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  1. Moderation

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    AW: Karma; Glaubt ihr daran?

    Zitat Zitat von Lipton Beitrag anzeigen
    Der Gedanke an Karma beruhigt mich deswegen, weil ich denke, dass jeder bekommt was er verdient...
    Ich finde das einen beunruhigenden Gedanken. Denn wenn wir kriegen, was wir verdienen, dann verdienen wir, was wir gekriegt haben. Mitleid und Menschlichkeit sind schwer aufrechtzuerhalten, wenn ein jeder an seinem Unglück selber schuld und nur das angemessene Opfer kosmischer Gerechtigkeit ist. Ehe man sich versieht, interessiert einem am Unglück anderer nur, durch welche moralische Unzulänglichkeit sie es über sich gebracht haben und man wird selbstgerecht, feige und kleinlich. Das mag dann wohl "verdient" sein, aber das hilft ja auch keinem.

    Welches Karma, denkst du, arbeitest du ab, wenn du einem "Freund", der dich immer wieder verletzt, immer noch eine Chance gibst? Welche Buße tust du? Womit hast du das verdient? Wenn es kein Karma gibt, sondern das Universum chaotisch und ungerecht ist, kannst du mit ihm Schluß machen, du kannst gehen, und du wirst nur mit den Konsequenzen dieser Aktion zu tun haben. Aber wenn das Universum gerecht ist, wenn du noch Buße tust und Schulden bezahlst -- mußt du ihm dann noch eine Chance geben und noch eine, bis du dir deine verdiente Quote an Schmerz abgeholt hast?

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    nö, "was du säst, wirst du ernten" ist neues Testament, ein Jesuszitat.
    Paulus. Galater 6.
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

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    AW: Karma; Glaubt ihr daran?

    Das Karma ist kein Belobigungs- oder Strafsystem, diese angebliche Bedeutung wurde von der christlichen Strafmentalität hineingelesen und steht sogar völlig konträr zu seiner Bedeutung.

    Karma entsteht durch eine Gesetzmäßigkeit und nicht infolge einer Beurteilung durch einen Weltenrichter oder Gott, es geht darum nicht um „Göttliche Gnade“ oder „Strafe“.

    Nicht nur „schlechtes“ Karma erzeugt den Kreislauf der Wiedergeburten, sondern gleichermaßen das „gute“. Letztes Ziel ist es darum, überhaupt kein Karma mehr zu erzeugen.

    Ziel ist es nämlich, die endliche "Leere" zu erringen.
    .
    I'm waiting for the other shoe to drop.



  3. Inaktiver User

    AW: Karma; Glaubt ihr daran?

    Karma ist nicht "ausgleichende Gerechtigkeit". Und auch nicht "für alles, was man tut, erntet man irgendwann die Folgen."

    Karma heisst einzig: Alles, was man tut, hat Konsequenzen.
    Aber damit ist noch überhaupt nicht gesagt, WAS für Konsequenzen (auch nicht: dass böses Tun böse Konsequenzen habe), noch FÜR WEN es Konsequenzen hat, noch WANN es Konsequenzen hat.
    All diese schönen Gleichungen - wenn ich Gutes tue, kommt Gutes auf mich zurück - sind unsere Hoffnungen und ja, oft stimmt es. Aber nicht, weil das eine karmische Regel wäre.

    Mit "ausgleichender Gerechtigkeit" oder "einer Rechnung, die irgendwann irgendwie aufgeht (zwischen Gut und Böse) hat Karma nichts zu tun. Wir hoffen, dass es so etwas gibt (dass nämlich diejenigen, die uns verarschen oder die im Bürgerkrieg Kinder umbringen oder was auch immer, irgendwann irgendwie "bestraft" werden und sei es auch nach dem Tod, und dass diejenigen, die Leid ertragen, dafür irgendwann "entschädigt" werden, sei es auch nach dem eigenen Tod). Wir hoffen das.
    Aber ob es so ist?

