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  1. Moderation

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    AW: ehemals Außenseiter?

    Zitat Zitat von Chaoskaiserin Beitrag anzeigen
    Da kommt dann schon mal die Frage: Dad, Mum, warum habt ihr mich eigentlich nicht daran gehindert, so freakig auszusehen? Mal gesagt, dass die Klamotten total schräg sind?
    Meistens nehmen die Eltern an, "das trägt man heute wohl so". Und oft genug haben sie auch damit recht.

    Wenn ich heute Fotos aus meiner Schulzeit sehe, war ich immer passend und unauffällig angezogen, aber ich hatte ununterbrochen Knatsch zu Hause, die (Karotten)jeans würde fett machen, Turnschuhe gingen gar nicht, der Blouson sei ausgwaschen und das Sweatshirt zu weit. Auf den Fotos, wo meine Mutter mich eingekleidet hat, sehe ich aus als käme ich aus der Kleiderkammer der Heilsarmee. Wo das Licht ausgefallen war. Dafür fehlte es nie an Kommentaren, wie schlecht doch auch alle meine Freundinnen angezogen seien. Und natürlich, daß mein Verhalten ohnehin unmöglich sei und meine Angewohnheiten, und meine Sprache und mein Aussehen sowieso, und daß es kein Wunder sei, daß ich nur Spinner und Verlierer als Freunde hätte und niemand mit mir auf der Straße gesehen wollen sein würde.

    Als Elter würde ich die Klamottenwahl des Kindes, solange sie nur schräg, unangepaßt oder gleichgültig ist nur kommentieren, wenn ich danach gefragt werde.
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  2. Inaktiver User

    AW: ehemals Außenseiter?

    Vor allen Dingen bewirken solche Aussagen seitens der Eltern nur das Gegenteil, nämlich jetzt erst recht.

  3. Inaktiver User

    AW: ehemals Außenseiter?

    Dem kann ich mich als Mutter von zwei Teenagern nicht anschließen!
    Mir ist bewusst, dass mein eines Kind auch ein bisschen "anders" ist als die Altersgenossen - umso wichtiger ist mir, dass er optisch nicht auch noch eine Angriffsfläche bietet. Er kann sich die Klamotten aussuchen, die er will, wir lassen uns da in einem einschlägigen Geschäft beraten. Er selber spürt auch, dass das Äußere ihn attraktiver macht, er hat da aber keine so richtige eigene Meinung und weiß auch nicht so genau, was es denn nun sein soll.
    Klar, wenn man ein Kind hat mit ganz konkreten Vorstellungen "Nein, ich trage nur abgefetzte alte Shirts, auch wenn Abendkleidung erwünscht ist" (bei einer Freundin von mir leider so bei ihrer Tochter) kann man nix machen. Da ich mich aber noch ganz genau an bestimmte Vorschriften meiner eigenen Jugend erinnere (nein, mit 13 kannst du noch keine Strumpfhosen tragen, es müssen Kniestrümpfe sein ) ist mir die "modische Teenager-Optik" ein Herzensanliegen.
    Das löst zwar auch nicht alle Schwierigkeiten, aber erleichtert schon ein wenig.

    Ich erlebe auch, dass äußerliche Attraktivität bei Jugendlichen ein Wert an sich ist, auch wenn die sonstigen Interessen irgendwie anders sind.

    LG Birke

  4. Inaktiver User

    AW: ehemals Außenseiter?

    Zitat Zitat von Chaoskaiserin Beitrag anzeigen
    Was meint ihr, sollten Eltern ihren aussenseiterischen Nachwuchs ein bisschen in den Normalbereich stuppsen, oder das als Marotte gelten lassen? Und oft ist es ja nicht nur das Aussehen, sondern andere Verhaltensweisen, die einen zum Aussenseiter machen.
    Was so äußere Dinge angeht sind Eltern wahrscheinlich einfach überfordert. Als Außenstehender kann man ja garnicht beurteilen, was nun in der Peer Group als "normal" gilt, da geht es ja oft um Nuancen - und in manchen Cliquen ist vielleicht gerade freakiges Aussehen angesagt.

