Es ging um eine Definition von Erfolg. Mir war diese sehr sympathisch. Eben nicht zu sagen, Erfolg ist, wenn man 100.000 Euro jährlich verdient oder wenn man am Burgtheater spielt etc.
Zu sagen, Erfolg ist, wenn man seinen künstlerischen Interessen nachgehen kann, wirkt erst einmal bescheiden, aber wenn man genau hinguckt, liegt da die Latte schon ganz schön weit oben. Künstler machen eben auch nicht immer, was sie wirklich interessiert.
Aber da die arme Blueserin sich vorhin schon so aufgeregt hat, dass die Schrift ganz orange geworden ist: Von welcher Kunstrichtung sprechen wir denn? Ein Pianist ist und lebt (vermutlich) anders als ein Komponist, ein Rockmusiker anders als ein Balletttänzer, ein Poet anders als ein Romancier, ein Maler anders als ein Bildhauer … *Luft hol* … so in der Richtung halt …
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Ergebnis 21 bis 30 von 37
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21.09.2012, 21:18Inaktiver User
AW: Künstlerisch-persönliche Offenheit
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21.09.2012, 21:32
AW: Künstlerisch-persönliche Offenheit
kommt drauf an. regelmässig den künstlerischen Interessen nachgehen - und sei es nur während zwei Stunden pro Woche - das ist leicht und kann einen über die Jahre überraschend weit bringen. jeder kann den künstlerischen Interessen nachgehen - soll mir niemand sagen, es sei nicht möglich, einen Abend pro Woche zu reservieren und sich ein paar Stifte udn Papier zu besorgen, oder ein günstiges Musikinstrument, oder was auch immer man gerade braucht.
Ausserdem tut's meiner Meinung der Kunst ganz gut, wenn sie durch einen Brotberuf und die Notwendigkeiten der schnöden Welt geerdet wird.
Kunst lebt in erster Linie von Regelmässigkeit und Beharrlichkeit, darin sind sich alle Kunstformen gleich. Meister fallen nicth vom Himmel, sondern sie müssen üben, üben, üben und nochmals üben.
Und Künstler müssen aktzepieren, dass sie die Dinge am Anfang schlecht machen, um sie später dann besser machen zu können. Von daher verstehe ich die Verachtung nicht ganz, die manche professionellen Künstler für die Amateure zu haben scheinen - auch die Profis mussten doch da mal durch.
grüsse, barbara
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21.09.2012, 23:24
AW: Künstlerisch-persönliche Offenheit
die meisten künstler haben einen 9-17 job, um die familie ernähren zu können. an der kunst wird davor oder danach gearbeitet oder am wochenende oder wann man sonst sich zeit aus den rippen schneiden kann. dann muss eben mal ein gedicht in der halben stunde zwischen kinderabholen und abendbrotbereiten geschrieben werden. wo sind da andere freiheiten? viel rotwein und wechselnde partner, wilder sex und tiefgründigste gespräche? hätte man gerne, hat nur die ehefrau was gegen. und der müll muss auch noch runtergebracht werden.
keine ahnung, wer dieser dichter gewesen sein soll. man kann auf alle möglichen sätze hinweisen, das macht sich immer gut. dieser eine satz ist vielleicht wirklich für diesen einen dichter wichtig, aber das war es auch schon. von einem auf alle zu schließen hat mit der realität nichts zu tun. man schließt auch nicht von einem arzt auf alle und schon gar nicht auf alle, die im gesundheitswesen arbeiten. dieses nebulöse buhei, was um künstler gemacht wird, gehört erleuchteten gurus, aber nicht doch einem künstler.
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22.09.2012, 00:12Inaktiver User
AW: Künstlerisch-persönliche Offenheit
Okay, so kommen wir nicht weiter, sondern kriegen uns höchstens in die Haare.
Susisa, hast du die Antworten bekommen, die du gesucht hast?
Dann gehe ich mal darauf ein. Ich bemühe mich eigentlich immer, mein wahres Selbst zu zeigen. Zum einen ist es einfacher. Ich muss dann nicht überlegen und taktieren. Zum anderen habe ich mich dafür entschieden, ich möchte so leben.
Aber natürlich wäge ich je nach Situation ab, WIE VIEL ich zeige. Es wäre ja nicht gerade passend, wenn ich jemandem, mit dem ich beruflich zu tun habe, von meinem Liebeskummer berichte, selbst wenn der für mich gerade oberste Priorität hat. Auch einem Freund, dessen Mutter gerade gestorben ist, würde ich nicht unbedingt davon erzählen.
