Noch eine...als Kind immer Ausseiterin, weitgehend ohne Freunde und Anerkennung - dabei bin ich im Grunde meines Wesens ein "Pinguin".
Wie kam das?
Meine Eltern hielten es nicht lange an einem Ort aus.
Bis zu meinem 12ten Lebenjahr waren wir 14 mal umgezogen...ein paar Jahre USA waren auch dabei (die glücklichsten meiner Kindheit - immerhin fast 3 jahre an einem Ort - endlich mal Freunde für längere Zeit, endlich mal EINE Schule, eine gewisse Beständigkeit). Es dauerte nicht lange, da hatte ich englisch gelernt...wurde sogar die Klassenbeste.
Wieder in Deutschland, musste ich dann in eine typische Dorfschule Ende der 60iger...man beschuffelte mich mißtrauisch, stellte fest, dass ich "anders" war und schloss mich aus.Vielleicht war mein nicht akzentfreies Deutsch mit schuld, einige Gewohnheiten, die ich aus den USA mitgebracht hatte - vielleicht aber auch die Tatsache, dass ich mich, fleissig und ehrgeizig wie ich nun mal war, schnell bei den Klassenbesten befand.
Meine Eltern versuchten alles mögliche; ich durfte Klassen"kameraden" nach Hause einladen, mein Geburtstag sollte groß gefeiert werden...ich hatte viele Einladungen verteilt...aber es kamen nur 2 oder 3 Kinder :-(
Als ich aufs Gymnasium kam, hatte ich resigniert. Mit meinem Mitschülern wollte ich so wenig wie möglich zu tun haben...dazu war ich noch unsportlich und im Sport-Team nicht zu gebrauchen. Ich war unglücklich, meine schulischen Leistungen liessen nach und ich verzog mich immer öfters in eine Traum-Welt, in der alle Menschen englisch sprachen, freundlich zu mir waren und mich so mochten, wie ich war - eben zurück in die glücklichste Zeit meines Lebens...
Ich wurde früh flügge. Es war ein Schock für meine Eltern, als ich, mit kessen 15 - ihnen einen erwachsenen amerikanischen G.I. als meinen "Freund" vorstellte...verkörperte er doch einen Teil meiner Wunsch-Welt. ER selbst staunte auch nicht schlecht, als er mein wahres Alter erfuhr...und zog sich schnellstens zurück.
Wie ich aus der Isolation gefunden habe?
Ich war einfach unglücklich und habe gemerkt, dass ich selbst auf die Leute zu gehen muss. Hatte ich früher dazu geneigt, kleine "Verletzungen" bitterernst zu nehmen, wurde ich toleranter. Ich hatte die Menschen vermisst, hatte mir drignend Freunde/Freudinnen gewünscht und genoss es, als ich fähig war, auf sie zuzugehen und mich aktiv zu beteiligen.
Heute? Ich habe einige ganz nahe Freundinnen - und einen riesigen Sack voller guter Bekannter, mit denen man was unternehmen kann. Eigenartigerweise habe ich einen Einzelgänger geheiratet...
Manchmal, wenn es mir heute nicht gut geht, krieche ich zurück ins Mauseloch - wohlwissend, dass ich es dort nicht lange aushalte.
Meine "Außenseiterstory" hat also ein gutes Ende - aber es war nicht immer einfach.
Antworten
Ergebnis 11 bis 20 von 122
Thema: ehemals Außenseiter?
-
12.07.2012, 12:55Inaktiver User
AW: ehemals Außenseiter?
-
12.07.2012, 15:03
AW: ehemals Außenseiter?
Hm, ich war einerseits immer deutlich und spürbar (und eifrig) "anders", aber gerade deswegen, weil ich mit den Discomiezen und den Gelhaarjungs nichts zu tun hatte und mich auch weder für den Sportverein noch die freiwillige Feuerwehr interessierte, hatte ich immer sehr gute und sehr enge Freunde, da weniges mehr zusammenschweißt, als gemeinsam "komisch" zu sein.
