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  1. Inaktiver User

    Die Angelegenheiten der anderen …

    "Wo sind sie denn nur alle?"

    In meinen abonnierten BriCom-Strängen tut sich gar nichts.
    "Sind sie auf dem Weihnachtsmarkt, kaufen sie Geschenke ein? Vielleicht im Fitnessstudio?" Dabei hätte ich mich doch so gerne ausgetauscht.
    Muss ich (etwa ) wieder selbst aktiv werden und einen neuen Strang ins Leben rufen?

    Anlass: Die Lust, sich mit den Angelegenheiten der anderen zu beschäftigen.

    Ich könnte auch sagen:
    Warum schreiben wir hier?
    Warum meinen wir, etwas Wichtiges zu den Sorgen anderer Menschen sagen zu können?
    Täte eine kleine Portion Demut mir und dem anderen letzten Endes nicht vielleicht auch gut?
    Warum kümmern wir uns nicht lieber um unsere eigenen Sachen?

    Anstoß für diese Fragen war ein Satz, den ich morgens im Radio hörte:

    Erlöse mich von der großen Leidenschaft,
    die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen.


    Er stammt aus einem Gebet. Stellt euch vor, dieses Gebet wurde vor fast 500 Jahren niedergeschrieben und ist so aktuell, dass man nur staunen kann!
    Hier ist es in voller Länge:


    GEBET DES ÄLTER WERDENDEN MENSCHEN

    Oh Herr, Du weißt besser als ich, dass ich von Tag
    zu Tag älter und eines Tages alt sein werde.

    Bewahre mich vor der Einbildung,
    bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema
    etwas sagen zu müssen.

    Erlöse mich von der großen Leidenschaft,
    die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen.

    Lehre mich, nachdenklich (aber nicht grüblerisch),
    hilfreich (aber nicht diktatorisch) zu sein.

    Bewahre mich vor der Aufzählung endloser
    Einzelheiten und verleihe mir Schwingen,
    zur Pointe zu gelangen.

    Lehre mich schweigen über meine Krankheiten
    Und Beschwerden. Sie nehmen zu,
    und die Lust, sie zu
    beschreiben, wächst von Jahr zu Jahr.

    Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen,
    mir die Krankheitsschilderungen anderer
    mit Freude anzuhören, aber lehre mich,
    sie geduldig zu ertragen.

    Lehre mich die wunderbare Weisheit,
    dass ich mich irren kann.
    Erhalte mich so liebenswert wie möglich.

    Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete
    Talente zu entdecken, und verleihe mir o Herr,
    die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen.

    Teresa von Avila (1515 – 1582)

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    AW: Die Angelegenheiten der anderen …

    Ein schönes Gebet .

    Ich glaube, dass es verschiedene Beweggründe geben kann:

    - man ist alleine und hat selten jemanden zum Reden
    - Freude am Argumentieren und Diskutieren
    - übersteigertes Sendungsbewusstsein
    - Hilfsbereitschaft
    - Interesse am Thema - generell oder weil man sich gerade selber damit beschäftigt, bzw. schon mal Ähnliches erlebt hat
    Man wandelt nur das, was man annimmt.

    C.G. Jung


    Nein ist ein ganzer Satz.


    Keine Ahnung von wem

  3. User Info Menu

    AW: Die Angelegenheiten der anderen …

    Das Gedicht hängt seit etwa vier Jahren auf der Merktafel in der Küche,da geh ich täglich oft vorbei und immer wieder muß ich grinsen weil es mir aufzeigt wie viel wir Menschen doch bei aller Unterschiedlichkeit gemeinsam haben.Ausserdem finde ich es wirklich sehr sehr positiv meinend,es wirkt trotz des ernsten Themas doch nicht schwer wie Blei,ich liebe es!
    Für mich ist Austausch sehr wichtig weil man sehr viele Dinge aus vielen Richtungen sehen sollte und das kann man als Einzelkämpfer nicht immer.Und wie heisst es so schön,wir sind alleine auf der Welt-auch wenn wir nicht wirklich alleine sind.Wenn ich mich mit Themen beschäftige dann tauche ich in die Materie ein und lerne auch über mich viel und kann vielleicht mal umsetzen was ich gelernt habe oder was mir gefiel.
    Umgekehrt erlebe ich auch Abneigungen gegen Meinungen und auch da kann ich reflektieren warum und was mich stört.Das geht wesentlich einfacher und ich habe die Zeit um abzuwägen -geht im realen Leben auch nicht immer,da fehlt oft die Zeit etc.

