Ganz bestimmt finden sich hier im Forum Menschen, die in ihrer Kindheit und/oder Jugendzeit über lange Zeit Außenseiter waren, keinerlei oder kaum Freunde hatten.
Mich interessiert, ob ihr bis zum heutigen Tage aus diesem "Zustand" herausgefunden habt und wenn ja, ob euch trotz alledem manchmal die alten Gefühle/Gedanken dazu einholen.
Habt ihr das ehemalige Außenseiterdasein hinter euch lassen können oder hat dies Spuren bei euch hinterlassen? Und wenn ja, welche Art von Spuren und wie geht ihr heute damit um?
... fragt eine ehemals Betroffene.
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Thema: ehemals Außenseiter?
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10.07.2012, 22:15
ehemals Außenseiter?
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10.07.2012, 22:30Inaktiver User
AW: ehemals Außenseiter?
Hallo Unnah,
ich war keine Außenseiterin im klassischen Sinne, weil ich zum Glück immer Freunde hatte, mit denen ich zumindest etwas unternehmen konnte.
Allerdings waren das sehr oberflächliche Freundschaften, und ich habe mich aus verschiedenen Gründen trotzdem immer als Außenseiterin empfunden, die nie so richtig dazu gehörte. Der Grund dafür ist vor allem, dass ich eine eher schwierige bis zerrüttete Familie hatte, wobei ich über die Probleme zuhause nie mit jemandem sprechen konnte. Es war eine Mischung aus Scham und Pflichtbewusstsein gegenüber der Familie. Dazu kam, dass ich aus sehr einfachen Verhältnissen komme, wohingegen meine Freunde aus dem Gymnasium einen ganz anderen Lebens- und Bildungsstandard gewohnt waren. Auch dadurch habe ich mich immer sehr einsam gefühlt, obwohl ich nicht im klassischen Sinne ausgeschlossen war. Ein Beispiel hierzu: Ich durfte wie alle anderen auch an der Klassenfahrt teilnehmen, konnte aber mit niemandem darüber sprechen, wie schwer es meinen Eltern fiel, das Geld zusammenzusparen und musste sogar (auf Wunsch meiner Mutter) mehrfach den Lehrer belügen, dass ich das Geld vergessen hätte. Da gab es bei mir also immer eine Diskrepanz zwischen einem oberflächlichen "Dazugehören" und einem tief empfundenen Außenseiter-Gefühl.
Leider zieht sich das bis heute durch mein Leben... Oberflächlich betrachtet bin ich in verschiedene Kreise integriert (Nachbarn, Kollegen, Freunde, Bekannte), aber de facto fühle ich mich immer noch oft als Außenseiterin und suche mir anscheinend auch manchmal unbewusst genau solche Situationen und Rollen aus (z.B. im Beruf). Ich versuche, das nicht als allzu negativ zu betrachten und als Aufgabe und Lernfeld anzunehmen. Aber das ist natürlich auch nicht immer ganz leicht.
Nachdem Du Dich als "ehemals" Betroffene bezeichnest - was hat Dir denn geholfen, Dich besser zu fühlen?
Wäre schön, wenn hier eine gute Diskussion zustande kommt
.
Liebe Grüße
Tulipali
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10.07.2012, 23:52Inaktiver User
AW: ehemals Außenseiter?
Das ist interessant.
Bei mir ist es immer andersherum gewesen.
Ich fühlte mich als Außenseiterin, weil mich die Außenwelt aufgrund meiner familiären Bedingungen und eines Talentes für etwas vermeintlich "Besseres" hielt und ich das gar nicht wollte.
Im Gegenteil hat das auf mich immer einen großen Druck ausgeübt (dass mir diese "Besonderheit" eben auch in der Familie vermittelt und in gewisser Weise erwartet wurde).
So suchte auch ich mir schon von früh an Konstellationen aus, die mich in eine Art Abseits katapultierten:
also die Gesellschaft von Menschen, die ich selber für "etwas besonderes" hielt
(die jedoch mit mir nichts anfangen konnten),
was mich aber von denen distanzierte, mit denen es vielleicht hätte passen können.
Eine zeitlang war es mir dann auch ein hochwirksamer Schutz, das Bild, das sich andere von mir machten, durch Schauspielkunst zu bestätigen (oder glaubte ich es sogar selbst? ja manchmal.) -
und trotzdem schien mir das um Zugehörigkeit viel zu sehr Kämpfende quasi auf meiner Stirn zu stehen und echte Verbundenheit zu verhindern.
Noch später dann brach ich von mir aus gelegentlich Kontakte ab mit dem Gedanken:
"Mich strengt das ständige Kämpfen an, und der/die andere wird es ja nicht mal bemerken, wenn ich mich zurückziehe."
