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    Sich selbst ins Aus schiessen

    ...so nenne ich das, was ich an manchen Tagen mache, jetzt einfach mal. Heute war so ein Tag.
    Ich war die Woche krankgeschrieben wegen einer dicken Erkältung, kuriere gerade den letzten Rest aus.
    Heute am Samstag habe ich mich bei meinem Nebenjob auch krank gemeldet. Nun hatte ich also einen freien Tag. Morgen habe ich etwas vor, aber heute hatte ich nichts geplant, weil ich mir bis gestern auch noch unsicher war, ob ich nicht doch arbeiten gehen werde.

    Und was habe ich mit dem heutigen Tag gemacht? Nichts!
    Ich bin in meinem Schlafanzug und in meinem Bett geblieben. Habe zuviel gegessen und nur gesurft und einen Film auf PC geschaut. Ich hing also den ganzen Tag im Selbstmitleid badend herum, wohlwissend, dass das rein gar nichts ändert oder besser macht.

    Kennt ihr das? Also dass ihr es alleine nicht schafft, euch zu irgendwas zu motivieren?

    In den letzten Wochen habe ich deshalb an meinem freien Tag in der Woche schon immer morgens einen Sportkurs besucht. Denn dann habe ich einen frühen Termin, muss danach duschen und mich anziehen. Wenn das entfällt, besteht die Gefahr, dass ich einfach den ganzen Tag vor mich hin vegitiere
    Und aufgrund meiner Erkältung fällt Sport gerade auch aus.
    Ich habe auch eine Essstörung, die sicher auch mit reinspielt (Binge Eating). Allerdings hatte ichheute nicht mal einen wirklich Fressanfall. Aber es ist irgendwie so, dass ich - wenn ich nicht morgens gleich die Kurve kriege - es den Rest des Tages auch nicht mehr schaffe. Ich heule dann immer mal wieder, esse schlecht und zuviel. Ich sorge also nicht gut für mich.

    Ich habe gerade eine Therapie begonnen (nicht meine erste) und weiß, dass das alles nicht gut ist und ich mich schlecht behandle. Aber ich weiß nicht recht, wieso ich das tue.
    Ich kann das auch nicht als Entspannung genießen, sondern ich fühle mich schlecht und eklig und ungeliebt dabei. Aber ich schaffe es auch einfach nicht, meinen Hintern hoch zu kriegen, um auch nur irgendetwas zu tun was meine Laune bessern könnte,z.B. schlichtes Spazierengehen. Wenn ich einmal diesen "Weg" für den Tag eingeschlagen habe, geht gar nichts mehr

    Kennt das jemand? Also dass es eigentlich keinen akuten Vorfall gab, man sich aber selbst irgendwie komplett ins Aus schiesst einen Tag lang?
    Und das sogar sehenden Auges!
    Es ist dann, als hinge so eine graue Wolke über mir und ich kriege sie alleine nicht weg
    Sicher wird das noch Thema in der Therapie, aber ich wollte mal euch fragen, ob ihr das kennt und vielleicht sogar überwunden habt...?

  2. Inaktiver User

    AW: Sich selbst ins Aus schiessen

    Ich finde es eher schlimm, dass du deswegen solche Schuldgefühle hast, trotz offizieller Krankschreibung. Vielleicht hättest du mehr Motivation, etwas zu unternehmen, wenn es nicht nur aus schlechtem Gewissen passieren würde?

    Kannst du dir vorstellen, dass der Teil von dir, der sich so "ins Aus schießt", das aus Trotz macht, im Sinne von Selbstsabotage?

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    AW: Sich selbst ins Aus schiessen