Ich bin damit aufgewachsen, daß es von Charakter und Intelligenz zeugt, "anders" zu sein, solange man imstande ist, bei Bedarf den Radar zu unterlaufen und stinklangweilig-normal zu wirken. Wer das nicht kann, wurde mir beigebracht, macht sich in seinem Anderssein wieder nur von anderen abhängig und sucht deren Mißbilligung so wie der Angepaßte ihre Billigung sucht, und bleibt somit fremdbestimmt.
Dieses hochkomplizierte Konstrukt geht mir heute noch nach!
Es ist schwer für mich, nicht arrogant und herablassend zu sein, aber leicht, nicht arrogant und herablassend zu erscheinen. Ich mißtraue instinktiv allem, was populär ist, und begeistere mich bevorzugt für das Obskure. (Mir Bücher, Musik oder Fernsehserien zu empfehlen ist eine Übung in Psychologie.
) Ich mißtraue populären und gutaussehenden Leuten, und es fällt mir schwer, sie ernst zu nehmen, aber ich finde leicht Freunde unter den Spinnern und Sonderbaren und bin immer bereit, von ihnen das Beste zu glauben.
Zugehörigkeit zu Gruppen ist für mich eher intellektuell als emotional. Viele meiner "Gruppen" sind nicht in Person, sondern in Eigenschaften und Interessen. Ich sehe mich nicht als Gruppenmensch, aber als angewiesen auf den Austausch mit Gleichgesinnten: Eine akademische Unterscheidung.
Vielleicht bin ich einfach nur introvertiert
***
Aber das ist eine Seite der Medallie. Intelligent, sonderbar, elitär, altklug, verschwiegen, selbständig, autark zu sein, das war das gute Anderssein, in dem ich auch immer bestärkt wurde.
Die andere Seite ist: Ich war fett. Das war ein Anderssein, das sich nicht verbergen ließ, wenn es ungelegen kam. Und was das alles getan hat, was das alles angerichtet hat, zu wissen, daß einen die eigene Mutter nicht lieben kann, daß es ihr lieber wäre, man würde todkrank werden und sterben, als so zu sein wie man ist: Das wirkt sich so umfassend aus, daß es schwer ist, die positive Außenseiterrolle abzugrenzen von dem selbstgemachten Rückzug aufgrund der Gewißheit, daß es einem nicht zusteht, an dem Leben, das um einen herum stattfindet, teilzuhaben. Wie der kluge Fuchs, der die unerreichbaren Trauben zu sauer befand, kann man das Außerseitertum kultivieren, um Ausgrenzung zu vermeiden.
Und auch das geht mir heute noch nach. Die Schüchternheit habe ich mit dem Fett zurückgelassen, seit die Blicke der Leute mir sagen, daß es mir zusteht, in ihrer Gegenwart zu existieren, aber die Reflexe sind noch da. Die unerwartesten Bemerkungen lassen mich aus dem Raum rennen, ich nerve meine Freunde mit einem pathologischen Bedürfnis nach Bestätigung, ich muß brilliant sein, oder ich bin nichts. Ich kann nur hoffen, daß Zeit und Gewohnheit diese Reaktionsmuster irgendwann abschleifen, sonst werde ich eine noch wunderlichere Alte als ich vorhabe zu werden.** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
-
12.07.2012, 15:57
AW: ehemals Außenseiter?
Oha ja, die Erfahrung, Aussenseiter zu sein, habe ich in meinem Leben mehrfach machen müssen.
Zuerst in meiner Familie, wo man mich in die Rolle des schwarzen Schafs gedrängt hatte, und dann auch im Freundeskreis - bis ich ca. 18 war. Danach habe ich teilweise Gruppen gefunden, die besser zu mir gepasst haben.
Dennoch bin ich mit Anfang 20 und sogar noch mit über 30 in Gruppen verblieben, wo mir definitiv zu wenig Wertschätzung entgegengebracht wurde. Für mich war das so normal, dass ich nicht die richtige Konsequenz daraus gezogen habe: Raus hier und zwar so schnell wie möglich!
Die Aussenseiter-Erfahrung hat mich sehr geprägt. Sie hat mich u.a. dazu gebracht, mich über Jahrzehnte hinweg zu fragen, was eigentlich mit mir nicht stimmt, warum andere immer wieder auf Distanz zu mir gehen oder mich nicht wertschätzen wollen. Sie hat mich für Ausgrenzungen anderer in jeder Form sensibilisiert.
