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  1. Inaktiver User

    AW: Warum traue ich mich nicht, meine Bedürfnisse zu kommunizieren?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    1. Aufgaben müssen richtig und gewissenhaft erfüllt werden.
    2. Wenn ich Aufgaben nicht erfüllen kann bzw. "von" oben alles Wischiwaschi ist, dann habe ICH die Verantwortung, die mir übertragenen Aufgaben TROTZDEM richtig zu machen. - Es wäre hier absolut FALSCH sich zurückzuziehen und die Klappe zu halten, selbstständig herumzudoktorn.
    Meine Gedanken dazu: Aufgaben richtig und gewissenhaft erfüllen ist natürlich eigentlich eine Grundvoraussetzung. Problem ist, dass es a) nicht in allen Bereichen ein richtig oder falsch gibt und dass b) Chefs manchmal sehr eigene Ansichten darüber haben, was richtige und gewissenhafte Arbeit ausmacht.

    Ich versuche, meinen Arbeitsauftrag so gut wie möglich zu erfüllen, aber ich habe aufgehört, mich komplett aufzureiben, um scheinbar perfekte Ergebnisse abzuliefern - die dann in den Augen anderer doch nicht so perfekt sind. Man steckt halt nicht im Kopf der Chefs und Kollegen. Fehler und Misserfolge gehören dazu und es gibt diesen Spruch, dass man 80 Prozent der Arbeit in 20 Prozent der Zeit erledigt - der Rest ist Kür. Da ist in meinen Augen viel Wahres dran.

    Gleiches gilt im Prinzip für die Situation, dass es fehlende oder widersprüchliche Vorgaben gibt. Du bist keine Telepathin oder Hellseherin (vermute ich zumindest ). Du kannst deine Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen machen, aber wenn du mangels Informationen bestimmte Dinge nicht machen kannst dann ist das eben so. Das kannst du dann nur klar kommunizieren und abwarten.

    Das kann extrem unbefriedigend sein, aber das gehört wohl leider zum Berufsalltag dazu. Ich habe lange versucht, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen, weil ich es ganz schlimm fand, Dinge einfach ihren Lauf nehmen zu lassen. Aber wenn man sich zu sehr reinhängt läuft man Gefahr, sich zu verzetteln, und das ist sicherlich nicht Sinn der Sache.

  2. Inaktiver User

    AW: Warum traue ich mich nicht, meine Bedürfnisse zu kommunizieren?

    @ dharma
    Ich bin da diplomatisch - im Job wie in der Ehe. Letzendlich ist es der Mann oder der Chef der glaubt es ist sein genialer Gedanke *g*
    Wow. Und wie machst Du das?! Hast Du mal ein Beispiel???

    Ich finde diesen Ansatz sehr interessant. Auch das, was Du über Kritik und Vorschläge geschrieben hast.
    Fürchte, ich habe da irgendwie "in mir" ein Defizit bzw. trage ein Missverständnis mit mir rum.
    Vielleicht habe ich es einfach nie gelernt, Kritik zu üben. (Wie geht das?! .... bzw. ich kenne mich sogar aus mit diesem "konstruktive Kritik üben", positives zuerst usw. ... aber irgendwie... ach ich weiß auch nicht... ist irgendwie noch nicht "in mir" angekommen.)

    Für mich ist Kritik etwas, das Beziehungen in Frage stellt und auch die Wertschätzung, die man jemandem entgegenbringt. Wenn ich an jemandem Kritik äußere, dann fühlt sich das irgendwie so an, als würde ich den ganzen Menschen und meine Beziehung zu ihm in Frage stellen.
    Vielleicht liegt es auch daran, dass ich immer viel zu lange warte... wie oben gesagt, es müssen ja schon ein paar Dinge vorgefallen sein, bis ich mich mal dazu entschließe, etwas zu sagen. Bzw. oft ziehe ich mich dann einfach zurück.
    Das fühlt sich nicht gut an. Ich möchte das gerne ändern.