    Aber meine Eltern haben sich immerhin nach Kräften bemüht, mir den Kleidungs- und Lebensstil (Hobbys, Musik etc.) zu ermöglichen, den ich für angemessen hielt. Also zumindest in dem Bereich bin ich nicht negativ aufgefallen (glaube ich ).

    Allerdings war bei mir schon früh klar, dass ich gewisse Probleme im sozialen Umgang habe, die über das normale Maß hinausgehen, und die später maßgeblich zu meinem Außernseitertum beigetragen haben. Und da hätte ich rückblickend schon erwartet, dass von meinen Eltern Hilfe kommt.
    Ich glaube, die wollten nicht wahrhaben, dass ihre Kinder (mein Bruder wurde auch "auffällig", allerdings anders als ich) echte Probleme haben.

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    AW: ehemals Außenseiter?

    Huhu, ich melde mich hier auch einmal hinzu

    Ich würde mich auch als Außenseiterin zu Schulzeiten bezeichnen, auch wenn ich nicht sagen kann, dass ich keine Freunde hatte. Gott Sei Dank gab es da immer welche, aber es waren leider nicht die, die ich gerne gehabt hätte... Dazu aber später mehr.

    Generell finde ich es sehr beruhigend, all die Geschichten hier zu lesen, da sie meiner sehr ähneln: gute Noten, eher unsportlich (jetzt allerdings gar nicht mehr, *wink zu Ruby*), Brille (sogar mit dunkel abgeklebtem einem Brillenglas), und zuletzt auch recht pummelig.

    Es gab aber wie gesagt, auch immer Freundinnen, und auch zwischendurch Phasen, in denen ich beliebt war. Mein Problem war wohl wirklich, dass ich mich zwischendurch merkwürdig verhalten habe, gehemmt war, sozial unsensibel, und mich einfach nicht für den Mainstream interessiert habe.

    Zudem sind meine Eltern eher merkwürdig, haben kaum/keine Freunde, so dass ich von Haus aus auch nicht lernen konnte, Freundschaften aufzubauen und zu pflegen. Meine Freunde oder Klassenkameraden waren meinen Eltern nie gut genug, auch wenn ich weder aus einem hochgebildeten, noch reichen Elternhaus komme, und auf einer Schule mit sehr gutem (und wohlhabendem) Klientel komme.

    Dadurch hatte ich Freunde, allerdings auch eher die "uncoolen". Wir gingen ins Café und um 20 Uhr nach Hause, während sich die anderen zur Cocktails-Nacht trafen. Dabei hätte ich so vieles gegeben, bei solchen Abenden dabei sein zu können...

    Mit dem Abitur und dem Umzug zum Studium in ein anderes Bundesland, dem Entdecken von Sport, einer modischen Offensive dank gutdotiertem Studentenjob und sportbedingtem Gewichtsverlust ist dann nach Ende der Schulzeit alles besser geworden. Von kurzen Intermezzen abgesehen - zweimal geriet ich an Gruppen, in denen ich wieder in der Außenseiterrolle war und plötzlich brachen all die alten Muster und Gefühle wieder auf. Das konnte ich aber Gott Sei Dank wieder überwinden

    Im Nachhinein ist mir auch klar geworden - denke ich -, woran die jeweilige Außenseiterposition lag: Ich hatte es mir zu sehr anmerken lassen, und es war mir zu wichtig, dazuzugehören. Dadurch habe ich mich angebiedert, war hölzern, zu sehr bemüht und angreifbar.
    Oft war es so, dass ich in den Gruppen in dem Moment besser "ankam", als ich mich einen Dreck darum geschert habe, was die von mir halten.

