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    Die Angst jemandem zu nahe zu treten

    Hallo Forengemeinde,

    mich beschäftigt ein Thema, das in ähnlicher Form schon des öfteren in meinem Leben aufgetreten ist.

    Ich bin von meinem Grundnaturell ein eher introvertierter Mensch, war als Kind schon sehr verschlossen und verträumt. Den Außenseiterthread hier habe ich üübrigens neugierig verfolgt und mich in sehr vielen Beiträgen wiedererkannt. Ich bin und war nie ein Gruppenmensch, bin heute auch noch lieber für mich alleine.

    Ich bin mittlerweile aber dennoch aufgeschlossen und kommunikativ, nach dem Motto fake it til you make it springe ich einfach ins kalte Wasser und das klappt auch ganz gut. Ich bin immer noch kein Hans Dampf und möchte das auch nicht sein, aber vor den meisten Menschen habe ich keine Scheu mehr so wie früher und ich ich grübele nicht mehr so viel darüber nach, was andere von mir denken.

    Anders aber ist das, wenn jemand mich sehr interessiert. Ich bin dann kaum in der Lage, demjenigen normal gegenüberzutreten, so wie ich das sonst tue, bin kein bisschen locker, flüchte vor der Person regelrecht, stelle mich dumm und verstockt an und mag mich selber nicht leiden. Naja, dieses Problem habe ich wohl nicht alleine. Ich weiß, dass es bis zu einem gewissen Grad normal ist, bei Personen, vor denen man einen guten Eindruck machen möchte, gehemmt zu sein. Wie aber kann man das nur ändern?

    Oder, um es mal von einer anderern Perspektive zu sehen: warum möchte ich unbedingt gerade vor den Personen "bestehen", die mir nicht offen und freundlich gegenübertreten, wie die meisten Menschen das ja von sich aus tun oder zumindest sehr viele, und wieso sind gerade besonders unnahbare Personen oft interessant? Die Antwort scheint logisch, jemand triggert das eigene Selbstwertgefühl, man fühlt sich plötzlich unterlegen allein durch die abweisende Art von jemandem obwohl es keinen sachlichen und objektiven Grund gibt. Ich kann mich dann in solchen Situationen selbst nicht stärken, mir sagen, wer ich bin, und was ok an mir ist, mein Selbstvertrauen scheint futsch und ich fühle mich plötzlich am Boden,. obwohl das vorher noch, vor der Bekanntschaft mit dieser Person anders war.

    Ich bräuchte gerade jetzt ein paar Hilfen, vielleicht kennt jemand Tricks, wie man sich schnell wieder aufrichtet, denn ich möchte dieses alte Thema in meinem Leben endlich lösen, und der Person souverän gegenübertreten (oder mir keine Gedanken um sie machen).

    Sich ihr zu nähern, scheint fast unmöglich, denn sie ist sehr abweisend - nicht nur zu mir - und hat doch ein paar interessante Eigenschaften und wecken in mir den Wunsch, sie näher kennenzulernen.

    Allerdings ist da immer die Angst jemandem zu nahe zu treten, der offensichtlich keinen Kontakt will. Wie kann ich meinen Wunsch mit dem Respekt vor dem Wunsch der Person verbinden und wie kann ich mein Selbstwertgefühl schützen?

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    AW: Die Angst jemandem zu nahe zu treten

    Zitat Zitat von Margaret_Houlihan Beitrag anzeigen
    Allerdings ist da immer die Angst jemandem zu nahe zu treten, der offensichtlich keinen Kontakt will. Wie kann ich meinen Wunsch mit dem Respekt vor dem Wunsch der Person verbinden und wie kann ich mein Selbstwertgefühl schützen?
    Ganz ehrlich und ganz kurz: Wenn mir die Person signalisiert, dass sie keinen Kontakt wünscht, würde ich es lassen. Warum Dinge forcieren?

    Hattest du un deiner Kindheit unnahbare Menschen um dich?

    Kitty
    Coat check girl: Goodness! What lovely diamonds!
    Mae West: Goodness had nothing to do with it...

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    AW: Die Angst jemandem zu nahe zu treten

    Unnahbare Menschen signalisieren: "Ich gebe mich nicht mit jedem ab."

    Auf manche Menschen hat das eine sportliche Wirkung: "Ich beweise mich jetzt dadurch, dass ich einen unnahbaren Menschen für mich gewinne." Denn mit Everybody's Darling befreundet zu sein, ist ja keine Kunst, das kann jeder!

    Manche hatten auch wenig zugängliche Eltern und fahren daher auf unnahbare Menschen ab.

    Man tut sich selbst jedoch keinen Gefallen, wenn man sich immer wieder an unzugänglichen und unnahbaren Menschen abarbeitet. Denn meist steckt man viel mehr in so einen Kontakt rein als man dafür zurückbekommt.
    Geändert von Latona (16.08.2012 um 17:39 Uhr)
    Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!

