ich weiß nicht wirklich wo ich anfangen soll. aber ich habe seit studiumsende diese innere unruhe, dieses nie zur ruhe kommen gefühl in mir.
ich habe erst heute morgen eine aussage gefunden, in der ich mich sehr wieder gefunden habe:
Es gibt unbewusst ein häufig verdrängtes Gefühl, dass man sich selbst nicht genügt. Es ist das Gefühl, keinen gültigen Fahrschein zu haben, und sich daher immer wieder die eigene Daseinsberechtigung erarbeiten muss. Häufig gelingt das perfekt, und es führt zu viel Erfolg und Ruhm. Doch ganz alleine bleibt das Gefühl, nicht genug zu sein, und immer mehr tun zu müssen. Irgendwann kommt es dann zur Erschöpfung, da häufig der Körper irgendwann zeigt, dass die eigenen Ressourcen endlich sind.
ich denke das ist mein eigentliches problem.
ich bin im moment mit allem unzufrieden, mit dem ich vor einem jahr noch zufrieden war und trage mein eigentliches problem dann immer auf den nebenbaustellen aus.
das äußert sich so: wenn ich etwas erreicht habe, habe ich immer das gefühl es reicht nicht, es ist nichts wert, und suche mir dann eine neue beschäftigung, ein neues ziel. es ist wie ein kreislauf, nur dass ich bei zielerreichung nicht glücklicher bin als zuvor. und alles was ich habe, reicht mir nicht, ich will immer mehr, immer besser, etc. ich vergleiche mich ständig mit normvorstellungen und bilde mir ein dem nicht zu genügen.
ich hab auch gelesen, dass es normal ist, dass man als mensch immer mehr haben möchte, da die menschen das frühers zum überleben nötig hatten. nur dass ich das gefühl nicht akzeptiere, sondern mich zu sehr darauf einlasse und dann immer unabhängiger werden möchte, erfolgreicher werden möchte, etc. und mich dann zu verbissen darauf einstelle.
ich versuche auch an mir selbst, meiner persönlichkeit zu arbeiten. ich habe an einem selbstcoaching teilgenommen und einige bücher über die act therapie gelesen, ich habe auch versucht, die übungen dort umzusetzen. aber nach einer weile mache ich sie auch noch, hake sie aber nur noch ab, was dann wieder zum alten problem führt.
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Ergebnis 1 bis 10 von 40
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23.06.2012, 20:24Inaktiver User
das gefühl immer mehr tun zu müssen
Geändert von Inaktiver User (23.06.2012 um 20:28 Uhr)
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24.06.2012, 09:13
AW: das gefühl immer mehr tun zu müssen
Hallo Wasserschloss,
wenn Du darin wiederfindest:
dann hast Du schon mal einen Anfang dahingehend gemacht, das Problem erkannt zu haben. Frage Dich doch mal umgekehrt: Ist es notwendig, sich seine Daseinsberechtigung immer wieder erarbeiten zu müssen? Erwartest Du das auch von anderen?
Du kannst auch noch weitergehen und Dich fragen, woher Du das Gefühl kennst, keinen gültigen Fahrschein zu haben: Ein leistungsorientiertes Elternhaus? Eltern, die Dich nur gelten ließen, wenn Du etwas erarbeitet hast, Dich in einer gewünschten Art und Weise verhalten hast?
Du bist heute erwachsen und musst Dich diesen Ansprüchen nicht mehr stellen. Du kannst umdenken und andere Werte zu Deinen Maßstäben machen. Wahrscheinlich ist es Dir selbst längst klar, dass Du mit dieser bisherigen Einstellung irgendwann vor die Wand fahren wirst, denn kein Mensch kann auf Dauer Volldampf geben und kein Mensch kann den Ansprüchen anderer genügen, ohne sich zu zerreißen.
Welche Alternative stattdessen? Kläre für Dich, was DIR wichtig ist für Dein Leben. Wie die Verteilung Beruf-Partnerschaft-Freunde-Familie-Hobbies-Zeit für sich aussieht, wofür Du Dich einsetzen möchtest, wo Du Herzblut hast. Und nimm das ernst und setze das als Zielsetzung für Dich. Setze Dich für Dich ein.
