Ein Künstler hat mal zu mir gesagt, man ist dann erfolgreich, wenn man das machen kann, was man möchte. Er bezog sich dabei auf das künstlerische Arbeiten, nicht auf sein Privatleben. Die meisten können ihre freie Arbeit ja eben nicht so verfolgen, wie sie es gern würden, sondern müssen viele Kompromisse eingehen, um zu Geld zu kommen oder eben auch Nebenjobs machen.
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20.09.2012, 10:13Inaktiver User
AW: Künstlerisch-persönliche Offenheit
Geändert von Inaktiver User (20.09.2012 um 19:51 Uhr)
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20.09.2012, 10:41Inaktiver User
AW: Künstlerisch-persönliche Offenheit
Im Studium kann man z.B. üben, was du oben beschrieben hast, nämlich die Präsentation (und Kritik) der eigenen Arbeit als zum Beruf gehörig zu akzeptieren.
Mit dem "Stand der Diskussion" meinte ich, dass man sich nicht wundern darf, wenn man in bestimmten Kreisen keinen Erfolg hat, aber im Grunde Arbeiten macht, die in eine längst vergangene Epoche passen.
Mit denen hat man aber vielleicht anderswo Erfolg und darüber sollte man sich dann freuen und nicht über das andere klagen und schimpfen. Eine halbwegs realistsche Einschätzung der eigenen Qualitäten und Interessen ist sicher "gesund".
Nicht jeder will ins Metropolitan Museum of Art.
Oder anders: Nicht jeder kann ein Clark Gable (eine Marylin Monroe) sein. Es muss auch gute Schauspieler in kleinen Stadttheatern geben. Aber reicht dir das? Geht es darum, zu spielen (zu schreiben etc.) oder suchst du den großen Erfolg?
Offenheit … Es gibt bestimmt Untersuchungen über die Persönlichkeitsstruktur von Künstlern. Ich erinnere mich nur an eine Feier, bei der eine Psychologin den Satz fallen ließ: "Künstler denken selber." Wie immer sie das auch gemeint haben mag …
Der Roman ist von einem berühmten Autor und hat gerade einen Preis bekommen.schon wieder Therapiekunst? o je. Davon gibt es viel zu viel, finde ich.
Ich gehe hier mal davon aus, dass er dem im Roman mittelmäßig erfolgreichen Schriftsteller diese Erkenntnis in den Mund gelegt hat und dass es nicht eins zu eins seine Erfahrung ist.
Da fällt mir Irvings "Witwe für ein Jahr" ein. Da kommen auch vier Schriftsteller vor, die aus einer ganz unterschiedlichen Motivation und persönlichen Erfahrung heraus unterschiedliche Literatur schaffen, die genau deshalb ein unterschiedlich hohes Niveau erreicht.
Woraus schließt du das?Kunst kommt aus der Fülle und der Freude
Oskar Kokoschka hat seinen Stil gefunden, als er rasenden Liebeskummer hatte. Ich denke, ein gewisser Leidensdruck macht durchaus auch kreativ.
Das klingt nach einem tollen Ziel, aber wie viele Künstler kennst du, die das leben?…, und wenn der Mensch selbst in Fülle und Freude ist, braucht er sie dann auch nicht von aussen bestätigt bekommen in Form von Ruhm oder Geld.
Ich denke, wer wirklich voller Fülle und Freude ist, gestaltet einen Garten, geht ins Kloster, kümmert sich um seine Enkel oder … schreibt höchstens Gedichte
(Das ist kein Stück abwertend gemeint! Ich glaube bloß, dass das Schreiben von Gedichten eine andere Grundverfassung voraussetzt als das Schreiben eines Romans.)Geändert von Inaktiver User (20.09.2012 um 10:47 Uhr)
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20.09.2012, 10:52
AW: Künstlerisch-persönliche Offenheit
Ich möchte das ein wenig relativieren: Kunst KANN aus der Fülle und Freude kommen, muss aber nicht. Damit meine ich, dass der Impuls, Kunst zu produzieren, durchaus aus Schmerz und Leid hervorgehen kann, weil durch Schmerz und Leid genügend Druck und Energie aufgebaut wird, um dann das, was im Menschen ehrlich gärt, auszudrücken, wie ein Geschwür. Dadurch kommt etwas in Bewegung, was dem Betreffenden in der Tat hilft, zu überleben. Ich denke z.B. an Paul Celan und seine berühmte "Todesfuge". Oder an Picassos "Guernica". Oder an Niki de Saint Phalle (wenn man ihre Biografie ein wenig kennt, versteht man, wie sie zu ihrer Kunst gefunden hat.), deren bunte, üppige Frauenskulpturen, denen man auf den ersten Blick einen heiteren Ursprung zuschreiben möchte, durchaus aus Schmerz und Leid geboren wurden.