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22.09.2012, 08:03
AW: Künstlerisch-persönliche Offenheit
wobei auch erleuchtete Gurus, wie alle andern auch, am Abend vor dem Schlafengehen die Zähne putzen, an den Geburtstag des Ehemanns denken und regelmässig den Müll runter bringen müssen.
Ich les jetzt gerarde Verlaine, den französischen Dichter - der Typ war ja in der Tat sowas von emotional instabil. Aber ich zweifle doch massiv daran, dass es seine Instablitität war, die ihn zum guten Dichter machte, der er war. Wäre er etwas weniger Dramaqueen gewesen und hätte weniger Absinth getrunken, hätte er möglicherweise viel mehr Gedichte geschrieben. Und auch er verdiente seinen Lebensunterhalt als Büroangestellter. Das heisst, bis er wegen seiner ständigen Probleme rausgeschmissen wurde.
Aber das kann man ja auch anders machen.
grüsse, barbara
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22.09.2012, 08:55Inaktiver User
AW: Künstlerisch-persönliche Offenheit
Ohne alles gelesen zu haben: Ich habe ja eher den Eindruck, dass in der heutigen Gesellschaft von Amateuren wie Pseudo-Profis wirklichen Profis oder solchen, die es werden wollen, Verachtung entgegen gebracht wird. Ich denke an die ganzen Castingshows: gesucht werden überwiegend Leute, die zwar irgend etwas können, aber sie sollen es sich selbst beigebracht haben, "authentisch" klingen, und Gesangsausbildung ist sowieso pfuibäh und immer gleich "Musical" (wobei ich gar nicht weiß, warum Musical der Inbegriff des musikalischen Teufels ist).
In der Tat: ein Künstler ist niemand, weil er so "künstlerisch" ist, sondern, weil er irgend etwas wirklich gut kann und auch gelernt hat. Und das Üben und Lernen: das ist praktische Arbeit, keine Kunst. Dazu kommt dann noch ein eigener Ausdruckswille, ein Gespür für bestimmte Dinge. Und eine gewisse Begabung, eine Anlage, so dass einem das Lernen leichter fällt und bei vollem Ausschöpfen der Anlage das Ergebnis ein möglicherweise überragendes ist (wobei es manchen anfangs auch gerade NICHT leicht fiel). Aber ansonsten gilt immer noch: Genie ist 10% Inspiration, 90% Transpiration. Uncoole Einstellung, ist aber so.
Was die künstlerisch-persönliche Offenheit angeht: ich halte das ebenso für einen Mythos. Oder: möglicherweise ist es eine Form, seine Kunst zu leben. Aber auch nur eine. Und Schüchterheit und Introvertiertheit und das Stehen auf einer Bühne schließen sich überhaupt nicht aus. Es gibt genug (Auto-/)Biographien von scheuen Künstlern.
Gruß Sin
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22.09.2012, 09:45
AW: Künstlerisch-persönliche Offenheit
Das erlebe ich nicht so. Leuten, die ganz offensichtlich etwas können, wird doch immer Bewunderung und teilweise bis Verehrung zugewandt. Egal ob das ein Fussballer mit Zauberflanken ist oder ein Artist im Zirkus oder ein Musiker oder ein Komiker oder was auch immer.
Ausnahmen sind jene Formen von Kunst, die Hässlichkeit und Zerrissenheit zelebrieren. und jene Formen von Kunst mit allzu offensichtlichem pädagogischen Anspruch. Da kann die handwerkliche Seite noch so gut sein, das spricht einfach nicht zur Seele des Betrachters. Ich brauch keine Musik (auf alle Fälle nie länger als drei Minuten), die mir mit ihren Dissonanzen die Nerven zerreisst, da kann sie noch so sehr "interessant" oder "anspruchsvoll" sein. Ich brauch auch keine Skulpturen, die mich jedes Mal zu köpfen drohen mit spitzen Elementen, und ich brauch keine Bilder, die aussehen wie ein seziertes Magengeschwür. Und in Büchern mag ich ein Happy End und nicht in der Luft hängen gelassen zu werden mit weltschmerzlichem Selbstmitleid.
Das ist mir auch nicht klar... Musicals sind doch toll!und Gesangsausbildung ist sowieso pfuibäh und immer gleich "Musical" (wobei ich gar nicht weiß, warum Musical der Inbegriff des musikalischen Teufels ist).
grüsse, barbara
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22.09.2012, 10:29
AW: Künstlerisch-persönliche Offenheit
Nun das ist eben nicht so. Künstler die wirklich groß sind und nicht nur den Massengeschmack bedienen sind ihrer Zeit oft weit voraus und damit in ihrer Gegenwart meist unverstanden, tragische Beispiele sind z.B. van Gogh oder Beethoven.