Dass da manchmal dann richtig verletzte Reaktionen kamen (nicht mal das noch eher von mir erwartete "Die ist ja arrogant!") , konnte ich gar nicht fassen -
das hat mich sehr viel weiter gebracht !
Der Kummer über die gefühlte Einsamkeit zwang mich, das alles zu hinterfragen - jahrelange Arbeit ! -
und ja, es holt mich auch heute noch immer mal wieder ein.
Aber inzwischen weiß ich sehr gut, dass diese Wahrnehmungen ausschließlich in meinem Kopf stattfinden, ich hole mich (meistens) erfolgreich in die Realität zurück, indem ich mir die positiven Erfahrungen gelebter ( und im Innersten empfundener !) Gemeinsamkeit intensiv vor Augen halte.
Oder ich provoziere in der Gegenwart Situationen, in denen andere sich mir gegenüber positionieren und ich einen greifbaren "Beweis" bekomme, wohlwollend wahrgenommen zu werden und integriert zu sein.
Ein "Gruppenmensch" bin ich nicht geworden und werde ich vermutlich auch nie,
aber das wünsche ich mir auch gar nicht (mehr).
Ich bemühe mich einfach, die wenigen tiefen Freundschaften mit echter Beständigkeit zu pflegen-
auch gerade in einer Phase, in der es mir schwerfällt, weil ich wieder mal daran zweifle, dass ich in diese Welt passe und andere überhaupt irgendein Interesse am Kontakt mit mir haben könnten...Geändert von Inaktiver User (11.07.2012 um 00:21 Uhr)
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11.07.2012, 00:30Inaktiver User
AW: ehemals Außenseiter?
@Tulipali:
Zum Beispiel glaube ich ja nicht, dass jemand sich Deine Signatur zulegen würde, der das Gefühl nicht selber kennt, ohne Lächeln zu sein,
und nicht schonmal im tiefsten dankbar war für das Geschenk eines (sogar fremden) Lächelns.
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11.07.2012, 15:59
AW: ehemals Außenseiter?
Während meiner Schulzeit war ich nahezu die ganze Zeit Außenseiterin, zumindest in meiner Klasse. Das lag in erster Linie daran, dass mir die Schule so unglaublich leicht gefallen ist, dass ich überall die Spitzennoten erreicht habe, ohne mich in irgendeiner Form dafür anstrengen zu müssen, und das hat bei meinen Klassenkameraden vor allem Neid und Missgunst ausgelöst. Eine Zeitlang habe ich versucht, mit Absicht schlechte Noten zu schreiben und mich im Unterricht gar nicht mehr zu beteiligen (ich bin eh schon kaum drangekommen, weil den Lehrern klar war, dass ich fast alles wusste), das hat es allerdings nicht besser gemacht, also habe ich das wieder bleiben lassen. Die Sache hat mich aber insgesamt soweit mitgenommen, dass ich jahrelang völlig gehemmt war und mit Fremden absolut nicht umgehen konnte (ich konnte nichtmal alleine Brot einkaufen gehen, weil ich ja da mit der Bäckertante hätte reden müssen. Und was, wenn die auch so doof zu mir gewesen wäre....). Schön war das nicht, und ich danke dem Himmel (oder wer auch immer dafür zuständig ist), dass diese Zeit vorbei ist. Also insofern - die Gefühle und Gedanken von damals sind mir immer noch total präsent, auch wenn sich mein Leben relativ bald radikal geändert hat:
Mit ungefähr 16 oder 17 bin ich dann über ein Hobby (also, sowas wie ein ziemlich zeitintensiver Leistungssport) an Leute außerhalb meiner Klasse geraten, denen es im Prinzip genauso ging wie mir. Dort war ich dann auf einmal nichts Besonderes mehr - um dieses Hobby ausüben zu können, durfte man schlicht in der Schule keine Probleme haben, weil man regelmäßig vom Unterricht befreit werden musste, und das wäre ja nicht möglich gewesen, wenn man ständig irgendwo auf der Kippe gestanden hätte. In dieser Gruppe habe Freundschaften geschlossen, die z.T. noch bis heute andauern (meine Schulzeit war Anfang der 90er zu Ende), witzigerweise auch zu einem Mädchen aus meiner Parallelklasse, so dass ich zumindest in den Pausen nicht mehr so einsam und "außen vor" war.