  4. Inaktiver User

    AW: Die Angelegenheiten der anderen …

    Mir geht es auch so wie heidpoffel. Außerdem entlastet es mich, wenn ich meine Ansichten und Meinungen hier schreiben kann. einerseits geht es um das Aufschreiben, andererseit aber auch, weil ich weiß, hier sind andere, die darauf reagieren, die dazu etwas sagen können und möchten. Und ich kann ebenfalls das, was mir widerfahren ist, meine Erfahrungen, mein Wissen, meine Gedanken und Gefühle zu den Themen der anderen äußern. Das ist besser als das Tagebuchschreiben; denn da bleibt man ja allein mit seinen Gedanken. Man dreht sich möglicherweise im Kreis aus dem man schlecht herauskommt, weil ein Austausch fehlt, den man hier sehr gut haben kann. Für mich ist es auch so, dass ich beruflich viel mit Menschen zu tun habe und darum am Wochenende oder eben nach Dienstschluß nicht mehr gern viele Menschen um mich habe, sondern mich lieber mal zurückziehe, aber dennoch die Auseinandersetzung brauche. Ja - und darum, in dieser Situation: gibt es etwas schöneres als die Bricom? Hier kann man in aller Ruhe nachdenken, schreiben, diskutieren, wann und in welcher Aufmachung auch immer. Egal ob im Schlafanzug mit ungeputzten Zähnen oder adrett im Nachmittagskleid mit Schminke, parfümiert und gestylt, es sieht ja keiner.
    Was mir noch so gefällt: man bleibt nicht außen vor, die Themen sind interessant, aktuell, über die spricht man gerade überall. Es ist ja nicht Klatsch und Tratsch sondern Themen, die vieldiskutiert werden, die die Leute berühren und beschäftigen. Also gar nicht unbedingt die Angelegenheiten der anderen, sondern auch die eigenen. Es hat jedenfalls häufig etwas mit einem selbst zu tun, welche Rubriken man sich herausgreift, zu welchen Themen man Stellung bezieht, worüber man nachdenkt und worauf man antwortet.

  5. Inaktiver User

    AW: Die Angelegenheiten der anderen …

    Zitat Zitat von beklamo Beitrag anzeigen
    Ich glaube, dass es verschiedene Beweggründe geben kann:

    - man ist alleine und hat selten jemanden zum Reden
    - Freude am Argumentieren und Diskutieren
    - übersteigertes Sendungsbewusstsein
    - Hilfsbereitschaft
    - Interesse am Thema - generell oder weil man sich gerade selber damit beschäftigt, bzw. schon mal Ähnliches erlebt hat
    Stimmt

    Zitat Zitat von heidpofferl Beitrag anzeigen
    Und wie heisst es so schön,wir sind alleine auf der Welt-auch wenn wir nicht wirklich alleine sind.
    Auch das stimmt.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Und ich kann ebenfalls das, was mir widerfahren ist, meine Erfahrungen, mein Wissen, meine Gedanken und Gefühle zu den Themen der anderen äußern.
    Stimmt, dann habe ich das Gefühl, sie waren zu etwas nutze.
    Auch hilft das wiederholte Niederschreiben beim Festigen der Erkenntnis.

    Ja - und darum, in dieser Situation: gibt es etwas schöneres als die Bricom?
    Hupps Habe ich hier wieder ganz unbeabsichtigt einen "Wir loben die BriCom"-Strang aufgemacht?

    Hier kann man in aller Ruhe nachdenken, schreiben, diskutieren, wann und in welcher Aufmachung auch immer.
    Stimmt.

