Mein Austauschbedürfnis richtet sich möglichst an diejenigen, die so etwas von sich kennen.
Ich versuchs mal zu beschreiben:
Ich bin "eigentlich" ziemlich klar in Vielem.....durch recht analytischen Verstand gelingt es mir meist, Dinge gut auseinander zu bekommen, von einander zu trennen, Stellung zu beziehen
Bin mit vielen Gefühlen ausgestattet und entsprechend fühle ich oft auch was mir gut tut, was nicht, was ich mag, was nicht...
Kopf und Gefühl sind oft zum richtigen Zeitpunkt dann im Einsatz, wenn es um ihren speziell gefragten "Einsatz" geht.
Und beides ist besonders ausgeprägt (empfinde ich selber so, sagen aber auch Freunde)
(Das mag jetzt super nüchtern klingen, aber es gibt einen hypersensiblen Gefühlsbereich)
Ich glaube, ich kann sowohl schwarz/weiß denken und fühlen, als auch ganz gut im Detail, wenns um Nunancen geht, was die ganze Farbpalette zwischen Schwarz und Weiß angeht.
Was mich aber zunehmend nervt ist, dass es immer wieder Situationen, Beziehungen gibt, die weder schwarz/weiß noch eisgrau, hellgrau, mittelgrau, dunkelgrau....sind (um es mal anhand der Farben zu verdeutlichen)
Ich kann in so vielen Bereichen mit Kompromissen leben, 5e grade sein lassen, in anderen aber nicht, OHNE allerdings zu wissen, wie ich dann damit umgehen kann, möchte und das nervt mich immer mehr!
Mal ein Beispiel: eine gute Freundin verhält sich in einem Bereich, der mich eigentlich nichts angeht ziemlich schäbig.
Diesen Zug habe ich in 20j. Freundschaft nie an ihr erlebt.......keine Ahnung damit umzugehen
Ein ziemliches hin und her in meinem Kopf, aber auch in meinem Gefühl
Grr...ich hab schon länger überlegt darüber hier zu schreiben, nur fallen mir jetzt keine weiteren Beispiele ein
Ich mag immer weniger mit meiner eigenen Unklarheit leben, gleichzeitig weiß ich, dass man nicht immer mit allem klar sein kann/muß.
Im Gegenteil, die meisten Menschen in meiner Umgebung sind fast alle in Vielem diffus.
Bin ich zu verwöhnt von mir selbst???
Ich bin echt selten wirklich angenervt, aber das empfinde ich als unangenehmes Gefühl!
Und nur an der Freundin soll das Thema bitte nicht aufgehangen werden!!
Versteht ihr auch so, was gemeint ist??
Vielleicht könnt ihr sogar etwas nachfragen, so dass ich mein Problem besser benennen kann
Würde mich über Austauschsehr freuen
twix
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 19
-
22.08.2012, 20:08
Aaarghhh......Ambivalenz, ich hasse sie
Geändert von twix25 (22.08.2012 um 20:30 Uhr)
-
22.08.2012, 20:36
AW: Aaarghhh......Ambivalenz, ich hasse sie
Ist ja witzig, so etwas wie du mit deiner Freundin beschreibst, treibt mich auch gerade um. Da kann man dann nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, so innerlich, es beschäftigt einen. Auch durchaus länger.
Bei mir ist es immer so, dass sich die Dinge mit der Zeit von selbst regeln.
Also ich überlege lange, lange hin, und her und her und hin... und fahre irgendeinen für mich nicht ganz koscheren Kompromiss. Ich bin gerne bereit, irgendwelche Macken zu tolerieren, auch gemachte "Fehler" zu vergeben - nobody is perfect.
Bis ich merke: Das nervt mich doch hier. Muss ich mir das eigentlich antun? Warum will ich das eigentlich? Will ich das noch??
Dann gehe ich auf Distanz.
Und von da aus, kann man abwarten, was sich entwickelt.
Ob man überhaupt noch Gefühle dafür hat, oder einem diese Beziehung inzwischen vielleicht ziemlich gleichgültig geworden ist. Oder aber die andere Seite macht oder sagt etwas, wodurch alles wieder nochmal anders gesehen werden kann. Oder...oder...
Fliessen lassen.
Ich wünschte, ich könnte mich eher dazu entschließen, als ich es immer tue. Denn dieser Abstand ist wichtig. Um klarer zu sehen.
My 2 cents.The original Karla
est. 2006











