Guten Morgen
während des morgendlichen Zeitunglesens denke ich seit Längerem darüber nach, wie sich wohl Menschen fühlen und vor allem verhalten, die ein Verbrechen begangen haben oder aber Eines bezichtigt werden.
Also z.B unterstellte Vergewaltigung, aber noch nicht verhaftet, bekanntgewordener Steuerbetrug und die Firma mußte geschlossen werden, "Eigenauszahlung" und Leute mußten entlassen werden, im Vollrausch jemanden verletzt oder totgefahren, Hund hat jemanden gebissen, obwohl Halter durch Verhalten schuld ist, Prügelei mit Folgen.....
Ich meine nicht unbedingt den "total Asityp", sondern jemanden, den man erstmal als scheinbar normal angesehen hat.
Derjenige hatte bisher ein Umfeld mit Kollegen, Beziehung, Freunden und Bekannten, Nachbarn.....
Nun begegnet er diesen im Treppenhaus, beim Einkaufen, auf der Arbeit, bei Einladungen (werden diese ausgesprochen? geht er hin?)
Vor Allem interessiert mich die Frage, wie geht er/sie damit um, wie verhält er sich..."normal", spricht er es an und schiebt die Schuld ab aufs Opfer oder Unterstellungen......
Mir jedenfalls fällt dazu nix ein und es überfordert meine Phantasie...deshalb seid Ihr gefragt![]()
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 27
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23.11.2012, 09:51
Menschen, denen man ein Verbrechen unterstellt, bzw die eines begangen haben
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23.11.2012, 10:29
AW: Menschen, denen man ein Verbrechen unterstellt, bzw die eines begangen haben
von den vielen beispielen aus meiner umwelt lässt sich der schluss ziehen:
werden einzelpersonen, solche ohne anbindung an eine gruppe, eines verbrechens oder einer untat beschuldigt, geht die ganze gemeinschaft auf sie los, oder gibt sie dem sozialen tod preis, indem sie völlig ausgeschlossen werden.
sind die vergehen oder verbrechen von angehörigen einer geschlossenen gruppe oder partei begangen worden, wird der täter als opfer einer verschwörung, oder als opfer der provokation des opfers hingestellt.
dies geschieht, weil das ansehen der gruppe stärker geschützt wird als das individuelle leben.
meine verallgemeinerung bezieht sich auf folgen vor allem der fälle:
geliebte wurde von ehefrau des geliebten zu ermorden versucht, das opfer überlebte mit schweren gesundheitlichen beeinträchtigungen, und war sozial ab da unten durch. die ganze familie wurde aus der kirche ausgeschlossen. das beispiel bekräftigte für die kirche am ort, was menschen mit "unkeuscher lebensweise" an gottesstrafe passiere.
leiter einer christlichen jugendgruppe vergeht sich angeblich an mehreren jungen, er wurde einfach versetzt, bevor die anzeige kam.
leiter einer anderen jugendgruppe wird konkret und innerkirchlich des kindesmissbrauchs angeklagt, wird daraufhin befördert.
kardinal wird des kindesmissbrauchs angeklagt, deshalb mit erreichen des pensionsalters in den ruhestand geschickt. jahrzehnte bis dahin blieb alles ungeahndet. mehrere gruppen und internetseiten widmen sich mittlerweile seit vielen jahren der verunglimpfung der opfer.
sektenangehöriger ermordet sein wenige monate altes kind, die gemeinschaft und die ehefrau erkennen den toten säugling als täter. es sei eine verkörperung satans gewesen.
reicher leute sohn ermordet einen trinker wegen ein paar hundert euro, die der arme besass. der täter wurde verurteilt. seine eltern gehörten keiner schützenden gruppe an, sie fielen aus der gemeinschaft heraus.
ein mann ermordet das pubertäre kind seiner geliebten. er wird von der polizei erschossen.
die kirche, die mutter des toten kindes, ihre gebetsgruppe, sehen den täter als opfer des jungen. der habe ihn sicher provoziert. diese schuldzuweisung besteht, obwohl sich rausstellte, dass der täter vor eintritt in die kirche einschlägig vorbestraft worden war.lg
legrain
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23.11.2012, 10:44
AW: Menschen, denen man ein Verbrechen unterstellt, bzw die eines begangen haben
Liebe legrain,
puuh, das sind ja heftige Sachen, die da passierten!
Allerdngs geht es mir vorrangig erstmal darum zu erfahren/erörtern, wie sich (unterstellter oder selbst erfahrener Weise) der Täter selber dann im Alltag s.o. verhalten mag
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23.11.2012, 10:57
AW: Menschen, denen man ein Verbrechen unterstellt, bzw die eines begangen haben
Ich glaube nicht, dass diese Frage allgemein beantwortet werden kann. Wie immer im Leben, kommt es auf die Persönlichkeit des einzelnen an. Dem einen gelingt es leichter, seine Schuld wegzuschieben (im Sinn von nicht immer dran denken), dem anderen gelingt das weniger und lastet im wahrsten Sinn des Wortes auf seiner Schulter bzw. auf seiner Seele.