Als jemand, der eher introvertiert ist und dazu auch noch reichlich eigenwillig und nachdenklich ist, hat man es natürlich nicht leicht, sich in Gruppen zu integrieren, und schon gleich gar nicht in Gruppen, die irgendwelchen Mainstreams anhängen. Dass das nichts mit meinem Wert als Mensch zu tun hat, habe ich erst in der Psychotherapie gelernt.Geändert von Latona (16.07.2012 um 13:47 Uhr)
Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!
-
12.07.2012, 16:32
AW: ehemals Außenseiter?
Die Posts machen mich nachdenklich.
@wildwusel, Dein Bericht berührt mich.
Im ersten Teil kann ich Dir voll zustimmen.
Ich assoziere mit dem Begriff Außenseiter nichts Negatives, im Gegensatz zu Angepaßtheit und Rudelverhalten.
Im Grunde sind wir doch alle Außenseiter, Individuen. Durch meine beliebte Zwillingsschwester habe ich sehr früh gemerkt, es bringt nichts, wenn ich ihre Verhaltensweise kopiere. Ich habe andere Stärken, andere Gefühle und andere Sichtweisen.
Durch die Umwelt werden wir ständig fast unbemerkt beeinflusst, "gleich" zu sein. Produkte lassen sich besser verkaufen, Politik lässt sich leichter umsetzen (auch Foren lassen sich leichter lenken
) wenn es nicht zu viele Individuen gibt.
Ich bin jedoch davon überzeugt, wenn wir alle Selbst-Bewußter sind oder wären und unsere Kinder und Umelt dahingehend beeinflusen würden, gäbe es nicht so viele Ausgrenzungen bei anderer Hautfarbe, Behinderungen bei dicken Menschen oder einfach Menschen, die ein wenig anders sind.
Mit Selbst-Bewußtsein meine ich nicht solz oder arrogant sondern sich der eigenen Schwächen und Stärken bewußt sein und nach den eigenen Bedürfnissen leben.
Mir wäre auch meine Zeit viel zu schade um in einer Gruppe zu sein, die mich langweilt, nur um nicht Außenseiter zu sein.Gruß dingsda
Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart.
Der bedeutendste Mensch ist immer der, der Dir gegenübersteht.
-
12.07.2012, 18:48Inaktiver User
AW: ehemals Außenseiter?
Hallo dingsda,
ich glaube nicht, dass wir im Grunde alle Außenseiter sind. Sobald der Mensch auf der Welt ist, möchte er zugehörig sein.
Daraus folgt für mich, dass zuallererst die Eltern auf jede/n von uns einwirken und eine Art "Grundmuster" festlegen, das bei einer jeden Person gebildet wird. Naja, und die Eltern geben einem das, was sie geben können. Da kommen schon recht unterschiedliche Päckchen zusammen, stelle ich mir vor. Und grade dann, wenn es besonders auf "die anderen" ankommt, so in der Schulzeit, entscheidet sich jede/r bewusst oder unbewusst, welchen Weg er/sie gehen will.
Anders natürlich, wenn man von Geburt an ein Handycap hat, das einen auffällig von den anderen abhebt.
Ich habe früher sehr sehr viel ausprobiert, um "endlich dazuzugehören" - häufig scheiterten diese Versuche an den Vorstellungen meiner Eltern, die eine eher strenge Erziehungsform bevorzugten.
Es gibt aber auch Eltern, die das anders händeln.
Klar ist jeder ein Individuum, und das zu wissen, ist ein Stück Reife, trotzdem kannst du schon bei kleinen Kindern beobachten, dass die Mehrheit sich genauso verhalten will wie die anderen.
-
12.07.2012, 19:52
AW: ehemals Außenseiter?


Na, das hat sich doch inzwischen, spätestens aber auf Seite 2, gelegt, oder?
Mich persönlich interessiert einfach, was ihr alle dazu zu erzählen habt, und ich staune/freue mich, dass WIR
so zahlreich hier vertreten sind.