-
22.08.2012, 23:19
AW: Aaarghhh......Ambivalenz, ich hasse sie
Hallu

Ja das kenne ich gut, ich habe mich eigentlich recht gut in deinen Ausführungen erkannt :)
Aber der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier, wenn Du es von Dir gewöhnt bist "immer" den Durchblick zu haben, bzw. zu den meisten Dingen ein klare Position hast, dann kann einen das schon ziemlich aus der Bahn hauen, wenn man dann mal die Kontrolle übers Steuer verliert.
Eigentlich passiert mir das täglich, obwohl ich der Meinung bin zu allem eine feste Meinung zu haben, bzw. bei vielen Dingen bin ich von grundauf davon überzeugt immer eine Lösung zu finden. Und trotzdem kommt jeden Tag etwas, dass mich dann zum unendlichen grübeln veranlasst (warum auch immer...).
Aber schön ist doch, dass man halt nicht unfehlbar ist, ergo ein Mensch ist.
Ich finde dass das im heutigen Wirr-Warr-Alltag viel zu kurz kommt - man muss immer in allem paletti und top sein und ist dann natürlich umso frustrierter wenns dann mal nicht gelingt.
Erinnert mich an diese typischen Sprüche aus den Selbsthilfe-Büchern:
"Warum denken wir dass wir immer alles recht machen müssen? Weil Mutti damals gesagt hat >>Alle bekommen eine Eins in der Arbeit, warum Du nicht auch?<<". Ein Teufelskreis, ich schweife schon wieder ab.
Ich finde es durchaus legitim sich bewusst zu sein dass man nicht auf alle Situationen der Welt eine Stino-Lösung hat. :)
Grüßle zum Abend,
das Käffchen
-
22.08.2012, 23:32Inaktiver User
AW: Aaarghhh......Ambivalenz, ich hasse sie
Die Vergangenheit ist wie ein Wörterbuch. Immer wenn wir etwas hören, erleben oder tun, schlagen wir automatisch in diesem alten Werk nach. Darin finden wir Bedeutungen, Interpretationen und früher verwendete Begriffe. Dann sprechen oder handeln wir gemäß solcher Bezüge. Das ist Reaktion.
So wie es aussieht mangelt es Dir an der entsprechenden "Seite" in Deinem "Wörterbuch". Leere Blätter zu füllen macht oft Mühe und verunsichert, zumal wenn der Bezugspunkt (Erfahrung) fehlt.
-
23.08.2012, 09:17Inaktiver User
AW: Aaarghhh......Ambivalenz, ich hasse sie
Hallo twix25 !
Also ich verstehe ja Dein Posting noch nicht so ganz.
Das Wort "Ambivalenz" sprang mich an-
aber die ist ja noch mal etwas völlig anderes, als einfach nur "diffus" (= meinungslos) zu sein im Verhalten / Denken / Fühlen .
Ambivalenz (wie ich sie verstehe und sie mir zu schaffen macht unter ähnlicher Wesensveranlagung, wie Du Dich beschreibst) ist doch eine Gleichzeitigkeit (bzw. ein ganz schnelles flimmerndes Hin-und Herspringen) von gegensätzlichen Impulsen.
Kein bestimmter Farbton, sondern ein Flackern von mindestens zwei Grautönen, das einen ganz wuschig macht.
Da ist als Reaktion "Diffus" zu sein noch das kleinste Übel.
Es hat etwas ganz Lähmendes, wenn man sich selbst nicht mehr richtig einordnen kann und plötzlich an seiner Wahrnehmung zweifeln muss, weil keine Bezugspunkte mehr vorhanden zu sein scheinen, an denen eine Orientierung möglich ist.
Es ist ein fundamentales Grundbedürfnis des Menschen, sich zu orientieren.
Aber alles auf der Welt ist (mind.) bipolar, hat (mind.) zwei Seiten - man kann es so oder so betrachten.
Wir lernen als kleine Kinder, Widersprüche zu integrieren, zu verdrängen, abzuspalten, bilden uns allmählich Meinungen, übernehmen Sichtweisen oder Weltanschauungen.
Solange einem das nur hin und wieder passiert, dass einem sein geradliniges Urteilsvermögen abhanden kommt, kann man das als normal oder als Phase oder als Herausforderung zum Hinterfragen betrachten.
Vielleicht haben sich ja Dinge, Ansichten, in einem selbst überholt,
und man hängt nur noch aus Gewohnheit an ihnen.
Bemerkt nicht, dass ein Entwicklungsschritt dran ist.