Ich kenne das Thema auch und bin damit vor knapp zwei Jahren an den Rand einer Erschöpfungsdepression geraten. Es ist nicht einfach, alte Denkmuster auszuräumen, aber es ist notwendig. Ich habe mir professionelle Unterstützung geholt. Und das rate ich Dir auch, wenn Du nicht weiterkommst, denn es kann helfen, sich von jemanden spiegeln zu lassen und eine motivierende Begleitung zu haben auf dem Weg, seine Denkmuster zu verändern.
Alles Gute!
Mache das sichtbar, was ohne dich vielleicht nie gesehen werden würde.
- Robert Bresson -
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24.06.2012, 09:27Inaktiver User
AW: das gefühl immer mehr tun zu müssen
Du bist ja nun mit dem Studium durch. Welche Ziele also stellst du dir denn so, an denen du dich dann abarbeitest? Vielleicht bringt das ja zusätzlich etwas Licht hinein, wo du glaubst, immer besser werden zu müssen?
Ich selbst kenne das ähnlich, aber bei mir ist es dann so, dass ich kurz vor dem Ziel oft einen Rückzieher gemacht habe. Bei mir ist diese inner Sperre, gebildeter (im intellektuellen Sinn) als meine Mutter zu sein und konnte das gut in meiner inzwischen beendeten Therapie zunächst erkennen und dann bearbeiten. Diese Sperre ist latent immernoch da, aber sie jagt mir keine Angst mehr ein. Vielleicht liegt ja bei dir auch etwas im Unbewussten vergraben, das mitursächlich ist für deinen Über-Eifer?!
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24.06.2012, 09:36Inaktiver User
AW: das gefühl immer mehr tun zu müssen
wasserschloss,
wie steht es denn mit anderen Lebensbereichen - Liebe, Partnerschaft, Freundschaften, Freizeit? Wie empfindest Du dort? Wie kommst Du in diesen Kontexten zur Ruhe? KOMMST Du zur Ruhe? Welche Rolle spielt es dort, etwas zu tun/zu leisten?
Liebe Grüsse
c_f
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24.06.2012, 09:42Inaktiver User
AW: das gefühl immer mehr tun zu müssen
danke für eure antworten
interessanterweise erwarte ich das bei anderen nicht. ich toleriere bei anderen menschen viel mehr, als bei mir selbst.
und dass es nicht notwendig ist, weiß ich auch. ich finds schon wichtig sich weiterzuentwickeln, nur dass ich sobald ich damit anfange eben wieder in so muster gerate, in denen ich verbissen was nachverfolge und alles an mir und meiner umgebung, so wie es jetzt ist, schlecht machte und total unzufrieden werde.
stimmt schon, ich bin schon eher in einem leistungsorientierten elternhaus aufgewachsen, hab mir dann aber auch schon selbst relativ früh auch immer leistungsorientierte hobbies, wie leistungssport ausgesucht.
und auch jetzt im erwachsenenalter such ich mir immer dinge aus, für die man sich wahnsinnig anstrengen muss. oder habe auch einfach ansprüche an mich, die sehr hoch sind und mache dann auch hier alles nieder, wie es gerade ist. weil ich mich mit anderen, natürlich nur besseren, vergleiche. ich bin ja objektiv betrachtet auch relativ gut, und ich weiß, es wird immer leute geben, die irgendwo besser abschneiden als ich, das ist doch normal. und obwohl das auch nicht schlimm ist, trete ich innerlich darauf rum.
ich hab auch vor kurzem erst einen psychologischen test gemacht, in dem herauskam, dass meine antreiber sei stark und streng dich an sind. und dass ich schon eher in stresssituationen/krisensituationen zum opfer tendiere. ich fands mehrere stunden dann einfach nur schlimm, es stimmt aber sehr. mir fällt es, seitdem es mir bewusst ist, auch immer mehr auf.
ich fand ein buch, aus dem bereich der act, wahnsinnig hilfreich, da steht dein vorschlag, eigentlich auch genauso drinnen. dass man unterscheiden muss, ob man das was man tut, wirklich macht, weil es das eigene wertgeleitete ziel ist, oder eine vermeidungsstrategie ist. und mir fällt es sehr schwer das zu unterscheiden.