    Ich bin der Überzeugung: nein. Ich denke nicht, dass es so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit gibt. Oder ein vorbestimmtes Schicksal, oder irgendeinen tieferen Sinn. Das wäre auch nicht Karma. Sondern Karma ist bloss, wie gesagt: alles, was wir tun, hat Konsequenzen. Wir können nicht etwas tun, ohne dass daraus irgendetwas entsteht (das "irgendetwas" kann auch "nur" ein innerer Prozess oder eine Erinnerung sein).
    Ob wir etwas tun oder nicht tun bzw was wir tun, ist unsere eigene Entscheidung und nicht irgendwie durch etwas vorbestimmt.

  4. Inaktiver User

    AW: Karma; Glaubt ihr daran?

    Zitat Zitat von Lipton Beitrag anzeigen
    das sehe ich nicht so.. Ich kann den Verletzungen die mir zugefügt werden nicht immer ausweichen. Ich bin ein Mensch der 1x vergibt, ein 2x, ein 3x und auch ein 100x, weil ich an das Gute im Menschen glaube und der Meinung bin, dass die Menschen die ich liebe und die mich ebenfalls lieben, mir doch niemals absichtlich sowas böses wollen, das ist aber leider nicht so...

    Ich versuche gutes zu tun und die Menschen die mir etwas bedeuten mit meinen Worten oder Taten nicht zu verletzen. Seit ich das tue geht es mir besser, weil wie du schreibst, ich im Reinen mit mir bin. Jedoch passieren mir leider immer wieder solche Dinge wie mit meinem Partner und ich weiss nicht, warum meine Gutmütigkeit immer wieder so ausgenutzt wird und ich für meine guten Taten dann bestraft werde
    Ich vergebe nur eine weitere Chance. Beim 2. mal ist Schluß! Grenze Dich besser ab! Nimm Dich selber ernst und wichtig genug.
    Niemand kann Dich bestrafen! Das tust Du selbst indem Du nicht auf Deine Grenzen achtest, Dich selbst immer wieder ent-täuscht. Was nichts anderes ist als das Ende der Selbst-Täuschung im positiven Sinne. Du ziehst nicht die nötigen Konsequenzen.

    Keine höhere Macht nimmt Dir die Verantwortung ab gut für Dich selbst zu sorgen und Grenzen zu setzen.
    Geändert von Inaktiver User (03.11.2012 um 14:32 Uhr)

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    AW: Karma; Glaubt ihr daran?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Mit "ausgleichender Gerechtigkeit" oder "einer Rechnung, die irgendwann irgendwie aufgeht (zwischen Gut und Böse) hat Karma nichts zu tun. Wir hoffen, dass es so etwas gibt (dass nämlich diejenigen, die uns verarschen oder die im Bürgerkrieg Kinder umbringen oder was auch immer, irgendwann irgendwie "bestraft" werden und sei es auch nach dem Tod, und dass diejenigen, die Leid ertragen, dafür irgendwann "entschädigt" werden, sei es auch nach dem eigenen Tod). Wir hoffen das.
    Aber ob es so ist?

    Ich bin der Überzeugung: nein. Ich denke nicht, dass es so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit gibt. Oder ein vorbestimmtes Schicksal, oder irgendeinen tieferen Sinn. Das wäre auch nicht Karma. Sondern Karma ist bloss, wie gesagt: alles, was wir tun, hat Konsequenzen. Wir können nicht etwas tun, ohne dass daraus irgendetwas entsteht (das "irgendetwas" kann auch "nur" ein innerer Prozess oder eine Erinnerung sein).
    Ob wir etwas tun oder nicht tun bzw was wir tun, ist unsere eigene Entscheidung und nicht irgendwie durch etwas vorbestimmt.
    Schön gesagt

  6. Inaktiver User

    AW: Karma; Glaubt ihr daran?

    Zitat Zitat von Lipton Beitrag anzeigen
    hmm.. Wut auf mich selbst, ja zum Teil, warum ich seinen Worten immer wieder Glauben geschenkt habe, war sicher nicht richtig ist, aber ist es so falsch, dass man einem Menschen der Reue zeigt vergibt und ihm noch eine Chance gibt? Das ist Vergebung, das konnte ich bis anhin sehr gut, weil ich auch nicht Fehlerfrei bin, aber leider wurde mir das immer wieder zum Verhängnis...