Soweit ich weiß, ist die Unfähigkeit, Ambivalenzen in sich zu vereinbaren, auch der Grundkonflikt bei schweren Erkrankungen wie der Schizophrenie.
Und so sehr wir auch immer wieder gerne alle wettern gegen Menschen mit Vorurteilen und Schubladendenken: die sind doch auch ein Schutz, um nicht verrückt zu werden.
Ich habe mal etwas sehr schönes zu diesem Thema gelesen:
Alles ist zwiefach
alles hat zwei Pole
alles hat sein Gegenstück
ähnlich und unähnlich sind dasselbe
Gegensätze sind wesensgleich und nur graduell verschieden
Extreme berühren sich
alle Wahrheiten sind Halbwahrheiten
alle Widersprüche lassen sich in Einklang bringen.
(Kybalion)
-
23.08.2012, 09:23
AW: Aaarghhh......Ambivalenz, ich hasse sie
Ach ja, liebe Twix,
der Beitrag hätte auch von mir sein können...
Vor etwa zwei Jahren war ich größtenteils im Reinen mit mir, meinen Gedanken und Gefühlen... nach einer längeren Zeit unangenehmer Geschehnisse, für die ich mich nur teilweise verantwortlich machen könnte, bin ich mittlerweile wieder in einem Zustand der "Zerissenheit".
Will sagen, auch wenn es ärgerlich oder nervig ist: das ist wohl das (mein) Leben.
Ich dachte bis vor nicht allzu langer Zeit, dass man irgendwann mal an einem Punkt der Persönlichkeitsentwicklung angekommen ist, wo diese "vollendet" ist. Tatsächlich konnte ich dieses Gefühl für eine gewisse Zeit aufrecht erhalten und war zufrieden. Die äußeren Umstände hätten allerdings mehr Achtsamkeit von mir verlangt. Ich sah aber keine Notwendigkeit, mir viele Gedanken zu machen oder mich zu reflektieren... ja, ich hatte auch keine große Lust mehr dazu. Ich bin einfach mal davon ausgegangen, dass ich einen guten Grundstock an Überzeugungen hatte, diese habe ich angewandt... es war so ein bisschen wie mit geschlossenen Augen Fahrrad zu fahren.
Ein paar Monate später hatte ich dann aber den Salat, weil ich mich selber irgendwie vor die Wand gefahren hatte.
Keine Ahnung, ob Du verstehst, was ich meine...
Auf Grund dieser Erfahrung bin ich mittlerweile davon überzeugt, dass es IMMER lohnenswert ist, sich Gedanken zu machen. Zumindest für jemanden wie mich, weil ich das brauche um zufrieden zu sein. Sogar lieber etwas zu viel als zu wenig.
Ich bin gerade dabei das anzunehmen und zu akzeptieren.
Schön ist, dass ich gerade noch mehr Emotionen, Stimmungen und Gefühle wahrnehmen kann als noch vor einiger Zeit. Vielleicht tat es meinem "Geist" auch ganz gut, ein paar Monate zu schlafen?!
Also, konkret: Ich nehme mir wieder Zeit für mich und meine Problemchen. Ich setze mich nicht unter Druck. Ich akzeptiere sie, weil sie wichtige Ratgeber sind, immer und zu jeder Zeit.
Wenn ich mich nicht entscheiden kann, besuche ich das Briforum
... bzw. zuerst setze ich mich mit mir auseinander. Befrage mich und achte dabei auf: Verstand, Gefühl, Bauchgefühl, Wille, Wünsche usw. Früher dachte ich mal, "ich" bestünde nur aus Verstand und Gefühl. Aber das ist nicht so... es gibt soooo unendlich viele Facetten vom Selbst. Die kann man niemals in ein "starres" Muster zwängen. Zumindest ich könnte es nicht...
Man muss sich oder sollte sich einfach Zeit nehmen, um seine Facetten kennenzulernen. Dann erscheinen auch die Farben "außen" irgendwann klarer.
-
23.08.2012, 10:04
AW: Aaarghhh......Ambivalenz, ich hasse sie
Ich habe mir jetzt mal ein Buch von José Silva bestellt (Silva-Mind-Methode). Vielleicht eine gute Hilfe zu Entscheidungsfindungen. Schaun wir mal.
Und ich habe vor, wieder Tagebuch zu schreiben. Man kann sich so schön sortieren dabei! Ich habe auch super Tipps durch einen Kurs erhalten, worauf man achten kann, wie man genau vorgehen kann, um eine bestimmte Frage zu beleuchten, ein Problem zu benennen...usw. Ich habe gerade den ersten Teil in Arbeit,und bin schon sehr gespannt, wie es laufen wird.The original Karla
est. 2006