Ich habe dann einen relativ "elitären" Studiengang gemacht, für den ein 1,0-Abi fast die Voraussetzung war (plus noch das Bestehen eines Auswahlverfahrens). Da war ich dann tatsächlich nur noch eine unter Vielen, und leistungsmäßig irgendwo im Mittelfeld (in einer Gruppe von 50 Leuten). Schlagartig ging es mir richtig gut, und seitdem hatte ich keinerlei Schwierigkeiten mehr, mich in irgendwelche Gruppen zu integrieren.
Heute bin ich ziemlich erfolgreich in einem Beruf, in dem es in erster Linie ums "Netzwerken", Kontakte knüpfen (und pflegen) und Kommunizieren geht. Das überrascht mich manchmal immer noch, vor allem, wenn ich an die "Bäcker-Situationen" zurückdenke.
Ich denke, die Außenseiter-Zeit früher hat mich in gewisser Weise dafür gewappnet, meinen Weg zu gehen, Entscheidungen unabhängig von anderen zu treffen und es nicht immer allen Recht machen zu müssen (denn ich habe das ja versucht, jahrelang, und gelernt, es bringt nix...). Wenn ich mich z.B. mit meiner früher immer total beliebten Schwester (der ich immer sehr nahegestanden habe und die immer noch einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben ist...) vergleiche, bin ich heute irgendwie, weißnich, "stärker" und unabhängiger und habe mit Veränderungen (also, sowas wie Umzügen, Jobwechseln etc.) viel weniger Schwierigkeiten, weil ich jede Veränderung immer noch (mindestens unterschwellig) als Chance sehe, dass mein Leben (jetzt halt noch) besser wird.
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11.07.2012, 18:03
AW: ehemals Außenseiter?
Hallo,
auch in war früher in der Schule Außenseiterin, und bin es heute nicht mehr.
Ich bin recht behütet aufgewachsen. Nicht im negativen Sinn, mehr so, dass ich zum Beispiel nicht wusste, dass es "coole" und "uncoole" Dinge gibt. Ich wusste nicht, was McDonalds ist, und ich hatte keine Ahnung, dass im Fernsehen noch andere Sachen kamen als Sendung mit der Maus und die Tagesschau. Klamotten waren für mich Klamotten, und ich hatte keine Ahnung davon, dass andere Kinder das anders sehen.
In der Grundschule war ich sehr beliebt, Mittelpunkt der Klasse, riesiger Freundeskreis, auch außerhalb der Schule. Dann kam ich aufs Gymnasium, und es war wie ein Schock. Es war einfach alles vollkommen anders. Ich ging zum Glück mit ein paar Freundinnen auf die Schule, so dass wir sozusagen alle zusammen Außenseiter waren, und im Laufe der Jahre andere Außenseiter in unsere Gruppe integriert haben, total unbewusst.
Wir waren die Uncoolen, die Kräuterweibchen, die Hippiekinder, die Streber, die man mit Steinen bewerfen und bespucken konnte.. War nicht leicht, aber irgendwann wurden wir stillschweigend geduldet, und in der Oberstufe dann lösten sich die alten Grenzen auf, und man stellte fest, dass die "anderen" ja eigentlich doch größtenteils nette Leute sind.
Insofern unterscheidet mich das vielleicht von anderen Außenseitern, weil ich nicht alleine war, sondern weil wir von Anfang an zu dritt waren, und wir wie Pech und Schwefel zusammenhielten, und diesen Kreis stetig vergrößert haben, bis sich die Grenzen auflösten. Aber darauf führe ich zu einem guten Teil meine heutige Akzeptanz und Vorurteilslosigkeit zurück. Weil ich durch und in diesen paar wirklich harten Jahren tief tief in mir realisierte, dass man Menschen nicht nach ihrem Äußeren beurteilen kann. Ich "weiß" es nicht nur, es wurde mir sozusagen eingebrannt.
Ich habe heute absolut keine Probleme, auf andere zuzugehen, mit anderen Freundschaft oder Bekanntschaft zu schließen, muss allerdings gestehen, dass ich ein Problem mit Menschen habe, die sich auf ihrem Außenseitertum ausruhen. So im Sinne von "Mich mag eh niemand, die Welt ist schlecht, also geb ich mir auch keine Mühe." Solche Menschen kenne ich etliche, und ich kann überhaupt kein Verständnis für sie entwickeln, vermutlich weil ich das Gegenteil erlebt habe.
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11.07.2012, 22:35Inaktiver User
AW: ehemals Außenseiter?
Ich frage mich gerade, ob das hier ein typischer "Außenseiter"-Treffen ist, denn irgendwie schreibt jeder nur über sich und es ergibt sich keine rechte Gruppendiskussion
... aber vielleicht ist das nur Zufall oder ergibt sich aus dem Thema an sich, denn es war ja ausdrücklich nach Erfahrungen von anderen gefragt.
