Ich habe einmal in einer Situation, wo ich meine Selbstbeschreibung recht zügig den tatsächlichen Verhältnissen anpassen mußte und dabei Schwierigkeiten hatte, ein paar Stunden (acht? zwölf?) Gesprächstherapie gehabt. Es kam mir damals ziemlich komisch vor, die Therapeutin hat nicht viel gesagt und ich hatte das Gefühl, ich hätte ihr sonstwelchen Blödsinn erzählen können. Im Nachhinein kann ich sagen, all das hätte ich auch alleine auf die Reihe bekommen: Aber nicht in sechs Wochen. Erfahrungsgemäß brauche ich lange, bis ich durch stetiges um-ein-Thema-kreisen es genügend losgerüttelt habe, daß es in meinem Kopf eine andere Gestalt annimmt.
Ich habe auch schon erlebt, daß Leute durch Therapien ganz andere geworden sind als sie waren, und nicht jemand, den sie vorher gut hätten leiden können. So gesehen ist mir da ein tiefes Mißtrauen sehr verständlich.
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13.09.2012, 14:39
AW: Bedauernswert kinderlose Alleinstehende? - zweiter Versuch
** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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13.09.2012, 16:47
AW: Bedauernswert kinderlose Alleinstehende? - zweiter Versuch
Liebe Antje,
ich habe gerade Deinen ganzen Strang durchgelesen und viel von dem, was Du schreibst, kenn ich auch. (Ich habe Deine frueheren Straenge nciht gelesen, wenn ich etwas schreibe, was dazu nicht passt, liegt es einfach daran).
Ich verstehe uebrigens sehr gut die Empfindlichkeit, die Du beschreibst im Zusammenhang mit den Auesserungen aus dem Freundes- und Kollegenkreis. Auch wenns gar nicht boese gemeint ist, wenn man staendig an sein "Lebensthema" erinnert wird, das auch noch ziemlich intim ist, das kann sehr belastend sein. Das ist einfach nicht etwas, was man von aussen uebergestuelpt bekommt und daher auch an sich abprallen lassen kann, sondern es ruehrt ja etwas an. Ich vergleiche das manchmal mit Langzeitarbeitslosigkeit: Wenn im eigenen Leben etwas nicht stattfindet, das fuer viele Menschen voellig normal ist, wird man einfach staendig damit konfrontiert. Und das ist voellig unabhaengig davon, ob es "Standard" ist (vielleicht hinkt hier der Vergleich miot Arbeitslosigkeit), ob man "schuld" daran ist oder nicht oder ob die anderen das boese meinen, es ist einfach staendig da.
Ich habe gute Erfahrungen mit Therapie gemacht. Das muss aber jeder fuer sich entscheiden. Vielleicht hast Du ja einen Zugang zu spirituellen Angeboten, das kann m.E. auch sehr helfen, in anderer Weise als Therapie.
Im uebrigen denke ich, Du kannst ruhig nochmal darueber nachdenken, ob Du ggf. auch ein Kind ohne (Ehe) Mann bekommen moechtest. Du musst ja nicht Deinen Ex darum bitten, das halte ich auch nicht fuer eine gute Idee. Aber es gibt Leute, die Freunde darum bitten, es gibt Leute die im Ausland zu Kliniken gehen (kenn ich mich aber nicht genau aus damit) und es gibt auch alleinstehende Frauen, die adoptieren (ich verstehe Dich aber so, also moechtest Du ein leibliches Kind). Man muss ja deswegen nicht das ganze Leben lang single bleiben.
Ich denke, am SChluss kommt es darauf hinaus: Wenn wir unser Ideal (geliebter Mann und Kind/er) nicht erfuellen koennen, muessen wir uns entscheiden, ob wir auf den Mann warten (den lernen wir vielleicht erst kennen, wenn es fuer Kinder zu spaet ist, ist dann ein Leben zu zweit, viele koenenn sich dann damit abfinden) oder dem Kinderwunsch Prioritaet einraeumen (dann aber alleinerziehend, zumindest zunaechst). Keine der Entscheidungen ist falsch, nur Du kannst herausfinden, welche fuer Dich richtig ist. Es ist nicht das Ideale, aber es kann zumindest ein Leben daraus werden....!