    Liebe Grüsse,
    Lipton
    Vergeben ist eine gute Sache!
    Aber vergeben heißt nicht, dass man zulässt, dass jemand einem das Gleiche wieder antut. Ich kann jemandem vergeben und trotzdem eine Grenze setzen.

    Grüße, Cariad

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    AW: Karma; Glaubt ihr daran?

    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen
    Ich finde das einen beunruhigenden Gedanken. Denn wenn wir kriegen, was wir verdienen, dann verdienen wir, was wir gekriegt haben. Mitleid und Menschlichkeit sind schwer aufrechtzuerhalten, wenn ein jeder an seinem Unglück selber schuld und nur das angemessene Opfer kosmischer Gerechtigkeit ist. Ehe man sich versieht, interessiert einem am Unglück anderer nur, durch welche moralische Unzulänglichkeit sie es über sich gebracht haben und man wird selbstgerecht, feige und kleinlich. Das mag dann wohl "verdient" sein, aber das hilft ja auch keinem.
    Ich habe aber manchmal den Eindruck, dass sich diese Haltung immer mehr verbreitet. Ist ja auch ein Stück weit bequem, weil es einem einerseits das schlechte Gewissen nimmt und andererseits glauben lässt, einem selbst würde so was nicht passieren. Ich glaube, viele Krebskranke können ein Lied davon singen. Da wird dann schnell geschaut: aha, hat geraucht, öfter mal Rotwein getrunken, zu wenig Gemüse gegessen, hatte viel Stress, zu wenig Bewegung. Kann mir also nicht passieren, weil ich ja viel besser auf mich achte.

    Ich glaube zwar durchaus, dass die Art wie wir mit anderen Menschen umgehen, ein Stück weit auch beeinflusst, wie andere mit uns umgehen, bzw. welche Menschen wir anziehen, wer sich mit uns abgibt. Aber auch das passiert nicht immer eins zu eins. Wobei ich das Thema höhere Gerechtigkeit mal bewusst außen vor lasse.

    Ich glaube weder, dass alles Zufall ist, was mir im Leben widerfährt, noch dass alles beeinflussbar ist. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte.

    Gruß,

    Malina
    Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)

  8. Inaktiver User

    AW: Karma; Glaubt ihr daran?

    "Karma bezeichnet ein spirituelles Konzept, nach dem jede Handlung - physisch wie geistig - unweigerlich eine Folge hat. Diese muss nicht unbedingt im aktuellen Leben wirksam werden, sondern kann sich möglicherweise erst in einem der nächsten Leben manifestieren. (...) " (Wikipedia)

    Ich glaube nicht an Wiedergeburt, dafür bin ich zu sehr Realist und irdisch gepolt. Aber woran ich glaube, ist ausgleichende Gerechtigkeit. Ich bin fest davon überzeugt, dass es das gibt. Und zwar noch in diesem Leben. Diejenigen Menschen, die anderen bewusst Schaden und/oder Leid zufügen, werden eines Tages dafür Rechnung tragen müssen. In irgendeiner Form.

    @ Lipton, ich verstehe Dich sehr gut und kann Deine Gedankengänge gut nachvollziehen. Auch ich habe in der Vergangenheit erfahren müssen, dass es wenig Sinn macht immer und immer wieder zu vergeben, nur um dann festzustellen, dass es damit in die nächste Runde geht. Ich habe gelernt, dass man oftmals so behandelt und/oder verarscht wird, weil man es zulässt. Aus Angst den Partner oder auch (vermeintliche) Freunde zu verlieren wird man nachgiebiger, die eigenen Grenzen werden schwammiger. Indem man sich selber aufgibt und sich gnadenlos anpasst, hält man niemanden. Aber genau das ist es, was einen vor größerem Schaden bewahren kann, nämlich an den eigenen Grenzen festhalten und sie auch vertreten, ergo sich ab-grenzen von Handlungen, Gefühlen, Personen, die einem nicht gut tun. Menschen, die Dir nur gutes wollen, werden sich mühelos daran halten können. Alle anderen kannst Du sowieso in der Pfeife rauchen...