Und damit bin ich dann auch schon wieder beim Thema: Die Frage ist ja, ob man von anderen zum Außenseiter gemacht wird oder ob man auch selbst dazu beiträgt (ggfs. in der Variante, dass man z.B. als Kind zum Außenseiter wird und diese Rolle später beibehält). Bisher haben wir hier ja schon die verschiedensten Gründe dafür gehört, wie man zum Außenseiter werden kann und ich fürchte, es ist heutzutage fast noch "leichter", nicht dazu zu gehören. Aus meiner Sicht kann man es unter manchen Voraussetzungen praktisch kaum vermeiden, zum Außenseiter zu werden und als Kind schon mal gar nicht. Ich kann es nicht wissenschaftlich erklären, aber ich glaube, es ist ja so eine Art Grundbedürfnis, dass man speziell als Jugendlicher dazu gehören möchte und sich über eine Peer group definiert. Nur - wie geht man später damit um? Manche ziehen aus dieser Situation Stärke und drehen den Spieß sogar um - und bei anderen zieht sich das Muster durch das ganze Leben. Das kann man wahrscheinlich gar nicht richtig erklären, schätze ich, vielleicht geht das so in Richtung "Resilienzforschung", wo man ja auch schaut, warum manche Leute eine schwere Kindheit sehr gut verkraften und andere, manchmal mit viel "leichteren" Schicksalen im Leben überhaupt nicht zurecht kommen.
Auf jeden Fall denke ich, dass es ein wirklich großer Schritt ist, wenn man erkennt, ob man zum Außenseiter gemacht wird oder ob man sich eher selbst dazu macht (durch self-fulfilling prophecies etc.). Ich behaupte ja auch, dass ich seit der Grundschule einiges dazu gelernt habe (wäre ja auch schlimm wenn nicht
). Aber vielleicht ist das, wie bei Dir Blueserin, auch einfach so eine Art Grundmelodie meines Lebens, dass ich manchmal das Gefühl habe, ganz grundsätzlich "anders" zu sein und nicht so richtig hierher zu passen... Insofern hast Du auch recht, dass meine Signatur sehr viel mit diesem Thema hier zu tun hat
...
Einiges angestoßen hat zu diesem Thema in mir übrigens die Tatsache, dass ich seit einem Jahr Mutter bin... aber gerade deshalb muss ich jetzt auch langsam mal ins Bett
und wünsche Euch allen eine gute Nacht.
Liebe Grüße
Tulipali
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12.07.2012, 09:47Inaktiver User
AW: ehemals Außenseiter?
Hallo Tulipali,
das mit der gewünschten Gruppendiskussion findet jetzt aber in deinem Kopf statt!...
Auch ich bin eine ehemalige Außenseiterin: als Lehrerkind (selbe Schule) und anfänglich sehr gute Schülerin habe ich in der Grundschule eine Klasse übersprungen - damit war die Sache klar - ich hatte massive Probleme, habe zwar auch die eine oder andere Freundin gehabt, auch eine sehr enge, aber ich wurde permanent geärgert und ausgegrenzt.
Auf dem Gymnasium wurde es besser, aber erst, als ich mich leistungsmäßig mehr im Mittelmaß eingependelt hatte, kam ich zur Ruhe. Die Oberstufe war schlimm für mich und ich trat den Rückzug in die Unauffälligkeit an.
Aus dieser Lage habe ich mich im Laufe der Jahre befreit. Ich bin sehr kommunikativ und kann leicht mit andereren Menschen in Kontakt kommen. Wenn mich jemand ablehnt, läuft bei mir eine Art "Schutzprogramm" ab, mühsam erarbeitet.
Ich habe auch einen "Außenseiter" geheiratet und habe auch ein solches Kind. Mein anderes Kind ist total anders.
Meine Erfahrung ist, dass es für mich kein unentrinnbares Schicksal ist, dass ich aber sehr vorsichtig mit mir selbst umgehen muss und achtsam sein muss, wenn ich wieder mit den alten wunden Punkten konfrontiert werde.
Mittlerweile glaube ich, dass einem diese Aufgaben zur Lösung gestellt werden.
Tja, und die Menschen, die einmal Außenseiter waren und dies immer bleiben, die gibt es vermutlich auch. Schätzungsweise kommt es auch darauf an, ob der auslösende Faktor bzw. das Umfeld zu verändern ist oder nicht. In erster Linie geht es aber doch darum, sich selbst so anzunehmen , wie man ist.
Liebe Grüße
Birke
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12.07.2012, 10:20
AW: ehemals Außenseiter?