Viel Glueck, Antje!
simultan
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13.09.2012, 18:08
AW: Bedauernswert kinderlose Alleinstehende? - zweiter Versuch
Es kommt immer auf das Umfeld an, in dem man sich bewegt. Klar, wenn man auf dem Dorf oder in einer spießigen Kleinstadt, ist es schwierig. Aber in einer richtigen Stadt oder einer Großstadt gibt es genügend alleinstehende & kinderlose Frauen, die gar nicht anders leben wollen!
In meinem Freundes- und Bekanntenkreis sind Mütter die Ausnahme. Und die paar Frauen, die Mütter sind, haben bereits erwachsene Kinder (okay, ist normal, wenn man Ende 40 ist).
Die überwiegende Mehrzahl meiner Freundinnen und weiblichen Bekannten hat keine Kinder, und die meisten sind Singles. Keine/r guckt die deswegen blöd an. Und wenn es jemand tut, dann können die uns mal den Buckel runterrutschen!
Man muss sich als alleinstehende, kinderlose Frau nicht unbedingt in ein Umfeld begeben, wo noch das Frauenbild aus dem 19.Jahrhundert als heimliches Ideal gilt: Eine Frau ist nur verheiratet und als Mutter eine richtige Frau.Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!
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13.09.2012, 19:13
AW: Bedauernswert kinderlose Alleinstehende? - zweiter Versuch
Das kann ich gut nachvollziehen, vor allem wenn einen ein gewisser Zeitdruck zum Handeln zwingt. Sonst ist es ja auch schon bequem, weiter um sich zu kreisen nur in Gesellschaft eines zugewandten Zuhörers. Man muss ja auch was ändern wollen (oder sich eben durch den Druck der Verhältnisse dazu gezwungen sehen). Und Verändern heißt ja auch immer Loslassen: wenig hilfreiche Selbstbilder, Verhaltensweise, Ziele, etc. Und Loslassen wiederum ist schmerzhaft.
Und bei Antje hab ich aus ihren Postings nicht den Eindruck, dass sie an dem Punkt ist, wo sie sagt: es geht mir so bescheiden mit diesem Kreisen um den nicht erfüllten Kinderwunsch, es hindert mich daran, ein erfülltes Leben zu füllen, also muss nun was passieren. Entweder ich finde da selbst raus, oder ich hole mir Unterstützung. Aber so lange ich nicht an diesem Punkt bin, sehe ich schon die Gefahr, dass Therapie zu endlosen Kreiselrunden wird. Und ich weiß durchaus, dass Therapeuten diese Problematik auch kennen.
Gruß,
Malina
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13.09.2012, 20:00Inaktiver User
AW: Bedauernswert kinderlose Alleinstehende? - zweiter Versuch
So ähnlich ging es mir auch: Es brauchte etwas Gewöhnung, mich an das (zumeist) Schweigen der Therapeutin zu gewöhnen. Aber das freie Assoziieren birgt eine Menge an Gewinn, der einem erst gewahr wird, wenn man das einmal eine Zeit lang praktiziert hat. Beim Ausformulieren der Gedanken kommen irgendwann noch vor Beendigung eines Satzes manchmal Dinge ins Bewusstsein, die einen Knoten wie von selbst zu lösen vermögen.
Ich weiß gar nicht genau, wie das funktioniert. Es kann nicht allein am offenen Reden liegen; denn das kann in der Tat auch bei Freunden getan werden. Aber möglich, dass die Distanz eine Rolle spielt; die/der Thera kennt ja keine der Personen, über die man beispielsweise redet. Sicher ist es auch wirksam, welche Fragen richtungsweisend von ihr/ihm gestellt werden und die wie ein Roter Faden die Sitzung bestimmen können.
Fakt ist: Bei mir hat es funktioniert. In relativ kurzer Zeit (ein knappes halbes Jahr). Allerdings hatte ich eine posttraumatische Belastungsstörung, und natürlich kann ich überhaupt nicht einschätzen, welche Art von Therapie - wenn überhaupt - für dich Antje überhaupt sinnvoll wäre.