    Ich vergebe ebenfalls nur eine weitere Chance.

    Dir alles Gute,

    LG M

  9. Moderation

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    AW: Karma; Glaubt ihr daran?

    Zitat Zitat von Lipton Beitrag anzeigen
    Wenn man Jahrelang den Menschen in seinem Umfeld immer vergeben hat und immer wieder enttäuscht wurde, ist das irgendwann nicht mehr möglich... Ich bin innerlich so sehr verletzt. Ich weiss nicht warum mir meine Familie und mein Partner immer wieder so weh tun.
    Weil du ihnen nichts entgegensetzt, was sie daran hindert.

    Jemandem vergeben heißt nicht, ihm zu ermöglichen, in seinen schlechten Gewohnheiten fortzufahren! Man muß es ja nicht gleich so weit treiben wie die Tosca, die sagte, "Nun ist er tot, jetzt kann ich ihm vergeben", nachdem die den Polizeichef erstochen hatte, aber "vergeben" tut man Schuld und Schulden, vergeben heißt, man erwartet keine Rückzahlung und keine Wiedergutmachung (mehr), man schließt ab und schlägt eine neue Seite auf -- es heißt nicht, man kopiert die alte Seite wieder und wieder.

    Ich denke, du schenkst seinen Worten Glauben, weil du sie glauben willst. Was immer er sagt -- es zu glauben ermöglicht dir, mit deinem Leben fortzufahren, als könne doch alles noch so werden, wie du es dir wünscht. Aber tatsächlich ermöglicht es ihm, mit seinem Leben fortzufahren, wie *er* es sich wünscht, zu deinen Lasten. Und solange er das tut, ist das keine Reue. Reue ist tätig und erzeugt Veränderung, Reue ist, "ich kann nicht so weitermachen", Reue will wiedergutmachen und tut es dann.

    Was immer ihr da tut, ich habe nach deinen Postings den Eindruck, ihr dreht euch in einem Kreis, der euch beiden erlaubt, das gleiche zu tun, was ihr immer getan habt, und zu erwarten, daß dieses Mal das Ergebnis ein anderes sein wird. Karma, wurde hier gesagt, ist Konsequenz, und die Konsequenz, die ihr wählt, ist, daß sich nichts ändert.
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  10. User Info Menu

    AW: Karma; Glaubt ihr daran?

    Zitat Zitat von Malina70 Beitrag anzeigen
    Ich habe aber manchmal den Eindruck, dass sich diese Haltung immer mehr verbreitet. Ist ja auch ein Stück weit bequem, weil es einem einerseits das schlechte Gewissen nimmt und andererseits glauben lässt, einem selbst würde so was nicht passieren. Ich glaube, viele Krebskranke können ein Lied davon singen. Da wird dann schnell geschaut: aha, hat geraucht, öfter mal Rotwein getrunken, zu wenig Gemüse gegessen, hatte viel Stress, zu wenig Bewegung. Kann mir also nicht passieren, weil ich ja viel besser auf mich achte.
    Ja, das erlebe ich ähnlich. Und manchmal vermute ich, dass Menschen für alles, was auf der Welt passiert, eine Erklärung benötigen, damit die Dinge kontrollierbar bleiben. Wie wenig es funktioniert, erlebt man dann, wenn mal bei einem selbst was aus dem Ruder läuft, obwohl man alles getan hat, was man tun konnte.

    Zitat Zitat von Malina70 Beitrag anzeigen
    Ich glaube weder, dass alles Zufall ist, was mir im Leben widerfährt, noch dass alles beeinflussbar ist. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte.
    Sehe ich auch so.
    Mache das sichtbar, was ohne dich vielleicht nie gesehen werden würde.

    - Robert Bresson -

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