    Woodstock 62

    Du siehst... alles halb so schlimm, wenn man nicht alles schluckt. Also steh für Dich ein! Dann wird man auch ernster genommen, so meine Erfahrung.
    Ein schönes Beispiel! So weit bin ich noch lange nicht, aber es macht mir Mut! Danke!


    emdi

    Ich versuche, meinen Arbeitsauftrag so gut wie möglich zu erfüllen, aber ich habe aufgehört, mich komplett aufzureiben, um scheinbar perfekte Ergebnisse abzuliefern
    Super! Genau so erscheint mir das richtig.

    Ich würde da auch gerne hinkommen, bzw. einfach ein besseres Gefühl dafür entwickeln, was "angebracht" ist und was nicht.
    Hab einfach furchtbare Angst, dass ich mich verzetteln könnte, wenn ich mich "ernsthaft" mit einer Aufgabe beschäftige.

    Ganz seltsam irgendwie... ich glaube, ich denke da einfach auch zu dualistisch... entweder Bore-Out oder Burn-Out... für mich scheint es (noch) nichts dazwischen zu geben, obwohl das natürlich Quatsch ist.

    Genauso dachte ich früher aber auch über Freundschaften... entweder ganz dicke oder gar nicht. Mittlerweile habe ich da eine recht angenehme Einstellung zu und mich von ein paar symbiotischen Charaktären auch getrennt...

    Vielleicht gelingt mir das ja auch mal bezüglich meiner Arbeitshaltung. Das wäre super!



    @ all

    Vielleicht hilft ein Zeitplan?!
    Vielleicht hilft es, gewisse "Gedankenzeit" für den Job auch in diesen Zeitplan mit aufzunehmen?
    Wie könnte das konkret aussehen?!

    (Nur so eine Idee...)

  3. Inaktiver User

    AW: Warum traue ich mich nicht, meine Bedürfnisse zu kommunizieren?

    Hallo Natascha,

    ja diese Kommunikationstrainer - Ich-Botschaften, immer positiv bleiben - bla bla. Kenne ich, hab ich auch schon mitgemacht. Paßt sicher auch mancherorts gut.

    Im Freundes- und Familienkreis und in der Partnerschaft lebe ich aber nicht so kompliziert. Mir paßt was nicht - raus damit. Und zwar pronto - sofort ohne Umweg. Was ich aufschiebe staut sich an, wird größer und wenn ich dann platze.... da will niemand dabei sein, wirklich nicht *g* von daher geht das direkt vom Seelenschmerz zur Zunge.... und glaub mir, da sortiere ich nicht, nach "Positiv zuerst" oder "Ichbotschaften" -
    Und gern auch mal sehr direkt - ich bin nicht Harmoniesüchtig ich finde Streits gehören zum Leben dazu. Bei uns wird es auch mal lauter. Warum auch nicht.

    Meine Freunde wissen wie ich ticke und können sich deshalb 1000 % darauf verlassen, dass stimmt was ich sage - egal ob es positiv oder negativ ist.

    Die Wahrheit ist keine Geschmacksfrage - wer sie nicht verträgt ist hier falsch.

    Im Job geht das so nicht immer. Ich stand schon auf beiden Seiten, war selbst schon Chefin. Ich kenne also die Fronten ganz gut.

    Sich durchsetzen - gerade als Frau - ist auch nicht immer einfach, ich weiß das gut. Mein Berufsleben fand und findet in einer Männerwelt statt. Männer ticken anders als Frauen und gerade deswegen ist es so leicht als Frau unter Männern.

  4. Inaktiver User

    AW: Warum traue ich mich nicht, meine Bedürfnisse zu kommunizieren?

    Oh ich kam vom Thema ab - ich hab Kopfweh heute -

    Kritik ist nie auf die gesamte Person bezogen nur auf ein Verhalten. Zieh dir nicht jeden Schuh an, auch wenn sie rumstehen *g*

    Was mir aufgefallen ist - du schreibst oft "wer bin ich, dass ich...." ????? Ja wer bist du? DU bist in erster Linie der wichtigste Mensch auf dieser Welt, allein weil es dich gibt! So wie jeder andere Mensch auf dieser Welt auch.