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13.09.2012, 20:54Inaktiver User
AW: Bedauernswert kinderlose Alleinstehende? - zweiter Versuch
schlaflos,
mit engen Freunden ist man "verstrickt", insofern sind die Reaktionen oftmals "weichgespült", es ist eine andere Form der Empathie als im therapeutischen Kontext.
maryquitecontrary hat die Situation deutlich beschrieben.
Als Therapeut/professionelle Begleitung ist man mit dem Klienten nicht emotional verstrickt, man hat eine wohlwollende professionelle Distanz.
Eine emotionale Verstrickung zwischen Klient und Therapeut kann sich ergeben, doch jeder seriöse Therapeut bricht dann die Therapie ab und bittet einen Kollegen um Übernahme. (Ergänzend, in meinen Ausführungen meine ich sowohl männliche als auch weibliche Therapeuten).
Und was den Nutzen von Therapien anbelangt, gebe ich zu bedenken, dass sie mehr oder weniger "nur" Hilfe zur Selbsthilfe sein kann, das aktive Mitwirken des Klienten ist gefordert.
Und nein, kein Therapeut kann das Leben des Klienten "in Ordnung" bringen.
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13.09.2012, 21:02Inaktiver User
AW: Bedauernswert kinderlose Alleinstehende? - zweiter Versuch
Das Ziel einer Therapie ist ja auch ein gewisse Veränderung. Nicht durch Manipulation durch einen Therapeuten (das wäre schlimm!!), sondern, dadurch, dass der Betroffene mehr zu sich selbst findet, im Idealfall - Ängste, ungesunde Muster, etc. - ablegt.
Das finde ich erstmal sehr positiv - und dass das dem Umfeld nicht immer gefällt, finde ich dabei auch normal.
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14.09.2012, 12:19
AW: Bedauernswert kinderlose Alleinstehende? - zweiter Versuch
Ja, genau!

Exakt so ist das,bzw. empfinde ich das auch in meinen Erfahrungen mit dem "verpaarten" Rest der Leute.
Nur gebe ich - hoffe ich jedenfalls, dass es so ist - nicht so viel darauf, auch wenn es mir weh tut, wenn ich dieses Gefühl vermittelt bekomme, manche Menschen sind da ja recht offen und schmerzfrei.
Liebe Antje,
ich kann das sehr gut nachvollziehen, was Du schreibst.
Ich gehe inzwischen auf die 50 zu und schaue auch mit ungutem Gefühl auf mein Alter.
Und ich kann auch nicht einmal mit einer Ersatzoma-Rolle rechnen. Jetzt wäre das auch schon zu spät, um einen Mann mit so jungen Kindern kennen zu lernen, wo dieses Gefühl der Stiefmama sich noch entwickeln könnte. Allerdings schließe ich das für mich nicht so aus, wie Du. Ich gebe Dir aber Recht, meinem Gefühl nach wäre es nicht das Selbe, ausgenommen, die Kinder wären wirklich noch sehr klein zum Zeitpunkt des Kennenlernens. Beurteilen kann ich es aber nicht, mir fehlt das Beispiel.
Mir hat geholfen, als es ab 40 für mich so richtig klar wurde: das wird jetzt nichts mehr mit Mutterschaft und Familie und so, dass ich mir überlegte, was Kinder eigentlich bedeuten und warum ich das Kinderkriegen so wichtig für mein Lebensglück, meinen Lebenssinn empfunden habe.
Da ist dieses Weiterleben des Eigenen in einer Person, die aus mir entstanden ist. Dann ist da auch diese Hoffnung, auch durch diese Person selbst mein Leben zu bereichern, meine Werte weitergeben zu können und in die Welt zu implantieren. Und nicht zuletzt ist es glaube ich ein ganz großes Bedürfnis, das Leben und die Welt ein STückchen besser zu machen durch die eigenen Kinder. "Meine Kinder sollen es einmal besser haben, als ich!" Wie oft hört man das und so empfinde das auch ich als große tiefe Emotion. Ich hatte eine "schwierige Mutter", einen "schwierigen Vater" und leider auch eine besonders "schwierige Schwester". Irgendwie wäre es mir ein Bedürfnis gewesen, meinen Kindern eine gute Mutter zu sein und ihnen ein viel freieres, selbstbestimmteres und angstfreieres Leben zu bieten, als das, was ich erlebt habe, bis ich mich dann aus dem Elternhaus zur Ausbildung befreite.