Der interessante Punkt dabei ist, dass solche Kunstwerke, auch wenn der Impuls ein "negativer" war, in ihrer Umsetzung dann dennoch immer voller positiver Schaffens_Energie stecken, ein "gewissen Etwas" besitzen, etwas "Magisches", das den Betrachter an_steckt und etwas mit ihm tut. Und damit könnte man sagen, dass es eigentlich egal ist ,ob der Impuls zur Kunst aus der Freude oder aus dem Leid stammt. Entscheidend ist, wie dieser Impuls umgesetzt wird. Also, ob der Künstler diesen Impuls (Was ja auch ein physikalischer Begriff ist und mit Energieübertragung zu tun hat) so für die Umsetzung seines Kunstwerkes nutzt, dass diese Energie auch für den Betrachter noch spürbar ist. Gelingt dies, so befindet man sich (Künstler UND Betrachter) gemeinsam und plötzlich "in der Fülle".
So gesehen ist für mich Kunst = Energie. (Was auch gleichzeitig ein Kriterium wäre, gute von schlechter Kunst zu unterscheiden: Schlechte Kunst besitzt keine Energie. Sie ist leblos.)
Übrigens habe ich Fenimis Beispiel, das mir gut gefallen hat, nicht als "Therapiekunst" empfunden. Therapiekunst findet auf einer anderen Ebene statt und hat per se ein ganz anderes Ziel. Kurz gefasst könnte man sagen: In der Therapiekunst ist die Kunst für den Leidenden da, also zweckgebunden und gerichtet auf das Ziel, (psychisches) Leid zu lindern. In der Kunst hingegen spielt es keine Rolle, ob der Künstler ein Leidender ist oder nicht, denn es geht darum, ganz zweckfrei "Energie" zu transportieren. Und wenn dabei ganz "beiläufig" der Künstler sein eigenes Leid subjektiv lindert, indem er es objektiv zu transportieren und zu transformieren vermag, umso besser.....
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20.09.2012, 10:55
AW: Künstlerisch-persönliche Offenheit
Künstler/innen müssen nicht per se offener sein als andere Menschen.
Es gibt sehr verschlossene Künstler/innen, an die man nur schwer rankommt.
Was den Künstler zum Künstler macht, ist die Art und Weise, wie er durch die Inspiration seine persönlichen oder in der Umgebung beobachteten Themen im Inneren verarbeitet und dann ins künstlerische Medium umsetzt.
Auch für das, was sie inspiriert, habe Künstler/innen ihre Filter. Sie sind nicht nach allen Seiten offen, sondern sie haben ihre bevorzugten Themen.Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!
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20.09.2012, 11:07
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21.09.2012, 12:49
AW: Künstlerisch-persönliche Offenheit
ui, da hat die vorurteilsmaschine mal wieder zugeschlagen. ich kenne einige künstler, auch ich-erzählende schriftsteller, aber offen sind die nicht. ganz normale menschen, ohne buntes hütchen auf, auf keinen fall exzentriker. die nehmen ihren beruf ernst und gut ist. unter den hobbykünstlern finde ich schon häufiger menschen, die einen ort suchen und in der kunst meinen zu finden, wo sie sich mal (seelenvoll) auslassen können, da muss mal kräftig das ich inszeniert werden. die berufskünstler gucken die welt an und setzen sich mit der auseinander. es gibt natürlich hier wie da ausnahmen, aber das sind dann auch eben ausnahmen. kunst ist m.e. ein mittel um zu welt zu finden, zu sich findet man auch im backen und mit sport.
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21.09.2012, 13:42Inaktiver User
AW: Künstlerisch-persönliche Offenheit
Kommt darauf an, was du mit "normal" meinst.
Ja, manche haben Familie und ein Sofa im Wohnzimmer stehen. Sie schicken ihre Kinder in die Schule. Manche haben sogar einen Hund und sie fahren u.U. auch mal in Urlaub.
Künstler unterscheiden sich, glaube ich, schon dadurch, dass sie andere Freiheiten haben, anders denken. Ihr Leben anders gestalten, eben keinen 8 bis 17 Uhr Job haben. Gut, dass trifft auf viele Selbstständige zu.
Natürlich verschwimmen die Grenzen, wenn du einen Künstler z.B. mit einem Philosophen oder einem Wissenschaftler vergleichst. Da gibt es durchaus Parallelen.