-
23.08.2012, 17:23
AW: Aaarghhh......Ambivalenz, ich hasse sie
Geändert von Leandra_82 (23.08.2012 um 17:35 Uhr) Grund: Anpassung
Glück ist das Ergebnis von selbstverantwortlichem, entschiedenem Handeln.
-
23.08.2012, 22:43
AW: Aaarghhh......Ambivalenz, ich hasse sie
Oh, das ist schön, bin ich also nicht ganz alleine mit meinem "so -sein".
Es läuft ja nicht bewußt ab. Sondern es IST einfach so, dass es so passiert, in meinem Leben.
The original Karla
est. 2006











-
25.08.2012, 09:32
AW: Aaarghhh......Ambivalenz, ich hasse sie
Guten Morgen

@Karla
Ich bin oft eher froh, so lange zu warten
Ich habe eher Angst nicht dauerhaft "kompromissbsereit" sein zu KÖNNEN
Ich habe seit Kindheit nie Probleme Menschen kennenzulernen.
War umgeben von Freundschaften.
Diese hab meistens ich entw spontan wg aktuellem Anlass oder aber Auseinanderwentwicklung beendet.
Geschah auch mal umgekehrt.
Fast immer kamen neuen Menschen in mein Leben,so dass ich da rel wenig Verlustängste habe (wie ich bspw. im Bezug auf Partnerschaften kenne)
Diese Freundschaften hatten unterschiedliche Längen.....mal ein intensives Jahr, mal 20 Jahre.......
Je älter ich werde, desto häufiger frage ich mich, warum ich es in der Regel zu sehr wenig "Lebensfreundschaften" bringe.
Ich wei0, muß man nicht, aber schön kann es doch sein!
Bin ich nun "im Moment" , weil ich das gerade lebe, was stimmig ist oder aber unfähig zu "normalen" Kompromissen, die was von Toleranz haben ????
@knusperkaffee
für "nicht alles eine Lösiung haben" : hmmmm, das nehme ich als Anlss mich zu fragen, was daran so schlimm ist!?
ev, weil ich zunehmend mehr drauf achte, meine Zeit gut zu nutzen und mich wohl zu fühlen!!???
Und Ambivalenz oder Unklarheit zieht mir zuviel Energie??


)

Zitieren