Und weißt Du, als ich mir dessen richtig bewußt wurde, da erkannte ich plötzlich
-dass ich ganz sicher in vielerlei Hinsicht Illusionen habe, die romantisch verklärt sind, aber wahrscheinlich nichts mit der Realität zu tun haben
-dass ich mich durch Kinder niemals selbst heilen könnte und auch nicht dürfte, weil das geradezu der Missbrauch wäre, wie ich ihn in anderer Form selbst als Kind erlebt habe,
-dass ich stattdessen aber viele von meinen mit eigenen Kinder verknüpfte Bedürfnisse ganz anders erfüllen kann durch Freundschaften, Beruf und Hobbies. Wenn ich irgendwann mehr Zeit habe, also wenn ich die Rente einreichen muss, dann habe ich mir fest vorgenommen, mich intensiv sozial zu engagieren. Bei ALten, im Verein und bei Kindern. Alles, was ich in mir habe, was ich weitergeben kann, das kann ich auch an Menschen weiter geben, mit denen ich nicht verwandt bin. Ich überlege sogar, ob ich in den nächsten Jahren nicht Ausschau nach Mehrgenerationen-Wohngegegenden halte. Nachbarn oder Mitbewohner zu haben, die in allen ALtersklassen sind, und freundschaftlichen Kontakt mit ihnen zu haben, wo sich alle gegenseitig besuchen und helfen, das könnte mir gut gefallen.
Vielleicht wäre das auch für Dich eine Perspektive?
Auch mir haben Therapieversuche nicht viel gebracht, weil ich genau wie Du ärgerlich war, weil fast nie wirklich ein feedback von den Therapeuten kam (waren nicht nur Tiefenps.) und ich mir dachte, toll, das mach ich auch demnächst, warum soll ich mich weiter in meinem Job so abrackern...
Ich glaube aber auch, dass man einfach den richtigen Therapeuten und Menschen finden muss. Und das ist als Kassenpatient einfach furchtbar schwer und langwierig.
Vielleicht konnte ich Dir einen Gedankenanstoß geben, das Beste aus der Situation zu machen, wenn sie nicht zu ändern ist. Und auch die Erkenntnis, dass zu einem Verlust an Lebensplan genauso Trauerarbeit und Trauerzeit gehört, wie bei anderen schlimmen Verlusten auch. Es wird auf jedenfall auch wieder leichter!
Und was das Bedauern für kinderlose Alleinstehende angeht:
"Lass die Leute reden..." Du weißt schon!
Alles Liebe, E.Man muss nur immer einmal öfter aufstehen als man umgefallen ist.
"Ihr sollt immer denken: Ich werde es schaffen" Dalai Lama
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14.09.2012, 12:49
AW: Bedauernswert kinderlose Alleinstehende? - zweiter Versuch
Ich glaube auch, dass es hilfreich ist, einen starken unerfüllten Kinderwunsch mal dahingegehend anzuschauen, was man sich eigentlich von seiner Erfüllung erwartet. Und wenn man ihn dann mal in seine Bestandteile zergliedert hat, dann kann man zumindest einige dieser Bestandteile auch auf anderem Weg erfüllen. Das ist natürlich nie ganz dasselbe wie ein Kind, aber wenn man es schafft, diese einzelnen Bedürfnisse aus der engen Verknüpfung mit dem Thema Kind zu befreien, dann kann man dafür schon eine angemessene Befriedigung finden. Zumal es auch nie eine Garantie gibt, dass ein Kind alle Wünsche erfüllt, die man mit ihm verbindet.
Gruß,
Malina
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14.09.2012, 13:00
AW: Bedauernswert kinderlose Alleinstehende? - zweiter Versuch
@Einzelne
Was ein schöner, kluger Beitrag
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