Ich denke, man hat selbst ein ganz gutes Gespür dafür, ab wann die Beschäftigung mit einem Konflikt oder einem Ärgernis aus dem Ruder läuft und unangemessen viel Raum einnimmt.
Eine direkte Wut auf einen konkreten Anlass kann sehr reinigend sein. Ich dagegen kenne auch einen Ärger, der in mir kreist und gebetsmühlenartig wiederkehrt, ohne neue Erkenntnisse oder Erleichterung zu bringen. Das finde ich sehr unangenehm! Ich brühte dann sozusagen vor mich hin.
Was ist der Weg da raus? Ich versuche es gerade damit, mir selbst das Eintreten für das zu gestatten, was ich an sich möchte. Das findet in erster Linie in mir selbst statt, dann folgt schon eine Entspannung.
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23.11.2012, 20:56Inaktiver User
AW: Loslassen können - Verletzungen/Kränkungen verarbeiten
Geändert von Inaktiver User (23.11.2012 um 21:00 Uhr)
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23.11.2012, 21:46Inaktiver User
AW: Loslassen können - Verletzungen/Kränkungen verarbeiten
Den Gedanken finde ich interessant, aber mir ist nicht so 100% klar, wie du das meinst - könntest du das noch mal erläutern?
Aus meiner persönlichen Erfahrung setzt das "längerfristige Kreisen" dann ein und wird ungesund, wenn man den Konflikt nicht wirklich "angegangen" hat. Es schadet ja meist nichts, dem anderen ruhig und höflich zu sagen, dass man sich verletzt gefühlt hat. Allerdings muss man dann auch damit rechnen, ein "sei doch nicht so empfindlich" zu kassieren und den anderen dann in die "Kränkungsfalle" zu schicken. Ich finde beim Thema "Umgang mit Kränkungen" auch den Bezug zur Harvard-Methode (Interessen statt Positionen zu verhandeln) ganz interessant - oft sollte man sich nämlich nicht an der Frage "warum hast du mich für xy ungerechtfertigt kritisiert" aufhalten, sondern klar kommunizieren, was darunter liegt - z.B.: "früher haben wir xy immer so gemacht. Mir war nicht klar, dass es jetzt anders laufen soll. Durch dieses Informationsdefizit fühle ich mich zurückgesetzt. Daher mein Wunsch: solche Änderungen bitte früher kommunizieren."
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23.11.2012, 23:52Inaktiver User
AW: Loslassen können - Verletzungen/Kränkungen verarbeiten
Upps. *denkdenk* Hoffentlich kriege ich das zu der vorgerückten Stunde noch hin …
Erst einmal: Es ist meine persönliche Erfahrung in meiner momentanen Situation. Was du schreibst, ist auch gut!
In mir kommt wohl oft dieses Festhalten und Brüten über etwas vor, wenn ich meine, nicht zu dem stehen zu dürfen, was ich an sich möchte. Dies ist mir meist gar nicht bewusst. Oft geht der innerer Konflikt damit einher, wer denn nun berechtigtere Anliegen oder Bedürfnisse hat. Das Quälende löst sich sofort auf und Entspannung setzt ein, wenn ich das sortiert habe.
Mal sehen, ob mir ein Beispiel einfällt …
Das Telefonat mit einer Freundin, in dem sie mir sagte, dass ihr etwas viel zu viel war. Ein Bedürfnis, das ich ausgestrahlt habe. Ich war gekränkt über die Art, wie sie mir das gesagt hat. Das fand ich unsensibel.
Nach zwei Tagen hatte ich endlich die Erkenntnis: "Auch wenn es ihr zu viel war, kann es durchaus sein, dass mein Bedürfnis berechtigt war!" Danach ging es mir besser. Ich hatte "sortiert", was in wessen "Zuständigkeitsbereich" gehörte, und war (zunächst nur in mir selbst) für meine Belange eingetreten. Das ist noch ein Schritt vor dem, was du beschreibst.
Wenn es einem dann noch gelingt, das etwas kürzer und unkomplizierter auszudrücken"früher haben wir xy immer so gemacht. Mir war nicht klar, dass es jetzt anders laufen soll. Durch dieses Informationsdefizit fühle ich mich zurückgesetzt. Daher mein Wunsch: solche Änderungen bitte früher kommunizieren."
, damit der Zuhörer auch die Botschaft aufmimmt, sind die Erfolgschancen sicher nicht schlecht!