Wie du sagst: "die berufskünstler gucken die welt an und setzen sich mit der auseinander". Sie wollen nicht in erster Linie Einfluss (Macht) gewinnen, tatkräftig die Not kranker oder armer Menschen lindern oder Geld scheffeln.
Interessanter Satz. Wie meinst du das?kunst ist m.e. ein mittel um zu welt zu finden
In einem Interview hat ein Dichter auf die Bedeutung eines Satzes aus der Oper "Der Freischütz" für ihn hingewiesen. Agathe erwacht, knapp dem Tod entronnen, aus einer Ohnmacht und sagt: "Wo bin ich?" Diese aus dem tiefsten Inneren kommende Frage "Was ist das? Was ist die Welt?" ist eine Haltung, die sicherlich viele Künstler haben (vielleicht alle?). Das ist eine besondere Form von Offenheit! Keine Frage.
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21.09.2012, 14:13Inaktiver User
AW: Künstlerisch-persönliche Offenheit
(Also manchmal könnte ich echt die Krise kriegen angesichts dieser fürchterlichen Idealisierung "der Künstler" und "des Künstlerischen" ! ...
Vielleicht gibt es unter ihnen den ein oder anderen, der in der Vergangenheit mal Außergewöhnliches erfunden haben mag.
Das gibt es nun aber alles schon, und heute ist es doch wohl ausnehmend verbreitet, eher aus Eitelkeit oder Orientierungslosigkeit denn aus Berufung "Künstler" zu werden.
Ich bin in einer Musiker-Dynastie aufgewachsen, habe Begabung geerbt, eingetrichtert bekommen-
und schlug wie selbstverständlich zunächst auch eine ähnliche Laufbahn ein.
Glaubt mir: ich habe viele Künstlerische kennengelernt- und die allermeisten von ihnen waren nichts als Handwerker.
NICHT MEHR ODER WENIGER BORNIERT, OFFEN ODER VERSCHLOSSEN WIE ANDERE AUCH)
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21.09.2012, 21:00
AW: Künstlerisch-persönliche Offenheit
Was ja nicht nur für Künstler mühsam ist. Es wird ja wohl niemandes Traum sein, sein Leben an einer Supermarktkasse zu verbringen oder im Call Center Leute telefonisch zu belästigen oder einen der sonstigen unmöglichen Jobs für kleines Geld zu erledigen.
Künstler erobern sich immerhin einen Teil ihres Traums, im Gegensatz zu vielen andern, die resignieren.
grüsse, barbara
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21.09.2012, 21:08
AW: Künstlerisch-persönliche Offenheit
Das wär ja nur dann ein Problem, wenn man das Anliegen hätte, diese "bestimmten Kreise" zu beeindrucken.
auch eine Fülle an Leid und Schmerz ist eine Fülle.Woraus schließt du das?
Oskar Kokoschka hat seinen Stil gefunden, als er rasenden Liebeskummer hatte. Ich denke, ein gewisser Leidensdruck macht durchaus auch kreativ.
Auch wenn dann da die Freude etwas zu kurz kommen mag. Aber stimmt schon, Leid kann zu Kunst verhelfen, und wenn es nur darum ist, um sich vom Schmerz abzulenken. Besser als Alk + Co. ist das allemal.
öh nein. Fülle kann ja auch in Aktivität und Kommunikation gefunden werden.Das klingt nach einem tollen Ziel, aber wie viele Künstler kennst du, die das leben?
Ich denke, wer wirklich voller Fülle und Freude ist, gestaltet einen Garten, geht ins Kloster, kümmert sich um seine Enkel oder … schreibt höchstens Gedichte
ich würd Terry Pratchett als Beispiel nehmen, so wie der schreibt, über tausende von Seiten, da ist viel Fülle und Freude zu spüren. Freude ist ja kein Gegensatz zu Disziplin, Beharrlichkeit oder Ernsthaftigkeit.
Es setzt vielleicht eine andere Neigung voraus, und andere Fähigkeiten - der Romancier braucht den langen Atem, der Dichter mehr Musikgehör und Sinn fürs Prägnante, Kurze. Aber man würde ja auch nicht sagen, dass der Marathonläufer ein "wirklicherer" Sportler ist als der Sprinter. Es sind lediglich andere Disziplinen, die andere Talente erfordern.(Das ist kein Stück abwertend gemeint! Ich glaube bloß, dass das Schreiben von Gedichten eine andere Grundverfassung voraussetzt als das Schreiben eines Romans.)
grüsse, barbara



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