie vergessen. Wobei ich jetzt nicht jammern möchte, sondern verstehen an was es liegt, damit ich mich entweder ändern kann oder mich besser verstehen kann.
Hier in diesem Strang, haben ja viele ähnliches berichtet, zumindest habe ich es so herausgelesen.
Ich habe auch beobachtet, dass viele sich einfach besser darstellen können und es so natürlich einfacher haben, das aus einem kennenlernen ein bleibender Kontakt entsteht. Da die anderen Leute auf diese Personen eher wieder zukommen.
Bei mir erkennt man, vielleicht auch wie bei vielen Mitschreiberinnen in diesem Strang, erst auf dem zweiten und/oder dritten Blick, wie ich so ticke und wie ich so bin. Trotzdem schaffe ich es nicht mich besser darzustellen und eigentlich möchte ich es nicht, weil das mir irgendwie viel zu anstrengend wäre.
Dieses Widersprüchliche ist glaub gerade mein Problem. Könnt ihr das nachvollziehen?Geändert von Alina80 (26.12.2012 um 21:20 Uhr)
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27.12.2012, 07:52Inaktiver User
AW: Introvertiert ... und unglücklich
Ja, das kann ich sehr gut nachvollziehen.

Diese Ambivalenz - einerseits, dabei sein wollen - andererseits die Sorge, es könnte alles zuviel werden - macht es schwierig,nicht gerade einfach, einen Weg zu finden und Energien sinnvoll einzusetzen.
Mir fällt eines ein: du hast deine Lage ganz gut analysiert, wie mir scheint. Du siehst, dass es für andere schwierig ist, dich zu erkennen. Kannst du das einfach mal so stehen lassen und "kleine" Lösungen versuchen?
Z.B. dir sagen: o.k., so wie ich bin, bin ich bei den anderen nicht so präsent - ich kann mich aber einbringen und fragen, ob mal was geplant ist. Also: nicht warten, bis dich jemand auffordert, sondern fragen: steht was an? Ich hätte Lust, was zu unternehmen (natürlich nur, wenn dir danach ist).
Damit hast du die Chance, dabei zu sein - aber gleichzeitig die Kontrolle, wann und wo du dabei bist.
Und du musst dich nicht komplett verändern in Richtung Selbstdarstellung.
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28.12.2012, 08:13
AW: Introvertiert ... und unglücklich
Klar könnte und kann ich nachfragen. Teilweise mache ich dies auch, aber immer möchte ich es auch nicht. Mir kommt es dann oft vor, dass ich mich aufdränge...
Auf der anderen Seite bin ich auch alleine, kann gut mit mir alleine sein. Ausserdem treffe ich mich auch gerne nur mit 1 oder 2 Personen und mag lieber ruhigere Locations.
Zu einem Kumpel habe ich mal aus Spass gesagt, dass ich nicht Massenkompatibel bin.
Momentan finde ich mich selbst kompliziert. So wie ich gerne vielleicht wäre und ich tatsächlich bin liegt auseinander. Ich muss hier versuchen einen gesunden Mittelweg zu finden und/oder mich einfach so zu akzeptieren wie ich bin....
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03.01.2013, 11:41
AW: Introvertiert ... und unglücklich
Ich will hier weder Extrovertierte abwerten noch Introvertierte in den Himmel loben. Beide Temperamente haben ihre Berechtigung. Das wird leider nicht immer so gesehen, Introvertierte gelten öfters als defizitär.
Malina hat es schon sehr gut beschrieben:Auch im Berufsleben gilt der zupackende, immer freundliche Extrovertierte oft als kompetenter als der nachdenklichere und ohne Ablenkung konzentriert arbeitende Introvertierte, der dann eben nicht immer für andere zugänglich ist bzw. sein will.
Deshalb habe ich es für nötig gehalten, der allgemein spürbaren Abwertung für Introvertierte etwas entgegen zu setzen.
Natürlich gibt es auch angenehme Extrovertierte, die warmherzig sind und nicht nur ständig ihre Umgebung mit ihrer Selbstdarstellung nerven, und es gibt unangenehme, muffelige Introvertierte, denen man alles, aber auch alles aus der Nase ziehen muss.
Ich habe zwar einige extrovertierte Seiten, bin aber im Grunde introvertiert:
Ich kann zwar in manchen Situationen gut auf Leute zugehen und sie für etwas gewinnen, habe allerdings Probleme damit, wenn es darum geht, sie für mich gewinnen zu wollen. Mit Flirten tue ich mich sehr schwer. Ich kann laut und öffentlich reden, und es macht mir nichts aus, von der Mehrheitsmeinung abzuweichen. Ich habe kein Problem mit auffälligen Outfits an meiner Person, so lange ich mich darin wohlfühle.
Aber ich kann sehr gut mit mir allein sein und brauche andere Menschen nicht unbedingt als geistige Anregung oder als Lieferanten von Bestätigung. Ich weiß selbst, wenn ich gut bin. Ich brauche Zeit, um meine Eindrücke verarbeiten zu können. Den ganzen Tag mit vielen Menschen reden zu müssen, ihnen zuhören zu müssen und darauf zu achten, dass ich mich immer angemessen verhalte, stresst mich sehr. Ich kann lange Zeit über konzentriert arbeiten, ohne nach Abwechslung suchen zu wollen. Unterbrechungen nerven mich dann.Geändert von Latona (03.01.2013 um 12:03 Uhr)
Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!



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), aber die Frage "warum gehst Du denn schon?" muss man sich als Introvertierter schon oft anhören. Und leider gibt es keine wirklich sozial verträgliche ehrliche Antwort darauf, also redet man sich mit Müdigkeit o.ä. heraus, fühlt sich aber immer in so einem Rechtfertigungsmodus. Ich würnschte mir manchmal, jemand würde mal zu mir sagen, toll, dass Du so lange geblieben bist!