    Und deine Wünsche und Bedürfnisse sind für dich genauso wichtig wie die Wünsche und Bedürfnisse Anderer.

    Nur gehen deine vor *g* Ein wenig gesunder Egoismus, ein wenig "wenn ich glücklich bin, kann ich auch andere glücklich machen" und schon läuft es runder.

  5. Inaktiver User

    AW: Warum traue ich mich nicht, meine Bedürfnisse zu kommunizieren?

    Liebe Dharma!

    Danke für Deine Antwort! :)

    Ich habe gerade noch mal "Kritik" nachgelesen. Ich habe da, glaube ich, gründlich etwas missverstanden und obwohl ich dachte , dass ich das schon alles kenne... ach ja, man lernt nie aus.

    Interessant finde ich an Deinem Post - gut, dass Du etwas abgewichen bist - , dass es für Dich total in Ordnung ist, wenn es "mal knallt".
    Das kann ich GAR NICHT ausstehen. Ich bin immer supervorsichtig bei Kritik in Freundschaften und in der Beziehung. Die eine Freundin, mit der ich nicht mehr befreundet sein konnte, ist -glaube ich- auch so ein Typ, die ganz gerne mal gestritten hätte. Nur ich mag das einfach nicht und sie hat meine "leisen Töne" nicht verstanden.

    Ich will Dich und Dein Verhalten damit überhaupt nicht kritisieren... *lach*, aber würdest Du Dich mir anschließen, wenn ich sage, dass "wir" einfach zwei Menschen sind, die evtl. nicht miteinander befreundet sein könnten? Weil ich Dir zu sehr "herumeiern" würde und Du mir vielleicht zu direkt wärst?!

    Bin gespannt, was Du antwortest!

    Viele Grüße!

  6. User Info Menu

    AW: Warum traue ich mich nicht, meine Bedürfnisse zu kommunizieren?

    Hallo ihr zwei,

    wenn ich darf klinke ich mich ein, sehr schönes Thema!

    Kurze Vorstellung: ich bin ein sehr direkter Mensch, tendiere eher in Richtung Dharma, allerdings kann ich superschlecht NEIN sagen und möchte immer, dass mich alle lieb haben (Waage )

    Natascha, auch wenn du den Fokus jetzt eher auf das Thema Beruf legst, würde ich gerne noch etwas zu dem Abschnitt sagen:
    natascha28: andererseits habe ich lange über besagte Freundschaften nachgedacht und auch schon im Vorfeld "etwas gesagt". Deutlicher werden konnte oder wollte ich irgendwie nicht. Ich frage mich immer noch, ob das "richtig" war, ob ich mehr hätte tun "sollen", oder ob einfach schon so der Wurm drin war, dass meine Entscheidung richtig war.
    Ich finde, das kommt auf das Level der Beziehung/Freundschaft an. Meine engen Freunde wissen, woran sie sind, weil ich ehrlich bin. Diejenigen, die das nicht packen, sind keine Freunde mehr. Und bei Bekannten, die nicht so eng sind, da schlucke ich auch mal was runter, weil es mich nicht betrifft bzw. nichts angeht.
    Du solltest Freundschaften haben, wo du so akzeptiert wirst, wie du bist, und dabei hast du dann auch das Gefühl, dass du was sagen darfst. Wenn du nicht deutlicher werden wolltest, dann passt das auch, mach dir nicht weiter Gedanken. Die meisten Menschen kannst du nicht ändern, daher lohnt sich die Mühe nur für wirkliche Freunde.

    Ich sage meiner besten Freundin, wenn sie wieder mal auf höchstem Niveau jammert oder so tut, als wäre das Leben ein Wettrennen. Und meist kommt dann "Ja, du hast Recht". Das ist nicht böse gemeint, ich versuche nur ihr klarmachen, dass sie das bei mir alles sagen darf aber bei anderen Leuten damit extrem seltsam rüberkommt... Und ebenso ehrlich ist sie zu mir - sehr erfrischend, manchmal auch schmerzhaft, aber immer lehrreich!

