@ AngiestoneDiesen Eindruck habe ich auch. Da die Kontakte oberflächlicher werden, stehen Menschen auch mehr unter Druck, Selbstoptimierung zu betreiben, um möglichst schnell, sozusagen auf den ersten Blick beim anderen zu punkten. Singlebörsen gaukeln vor, für jeden gäbe es den optimalen Traumpartner, was bei vielen dazu führt, dass ihre Erwartungen ins Astronomische steigen - auch, was die Optik angeht. Man ist immer weniger bereit, dem Kennenlernen Zeit zu geben und sich drauf einzulassen, man könnte ja die Option für etwas Besseres verpassen. Demtentsprechend wird gescreent und reichlich gnadenlos abgecheckt. Der eigene Marktwert sollte so hoch wie möglich sein, um eine möglichst große Auswahl zu garantieren, und jede/r hat Angst, nur die Loser abzukriegen, die kein anderer haben will.
Mit einer Begegnung zweier Menschen, die sich wohlwollend betrachten und liebenswert finden können, hat das alles in der Tat nicht mehr viel zu tun.![]()
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25.06.2012, 15:57
AW: Der blinde Punkt bei der Partnersuche
Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!
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25.06.2012, 16:11
AW: Der blinde Punkt bei der Partnersuche
das klingt eigentlich alles ganz vernünftig und klug. Also in dem Sinne, du hast wohl nichts an dir, womit du einen potenziellen Mann so sehr erschreckst, dass er sich schon gar nicht traut.
vielleicht noch hier ein Ansatz: wenn Männer dir Komplimente machen, wofür machen sie die? diese Aspekte könntest du zu verstärken versuchen. Also, das heisst, wenn du Komplimente von Männern bekommst, die auch dir im Grossen und Ganzen zusagen.Ich bekomme auch Komplimente, aber meist von Frauen.
und dann ist noch das Innere; bist du bereit für eine Beziehung?
und wenn ja, für welche Art Beziehung bist du bereit? Also zB sagen wir, du lernst einen kennen und wirst schon im ersten Monat der ganzen Familie vorgestellt und Zusammenziehen wird erwogen, wär das was für dich?
grüsse, barbara
grüsse, barbara
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25.06.2012, 16:19Inaktiver User
AW: Der blinde Punkt bei der Partnersuche
Deine gute Freundin hat wirklich ganz erstaunlich viel mit mir gemeinsam
Und auch Deine Analyse könnte sehr gut auf mich zutreffen. Ich bin von meiner Art her schon praktisch-pragmatisch. Wenn es was zu machen gibt, dann packe ich es an, Kumpeltyp im Kostümchen quasi. Bei mir hat das auch was damit zu tun, dass mir in vielen Situationen als Single einfach gar nichts anderes übrig geblieben ist, als die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Denn da war oft niemand, der mir etwas hätte abnehmen können.
Aber, wie Du auch schreibst, wie soll man das ändern?
Und wenn ich ehrlich bin: eigentlich fühle ich mich ja wohl, wie ich bin. Mir fehlt bloß ein Partner.Geändert von Inaktiver User (25.06.2012 um 16:30 Uhr)
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25.06.2012, 16:28Inaktiver User
AW: Der blinde Punkt bei der Partnersuche
Die Komplimente waren eher so allgemein: einer hat mal gesagt, ich könnte auch Model sein. (Was Quatsch ist). Es gab mal nette Komplimente über meine Haare, über meine Augen, über meine schönen Hände. Über meine "tolle" Ausstrahlung. Über meinen "Esprit". Andererseits: ich bin mir gar nicht sicher, wie ehrlich das war. Immerhin war das Interesse dann doch wieder recht schnell verflogen. Ich habe es als nette Geste betrachtet, mehr nicht.
