Ich bin vor ein paar Monaten gynäkologisch in einem Uni-Krankenhaus mehrere Stunden operiert worden. Vorher war ich nur einmal im Krankenhaus. Da war ich gerade einmal 13 oder 14 Jahre alt. Ich ging zum Vorgespräch, was die Oberärztin leicht gehetzt und etwas gereizt mit mir führte. Sie war mir im ersten Moment zu direkt und bei der Untersuchung auf dem Stuhl zu rabiat. Dafür entschuldigte sie sich für meinen Geschmack halbherzig. Sie erklärte mir aber genau, was sie sieht. Als ich sagte, dass ich mich bereits im Internet über die OP informierte, machte sie eine komische Bemerkung, die ich zunächst nicht deuten konnte. Ich wollte schnell wieder gehen und war bedient, dass ich noch ein zweites Vorgespräch mitmachen muss sollte. Für mich war ja klar, dass ich die OP unbedingt haben will. Auch dieses Gespräch war im Eiltempo mit ihrer Assistentin erledigt.
Ich ging zum OP-Termin ins KH und sah die OP-Ärztin gleich bei meinem Eintreffen. Ich bekam ein Gespräch von ihr mit, was sie mit einer älteren Patientin führte. Die Patientin wollte etwas anders als die Ärztin. Plötzlich wurde mir klar, dass das ihre Art ist mit ihren Patientinnen zu reden. Sie es gut mit ihnen meint. Ich fand die Situation ein bisschen lustig, war gedanklich aber schon bei meiner OP, die ja gleich stattfinden sollte.
Die OP gestaltete sich komplizierter als erwartet. Nach der OP bat ich um ein Gespräch und da wurden mir Befunde mitgeteilt, die mich erschreckten. Ich war ja nie vorher krank. Ich wollte am Ende nichts mehr hören, sondern nur das KH verlassen.
Jetzt, wo ich mich wieder fit fühle, dachte ich, ich hole mir mal den Bericht, um zu verstehen, was ich hatte und welche Folgen das alles noch haben kann. Ich mailte die Ärzten kurz und sachlich an. Es kam zu einem Gespräch per Mail, da sie mich nach meinem Befinden befragte, was ich kurz ohne Rückantwort zu erwarten beantwortete. Ich dachte, dass hohes Krankenhauspersonal seine e-Mails durch Sekretärinnen bearbeiten lässt, so dass ich staunte, dass sie erneut reagierte. Das ging dann über eine Woche hin und her. Ich war über die Aufmerksamkeit verblüfft und geschmeichelt. Ich denke, dass eine OP-Ärztin ihres Ranges sich nicht mit jedem einzelnen Patienten aufhalten kann. Dafür haben sie jede Menge Assistenzärzte in Krankenhäusern eingestellt.
Sie blieb natürlich immer sachlich in ihrer schriftlichen Kommunikation, aber auch irgendwie sehr persönlich, so dass ich ihr noch paar Randnotizen über mich und mein Intimleben erzählte. Ich wollte, dass sie mehr über mich weiß, da ich mich vor Jahren mit einer GK ansteckte, was mir ihr gegenüber sehr unangenehm war, als sie es mir ins Gesicht sagte. Ich glaubte immer, ich hätte irgendwelche Pilze gehabt. Das war die Diagnose meiner damaligen FA. Das ist eigentlich gar nicht meine Art mit Dritten über mein Privat- und Intimleben offen zu sprechen; hätte sie nicht immer wieder auf mich reagiert, wäre mir das auf keinen Fall in dem Ausmaß passiert. Mir ist das nun restlos peinlich. Insbesondere weil ich ihr Dinge schrieb, die sie gar nichts angehen und sie plötzlich nicht mehr antwortete.
Ich habe bald noch eine gyn.-OP, die sie mir empfohlen hat, d. h. sie wird mir wieder begegnen. Ich weiß nun gar nicht, wie ich mich ihr gegenüber verhalten soll. Einen KH-Wechsel würde ich albern finden, zumal dieses KH als eines der Besten weit und breit auf dem Gebiet gilt und sie eine Kapazität ist, die mir sicher sehr gut helfen kann. Ich werde nach der OP ca. 14 Tage im KH bleiben müssen. Und kann ganz sicher nicht vor ihr weglaufen.Oberpeinlich die Situation. Was nun?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 38
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04.08.2012, 18:30
Peinlich, peinlich - dumm gelaufen
Geändert von Antje73 (04.08.2012 um 18:35 Uhr)
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04.08.2012, 18:36Inaktiver User
AW: Peinlich, peinlich - dumm gelaufen
Hallo
öhm ich verstehe nicht so ganz was Dir so peinlich ist. Sie hat Dir etwas von einer GK erzählt als Diagnose und das ist Dir peinlich? Oder hast Du ihr dann erzählt wie es dazu gekommen ist? Oder hast Du ihr die geheimsten Wünsche hinsichtlich Sex gebeichtet oder was?