Einer Freundin von mir ging es so. Außenseiterin schon von Kind an, und diese Rolle hat sie auch nie wirklich abgelegt. Sobald sie in neue Gruppe kam, stand sie schnell wieder am Rand. Woran das liegt, kann ich nur mutmaßen. Einerseits war sie wohl so was wie eine Spätenwicklerin, die die gängigen Interessen der anderen Kinder nicht geteilt hat. Das in Verbindung mit sehr guten Noten bildet schon eine solide Basis, um ausgegrenzt zu werden. Aufgrund ihrer sehr negativen Erfahrungen entstand dann natürlich ein Panzer und ein gehöriges Maß an Misstrauen. Dazu ein, wie soll ich sagen, vielleicht mangelndes Gespür, wer aus einer größeren Gruppe zu ihr passen, wem sie sich anschließen könnte. Und schwuppdiwupp war sie wieder außen vor. So was kann sich schon durchs ganze Leben ziehen, fürchte ich.
Bei meinem Patenkind hab ich gerade auch ein paar Befürchtungen in diese Richtung. Ein siebenjähriger, der sich nicht für Fußball interessiert, dafür gerne in die Kirche geht und häkelt - man könnte ihm eine solide Zukunft als alte Jungfer vorhersagen
. Noch dazu lernt er sehr gerne und ist ansonsten ein etwas ängstlicher Typ. Damit steht er ja schon fast mit einem Bein im Außenseitertum. Ich wünsche ihm sehr, dass er sich da behauptet und immer Freunde findet. Aber leicht wird es sicher nicht, das zeichnet sich, glaube ich, schon jetzt ab.
Ich selbst war der typische Mitläufer. Eher in den Randgebieten sozialer Beliebtheit zu finden, aber nie ohne Freunde und nie ausgegrenzt. Schon das war nicht immer so prickelnd. Aber ich habe mir zum Glück ein gewisses Talent bewahrt, schnell passende Leute zu finden, wenn ich neu zu einer Gruppe stoße. Das hat mir schon oft geholfen. Und so habe ich im Laufe der Zeit gelernt, von den Randgebieten weiter in Richtung Mitte zu wandern. Der Mittelpunkt ist nicht meine Position und wird es nie sein, aber irgendwo im soliden Mittelfeld finde ich es schon ganz lebenswert.
Gruß,
Malina
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12.07.2012, 11:08Inaktiver User
AW: ehemals Außenseiter?
Hallo Unnah,
ich kenne das Ganze auch. War auch in meiner Schulzeit Außenseiter und habe sehr gelitten. Ich erkenne mich auch in vielen Beiträgen von Euch wieder, hatte auch gute Noten, war sehr still wodurch ich wohl oft als unnahbar und arrogant eingestuft wurde. Zum Glück hatte ich eine Freundin in dieser Zeit, der es genau so ging. So war ich nicht ganz alleine.
Ich war lange Zeit in meinem Mauseloch gefangen.
Zum Teil denke ich, daß das mit meinen Eltern zu tun hatte ( ich hatte sehr alte Eltern mit alten Ansichten - Kinder hatten da nicht viel zu melden oder ein Recht auf eigene Meinung).
Das ist wiederum ein Grund warum ich recht früh Kinder bekommen habe (ich wollte keine alte Mutter sein).
Ich habe bewusst vieles anders in der Erziehung gemacht wie meine Eltern und habe zwei super Töchter mit einem gesunden Selbstbewustsein, die sich gegen solche Attacken wie ich sie erfahren musste, wehren können. Beide sind keine Außenseiter und beide sind sehr sozial eingestellt und stellen sich gerne mal auf die Seite der Schwächeren.
Dennoch glaube ich auch, dass man schon mit gewissen Eigenschaften auf die Welt kommt, z.B. ob man lebhaft oder eher ruhig ist, das dann durch Erziehung und Umfeld in der man lebt weiter geprägt wird.
Zu einem großen Teil habe ich meine damaligen Verhaltensweisen abgelegt. Aber immer wieder kommt das Ganze hoch oder ich bin in ähnlichen Situationen wie damals, die mich veranlassen wieder in das besagte Mauselloch kriechen. Ich bin durch diese Zeit sehr geprägt und empfinde es als negativ manchmal nicht aus meiner Haut zu können. Es hat mich nicht gestärkt wie viele sagen. Es ist so das ich keine Mitte finde. Entweder ist es das Mauseloch oder ich reagiere gleich zu heftig. Das dazwischen fehlt.
Fazit: Solche Erfahrungen wird man wohl nie ganz ablegen können. Postiv wie negativ.
LG Chanati


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