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Vielleicht hättest du mehr Motivation, etwas zu unternehmen, wenn es nicht nur aus schlechtem Gewissen passieren würde?
    Hier gab es ja auch schon einen Strang über extrinsische und intrinsische Motivation. Ich habe halt irgendwie kein wirkliches Hobby. Ich treffe mich gern mit Freunden auf ein Glas Wein oder einen Kaffee, gehe gern ins Theater, auf Konzerte, höre gern Musik, interessiere mich für unterschiedlichste Bands o.Ä., mag es Spazieren zu gehen oder Rad zu fahren und auch meine Hüpfkurse beim Sport machen mir Spaß. Aber ich habe kein wirkliches Hobby, also etwas, dass ich aktiv gestalte. Ich konsumiere ja eher, was andere tun (Theater, etc.).
    Nachdem ich mich heute aus lauter Langeweile und Herumsumpfen mal wieder in einer Singlebörse angemeldet habe und mich da jemand in der zweiten Mail fragte, was denn meine Hobbies seien, war das Thema wieder sehr präsent. Und ich schwanke dann halt immer zwischen "Ich habe kein wirkliches Hobby und es fehlt mir auch nicht" und "Oh je, shit, ich bin ein langweiliger Mensch". Ich habe heute sogar mal "Hobby" gegoogelt.
    Ich weiß natürlich auch nicht, ob es solche Tage nicht mehr gäbe, wenn ich so richtige Hobbies hätte, aber manchmal denke ich das. Also dass ich dann zufriedener wäre. So fühle ich mich halt oft wertlos, weil ich eben nichts Besonderes kann.

    Ich denke auch, dass es eine Art Selbstsabotage ist. Ich halte mich ja selbst davon ab, einen schönen Tag zu haben. Schließlich könnte ich auch ohne Hobby rausgehen, Radfahren, irgendwo einen Kaffee trinken und Leute gucken.
    Aber je länger ich eben herumhänge desto stärker wird ein Gefühl von "Dann ist das jetzt mit heute eh gelaufen". Echt strange

  4. gesperrt

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    AW: Sich selbst ins Aus schiessen

    ich erlaube mir einmal pro Woche einen solchen Gammeltag: nicht duschen, Gammelkleidung, komisches essen, am Compi und Fernseher rumhängen, in der Badewanne rumhängen, das ganze Programm.

    und wenn ich krank bin, dann sowieso, dann mach ich ganz offiziell gar nichts.

    ich brauch auch Termine und Strukturen, um in die Gänge zu kommen, aber ich brauche auch eine grosszügige Menge strukturloser Zeit zum ziellosen Rumhängen. Und die gönne ich mir auch, auch wenn es eine Tendenz gibt, dass ich zuwenig davon kriege.

    grüsse, barbara

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    AW: Sich selbst ins Aus schiessen

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    ich erlaube mir einmal pro Woche einen solchen Gammeltag: nicht duschen, Gammelkleidung, komisches essen, am Compi und Fernseher rumhängen, in der Badewanne rumhängen, das ganze Programm.
    Siehst du Barbara und DAS ist der Unterschied. Du genießt es und ich nicht. Das wäre sicher die Alternative zum sich schlecht fühlen. Aber ich KANN das nicht. Ich denke dann mehr so: "Und das ist nun alles, was du mit dir anzustellen weißt?!" Oder: "Und das ist jetzt das Leben?" und dann geht das Gedankenkarussell, was ich mir eigentlich so im Leben wünsche und was ich beeinflussen kann und was alles nicht erst richtig los...

  6. gesperrt

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    AW: Sich selbst ins Aus schiessen

    Es ist eine Frage von Übung und Disziplin. Ich hab auch immer eine ganze Liste von Dingen, die mir im Kopf herumspuken mit "du müsstest doch noch und du könntest doch noch und du solltest schon längst", aber der Körper und die Yin-Aspekte des Lebens brauchen auch ihr Recht.

    grüsse, barbara

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    AW: Sich selbst ins Aus schiessen

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    Es ist eine Frage von Übung und Disziplin.
    Hihi...das gefällt mir, wo ich mich doch so schrecklich undiszipliniert fühle
    Ich werde das in Zukunft einfach meinen Yin-Tag nennen und mich diszipliniert fühlen
    Wenn das nur so einfach wäre...seufz

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    AW: Sich selbst ins Aus schiessen

    Hallo amethyst30,
    ich finde dass du sogar jede Menge Hobbys hast
    Was ich hier gelesen habe, kommst du mir eigentlich wie ein sehr aktiver Mensch vor.
    Ich treffe mich gern mit Freunden auf ein Glas Wein oder einen Kaffee, gehe gern ins Theater, auf Konzerte, höre gern Musik, interessiere mich für unterschiedlichste Bands o.Ä., mag es Spazieren zu gehen oder Rad zu fahren und auch meine Hüpfkurse beim Sport machen mir Spaß.
    Gehst du nicht ein bisschen sehr streng mit dir selbst ins Gericht?
    Genau diese Sätze könntest du doch als Hobby angeben. Warum denn nicht?
    Du bist doch berufstätig, hast sogar noch einen Nebenjob. Also musst du doch auch mal richtig ausspannen dürfen.
    Wenn du dir selbst zugestehen und erlauben würdest mal nicht aktiv sondern einmal richtig "faul" sein zu dürfen, dann würdest du es vielleicht auch genießen können?
    Ich wünsche dir erstmal gute Besserung!