Auch wer seine Strafe verbüßt hat, muss noch mit seiner Schuld leben. Hier den Kopf hoch zu halten in dem Sinn "mir tut es unendlich leid, ich würde es gern ungeschehen machen, kann ich aber nicht" ist sicher auch sehr schwierig.
Menschen, die fälschlich beschuldigt und an den Pranger gestellt worden sind, sind in meinen Augen noch einmal eine andere Kategorie. Sie sehen sich mit Vorwürfen konfrontiert, die sie auch kaum entlasten können -wie beweise ich, dass ich etwas nicht war? Die Ächtung, die Ablehnung und die eigenen Hilflosigkeit ist sicher schwer zu ertragen.
Dann werden viele Familienangehörige, wie von legrain beschrieben in Sippenhaft genommen. Leidtragende, im wahrsten Sinn des Wortes, sind am meisten die Kinder. Nicht umsonst ziehen viele von dem Wohnort weg, um einen Neuanfang zu schaffen. Man muss dann nur noch mit dem Wissen um die eigene Schuld und die eigenen Verantwortung leben.Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare.
Christian MorgensternIn einer Stunde ruhigen Sitzens verbrennt man 73 Kilokalorien.
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23.11.2012, 11:05
AW: Menschen, denen man ein Verbrechen unterstellt, bzw die eines begangen haben
hmmm..ich glaube nicht, dass die sofort und alle wegziehen.
Ich erinnere mich an einen Fall in meinem Exdorf, da hat ein 17jähriger eine Bekannte ermordet.
Der Vater von ihm war bekannt für seine arrogante überhebliche Art und auch nach der Tat des Sohnes fuhr er durchs Dorf und maßregelte die Leute, die sich teilweise nicht trauen, etwas entgegen zu setzen und ansonsten beim Bäcker z.b die üblichen Höflichkeiten auszutauschten
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23.11.2012, 11:37
AW: Menschen, denen man ein Verbrechen unterstellt, bzw die eines begangen haben
Bei den Menschen in meinem Umfeld kommt es in solchen Fällen immer auf das Individuum und dessen Verhalten an.
Ein Arbeitskollege war einige Jahre im Gefängnis - eine Drogensache - alle wissen es, aber keiner spricht ih darauf an, wenn er nicht selbst darüber reden möchte. Ansonsten ist er gut in die Gruppe eingegliedert, freundlich, sympathisch und wird auch dementsprechend nett behandelt.
Ein anderer Kollege hat unseren Chef hintergangen und bestohlen, steht aber nicht dazu, verhält sich arrogant, weist jede Schuld von sich... zu ihm haben die meisten aus Solidarität den Kontakt abgebrochen.Du bist ein lebender Mensch, eine Frau, und kannst irren und zweifeln und gut sein. (Erich Fried)
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23.11.2012, 12:02
AW: Menschen, denen man ein Verbrechen unterstellt, bzw die eines begangen haben
In meiner Verwandtschaft gibt's jemanden, der in jungen Jahren wegen Einbruchs und Drogendelikten gesessen hat. Mir war das früher egal, da war ich noch ganz jung. Der ältere Teil der Verwandtschaft hat sich schon distanziert.
Als er rauskam, hat er sich um 180 Grad gedreht, bei ihm hat die Strafmaßnahme wirklich gewirkt. Gearbeitet, nebenbei Abi gemacht, dann studiert und hat heute eine sehr gute und hoch bezahlte Position und macht vielen von denen, die früher die Nase gerümpft haben, was vor...
Drüber gesprochen wird nicht mehr...
Was die Fälle angeht, in denen jemandem etwas unterstellt wird, ohne dass es bislang bewiesen ist, da finde ich den Umgang mit dem Grundsatz "In dubio pro reo" schon fragwürdig. So jemand wird vorverurteilt (meistens jedenfalls), und selbst nach Beweis der Unschuld bleibt oft was haften getreu dem Motto "Das ist doch der, der damals beschuldigt wurde...".Nur wer riskiert, zu weit zu gehen, kann sehen, wie weit er gehen kann... (keine Ahnung, wer das gesagt hat, aber ich finde den Spruch toll!)
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24.11.2012, 01:25Inaktiver User
AW: Menschen, denen man ein Verbrechen unterstellt, bzw die eines begangen haben
Wieso interessiert dich diese Frage?
Meiner Ansicht nach geht einem so etwas ja nicht all zu häufig durch den Sinn. Gibt es einen konkreten Anlass?
Da ich deine Frage nicht ganz verstehe: Könnte man sie auch anders formulieren? Z.B.: Wie lebt es sich mit einer Schuld?