Ich bin ja auch in der Zwischenzeit älter geworden. Früher stand sicher eher die Paarbeziehung und auch der Mann als Liebhaber im Vordergrund. Inzwischen spüre ich immer mehr, dass ich mir im Grunde eine Familie wünsche. Entsprechend wäre jemand, der sehr viel Familiensinn hat, wie ich auch, und der viel Wert auf Verbindlichkeit legt, genau der Richtige für mich. Für alles, was in Richtung Spaß, Unverbindlichkeit, Affäre geht, bin ich von Jahr zu Jahr weniger offen. Das hatte ich. Jetzt wünsche ich mir im tiefsten Inneren was anderes.
An dieser Stelle: ich finde das einfach wahnsinnig lieb, dass es hier so viele freundliche und reflektierte Menschen gibt, die sich die Mühe machen, über die Probleme eines wildfremden Menschen nachzudenken. Das ist einfach toll und ich möchte mich bei allen, die hier schon ihre Gedanken geschrieben haben herzlich bedanken
Geändert von Inaktiver User (25.06.2012 um 16:34 Uhr)
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25.06.2012, 16:35
AW: Der blinde Punkt bei der Partnersuche
@ Zirconina
Eines vorab: ich möchte dir ein dickes Kompliment machen
Ich kann mich nicht erinnern, in diesem Forum jemals einen Beitrag bzgl. dieses Themas gelesen zu haben, welcher dermaßen gut die eigene Gesamtsituation beleuchtet und reflektiert und auch praktisch nichts ausspart.
Da kann man mal was mit anfangen.
Ich werde mir mit Sicherheit noch so einige Gedanken über dich machen.
Zunächst einmal dieses:
Kannst du dazu nochmal Stellung nehmen?
WAS war verletzend, was spielte sich da ab?
VanDyckEs gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
dann durchfluten sie mich wie Regen ...
American Beauty
Nothing in life is as important as you think it is, while you are thinking about it.
Daniel Kahneman
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25.06.2012, 16:45Inaktiver User
AW: Der blinde Punkt bei der Partnersuche
Verletzend war für mich zunächst die Kälte, der fehlende Respekt, die fehlende Wertschätzung. Ich habe mich nicht wirklich begehrt gefühlt. Ich wurde ge..... weil ich gerade da war und er einen Hormonstau hatte. Es ging nicht um mich. Damit konnte ich nicht umgehen und das hat mich verletzt. Konkret manifestiert hat sich das auch darin, dass ich fand, mein Körper wurde wie ein Stück Fleisch behandelt, nicht liebevoll, nicht achtsam. Auch sehr konkret abschätzig, was einzelne Körperteile betrifft. Ich bin zwar schlank, aber sicher nicht "perfekt". So wahnsinnig selbstbewusst in körperlicher Hinsicht bin ich nicht, das ist mein wunder Punkt. Und wenn dann noch jemand abschätzig auf meine Cellulite schaut und einen blöden Kommentar macht oder einen dummen Spruch über mein kleines Bäuchlein macht, das ich trotz Sport und Sit-ups und gesunder Ernährung einfach nie weggekriegt habe, dann hat mich das - unverhältnismäßig - tief getroffen. Denn auf der anderen Seite standen zu wenig positive Kommentare, die das wieder aufgewogen hätten. Außerdem ging es ja um BDSM: ich war da sowieso sehr dünnhäutig, da damals noch sehr jung und habe leider nie einen Partner erwischt, der mich wirklich emotional aufgefangen hätte. Ich habe mich immer wieder fallen gelassen gefühlt und dann das Experimentieren in diesem Bereich aufgegeben, weil die sexuelle Lust in keinem Verhältnis zu meinen psychischen Kränkungen und Schmerzen stand.
Summa summarum fällt mir zu meinen bisherigen Liebhabern ein Wort ein: lieblos.Geändert von Inaktiver User (25.06.2012 um 16:48 Uhr)
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25.06.2012, 16:55
AW: Der blinde Punkt bei der Partnersuche
Ah, danke für die Erklärung.

Dies hier scheint mir bedeutsam:
Wie kam es, dass du diese Verhaltenweisen von den Typen nicht 'erkennen' konntest, BEVOR du mit ihnen intim geworden bist?