    Nun allgemein:

    natascha28: Für mich ist Kritik etwas, das Beziehungen in Frage stellt und auch die Wertschätzung, die man jemandem entgegenbringt.
    Nein gar nicht, das siehst du viel zu negativ. Kritik muss manchmal sein, aber nicht weil man jemanden in Frage stellt, sondern weil man unterschiedliche Standpunkte hat oder jemand etwas falsch gemacht hat. Und -gerade bei guten Chefs - kann sie sehr hilfreich sein. Nenn es doch einfach auf gut Deutsch "FEEDBACK" dann bekommt das vielleicht einen positiveren Charakter

    Dharma09: Kritik ist nie auf die gesamte Person bezogen nur auf ein Verhalten.
    "sollte" - das kommt immer drauf an, wie sie formuliert ist. Wenn man sagt "Es ist total doof wie du immer alles falsch machst" dann ist das durchaus personenbezogen. Aber wenn man richtig Kritik übt, nämlich sachbezogen, in der Ich-Form und mit Beispiel, dann klingt das schon anders... und dann verletzt man auch niemanden.

    Zum Thema Beruf:

    natascha28: Bzw. oft ziehe ich mich dann einfach zurück. Das fühlt sich nicht gut an. Ich möchte das gerne ändern.
    Im Berufsleben ist es auf den ersten Blick schwerer, zu sagen was man will, als bei Freunden. Aber auch hier gelten die gleichen Regeln: wenn du nicht nörgelst, sondern konstruktiv etwas anbringst, in der richtigen Situation und im richtigen Tonfall, dann bist du absolut im Recht.
    Hier hilft tatsächlich, kleine Schritte zu gehen: mal mit Kollegen versuchen. Bei unwichtigen Themen vorsichtig ansprechen. Und dann mutiger werden. Wichtig: wenn dann jemand beleidigt ist nicht auf dich beziehen, die meisten Leute haben ein Problem damit, wenn sie mit der Wahrheit konfrontiert werden.

    Ich habe letzte Woche zum ersten Mal richtig NEIN gesagt und obwohl es nicht geholfen hat (der Job muss nunmal gemacht werden) habe ich mich unendlich gut gefühlt dabei. EIn bisschen was geändert hat sich auch dadurch. Und mein Chef fand es super, er hat mir extra später nochmal gesagt wie wichtig er das fand und ich soll das bitte wieder machen.

    Ich denke bei alldem, du musst dir erstmal etwas sicherer werden, wer du bist und was du willst. Und aufhören, dich zu fragen wem du auf die Füße trittst und dafür zu überlegen, dass das Leben einfach zu kurz und zu kostbar ist, um dir auf dem Kopf herumtrampeln zu lassen.

    LG
    Cy
    Geändert von Cytheria (10.10.2012 um 15:30 Uhr)


    Cytheria

  7. Inaktiver User

    AW: Warum traue ich mich nicht, meine Bedürfnisse zu kommunizieren?

    @ Cytheria

    Na klar "darfst" Du. Vielen Dank für Deinen ausführlichen Beitrag!

    Du hast recht, ich muss mir einfach klar(er) werden, was ich will... bin damit durch diesen Strang und eigene Recherche in den letzten zwei Tagen auch schon ein gutes Stück weitergekommen. Jetzt geht es darum, das Erlernte auch in der Praxis anzuwenden. Wird wohl noch ein bisschen dauern, aber ich glaube, ich bin dabei, die Kurve zu "kriegen", einfach dadurch, dass ich sie schon mal "erkennen" kann.


    Zu dem, was Du über Freundschaft geschrieben hast.

    Ich stimme Dir in allen Punkten zu.