Ich finde es sehr spannend, wie ihr euren Außenseiter-Werdegang betrachtet, wie es dazu kam, wie es sich entwickelt hat, was dies mit euch gemacht hat (positiv wie negativ).
Kurz zu mir: Fast meine gesamte Schullaufbahn war ich widerwillen Außenseiter, hatte keine Freunde oder nur sehr lose Bekanntschaften und habe darunter während meiner Kindheit/Jugendzeit und auch später sehr gelitten, fühlte mich unendlich einsam.
Bis heute kenne ich nicht wirklich den Grund, weshalb es dazu kam. Früher und auch im Erwachsenenalter habe ich mögliche Gründe hin und her gewälzt, bin der wirklichen Ursache aber nie auf die Spur gekommen. (Wenn es denn überhaupt EINE klare Ursache dafür gab.) Zurück blieb jedoch immer die subjektive Gewissheit, dass mit mir irgendetwas nicht stimmen kann. Wie anders ließe sich die Tatsache erklären, dass meine Schwester (bis zum heutigen Tage) allseits so beliebt war und ich nicht. @Anne_dingsda
Auch heute tue ich mich immer wieder schwer damit, mich in Gruppen zu integrieren. Gruppen meide ich heute eher. Im Zwiegespräch oder in Kleinstgruppen bewege ich mich sicherer.
Wenn ich heutzutage Menschen erzähle, dass ich früher Außenseiter war, löst dies nicht selten Verwunderung aus, man verbindet das nicht mit meiner (heutigen) Person. Und tatsächlich meine ich, dass mir diese spezielle Vergangenheit nicht ausschließlich Leid gebracht, sondern ebenso auch Fähigkeiten gelehrt hat wie große Sensibilität, Empathie, ein besonders ausgeprägtes Unrechts- und Ungerechtigkeitsbewusstsein. Und ich fühle mich intuitiv zu den Schwächeren (und Außenseitern) in unserer Gesellschaft hingezogen.
Anders als einige es hier von sich beschreiben, war ich hingegen alles andere als ein schulischer Überflieger - bei mir hat das regelrecht zur "Umkehrung" geführt - ich wollte mit diesem Ort, mit dieser Institution, die mir so viel Leid brachte, möglichst wenig zu tun haben, was sich dann in Träumereien in eigenen Welten und Nichtbeteiligung am Unterricht äußerte.
Unterm Strich hat mir das Außenseiterdasein mehr Leid als Nutzen gebracht. Bis heute habe ich häufig das diffuse Gefühl, "nicht dazu zu gehören", was das auch immer konkret bedeutet. Es ist ein unklares Gefühl, was sich latent im Untergrund bewegt und sich von Zeit zu Zeit immer mal wieder zu Wort meldet.
Auch ich glaube, dass dies ein Urinstinkt bei uns Menschen (aber auch bei vielen Tieren) ist. Es sichert schlichtweg das Überleben.Geändert von Unnah (12.07.2012 um 20:06 Uhr)
-
12.07.2012, 20:17Inaktiver User
AW: ehemals Außenseiter?
Ich bin wohl jemand, der, zumindest außerhalb der Familie, auch entscheidend zur Außenseiterrolle beigetragen hat.
Allerdings nicht gewollt oder bewußt, sondern weil ich schon seit der Kindheit gelernt hatte, dass mich eigentlich keiner so will, wie ich bin und meine Verhaltens- und Denkmuster entsprechend angepasst habe.
Trotzdem bin ich bis zur Mittelstufe ganz gut zurecht gekommen und hatte auch immer einen Freundeskreis, auch wenn ich in der Zeit schon mehr oder weniger starke soziale Defizite gezeigt habe.
Aber so mit 12/13, als die unkomplizierten Kinderfreundschaften auseinandergingen, wurde es über die Jahre immer einsamer. Ich war unsicher und hatte wahnsinnige Minderwertigkeitskomplexe, u.a. aufgrund meiner Introvertiertheit (das Wort kannte ich damals garnicht, aber ich fühlte mich immer irgendwie "krank" im Vergleich zu anderen) und war ein gutes Ziel für blöde Sprüche, weil ich immer gleich geheult habe.