Ich bin ja der Überzeugung, dass man sowas 'erkennen' kann, bevor es soweit ist.
Oder hast du es gar erkannt, aber es sozusagen in Kauf genommen?
VanDyck
... noch eine Frage: wieviel Einwohner hat dein Heimatort? Falls es keine große Stadt ist, wie weit ist dein Heimatort von einer größeren Stadt entfernt?Geändert von VanDyck (25.06.2012 um 16:59 Uhr)
Es gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
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25.06.2012, 17:02Inaktiver User
AW: Der blinde Punkt bei der Partnersuche
Ich habe es in Kauf genommen. Ich war damals Anfang 20, hatte nur zwei sexuell völlig unbefriedigende Beziehungen hinter mir, die auch noch menschlich enttäuschend waren, und gerade gemerkt, dass mich BDSM irgendwie anspricht. Ich wollte es ausprobieren, unbedingt. Es war schon schwierig genug, überhaupt Partner zu finden, bei denen ich wenigstens keine Sicherheitsbedenken hatte. Das Maximum an Übereinstimmung war dann noch eine akzeptable Gesprächsbasis. Heute würde ich das nicht mehr so angehen. Damals war ich sehr jung und sehr neugierig

Ich wohne in einer kleinen Großstadt neben mehreren Großstädten. Ich lebe also sicher nicht auf dem flachen Land und es gibt auch durchaus eine BDSM-Szene in der Gegend, falls Deine Frage darauf abzielt. Ich habe mich in der Szene nicht wohlgefühlt und würde heute dort - erst recht auch aus beruflichen Gründen - nicht mehr auf die Suche gehen.
Außerdem hat das Thema BDSM über die Jahre an Relevanz für mich verloren. Ich bin keine "Sub", es ist nur eine kleine Tendenz im Spektrum meiner Sexualität und ich bin inzwischen davon überzeugt, dass sich der Grad meiner Veranlagung auch gut mit einem "Vanilla" ausleben lässt. Die Doms, die ich kennen gelernt habe, waren mir alle ausnahmslos zu hart drauf. Ich denke inzwischen, dass ich damals in der falschen Richtung gesucht habe.Geändert von Inaktiver User (25.06.2012 um 17:10 Uhr)
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25.06.2012, 17:19Inaktiver User
AW: Der blinde Punkt bei der Partnersuche
Also mich würden andere so beschreiben: sehr selbstbewusst, weiß was sie will, tough, keine klassische Schönheit, aber attraktriv durch ihre Ausstrahlung (trage auch Hosenanzug/Kostüm ;)), für jeden Spaß zu haben... Zudem habe ich BDSM Erfahrung (dominanter Part ;-)).
Eigentlich wollte ich früher (ganz romantisch) einen tollen, treuen Familientyp als Mann und viele Kinder. Vielleicht will ich das ganz tief in mir drin heute noch, aber ich hatte nicht ein einziges Mal !! eine Beziehung mit so einem Mann. Ich habe auf solche Männer anscheinend noch nie attraktiv gewirkt. Nur der Teufel weiß warum
Ich frage oft bei Männern meine Wirkung nach (sehr aufschlussreich kann ich nur empfehlen), warum immer der selbe Typ auf mich steht, ich immer Männer anziehe die auf BDSM stehen, dominiert werden wollen etc. Alle bestätigen, dass ich eben so rüber komme. Von mir erwartet wird, dominant und unabhängig zu sein, keine Schulter zum Anlehnen zu brauchen, nicht zu schwächeln, erfolgreich zu sein... und genau deshalb diese Männer auf mich stehen. Weil sie das attraktiv finden, genau so eine Frau wollen und eben nicht die Frau mit der sie Kinder bekommen wollen.