    *Hüstel* Was ist ein Nachmittagskleid? Wie sieht deines aus? Ich stell mir jetzt ein Cocktailkleid aus den 50er Jahren vor.
    Lag ich ja gar nicht so falsch: Nachmittagskleid! Schick! Und das trägt man nicht zum Cocktail, sondern zum Nachmittagstee, aha.


    Es ist ja nicht Klatsch und Tratsch sondern Themen, die vieldiskutiert werden, die die Leute berühren und beschäftigen. Also gar nicht unbedingt die Angelegenheiten der anderen, sondern auch die eigenen.
    Ach so! Danke!

    Es hat jedenfalls häufig etwas mit einem selbst zu tun, welche Rubriken man sich herausgreift, zu welchen Themen man Stellung bezieht, worüber man nachdenkt und worauf man antwortet.
    Allerdings! Das finde ich einen großen Vorteil: Ich kann die Gesprächsthemen auswählen.

    Naja, aber es hat schon auch eine andere Seite, sich mit den Angelegenheiten der anderen zu beschäftigen.
    Wie schrieb Theresa von Avila? Lehr mich hilfreich, aber nicht diktatorisch zu sein. Das ist eine Kehrseite der Medaille.
    "Ratschläge sind auch Schläge", habe ich mal als Buchtitel gelesen.

    Auch ist es ein gutes Gefühl zu lesen, dass jemand mit einem Problem ringt, dass man selbst doch schon lange und vollkommen im Griff hat, nicht wahr? Gebt es ruhig zu!
    Nur wenn man dann mal selbst einen Strang eröffnet und die eigenen Probleme auf den Tisch kommen, wird offensichtlich, dass man selbst auch manchmal wie ein Ochs vor dem Berge steht, nur eben vor einem anderen Berg. Diesen Wechsel des Erscheinungsbildes konnte ich hier schon bei einigen Schreiberinnen machen (mich eingeschlossen, klar).

    Ich erhielt hier mal den Rat, dass es manchmal viel besser sei, einem anderen Menschen das vorzuleben, was man ihm eigentlich gern als guten Rat mit auf den Weg geben möchte. Das ist absolut wahr! (Geht aber in der BriCom nicht, klar!)
    Ich denke, dass es schon noch eine andere Funktion hat, jemanden etwas zu raten. Da steckt nicht nur Hilfsbereitschaft dahinter. Man kann es so umgehen, gewisse Dinge bei sich selbst, die längst überfällig sind, in die Hand zu nehmen und zu ändern.
    Geändert von Inaktiver User (25.11.2012 um 16:23 Uhr)

  6. Inaktiver User

    AW: Die Angelegenheiten der anderen …

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    Ich denke, dass es schon noch eine andere Funktion hat, jemanden etwas zu raten. Da steckt nicht nur Hilfsbereitschaft dahinter. Man kann es so umgehen, gewisse Dinge bei sich selbst, die längst überfällig sind, in die Hand zu nehmen und zu ändern.
    Wie meinst du das?

  7. Inaktiver User

    AW: Die Angelegenheiten der anderen …

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wie meinst du das?
    An sich müsste man bei sich selbst etwas ändern. Dies ist einem bewusst, vielleicht aber auch nicht! Je nachdem. In jedem Fall ist es für einen bequemer, anderen Menschen zu erzählen, was denn jetzt genau wichtig und richtig wäre.
    Unter Umständen kann man dann noch mit den Augen rollen, wenn sie das nicht einsehen oder zu bequem dafür sind.

    Das ist meine VERMUTUNG. Und ich frage mich, was dahinter steckt. Auch wenn ich es hier gerade erklärt habe, verstehe ich das nämlich noch nicht so ganz. Weshalb ist es manchmal einfacher, sich um andere als um sich selbst zu kümmern?