Ich denke, viele Menschen haben nicht unbedingt ein Unrechtsbewusstsein, selbst wenn sie aus Sicht der Gesellschaft ein Verbrechen begangen haben. Das ist eine Art Selbstschutz.
Aus einem ähnlichen Grund wird die Tat auch oft von den Angehörigen und der Umgebung verdrängt oder als Tabu behandelt: Es kann nicht sein, was nicht sein darf.
Und dann fällt mir natürlich noch der Roman "Nur die Sonne war Zeuge an". Die Hauptfigur begeht ja überlegt und kühl seine Verbrechen. Das erschreckt uns vielleicht noch mehr, als jemand der seine Tat leugnet oder verharmlost.
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24.11.2012, 11:28
AW: Menschen, denen man ein Verbrechen unterstellt, bzw die eines begangen haben
Femini, s.oben,,,durch Zeitung/TV.....informiert, denk ich schon länger drüber nach.
Zum Einen die "großen" Aufmacher wié Kachelmann
Aber auch das, über was regional berichtet wird.
Und da frag ich mich halt, wie geht der/diejenige vor die Tür, unter Menschen....der so etwas tatsächlich!!!begangen hat!
Es mu0 vielleicht garnichtmal gleich ein Mord sein, aber alleine eine versuchte Vergewaltigung eines Türstehers mit einem Mädel aus der Disco....alle kennen ihn, er läuft frei rum, hat ev seinen Job noch.....
wie "verkauft er "das", "sich"????
Oder ein in Kleinstadt bekannter Hautarzt, dessen Praxis wg Steuerhinterziehung geschlossen wurde.....
Ein Vater, der einen 9jähr Jungen geschlagen hat, der seinen Sohn geärgert habe.....
Jetzt verständlicher
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24.11.2012, 13:29Inaktiver User
AW: Menschen, denen man ein Verbrechen unterstellt, bzw die eines begangen haben
Ja, sag das doch gleich …

Du hast doch bestimmt auch schon mal etwas gemacht, von dem du an sich ganz genau wusstest, dass man das eigentlich nicht macht.
In der Schulzeit das Geheimnis einer Freundin an einen anderen Menschen ausgeplaudert.
Eine Süßigkeit aus dem Schrank der Mutter genommen, was du an sich nicht durftest.
Eine nicht abgestempelte Briefmarke ausgeschnitten und für einen anderen Brief erneut verwendet.
Eine Viertelstunde im Parkverbot gestanden.
Wie hast du das vor dir begründet? Da fällt einem ja schon immer was ein.
Ich denke, so funktioniert das auch im Großen.
- Entweder war es ja ganz anders und man hat es an sich sogar gut gemeint!
- Man wurde verführt.
- Man hat nicht gewusst, dass das Unrecht war (Beispiel: "Du willst es doch auch.")
- Man meint, ein Recht darauf zu haben, weil die Welt so schlecht zu einem war! Nun ist man selbst mal dran! Und nimmt sich das, was man will. Oder zeigt es den anderen mal so richtig.
(Warum prügeln junge Männer andere im U-Bahnhof zu Tode?)
- Oder man erhebt sich über die anderen und nimmt besondere Rechte für sich in Anspruch. "Die haben es doch gar nicht anders verdient. Wenn die so doof sind, sich das gefallen und sich übers Ohr hauen zu lassen …"
Es gibt ja genug Menschen, die mit Straftätern arbeiten. Die werden mehr dazu sagen können und Zahlen kennen. Es wäre sehr interessant, wie viele Täter tatsächlich ein Unrechtsbewusstsein haben.
Ich habe mal zwei Dokumentationen über Menschen im Gefängnis gesehen. Da gab es sehr wohl auch Insassen, die das Gefühl hatten, auch ihr eigenes Leben mit zerstört zu haben und die ihre ganze Kraft brauchten, um überhaupt weiter zu leben, so sehr drückte sie die Schuld (wenn sie z.B. ihre Partnerin getötet hatten).
Der hält sich vermutlich für Gottes größtes Geschenk an die Frauen.Zum Einen die "großen" Aufmacher wié Kachelmann
Aber du brauchst gar nicht "so weit" zu gehen, frag doch mal einen der SB-Männer, die Lügen erzählen, um möglichst viele Frauen ins Bett zu kriegen.
Und wenn einen die Frau dann verlassen will, … dass man da nicht gelassen "in Ordnung" sagt, ist doch verständlich, oder? Vermutlich bricht in so einem Moment das eigene Selbstwertgefühl zusammen und man tut alles, um sich irgendwie wieder "zu erheben" und kurzfristig besser zu fühlen. Fällt das nicht unter Notwehr?
Meine Güte, ich kann mich da ja richtig reinsteigern. Ob Frauen deshalb gern, Krimis schreiben und lesen?
Hast du schon Mal einem Kind oder einem Erwachsenen eine Ohrfeige gegeben und es getan, noch bevor du denken konntest? Wie hast du dich nachher gefühlt?



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