    Mittlerweile ist mein Leben ziemlich genau so wie ich es mir wünsche: ich habe ausreichend gute Freunde - mehr könnte ich zeitlich gar nicht bewältigen. Und wenn ich mal ein Wochenende - so wie dieses - kein Date habe, dann ist das einmal kein Beinbruch, sondern eine willkommene Ruhepause und kann sich zudem spontan ändern - so wie gestern abend, als eine gute Freundin zum Kochen und auf eine Flasche Rotwein vorbeikam.

    Auch die Partys konnte ich nachholen, mehr als genug Aber ich bin mir sicher, dass ausreichend Hirnzellen verblieben sind

    Was mir allerdings in meinem Freundeskreis sehr auffällt, ist, dass alle meine Freunde einige Jahre jünger sind als ich. Ich finde das prima, schließlich bekommen viele meiner alten Klassenkameraden schon Kinder und haben geheiratet und mir graut es ein wenig vor dem Gedanken, das jetzt schon alles zu tun.
    Vielleicht ist der Grund des Außenseitertums ja auch der gewesen, dass ich einfach etwas spätreif war?

    In jedem Fall war ich vorletztes Jahr auf dem zehnjährigen Abiturstreffen, was schon recht überraschend war: ich war die einzige, die nicht zugenommen hatte (sondern abgenommen). Mit meiner alten Clique von damals konnte ich nichts anfangen, statt dessen habe ich mich prima mit Leuten verstanden, die mich zu Schulzeiten nicht mal mit dem A... angeschaut hätten.

    Manchmal, wenn ich so manche sportliche Herausforderung bewältige, oder andere Dinge tue, von denen ich zu Schulzeiten nur geträumt hätte, denke ich mir dann ganz insgeheim: Wenn das jetzt meine Klassenkameraden wüssten, dass ICH das mache. Wie gut ist es da, dass es Facebook gibt
    Avatar made by Betsi!

  6. Inaktiver User

    AW: ehemals Außenseiter?

    Hasi, mit dem Freundschaften pflegen in der Familie sprichst du auch einen wichtigen Punkt an.

    Bei uns war die Familie ein enger Kreis (also Großeltern, die Kinder und die Enkelkinder, sogar die Schwiegerkinder wurden eher distanziert behandelt) - da passten kaum Freunde rein. Daher habe ich auch sehr wenig gelernt, wie man auf andere zugeht, Freundschaften schließt und v.a. pflegt.

    LG
    Lakritze

  7. User Info Menu

    AW: ehemals Außenseiter?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Hasi, mit dem Freundschaften pflegen in der Familie sprichst du auch einen wichtigen Punkt an.
    Ja, ich glaube, da ist was dran. Ich bin Einzelkind ohne große Verwandtschaft in meinem Alter. Aber meine Eltern haben immer sehr darauf geachtet, dass ich z.B. im Urlaub mit anderen Kindern zusammenkam. Entweder wir sind gleich mit Freunden in Urlaub gefahren oder wir haben Urlaub dort gemacht, wo die angeheiratetet Verwandtschaft Kinder in meinem Eltern hatte, die heute noch wie Schwestern für mich sind.

    Mein Freundin, die ihre ganze Kindheit und Jugend Aussenseiterin war, hat hingegen erzählt, dass ihre Eltern sie regelrecht von anderen Kindern ferngehalten haben und immer der Meinung waren, sie bräuchte keine anderen Kindern, man wisse ja nicht, was das für welche seien...

    Ob Eltern hingegen abschätzen können, welche Klamotten in der Altersgruppe ihrer Kinder angesagt sind, halte ich für schwierig. Und unter Umständen nutzt das nicht mal was. Ich glaube, es kommt auch ein ganzes Stück weit auf das eigene Verhalten an. Schüchternheit, mangelndes Selbstvertrauen führen schnell zu grauen-Maus-Syndrom, von dem ich auch ein Lied singen kann. Und wenn dann noch ein paar andere Faktoren wie Unsportlichkeit, unpassende Kleidung, nicht mainstreamige Interessen dazu kommen, ist man schnell in der Außenseiterposition. Ein Faktor alleine reicht da meist nicht.