    Für mich war lange nicht klar (und ist es auch immer noch nicht so ganz), was es eigentlich bedeutet eine "gute Freundschaft" zu pflegen.
    Besagte Freundin und ich waren nämlich schon sehr "eng", für meinen Geschmack sogar zu eng. Wir haben uns auch alles erzählt und ich habe oft von ihrem guten Rat profitiert, aber bei vielem, was von ihr kam, stellten sich mir einfach die Nackenhaare auf! Oft hatte ich auch das Gefühl, dass sie einfach "zu viel" von mir wissen will. Ich habe dann in meiner milden Art auch was dazu gesagt, also durchaus Feedback gegeben... was aber meistens von ihr nicht akzeptiert wurde, sie fühlte sich dann irgendwie ungeliebt und wir mussten lange darüber reden.Was zum nächsten Punkt führt: Sie hat für meinen Geschmack immer viel zu viel Redezeit beansprucht, einfach, weil sie alles bis ins letzte Detail (mehrmals) durchkauen musste um sich gut zu fühlen, oder meine leise Kritik langsam zu verinnerlichen.
    Vereinfacht gesagt, sie beanspruchte für sich Glaceehandschuhe, und ist mir immer wieder etwas zu sehr auf den Füßen rumgetrampelt. Ich habe lange versucht, das zu akzeptieren, zumal von ihr auch oft solche Sachen kamen wie "Nur Dir kann ich das erzählen" usw.

    Das ganze ging über Jahre und irgendwann konnte ich einfach nicht mehr. Ich habe ihr im Laufe der Zeit mehrmals eine psychologische Beratung angeraten, die sie sogar versucht - aber dann abgebrochen hatte, mit der Erklärung, dass das ja sowieso nichts bringen würde.

    Ich glaube daher, dass sie mit mir eine sehr tolerante und einfühlsame Person hatte, bei der sie sich vieles trauen "durfte". Da aber schon andere enge Freundschaften von ihr in die Brüche gegangen sind, bzw. sie wegen ihrer Art immer mal wieder Probleme mit Menschen hatte, glaube ich, dass ich schon irgendwo "im Recht" war, die Grenze zu ziehen und erstmal auf Abstand zu gehen.

    Es fiel mir wahrlich nicht leicht, zumal ich sie auch nicht "im Stich" lassen wollte, aber unsere Beziehung war einfach nicht mehr schön, zumindest nicht für mich. Das hat sie übrigens nicht gemerkt.


    Wie gesagt, was ich mir noch vorwerfe (manchmal) ist, ob ich nicht einfach hätte deutlicher werden müssen. Aber ich bin nicht so ein "Streithahn" ... das ist nicht meine Art.


    So... wie dem auch sei... zumindest habe ich dadurch gelernt, dass eine gute Freundschaft nicht ausmacht, wenn "gesagt" wird, dass man gut Freund ist und über alles reden kann. Sondern dass andere Dinge viel wichtiger sind, wie Gemeinsamkeiten, Spass usw.

    Ich genieße gerade die Zeit mit anderen Menschen, bei denen das wunderbar funktioniert.

    Viele Grüße!

    Natascha

  8. Inaktiver User

    AW: Warum traue ich mich nicht, meine Bedürfnisse zu kommunizieren?

    Hallo Natascha!

    Erst einmal möchte ich dir sagen, dass ich es toll finde, dass du die Dinge in deinem Eingangspost schon sehr differenziert siehst. Das ist prima!

    Ich finde, es zeugt von Fingerspitzengefühl, dass du daran denkst, dass du den Kunden vielleicht bloßstellen könntest, wenn du ihn zum dritten Mal daran erinnerst, dass die fehlenden Unterlagen für ihn wichtig sein könnten. Ich würde dennoch eine freundliche Bemerkung dazu machen, weil es meinem Typ entspricht. Wenn er doch Vorteile davon hätte, muss ich ihm das doch sagen. Es wäre aber vielleicht gar nicht angebracht, es viermal zu tun …

    Kritik … verträgst du selber Kritik? Das hängt ja meist zusammen: Man will nicht austeilen, wenn man nicht einstecken kann, in der Hoffnung, dass man dann verschont wird.

    Vielleicht solltest du nicht an "Kritik" denken, sondern an Verbesserungshinweise oder das Benennen von Eckdaten.
    Was spricht dagegen, einer Kollegin zu sagen: "Danke für die Unterlagen. Bitte reichen Sie beim nächsten Mal xy gleich mit ein, dann geht die Bearbeitung schneller."
    Man kann auch konkreter werden: "Ich bearbeite die Sache, sobald ich auch xy vorliegen habe. Am Besten wäre es, Sie reichen es bis morgen nach, geht das?" Ich finde, mann darf auch mal Bedingungen aufstellen.