Ich habe mich immer gefragt, was ich ändern muss um den Mann nach meiner eigentlichen Vorstellung zu bekommen. Aber mittlerweile bin ich mir sicher, dass ich so einen Mann vielleicht gar nicht will, keine Kinder und Familie will und das deshalb auch nicht ausstrahle. Ich bin glücklich mit den Männern die ich habe und glücklich so wie ich bin. Wenn ich andere Paare mit klassischen Familienmännern sehe, denke ich zwar: ach wie schön, aber gleichzeitig merke ich, dass ich mit so einem Mann gar nicht zurecht kommen würde.
Meine innere Einstellung überträgt sich also doch klar auf mein Äußeres. Sicher wünsche ich mir auch mal einen Mann der mich beschützt und eine starke Schulter für mich hat, aber größtenteils überwiegt das Verlangen nach Unabhängigkeit.
Verstehst du was ich meine? Wie wirkst du denn auf Männer? Hast du diese mal gefragt? Stimmt deine Wirkung mit deiner inneren Einstellung überein?
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25.06.2012, 17:28Inaktiver User
AW: Der blinde Punkt bei der Partnersuche
Hallo Zirconia,
dein Bericht hat mich nachdenklich und zugleich auch ein wenig traurig gestimmt. Es spiegelt sehr viel wieder, was ich auch selbst und in meinem Umfeld erlebe und erlebt habe.
Bevor ich mit meinem Freund zusammenkam, war ich fünf Jahre Single. Ich fand mich auch okay, auch Therapie (ursprünglich wegen etwas anderem, aber das kam dann auch recht schnell durch), auch gehofft, irgendwann damit klar zu kommen, nicht mehr suchen zu wollen.
Frauen, die in ihrem Job sehr erfolgreich sind, wirken gerade im beruflichen Umfeld sehr dominant und selbstbewusst und verschrecken damit die Männer dort. Leider können immer noch viele nicht damit umgehen, dass Frauen Erfolg haben. Das hat auch mit der Angst zu tun, der "Versorger-Rolle" (auch wenn sie nicht mehr zeitgemäß ist) gerecht zu werden. Fast alle Männer haben doch ein Problem damit, wenn die Frau mehr verdient, intelligenter ist, besser ausgebildet ist... Selbst wenn du bei Gesprächen mit Männern, die du aus einem anderen Umfeld kennst, auf deinen Beruf ansprichst, wird das wahrscheinlich viele erst einmal erschrecken.
Außerdem heißt es nur, weil man sich selbst relativ realistisch einschätzen kann und sehr selbstbewusst im Job ist, nicht automatisch, dass man sich auch selbstbewusst als Frau sieht. Ich wurde in meinem Job mehrfach ausgezeichnet und so schnell gefördert, wie ich gar nicht gucken konnte. Aber sobald man mich privat auf Männer losgelassen hat, ging das furchtbar daneben ;-)
Sprich: Mach dir bewusst, für welche Werte du als Frau stehst und was dich als Frau (nicht Geschäftsfrau) auszeichnet. Frauen auf Beziehungssuche haben eine gewiss Ausstrahlung, die ist leider da, aber man kann ein wenig daran arbeiten, dass die Freundlichkeit natürlicher und authentischer wirkt. Vor allem solltest du dir auch bewusst machen, dass es wohl Männer gibt, die dich attraktiv finden. Viele übersehen wir - oder wollen sie übersehen-, weil es nicht auf Augenhöhe ist. Und einige übersieht man, weil sie sich nahezu unsichtbar machen. Meine Erfahrung ist, dass viele Frauen Interesse von Männern oft auch nicht richtig deuten ;-) ("Wie, der soll auf mich stehen? Der ist doch aber zu toll für mich!" und vergessen ist er...)
Es gibt übrigens auch sehr seriöse Datingportale (und viele Portale für special interests wie Musikrichtungen etc.), wo es nicht ganz so nach Oberflächlichem und Aussehen geht. Da kann man auch erst einmal "ins Gespräch kommen" (wobei ich gestehen muss, dass mein Ausflug zu elitepartner auch sehr bescheiden war ;-))



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