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24.06.2012, 09:52Inaktiver User
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24.06.2012, 09:58Inaktiver User
AW: das gefühl immer mehr tun zu müssen
das sind ja relativ ähnliche fragen.wasserschloss,
wie steht es denn mit anderen Lebensbereichen - Liebe, Partnerschaft, Freundschaften, Freizeit? Wie empfindest Du dort? Wie kommst Du in diesen Kontexten zur Ruhe? KOMMST Du zur Ruhe? Welche Rolle spielt es dort, etwas zu tun/zu leisten?
ich arbeite ja seit einem jahr, hab aber während des letzten jahres vor abschluss schon panik geschoben, keine stelle zu finden, so dass ich mich sehr angestrengt habe, bis zur abgabe der abschlussarbeit etwas zu finden. ich wollte auf keinen fall arbeitslos werden. und jetzt habe ich eine stelle, sie ist keine vollzeitstelle (in meinem bereich leider schwer zu finden) und da hab ich schwer zu kämpfen mit. mir gefällt es, aber alleine die tatsache, dass es jetzt keine vollzeitstelle ist, macht mich total fertig und ich seh das auch so verbissen. dann hab ich angefangen arbeitsrelevante weiterbildungszertifikate nebenbei zu machen, zwei stück, eines davon wird demnächst fertig, und ich such jetzt schon wieder nach einer weiteren weiterbildung oder zusatzsstelle freiberuflich. (ist ein langatmiger prozess)
ich könnte es ja auch so sehen, dass ich eine stelle habe, die für einen berufsanfänger sehr herausfordernd ist, und mich erst einmal (ich arbeit dort jetzt auch schon seit 1 1/2 jahren) voll und ganz dem widmen.
in meiner freizeit versuche ich gerade herauszufinden was mir gefällt. da ich jetzt mehr zeit habe als frühers. ich probiere dann viel neues aus, ziehe das auch durch (suche mir oft erstmal z.b. schnupperkurse aus)
aber ich suche dann auch wieder etwas verbissen oder überlege sachen, die ich beim testen nicht so toll fand, doch noch mal zu probieren, anstatt mich nur auf die dinge zu konzentrieren, die mir von anfang an spaß gemacht haben.
partner/liebe, im moment habe ich keinen partner. beim letzten partner habe ich aber immer die angst gehabt nicht genug zu sein, und hatte auch nach der trennung das gefühl, ich sei einfach nicht gut genug.
und bei freunden, da mach ich einfach zu viel, also helf gerne mal aus, bei dingen bei denen ich mir denke, das kannst du doch selbst (es ist ja oft auch so, z.b. im internet nach was suchen, etc.) oder dass ich dann eben wieder zu spontan ja sage, obwohl ich z.b. doch lieber heute nichts machen möchte. bei arbeitskollegen habe ich das auch, dass ich da gerne mal was übernehme. Im Moment bin ich auch ein wenig dabei öfters bewusst sachen abzulehnen, trotz schlechten gewissen. ich bin dann manchmal entsetzt über die reaktionen. es ist einfach selbstverständlich geworden, dass ich immer kann/da bin.
ich stecke mir im moment keine großen ziele, außer das ziel zur ruhe zu kommen, mich mehr mich selbst zu widmen, dass heißt für mich neue, sinnerfüllende freizeitbeschäftigungen suchen, freundeskreis erweitern, sich persönlich weiterentwickeln und beruflich weiterbilden, professionelles handeln im beruf, und dort fitt zu werden. nur habe ich den eindruck, dass die außenwelt erwartet, dass ich mir andere ziele stecken muss: kinder bekommen, heiraten, vollzeitstelle oder wenigstens promovieren, eine eigentumswohnung oder gleich haus bauen, etc.
ich finds wichtig erstmal in einem beruf fuß zu fassen, wozu hab ich solange studiert. und ich kann dort viel lernen.
heiraten ist für mich nicht unbedingt ein muss, scheidungen gibts ja doch recht häufig, aber ich schließe es nicht aus, bei kindern bin ich mir unsicher, ob ich sie nicht komplett ausschließe, kann sich aber natürlich noch ändern in den nächsten 5 jahren,
vollzeitstelle wäre natürlich schön, nur bin ich auch der meinung, dass die stelle einen freude bereiten muss und das wichtiger als die stundenanzahl ist, promovieren schließe ich auch nicht aus, aber jetzt würde ich doch erstmal ne weile arbeit bevorzugen und ich finde zur miete wohnen reicht. irgendwas in mir sagt mir dann trotzdem: fauler hund.Geändert von Inaktiver User (24.06.2012 um 10:26 Uhr)
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24.06.2012, 10:04Inaktiver User
AW: das gefühl immer mehr tun zu müssen
ich hatte als kind schon immer das gefühl, es wird als selbstverständlichkeit erwartet gute noten zu haben. meine eltern waren immer sehr herzlich und haben mich sehr unterstützt, nachhilfe gezahlt, etc.