    Mir geht es wie dir: Ich vertrage Streit und sehr direkte, scharfe Äußerungen nicht so gut. Freundschaften mit derart veranlagten Menschen sind leider auf Dauer nicht gut gegangen. Ich brauche eine gewisse Höflichkeit und Freundlichkeit, um mich respektiert zu fühlen. Andere sind da härter im Nehmen und für die ist diese Art okay.

    Dahinter steckt aber vielleicht auch, dass es für mich nicht selbstverständlich ist (so wie für die direkten Typen) mich für meine Bedürfnisse einzusetzen. Ein "liebes" Mädchen macht das nicht …, sagt nicht: "ICH möchte jetzt …!"
    Nicht, dass ich heute noch ein liebes Mädchen sein wollte, aber diese Lehrsätze, was gut und was böse ist, sitzen tief.

    Kannst du wütend werden? Richtig direkt und einfach mit Wut auf ein unangemessenes Verhalten reagieren?
    Ich meine nicht diesen in einem schwelenden Ärger: "Der hat aber …, das war jetzt aber… so etwas von bescheuert! Wie kann man nur …"
    Ich denke, wer seine Bedürfnisse und Grenzen wahr und ernst nimmt, kann auch wütend werden und ohne langes Zögern seine Interessen vertreten, weil es sein gutes Recht ist.

    Übrigens muss die Art, in der Kritik geäußert wird, auch zu der Person (zu dir) passen.

    Wenn jemand sich für seine Bedürfnisse einsetzt, dass aber mit einem Gefühl von Peinlichkeit tut, weil er es eigentlich als … unhöflich, zu egoistisch, ungewöhnlich etc.pp. empfindet, spürt das das Gegenüber und neigt dann schon deshalb dazu, ein ganz normales Anliegen zurückzuweisen. Vielleicht ist er innerlich sogar empört. Wenn der Bittende/ Einfordernde selbst schon nicht von seiner Sache überzeugt ist, dann muss da ja etwas faul sein.

    Ich glaube, man muss nicht unbedingt auf den Tisch hauen, man kann auch freundlich und sachlich aber konsequent seine Bedingungen formulieren. Dafür wird man auch respektiert. Eindeutige, verständliche Aussagen, die man selbst auch beibehält.
    Geändert von Inaktiver User (14.10.2012 um 13:56 Uhr)

  9. User Info Menu

    AW: Warum traue ich mich nicht, meine Bedürfnisse zu kommunizieren?

    Ich habe den Eindruck, Du hast Deine eigenen Maßstäbe noch nicht so recht gefunden - weder bei Beziehungen zu anderen noch im Job.

    Niemand wird Dir sagen können, wann irgendwas gut genug ist oder wann etwas zuviel oder zu wenig ist.
    Das wirst Du schon für Dich selbst ausloten und festlegen müssen. Und genau das sind Deine Grenzen.
    Die kannst Du dann guten Gewissens verteidigen.

    Dabei kannst Du ganz sachlich bleiben:
    "Weil mir das sehr wichtig ist, entscheide ich so - auch wenn dabei X, was ich für vernachlässigbar halte, unter den Tisch fällt." So beziehst Du Position! Du begründest, damit die anderen Dein Handeln nachvollziehen können, aber Du bist nicht verpflichtet, deswegen davon abzugehen, nur weil andere damit ein Problem haben.

    Wenn Du es immer allen recht machen willst, dann reibst Du Dich nur auf. Dann wird jeder versuchen, Dich seinen Anforderungen zu unterwerfen - und Du hechelst hinterher, weil Du Angst hast, Dir sonst das Wohlwollen der anderen zu verscherzen. Besser ist, wenn Du Deinen eigenen Standpunkt findest, was richtig und was falsch ist, und dazu stehst.
    Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!

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