Geändert von Inaktiver User (23.11.2012 um 23:55 Uhr)
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28.11.2012, 01:49
AW: Loslassen können - Verletzungen/Kränkungen verarbeiten
Liebe Original Sin,
ich habe mir jetzt nicht alle posts durchgelesen und ich weiß nicht, ob ähnliches schon kam:
Es macht Sinn, nicht nur sich selbst, sondern auch die jeweils andere Seite vollständig anzunehmen. Manchmal kann es bereits hilfreich sein, zu akzeptieren, dass das Gegenüber sowohl seine eigene Ansicht/sein eigenes Gefühl als auch seinen eigenen Umgang damit haben "darf" (so ungelenk das jetzt auch klingt). Dich verletzt A, du gehst auf Weise B damit um - C verletzt D und er geht auf Weise E damit um. Es hilft keinem von Beiden, wenn bspw du erwartest, dass C erkennen muss, dass A statt D verletzend ist und er/sie damit auf Weise B statt E umgehen "sollte". Ein Dialog ist natürlich immer wichtig, doch manchmal hilft bereits die innerliche Akzeptanz dessen, dass andere anders sind/denken/empfinden als man selbst.
In der Praxis: Grenzen aufzeigen, authentisch bleiben, erklären, Dialoge führen. Ergibt sich daraus ein positives Bauchgefühl, stimmt die Basis der Gemeinsamkeit. Es kann nicht immer alles so laufen, als bestünden zwei Menschen aus einem gleichen Gehirn. Wichtig ist der Austausch und die gegenseitige Akzeptanz der Andersartigkeit des Anderen. Erst wenn du das Gefühl hast, C interessiert sich nicht für A und B und beharrt ohne Dialog auf D und E, ist ein Überdenken der Gesamtbeziehung notwendig.
Das Hauptproblem bei unter den Teppich gekehrten Dingen, deren Verletzungen Nachwirkungen haben, ist dabei vermutlich zu größeren Teilen deine eigene Nichtakzeptanz der Gedanken/Empfindungen des Gegenübers als das Gegenüber und seine Andersartigkeit an sich. Es macht dich traurig, dass C nicht A "erfühlen" kann und somit logischerweise B folgen lassen "müsste". Eröffne den Dialog und sprich über A, B, C, D und E. Finde einen Weg, zu akzeptieren, dass nicht jeder deiner Liebsten alles und das immer an dir lieben muss und nichts nicht ok finden "darf". Erlaube deinen Liebsten, individuell zu empfinden, was sie empfinden und damit umzugehen, wie sie individuell damit umgehen möchten - und achte dabei genau darauf, wie es dir mit deren Empfindungs- und Handlungsweisen geht.
Ich hoffe, das war ein bisschen verständlich? Ich scheitere bei dem Ganzen leider ab und zu noch in der Praxis.
... aber man ist ja lernfähig... zumindest gegenüber nahestehenden Menschen.
Geändert von Divino (28.11.2012 um 01:57 Uhr)
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28.11.2012, 09:37Inaktiver User
AW: Loslassen können - Verletzungen/Kränkungen verarbeiten
Liebe Original Sin,
meiner Meinung nach ist vieles auch charakterlich und auch temperamentsmässig bedingt.
Bei mir sind Sachen irgendwann vergessen, weil ich aber auch fast alles anspreche.
Ich wurde schon oft von meinen Kindern und so darauf angesprochen.
Ich musste im Laufe der Jahre lernen gegen zu steuern.
Manche Menschen sind eben so...
Da haben Diskussionen keinen Sinn.
Selbst eventuelle Beleidigungen berühren mich da nicht.
Mich muss ne Menge Positives mit nem Menschen verbinden, dann sehe ich über vieles hinweg.
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28.11.2012, 20:10Inaktiver User
AW: Loslassen können - Verletzungen/Kränkungen verarbeiten
Super zusammen gefasst
, daher gut verstaendlich. Ich moechte noch kurz ergaenzen, was mir eine Kommunikationstrainerin mal gesagt hat : "wenn du weisst, was du tust, kannst du tun, was du willst". Auf dein Beispiel bezogen bedeutet dies fuer mich: Man muss schon einkalkulieren, wie die Reaktion des Gegenuebers auf die Aussprache verlaufen koennte. Wenn er/ sie danach zumacht, hat man auch nichts gewonnen. Mir hat es in einem Konfliktfall geholfen, mit der Person einen konkreten Termin auszumachen und vorher mit meinem Freund durchzusprechen, was ich eigentlich sagen wollte. Eine "neutrale" Person erkennt oft besser als man selbst, welche Punkte unter die Guertellinie gehen. Ausserdem schadet ein bisschen Uebung ja nicht....



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