    Vermutlich gibt es da eine ganze Menge im "Untergrund" bei einem selbst, das im Dunklen liegt und von dem man an sich GAR NICHTS wissen möchte. Und da ist es eine Erleichterung sich fremde Menschen zu betrachten und in ihnen vielleicht das zu erkennen, was bei einem selbst brach liegt. Was das ist, verschweigt man sich selbst dann möglichst noch weiterhin.

    Oder so ähnlich …

  8. User Info Menu

    AW: Die Angelegenheiten der anderen …

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    An sich müsste man bei sich selbst etwas ändern. Dies ist einem bewusst, vielleicht aber auch nicht! Je nachdem. In jedem Fall ist es für einen bequemer, anderen Menschen zu erzählen, was denn jetzt genau wichtig und richtig wäre.
    Unter Umständen kann man dann noch mit den Augen rollen, wenn sie das nicht einsehen oder zu bequem dafür sind.

    Das ist meine VERMUTUNG. Und ich frage mich, was dahinter steckt. Auch wenn ich es hier gerade erklärt habe, verstehe ich das nämlich noch nicht so ganz. Weshalb ist es manchmal einfacher, sich um andere als um sich selbst zu kümmern?

    Vermutlich gibt es da eine ganze Menge im "Untergrund" bei einem selbst, das im Dunklen liegt und von dem man an sich GAR NICHTS wissen möchte. Und da ist es eine Erleichterung sich fremde Menschen zu betrachten und in ihnen vielleicht das zu erkennen, was bei einem selbst brach liegt. Was das ist, verschweigt man sich selbst dann möglichst noch weiterhin.

    Oder so ähnlich …
    Hm...ich hoffe, ich verstehe Dich richtig!

    Bei den Threads, wo ich was reinschreibe,
    ist das Interesse an den Angelegenheiten der anderen vorhanden
    aufgrund einer Mischung der Beweggründe,
    die Beklamo in #2 genannt hat.
    Das Schreiben dient nicht zur Ablenkung von eigenen Brachflächen.

    Bei Threads, wo ich nicht schreibe,
    lese ich nur mit, und versuche, etwas zu lernen.
    Weil eben so viel brach liegt und ich versuche,
    mich zu verändern oder zumindest schlauer zu werden.

  9. Inaktiver User

    AW: Die Angelegenheiten der anderen …

    Natürlich interessieren mich die Themen, die betroffenen Personen und auch die anderen Schreiber!

    Dennoch kann man sich ja die Frage stellen: Weshalb ist es manchmal einfacher, sich um andere anstatt um sich selbst zu kümmern?

    Das Schreiben und Lesen hier hat ja schon auch Unterhaltungswert. Z.B. bringt es einen auf andere Gedanken, ist freie Zeit, Prokrastination u.U.
    Ich muss nichts leisten hier. Denke ich zumindest. Stattdessen leiste ich freiwillig viel, weil ich mich oft richtig reinhänge.
    Geändert von Inaktiver User (25.11.2012 um 19:27 Uhr)

  10. Inaktiver User

    AW: Die Angelegenheiten der anderen …

    Hm, ich sehe das ein bißchen anders. Bei den Problemen oder den Angelegenheiten der anderen erkenne ich mich manchmal in Teilen wieder und arbeite dann indem ich mitlese oder schreibe auch an mir selbst. Und mich hat erstaunt, das sage ich mal ganz ehrlich und offen, wie vieles sich doch im Leben der Menschen ähnelt, eben so, dass man sieht, dass die Sorgen, Nöte, Fragen, Freuden, sich mit denen des eigenen Lebens überschneiden, sich berühren, sich treffen. Das ist doch eine wundervolle Erfahrung! Ich möchte sie nicht missen und werde auch weiterhin hier herumstöbern und mich einbringen. Weil ich sinnvolles finde, bemerkenswertes, anrührendes, treffendes, bewegendes, das AHA-Erlebnis habe/hatte. Für mich ist das Aufschieben von Arbeiten an manchen Tagen während ich hier im forum unterwegs bin nämlich eine erfüllte Zeit, nach der ich meist frohgestimmt an lästige Pflichten gehe. Toll, dass es die Bricom gibt

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