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    AW: Die Angst jemandem zu nahe zu treten

    @Kitty1670 und Latona:

    Vom Kopf her geb ich euch recht. Gesünder wär's allemal, mir solche unnahbaren Menschen aus dem Kopf zu schlagen und mich auf die zu konzentrieren, die mir zugewandt sind.

    Aber wie es nun mal so ist: das Interesse ist geweckt, das Feuer brennt.;-) Wie kann ich es löschen, wie meine Neugier bremsen und den Drang herausfinden zu wollen, was dahinter steckt? Bin ich vielleicht einfach nur zu neugierig oder will ich mir etwas beweisen, wie Latona meint? Vielleicht beides.

    Was mir vielleicht helfen würden, wären Erfahrungen von Leuten, die solche unnahbaren Menschen als Freund gewonnen haben oder aber auch nur ihre eigenen Hemmungen überwunden haben. Wie ging es denen nachher, war es das wert? Waren sie enttäuscht?

    Mein größtes Hemmnis ist die Angst vor Grenzüberschreitung und nicht den Respekt vor den Wünschen einer Person zu bewahren. Ist das gerechtfertigt oder übertrieben, können sehr eigenbrödlerische Menschen es verkraften, wenn man Interesse an ihnen hat und zeigt und sie herausfordert oder wäre es nicht ok?

    Ja, die Gefahr, sich abzuarbeiten, besteht, ist aber nicht meine Sorge, da ich weiß, was mir eine Sache wert ist und was nicht. Die Sorge geht eher dahin, die Grenzen von jemand anderem nicht zu wahren.

    Ja es kann schon sein, dass ich unnahbare Menschen in meiner Kindheit um mich hatte. Ich war halt immer sehr still und verträumt, später nicht cool genug und für manch einen heute wohl auch noch nicht.

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    AW: Die Angst jemandem zu nahe zu treten

    Ich gelte selbst durchaus als ein wenig unnahbar. Ich bin tendenziell eher eine Eigenbrötlerin.

    Ich habe nicht die Energie und die Zeit, mich mit Hinz & Kunz abzugeben.

    Ich suche mir daher die Leute aus, mit denen ich etwas zusammen machen oder gar befreundet sein will. Das sind in der Regel Menschen, mit denen ich etwas gemeinsam habe: Mit Bekannten habe ich etwas gemeinsam, mit Freund/innen mehr.

    Mein Freundeskreis ist klein, und meine Freund/innen wissen, was sie an mir haben.
    Ich bin loyal, zuverlässig, gerne zu einem Gefallen und zu gemeinsamen Unternehmungen bereit. Ich biete ihnen Gesprächsstoff, der sie interessiert. Ich lasse keinen Freund bzw. keine Freundin einfach hängen, wenn sie Probleme hat.

    Man kann mich letztlich nur über ausreichend Gemeinsamkeiten davon überzeugen, dass es sich für mich lohnt, Zeit mit jemandem zu verbringen bzw. mit ihm befreundet zu sein. Fehlt das, nützt es auch nicht, mich dauernd zu beharken oder sich bei mir einzuschleimen.

    Für solche Leute habe ich dann eben auch keine Zeit, und wer das von mir hört, dass ich für gemeinsame Unternehmungen keine Zeit habe, weiß das hoffentlich richtig zu deuten.
    Liegt mir was an den Leuten, dann vereinbare ich gemeinsame Zeit mit ihnen - vielleicht nicht mehr diese Woche, aber dann nächste oder übernächste.

    Und ich kann mir vorstellen, dass es vielen anderen Menschen genauso geht.

    Nur Menschen, die selbst keine Prioritäten haben, die sich verzetteln und nicht wissen, was sie wollen, sind bereit, sich auf wahllose Kontakte einzulassen. Aber bei denen bist Du dann eben auch nur einer unter vielen.
    Geändert von Latona (16.08.2012 um 17:52 Uhr)
    Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!

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    AW: Die Angst jemandem zu nahe zu treten

    @Latona: einschleimen und beharken passt nun gar nicht zu mir. Ich bin eher sehr scheu gegenüber Personen, wie in diesem Fall, gerade wenn ich glaube, dass gerade dort Gemeinsamkeiten vorhanden wären. Ich kann dann nicht sein, wie ich bin, verhalte mich total unnatürlich, beobachte viel im Verborgenen aber halte mich eher zurück.

    Ich kenne diese Gefühl von einer Situation aus meiner frühen Kindheit und denke es hängt irgendwie damit zusammen: ich hatte einen Lieblingsverwandten, der sich auch sehr um mich gekümmert hat, den ich sehr lustig und zugewandt in Erinnerung habe. Aus irgendeinem Grund konnte ich irgendwann den Namen diese Verwandten nicht mehr über die Lippen bringen. Ich war noch sehr klein, vier oder fünf und erinnere mich noch gut daran. Ich weiß nicht, wieso, ich konnte ihn nicht mehr mit seinem Namen anreden obwohl ich ihn nach wie vor sehr mochte.
    Irgendwann als ich älter war, konnte ich es wieder aber die Beziehung war nicht mehr eng und ist heute gar nicht mehr vorhanden.