Immerhin kann es sein, dass genau das in hundert Jahren dem Massengeschmack entspricht, siehe z.B. hier.
Da kann man durchaus geteilter Meinung sein ... was ja nicht bedeuten muss, dass man sie deshalb verteufeln muss.
Zum Thema:
Ich bin durchaus der Meinung, dass ein Künstler durch seine Kunst ein besonderes Kommunikationsmittel zur Verfügung hat, manchmal sein Einziges. Es gibt sicher viele Künstler mit geradezu autistischen Verhaltensmustern (ich denke hier weniger an Interpreten, mehr an Komponisten oder bildende Künstler), die aber mit ihrer Kunst große Ausdrucksmöglichkeiten haben. Ich glaube, dass die Auseinandersetzung von Künstlern mit der Umwelt auf Wegen stattfindet, die man als "normaler" Mensch nicht wirklich nachvollziehen kann und dass viele von ihnen am Leben scheitern, weil sie umgedreht mit der "normalen" Welt nicht wirklich klarkommen. Ich meine schon, dass es zur Kunst gehört, die technischen und handwerklichen Mittel seines Metiers zu beherrschen und dem bereits Vorhandenen Neues und Kreatives hinzuzufügen. Menschen, die das in sich vereinen haben das Zeug dazu wirkliche Kunst zu machen. Nur Wenige, wie z.B. Picasso, haben das Glück, den wirklichen Ruhm zu Lebzeiten schon zu erleben und dennoch die Zeit zu überdauern.Der Blick über`n Tellerrand war ein Blick in´s Zauberland ... (Keimzeit)
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22.09.2012, 10:51
AW: Künstlerisch-persönliche Offenheit
was nicht zuletzt an ihrem schwierigen Charakter gelegen haben dürfte, und nicht etwa daran, dass ihre Kunst nicht geschätzt wurde.
Wobei weder Beethoven noch Van Gogh die Hässlichkeit zelebrierten. Im Gegenteil.
ich halte diese idealisierung von Künstlern für Unsinn. Künstler, das sind Menschen, die Kunst machen. Punkt. Unsere Kultur, die so sehr auf Geld und Arbeit ausgerichtet ist, führt womöglich dazu, dass die meisten Menschen sich gar nicht getrauen, Kunst zu machen - was eine Krankheit unserer Zeit ist, denn Kunst ist etwas allgemein-menschliches. Jeder Mensch sollte Kunst machen, zumindest hin und wieder, aber regelmässig.Ich glaube, dass die Auseinandersetzung von Künstlern mit der Umwelt auf Wegen stattfindet, die man als "normaler" Mensch nicht wirklich nachvollziehen kann
Die ganze Bilder vom verdammten Genie, das dem Wahnsinn nahe ist und mit dem Leben nicht zurecht kommt, ist eine seltsame Art von verquerer Romantik, die ich nicht wirklich verstehe.
grüsse, barbara
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22.09.2012, 11:02
AW: Künstlerisch-persönliche Offenheit
da schließe ich mich dir 100%ig und aus vollem herzen an, barbara!
susisa, ich finde die haltung, die aus deinen beiträgen spricht, ziemlich klischeebeladen und konfus, weil du mit ganz schön vielen unreflektierten - na ja, eben klischees - jonglierst.
die anfangsfrage "gut oder schlecht" stellt sich nicht. gut für wen? schlecht für wen? irgendwer wird immer irgendwas an dem, das du tust, gut finden, und direkt neben dem steht jemand, der es doof findet. und? ist dir dann geholfen? nein. jeder, auch du, musst für dich herausfinden, was passend ist, womit du dich wohlfühlst, was du kannst.
ich weiß nicht, welche art von kunst dir vorschwebt (da geht es schon los, wieso konkretisierst du es nicht? kunst ist ein ganzes universum! wenn du dich z.b. darauf verlegst, bilder zu malen, die du auf jeden fall leicht verkaufen möchtest, sollte das den publikumsgeschmack treffen und eher nicht in richtung beuys gehen.
zum klischee, künstler seien ja immer so wahnsinnig extroviertiert: gerhard richter z.b. ist ausgesprochen scheu und hat sich zu seinem 80. geburtstag, der kürzlich auch öffentlich gefeiet wurde, kaum gezeigt. dennoch schafft er großartige kunst.



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