Nicht besser wurde die Situation dadurch, dass ich zwar intellektuell weiter, aber emotional viel weniger entwickelt war als meine Altersgenossinnen, was mich u.a. völlig ungeeignet für normale Jungmädchenfreundschaften machte.
Ich kämpfe heute (mit Anfang 30) immer noch mit den Folgen dieser Muster, die ich über Jahre hinweg eingeschliffen habe. Als Außenseiterin würde ich mich aber nicht mehr bezeichnen, wobei ich mir vorstellen könnte, dass ich von einigen Leuten so gesehen werde.
Wie hier auch schon einige andere in ähnlicher Form geschrieben haben hat mich das Außenseiterdasein dafür sensibilisiert, eher hinter die Fassade zu blicken und allen Leuten erstmal offen zu begegnen.
Ich tue mich aber auch gerade deshalb schwer mit engeren Kontakten. Ich habe keine Lust auf diese typischen Gruppenzugehörigkeitsgeschichten, die oft als ein verbindendes Element haben, dass man gewisse andere Gruppen oder Personen ablehnt. Und ich will auch nicht irgendwas darstellen müssen, um akzeptiert zu werden.
-
13.07.2012, 09:02Inaktiver User
AW: ehemals Außenseiter?
Hallo,
*
ich habe in meiner Kindheit und Jugend auch viel Erfahrung mit Außenseitertum gemacht.
Ich sehe einige Parallelen zu anderen hier, z.B. sehr gute schulische Leistungen.
*
Ich war ein intelligentes Kind, konnte lesen und mit großen Zahlen rechnen bevor ich in die Schule kam (ohne das mich jemand dahin getriezt hat).
Schule fiel mir leicht, ohne dass ich groß was dafür tun musste und das war bis zum Abitur so.
Ich war allerdings sehr unsportlich. Kindliche Wettbewerbsspiele wie z.B. fangen habe ich gehasst, weil ich immer das Nachsehen hatte.
Beim Mannschaftssport wurde ich immer als eine der letzten ausgewählt.
Ich hatte z.B. große Schwierigkeiten Fahrradfahren zu lernen, ich war schon 9 als ich es einigermaßen konnte.
*
Außerdem war ich kein hübsches Kind. Ich hatte Segelohren, stark vorstehende Zähne (später Zahnspange) und mit 12 bekam ich eine Brille.
Ich wuchs mit der Einstellung auf, dass ich intelligent unsportlich und hässlich bin.
*
Mein Elternhaus würde ich als intellektuell bezeichnen, d.h. Intelligenz wurde als wert angesehen, Dinge wie Aussehen als unwichtig.
Deswegen weigerten sich meine Eltern z.B. auch mir die Ohren anlegen zu lassen, obwohl ich das wollte.
Allerdings wurde mir auch mitgegeben, dass es gut ist wie ich bin und das Anderssein etwas Gutes ist und durchschnittlich sein nicht erstrebenswert.
*
Obwohl ich als Kind öfter mal Hänseleien ausgesetzt war, hatte ich trotzdem Freunde, teilweise eher Jungs als Mädchen, da ich auch mehr „Jungeninteressen“, z.B. Computer, hatte.
*
Sehr früh stellte ich fest, dass ich kein Gruppenmensch bin. In Gruppen, du nicht zu mir passten fühlte ich mich einsamer als alleine. Ich versuchte dann aber auch nicht krampfhaft, dazuzugehören, sondern hielt mich eher von Gruppen fern, die nicht zu mir passten.
*
Alles im allen hatte ich eine gute Kindheit bis ich etwas 14 war, dann war ich in der Schule einer fiesen Mobbingattacke ausgesetzt.
Das führte dazu, dass ich mich ziemlich abschottete und meine Schlagfertigkeit schulte. Wir mir zu nahe trat bekam einen fiesen Spruch zurück. *Danach wurde ich zwar nicht mehr gemobbt, war aber die die irgendwo nicht dazugehörte.
*
Als ich dann mit 18 zum Studieren in eine Stadt ging, wollte ich ein anderes Leben. Ich hatte ließ meine Segelohren anlegen, besorgte mir Kontaktlinsen und stellte dann fest, dass ich gar nicht mehr so hässlich bin.