    Wenn ich mir das heut so überlege, dann frage ich mich manchmal, wie Kinder und Jugendliche das überhaupt überstehen. Wenn wir als Erwachsene irgendwo zu Außenseitern werden, z.B. im Job, dann haben wir ja doch meist die Möglichkeit, uns der Situation zu entziehen. Vielleicht nicht imme sofort, aber eben grundsätzlich doch. Und so verbreitet ist dieses Phänomen unter Erwachsenen meines Erachtens nicht. Meist findet man dann ja doch irgendwann ein passendes soziales Umfeld, heiratet, bekommt Kinder. Wenn ich mir heute vorstelle, zehn, zwölf Jahre in so einer Situation zu verharren, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass ich das aushalten könnte. Ich finde es geradezu unglaublich, dass so viele Kinder und Jugendliche das tatsächlich ohne allzu große seelischen Schaden überstehen.

    Gruß,

    Malina

  8. User Info Menu

    AW: ehemals Außenseiter?

    Und das wird ja teilweise noch von der Schule verstärkt, zum Beispiel durch die besonders unselige Praxis in der Schule, Mannschaften im Schulsport von den beiden besten Schüler(innen) wählen zu lassen. Dadurch zementiert sich geradezu eine Liste der Unbeliebtheit. Dass Sportlehrer das nicht kapieren, wie demütigend das ist? Sportunterricht soll ja wohl auch nicht nur leistungsorientiert sein. Ich hätte zu gerne mal allen meinen Sportlehrern gesagt, wie wahnsinnig kontraproduktiv das war, was sie da zu Schulzeiten praktiziert haben. Ist doch schon auffällig, dass ich, kaum war der Scheiß (entschuldigung...) vorbei, von ganz allein zum Sport gefunden habe. Da war Sportunterricht eher sportverhindernd als körperlich wohltuend.

    Aber ich glaube, damit drifte ich ab vom eigentlichen Thema...

    Wie man eine so lange, schlimme Zeit übersteht? Ich habe mich immer in Phantasiewelten geflüchtet, viel gelesen, auch selbst geschrieben und bin so schnell wie möglich aus meinem Heimatort weggezogen. Es war keine Sekunde zu früh. Der Gedanke daran hatte mich die letzten drei Schuljahre geradezu am Leben erhalten.

    Und wenn ich mir vorstelle, dass es nunmehr verstärkt Ganztagesschulen geben soll, dann überfällt mich das kalte Grauen. Wir konnten immerhin Nachmittags dem Ganzen entfliehen.
    Avatar made by Betsi!

  9. Inaktiver User

    AW: ehemals Außenseiter?

    Zitat Zitat von HasiII Beitrag anzeigen
    Dadurch zementiert sich geradezu eine Liste der Unbeliebtheit. Dass Sportlehrer das nicht kapieren, wie demütigend das ist? Sportunterricht soll ja wohl auch nicht nur leistungsorientiert sein.
    Wie kommst du darauf, es würde nicht genau darum gehen?

    Aber es begann damit ja schon viel früher... im Kindergarten gabs doch schon die netten Spielchen, wo man sich immer neu in Gruppen zusammenfinden musste, alle blonden, alle xyz ... tja, wenn du rausfällst hast du eben Pech gehabt. Tolle Pädagogen.

  10. Inaktiver User

    AW: ehemals Außenseiter?

    Zitat Zitat von HasiII Beitrag anzeigen
    Und wenn ich mir vorstelle, dass es nunmehr verstärkt Ganztagesschulen geben soll, dann überfällt mich das kalte Grauen. Wir konnten immerhin Nachmittags dem Ganzen entfliehen.
    Sehe ich ähnlich.

    Leider wäre für einen großen Teil der heutigen Kinder, eine GUTE verbindliche Ganztagsschule mit GUTEN Pädagogen sehr wichtig. Und damit für die ganze Gesellschaft. Es wird nur schwierig, wenn genau die Lehramt studieren, die schon in der Schule die Ausgrenzer waren - weil ihr Weltbild nichts anderes zulässt.

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