Ich bin da etwas verwirrt von Deinem Beitrag und seh nicht durch.
GRuß
pitti
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04.08.2012, 18:40
AW: Peinlich, peinlich - dumm gelaufen
Mir kommt die Geschichte Absatz für Absatz so bekannt vor.
Antje, hattest du das früher schon mal gepostet?
(Tut mir übrigens leid um den Stress in jeder Beziehung, denn du da durchmachst.
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04.08.2012, 19:33
AW: peinlich, peinlich - dumm gelaufen
Ja, ich schrieb ihr wo ich mir die GK abholte. Sie ist meine Ärztin. Nach nochmaligem Lesen des Austausches, glaube ich schon, dass sie sehr bewusst und gezielt, psychologisch geschult, Informationen über mich einholen wollte. Warum ist mir bisher nicht klar. Ich würde mir auch nicht trauen nachzuhaken. Im KH war ich sehr schweigsam, aber da bin ich bestimmt nicht die erste Patientin. Ich ließ mich von niemandem besuchen, denn nach der OP wollte ich Ruhe haben.
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04.08.2012, 19:38Inaktiver User
AW: Peinlich, peinlich - dumm gelaufen
also ich glaube, sie hat bestimmt schon einiges gehört an "geschichten" ausserdem ist es doch meistens so, daß bei einer GK nachgefragt wird oder? mögliche partner müssen doch mitbehandelt werden. so stelle ich mir das vor.
die schweigepflicht gilt auch per mail, denke ich.
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04.08.2012, 20:15
AW: Peinlich, peinlich - dumm gelaufen
Die GK ist unbemerkt abgelaufen. Ich gehe davon aus, weil wir uns getrennt haben. Sie hat aber schwerwiegende Spuren in meinem Körpër hinterlassen, die mich im KH verstummen ließen. Mir hat der Mann mal sehr viel bedeutet und es tat nochmal richtig dolle weh. Vielleicht hat sie das mitbekommen und baute deshalb den Mailaustausch auf. Ich bin auch ohne Abschlussgespräch mit ihr auf mein Drängen hin entlassen worden. Es gab keinen Grund mich dazu noch zu befragen. Sie schaute mich erwartungsvoll an, als sie es mir sagte. Ich schwieg.
Geändert von Antje73 (04.08.2012 um 20:19 Uhr)
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04.08.2012, 20:18Inaktiver User
AW: Peinlich, peinlich - dumm gelaufen
peinlich finde ich das nun gewiss nicht. sie wollte wohl einfach helfen, auch was nicht so offensichtlich teil der diagnose war. das ist doch lobenswert und daß du da nicht unbedingt reden wolltest. auch das ist nach einer solchen diagnose für viele normal.
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04.08.2012, 20:35
AW: Peinlich, peinlich - dumm gelaufen
Ich mache meine persönlichen Sachen lieber mit mir aus. Irgendwie denkt doch fast jeder, dass man eine billige Schlampe ist, wenn man sich eine GK abholt. Das bin ich ganz sicher nie gewesen. Sie schaffte es, dass ich ihr alles erzählte, was mich bedrückt. Ich jammerte nicht, sondern verpackte es in lustigen Antworten, weil ich mich wunderte über ihre Mails und Interesse.
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04.08.2012, 21:11Inaktiver User
AW: Peinlich, peinlich - dumm gelaufen
Najaaa, gerade schreibst du sie in ein öffentliches Forum

Echt? Ich denke das nicht; eine GK ist ja oftmals auch trotz Kondomen übertragbar, sodass jeder, der so denkt, wohl etwas Nachbildung gebräuchte. Gegen plumpe Vorurteile ist aber kein Kraut gewachsen. Leider
Zunächst mal sind GK meldepflichtig. Dann beschreibst du deine Einsilbigkeit im KH, vielleicht hat sie das bemerkt und brauchte noch Antworten auf bestimmte Fragen.
In welchem Alter war die Ärztin? Hatte sie vielleicht Mutterinstinkte? Oder bei gleichem Alter: Vielleicht ist sie ja lesbisch und du hast ihr besonders gut gefallen
Nach allem, was du hier geschrieben hast, muss dir aber nichts peinlich sein. Die Frau ist Gynäkologin - ich will mir gar nicht vorstellen, was die schon alles gehört und vor allem gesehen hat
Keep cool
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04.08.2012, 21:16Inaktiver User
AW: Peinlich, peinlich - dumm gelaufen
@ schlaflos
Eine GK-Infektion ist seit 2001 lt. Infektionsschutzgesetz nicht mehr meldepflichtig.
Aus diesem Grund macht es die Schätzung der sog. Neuerkrankungen und Erkrankungen mit chronischem Verlauf schwierig.
Oftmals ist der Verlauf auch gänzlich frei von den "Lehrbuch-Symptomen", was ggf. zu einer nicht erkannten chronischen Erkrankung mit vermehrtem Ansteckungsrisiko führen kann.



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