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    AW: Sich selbst ins Aus schiessen

    Luzerne...vielen lieben Dank für die liebe Antwort

    Ja ich bin berufstätig und habe samstags noch einen Nebenjob.
    Da ich ab nächstem Monat in meinem Hauptjob wohl eine Gehaltserhöhung erhalten werde, bräuchte ich den Nebenjob nicht mehr und habe mir eigentlich vorgenommen, ihn nur noch bis Ende des Jahres auszuüben.
    Aber da mir dieses Rumhängen ja meistens an komplett freien Tagen passiert, überlege ich nun schon wieder, doch weiter samstags zu arbeiten, um keinen weiteren freien Tag zu haben.
    Doch es kann ja nicht sein, dass ich mich nur gut fühle, wenn ich arbeite - also etwas leiste

    Lernen sich beim Nichts- bzw. Wenigtun gut zu fühlen...das fällt mir echt schwer. Vielleicht liegt ein entscheidender Unterschied schon darin, es bewusst zu tun (so wie Barbara) oder eben unbewusst so reinzuschlittern wie ich heute.

    Dieses "Ganz oder gar nicht" stört mich halt auch, also dass ich dann sage "Jetzt ist eh alles egal" und mir am besten noch eine Pizza und Eis beim Lieferservice bestelle (um mich dann natürlich noch schlechter zu fühlen, weil ich mich ja gern gesünder ernähren möchte). Ich sorge eben nicht gut für mich. Das kann sich also gar nicht gut anfühlen. Wenn ich jetzt eingekauft hätte und kochen könnte für mich oder mir einen Film ausgeliehen hätte...aber nein, nichts.
    Wahrscheinlich läuft fast jedes Problem im Leben auf mangelnden Selbstwert hinaus...

  10. User Info Menu

    AW: Sich selbst ins Aus schiessen

    Du machst es dir wirklich nicht leicht

    Ich selbst gehe arbeiten (und ich gehe wirklich gern arbeiten!) um mit dem verdienten Geld gut leben zu können.
    Da gehört auch mal eine Pizza vom Lieferdienst und ein Eis für mich dazu.
    Wenn ich mir nichts gönne (muss nicht immer Essen sein,kann auch ein schöner entspannterTag sein) dann werde ich nämlich so unzufrieden dass ich mich selbst nicht mehr ausstehen kann
    Mach dir doch morgen einen großen Salat und fahre eine größere Runde mit dem Rad. Dann ist doch die Pizza von heute schon wieder vergessen.

    Ich bin aber auch so ein komischer Esser.
    Meine Familie ist über das Wochenende weggefahren und ich musste wegen der Arbeit daheim bleiben.
    Tagsüber kann ich mich mit dem Essen wunderbar zusammenreißen, auch weil ich abgelenkt bin - eben durch die Arbeit, durchs einkaufen, putzen und so weiter.
    Aber wehe wenn der Abend kommt: Erst habe ich mir ein schönes Abendessen gekocht (eine Belohnung für mich wegen einem stressigen Tag, Belohnung fürs alleine daheim geblieben sein?) dann vor dem PC oder Fernseher ein Schnippelchen Käse....oder noch eines....dann ein paar Chips, ein paar Gummibären, Schokolade....so geht das dann in einem fort.

    Tröste dich: Auch ich werde morgen eine extra große Radtour einlegen müssen
    FALLS ich mich dazu aufraffen kann, selbstverständlich nur

    Ich drücke dir die Daumen dass du dich ein bisschen lockerer sehen kannst. Und dass du Fehler von heute nicht so schwer nehmen musst viele kann man ja wieder ausbügeln

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