Ich studierte einen sehr männerlastigen technischen Studiengang. Mit Männern kam ich eh besser klar und die wenigen Frauen waren auch genau wie ich ein bisschen anderes. Ich fühlte mich richtig wohl dort.
*
Ich mutierte in dieser Zeit zur Partynudel, holte nach, was ich die Jahre vorher verpasst habe und war auch irgendwie getrieben. Wenn ich mal irgendeinen Samstag allein zu Hause saß, bekam ich gleich Angst wieder im Abseits zu landen.
*
Inzwischen bin ich Mitte 30 und verheiratet. Ich bin wieder ruhiger geworden und wieder ein bisschen Außenseiter, aber eher selbst gewählt. Ich bin zwar durchaus kommunikativ und lerne auch leicht Leute kennen, aber selten welche, die mir wirklich liegen.
Ich habe ein paar wenige gute Freunde, das reicht mir.
*Ich habe einen Mann geheiratet, der nie Außenseiter war, recht extrovertiert ist und leicht Freundschaften schließt.
Durch ihn habe ich wohl auch mehr Sozialkontakte als ich alleine hätte.
Was mir wohl aus meiner Außenseiterzeit erhalten geblieben ist, ist ein gewisses Mistrauen. Ich wirke auf den ersten Blick durchaus kontaktfreudig und kommunikativ, ich kann auch durchaus mal im Mittelpunkt stehen.
Aber ich brauche sehr lange bevor ich Menschen an mich ranlasse und z.B. persönliche Dinge preisgebe.
Ich mache viel mit mir selber aus.
LG
-
13.07.2012, 09:48
AW: ehemals Außenseiter?
Das schon -- aber man kann sich (mehr oder weniger) aussuchen, zu welcher Gruppe man dazugehören will. Und sei es, daß man sagt, man würde in keinen Verein eintreten, der einen als Mitglied akzeptieren würde.
Es gibt Gruppen, die sich selber eine Definitionsmacht zuschreiben (und deren Definitionsmacht manchmal allgemein akzeptiert wird, und manchmal nicht) wer Außerseiter ist. (Guck dir jeden No-go-Strang im Modeforum an und du siehst den Mechanismus in Aktion.) Aber außerhalb dieser Gruppen und außerhalb ihres Wahrnehmungshorizontes existiert genau so eine soziale Struktur.
Ich wundere mich ein bißchen über all das "Ich war Außenseiter, weil ich gute Noten hatte". Ist das eine Altersfrage? Nach dem, was ich in der Schule beobachtet habe, gab's bei uns (bei den Mädchen) die Gruppe der In-Mädchen, die schlechte Noten in Mathe hatten, die Gruppe der Braven Mädchen, die generell gute Noten hatten aber nicht als intelligent galten, und die Gruppe der Überflieger, die respektiert wurden (gelegetlich sogar mit einer Art von Ehrfurcht), und ihe Ökosystem meist weniger in der Klasse hatten, und mehr in AGs und Projekten. Die Außenseiter waren die, die aufgrund von Problemen im privaten Umfeld nicht mithalten konnten.** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
-
13.07.2012, 10:11Inaktiver User
AW: ehemals Außenseiter?
@wildwusel
Ich denke die guten Noten waren ein Punkt von vielen.
Ich passte wohl in die Kategorie Überflieger. Meine guten Noten waren gepaart mit für Mädchen merkwürdigen Interessen,
einziges Mädchen mit Leistungkurs Mathe/Physik, Interesse an Computern und Science fiction.
Dafür wenig Interesse an Mode und Mainstreamthemen.
Das Ökosystem außerhalb hätte ich gerne gehabt, gab es aber nicht.
Ich habe Abitur in einer ostdeutschen Kleinstadt Anfang der 90er gemacht, da war alles alte zusammengebrochen und das neue noch im Aufbau.
AGs und Projekte außerhalb der Schule gab es einfach nicht.
Bei uns wurden die Überflieger nicht besonders respektiert, vielleicht ein bisschen beneidet und als merkwürdig betrachtet.
Probleme im privaten Umfeld hatte ich keine besonderen. Finanzielle Probleme hatten damals viele Familien, weil die Arbeitslosigkeit sehr hoch war.


Zitieren