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    AW: Die Angst jemandem zu nahe zu treten

    Zitat Zitat von Margaret_Houlihan Beitrag anzeigen
    können sehr eigenbrödlerische Menschen es verkraften, wenn man Interesse an ihnen hat und zeigt und sie herausfordert
    Ich denke, das wirst du ziemlich schnell merken mach dir da mal keine Sorgen.

    Ich habe es schon erlebt, dass unnahbare Personen mit denen ich zu tun haben musste (Kollege, Verwandtschaft) auftauten, wenn ich sie einfach unbefangen ansprach und Interesse zeigte. Allerdings habe ich im Gegensatz zu dir da weniger Hemmungen. Mir scheint es aber, dass diese Leute ziemlich genau wissen, mit wem sie Kontakt haben wollen und wem nicht - Latona sprach dies ja schon an. Meine beste Freundin zu Schulzeiten galt zum Beispiel als sehr unnahbar, aber als wir zusammen in eine Klasse kamen, hat sie sofort Kontakt zu mir geknüpft. Andere meinten damals, wie das denn sein könnte, dass wir befreundet sind ... aber sie war der aktive Part bei der Anbahnung damals, ganz klar. Und wir blieben über Jahre sehr gut befreundet. Ich hatte allerdings ein wenig Probleme mit ihrer Art, keine anderen Menschen zuzulassen, sie wollte ja nur mit mir befreundet sein, aber ich habe noch sehr schöne und intensive Erinnerungen an unsere Freundschaft.

    Zitat Zitat von Margaret_Houlihan Beitrag anzeigen
    Ja, die Gefahr, sich abzuarbeiten, besteht, ist aber nicht meine Sorge, da ich weiß, was mir eine Sache wert ist und was nicht.
    Hoffentlich! Vor allem, wenn es sich um einen Mann handelt

    Kitty
    Geändert von Kitty1670 (16.08.2012 um 21:35 Uhr)
    Coat check girl: Goodness! What lovely diamonds!
    Mae West: Goodness had nothing to do with it...

  8. Inaktiver User

    AW: Die Angst jemandem zu nahe zu treten

    Uns ticken die Menschen an, die uns innen drin berühren....etwas in uns bewegen und damit ist das Interesse an dieser Person letztlich nichts anderes als das Interesse an Dir SELBER!

    Du willst DICH verstehen und gehst dabei über solche Menschen-- das scheint einfacher, denn man beschäftigt sich im Aussen mit anderen....statt mit sich selber
    Die Antworten, die Du von dieser Frau bekommen könntest....würden Dir nicht wirklich helfen.

    Ob es um dieses "Knacken" der Person geht- das man selber dadurch ja eine besondere STellung bekommt (andere kommen da ja nicht so einfach hin)- ob Du Dir beweisen willst, daß Du liebenswert bist....kann sein- muss aber nicht.

    Wenn der Reiz SO gross ist......dann vermute ich, in Dir drin willst Du DICH verstehen.....und dann führen Wege eben über andere.....manchmal auch zu einem selber.

    kenzia

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    AW: Die Angst jemandem zu nahe zu treten

    @ Margaret Houlihan
    Zitat Zitat von Margaret_Houlihan Beitrag anzeigen
    @Latona: einschleimen und beharken passt nun gar nicht zu mir. Ich bin eher sehr scheu gegenüber Personen, wie in diesem Fall, gerade wenn ich glaube, dass gerade dort Gemeinsamkeiten vorhanden wären. Ich kann dann nicht sein, wie ich bin, verhalte mich total unnatürlich, beobachte viel im Verborgenen aber halte mich eher zurück.
    Wenn Du aufgrund Deiner sicherlich vorsichtigen und intensiven Beobachtungen zu dem Schluß gekommen bist, dass Du mit diesen Personen Gemeinsamkeiten hast, dann kann es sicherlich nicht schaden, auf sie zuzugehen. Sie sehen dann, dass Du etwas für sie Attraktives anzubieten hast.
    Es kann höchstens sein, dass sie im Moment trotzdem bereits sehr voll sind und keine Kapazitäten für die Pflege weiterer Kontakte haben. Das muss nicht in jedem Fall eine Ausrede sein. Wenn sie sagen, dass sie im Moment wenig Zeit haben, kannst Du ihnen ruhig anbieten, dass sie gerne auf Dich zurück kommen können, wenn sie mal wieder mehr Luft haben. Kommen sie dann irgendwann von sich aus auf Dich zu, weißt Du, dass es keine Ausrede war.
    Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!

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