ich muss aber sagen, dass es mich nie zu so einer leistungsorientierung angetrieben hat. ich war einfach gut in der schule damals. im leistungssport war das eher so, aber das kam dann auch von mir heraus, da hat mich niemand dazu angetrieben. und ich habe das gefühl, dass es seit meinem zweiten studium, das nicht nur einen bestimmten NC erforderte, sondern auch nur wenige Leute nach einem Auswahlverfahren annahm, sich so verstärkt hat. beim ersten war das überhaupt nicht so, lernen ist mir auch immer leicht gefallen und das hab ich alles davor sehr locker gesehen.
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24.06.2012, 10:22
AW: das gefühl immer mehr tun zu müssen
Merkst Du was? Du überträgst Deinen Leistungsgedanken in alle Lebensbereiche. Selbst in den der persönlichen Entwicklung.

Wenn Du finanziell über die Runden kommst, warum brauchst Du dann eine ganze Stelle? Warum genießt Du nicht die Zeit, die Du für Deine Freizeit mehr zur Verfügung hast?
Warum kannst du nicht auch mal einen Kurs abbrechen, wenn er Dir keinen Spaß macht?
Beim Partner, bei Freunden, bei Kollegen gilst Du nur, wenn Du etwas leistest?
Du hast Dich ganz unter Deine Regel gestellt "Ich gelte nur, wenn ich etwas leiste". In jedem Bereich kommst Du dem nach.
Ich finde die Frage von chironex_fleckeri wichtig: Wo kommst Du zur Ruhe?Mache das sichtbar, was ohne dich vielleicht nie gesehen werden würde.
- Robert Bresson -
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24.06.2012, 10:41Inaktiver User
AW: das gefühl immer mehr tun zu müssen
Hm, ist mir auch aufgefallen. Du gibst an, dein Wunsch sei, jetzt erst einmal etwas zur Ruhe kommen zu wollen. Eine gute Idee. Gleichzeitig aber drehst du weiter auf Volltouren: höher, schneller, weiter. Das ist ein Widerspruch zwischen Anspruch und Handeln - den du auflösen kannst.
Mir hat mal jemand gesagt, die schwierigste Übung überhaupt sei es, sich selbst auszuhalten. Mal keine Ablenkung zu haben und "einfach nur" zu sein. Ich kann das jedenfalls bestätigen. Stille kann sein wie ein Gewitter...
Möglicherweise hilft ein ganz bewusstes Herausnehmen. Annehmen der Umständ, wie sie eben gerade sind. Sie sind gut. Dir geht es gut. Du hast einen Job, mit dem du über die Runden kommst. Das Etablieren braucht Zeit. Kollegen aushalten braucht Zeit. Freunde integriern braucht Zeit. Sich selbst kennenlernen auch. Könntest dir ja ein zeitliches Ziel setzen: Ich ändere jetzt x Jahre nichts an meinem Leben und lass es laufen und bin gespannt, wie es mir damit geht.
Du bist doch noch so jung
Vielleicht bist du es auch einfach noch sehr gewohnt, im Überholmodus zu sein, dass du so weiter machst, als müsstest du Leistung bringen, obwohl es gar niemand mehr von dir verlangt?!
Noch eine Frage zu dem hier:
Weshalb mussten dich deine Eltern unterstützen, sogar Nachhilfe ermöglichen, wenn du doch immer sehr gut gewesen bist, die Leistungen nicht nur gebracht hast, sondern dir das Lernen auch noch leicht fiel?meine eltern waren immer sehr herzlich und haben mich sehr unterstützt, nachhilfe gezahlt, etc.
Ich finde, das ist ein Widerspruch - irgendwie. War es ihnen nicht genug?
Was wäre gewesen, hättest du nicht die erwartete Leistung gebracht?




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