Hallo zusammen,
der Thread von Fenimi über Erwartungen an Freundschaft hat mich zum Grübeln über meine "Freundschaftsversuche" gebracht. Aufgrund meiner Erfahrungen mit Freundschaften, stelle ich keine all zu hohen Erwartungen mehr an diese. Aber mittlerweile frage ich mich doch, was ich eigentlich falsch mache?
Im Grunde bin ich kein kontaktscheuer Mensch und sehr offenherzig. Ich habe gerne Menschen um mich herum, stehe aber nicht gerne im Mittelpunkt. Da ich beruflich sehr eingespannt bin, ist es oft schwierig, regelmäßigen Kontakt zu pflegen. Ich konzentriere mich daher lieber auf einige wenige Menschen, mit denen ich auf gleicher Wellenlänge liege, anstatt 1000 Kontakte zu halten. Das klappt ganz gut, dennoch gerate ich immer wieder an Menschen, bei denen ich denke: "Oh toll, daraus könnte eine tolle Freundschaft werden." und von heute auf morgen ist es doch wieder nur einer der unregelmäßigen Kontakte, die zwar gepflegt werden, aber weit von einer "man erzählt sich alles und ist für einander da" Freundschaft entfernt sind.
Aktuelles Beispiel: Ich hatte eine kurze Liaison mit einem Kollegen (Dez 11). Wir wussten beide, dass daraus keine Liebe wird, hatte aber tollen Sex und super Gespräche (Beziehung stand für beide nie zur Debatte!). Ich habe mich wahnsinnig verbunden mit ihm gefühlt und dachte, das ist der Typ "bester Freund". Wir haben uns fast täglich gesehen und hatten viel Spaß. Seit April arbeiten wir in unterschiedlichen Firmen. Dennoch hatten wir noch sehr regelmäßigen Kontakt (meist via Mail), uns ab und zu weiterhin getroffen und wirklich tolle ernsthafte Gespräche. Seit ca 4 Wochen lässt das nach. Da ich weiß, dass er mittlerweile beruflich und privat sehr eingespannt ist, hatte ich Verständnis, dass sich der Kontakt etwas reduziert (kenn ich ja von mir auch). Doch irgendwann wurde es komisch. Er interessierte sich plötzlich nicht mehr für Ereignisse, die mir wichtig waren (zB Vorstellungsgespräche), fragt nicht mehr nach etc. Aus langen Gesprächen werden kurze Telefonate, aus langen Emails kurze Mitteilungen. Treffen vergisst er, wenn er mal Zeit hat ruft er an und läd seine "Probleme" bei mir ab, umgekehrt kommt nichts mehr. Jetzt gerade wieder, habe mir am Sonntag viel Zeit für ihn genommen (obwohl ich eigentlich sauer war) und gestern noch auf eine Mail geantwortet, seit dem wieder Funktstille. Keine Reaktion auf die letzte Mail (obwohl diese rein inhaltlich nach einer Reaktion schreit)...
Irgendwie bin ich sauer und traurig und wütend und verzweifelt. Wie kann man von 100% Super-Verhältnis auf eine Stimmung à la "na danke fürs Gespräch" runter fallen. Klar kann man nicht ständig das gleiche Kommunikations-Level halten, aber er zieht sich doch auffallend zurück, was bei mir das Gefühl der Zurückweisung auslöst.
Habe ich wirklich so eine schlechte Menschenkenntnis? Erwarte ich doch zuviel? War eine "Freundschaft" wirklich nur innerhalb des Büros und dem "täglichen Kontakt" möglich? War es nur eine Büroaffäre auf die er jetzt keinen Bock mehr hat bzw nur für sich ausnutzt? Waren all die tollen Gespräche nichts wert? Was übersehe ich denn? Wie kann man so auf einer Wellenlänge liegen und Spaß haben und plötzlich ist alles anders? Ich habe tausend Fragezeichen über meinem Kopf.
Kann mir vielleicht jemand helfen, die Fragezeichen aufzulösen?
Danke vorab, Gruß Wynona
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19.06.2012, 16:10Inaktiver User
Habe ich wirklich so eine schlechte Menschenkenntnis?
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19.06.2012, 16:22Inaktiver User
AW: Habe ich wirklich so eine schlechte Menschenkenntnis?
Und wie sah das von seiner Seite aus? Habt Ihr das je thematisiert? Was hat Euch verbunden - Arbeit und die Liaison. Oder gab es auf seiner Seite etwas? was weißt Du wirklich von ihm, abgesehen von Problemen im Beruf und möglicherweise seiner Beziehung?Ich habe mich wahnsinnig verbunden mit ihm gefühlt
Mit Männern kann man keine Frauenfreundschaft führen.
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19.06.2012, 17:21
AW: Habe ich wirklich so eine schlechte Menschenkenntnis?
Hallo Wynona,
ich glaube nicht, dass du allgemein eine schlechte Menschenkenntnis hast.
Ich habe zum Beispiel bei mir selber und auch bei einigen Freunden schon erlebt, dass es sehr oft vorkommt, dass Freundschaften, die man auf der Arbeit schließt, doch recht schnell wieder vorbei sein können, wenn einer die Abteilung wechselt.
Keiner weiß warum, niemand meint es böse, aber man sieht sich nicht mehr, und gemeinsame private Treffen werden, falls es sie überhaupt gab, immer seltener und hören irgendwann auf.
Meine engsten Freunde sind immer noch die, die ich aus der Schulzeit kannte.....das kann auch Zufall sein, aber ich habe tatsächlich mit keiner meiner Kolleginnen privat zu tun, obwohl ich einige sehr, sehr gerne habe und auch viel mit ihnen rede, und ja, auch ab und an mal zu Besuch war.
Die Sache mit deinem Kollegen ist etwas schwieriger.....ich denke entweder ist es
a)dass es sich für ihn nicht mehr "lohnt" , sich bei dir zu melden, eben weil ihr nicht mehr gemeinsam arbeitet, "aus den Augen, aus dem Sinn" , oder aber
b)er empfindet vielleicht doch mehr für dich als Freundschaft und sexuelle Anziehung, möchte das aber nicht und lässt deshalb den Kontakt, oder
c) er hat eine Frau kennengelernt, von der er mehr will, und hat Angst, dir das zu sagen, weil es ja bedeuten würde, zumindest euren sexuellen Kontakt einzustellen oder
d) er hat einfach so viel zu tun, dass er es vergisst, sich zu melden.....
Allgemein denke ich nicht, dass du eine schlechte Menschenkenntnis hat. Und der Beitrag, er dich so zum Grübeln bringt, hat auch mich etwas verwirrt, wenn auch aus anderen Gründen; ich komme nicht so ganz dahinter, wie es der Beitragerstellerin geht und was genau sie für sich will.
Ich glaube, je älter man wirdund je mehr man in einer Arbeitswelt lebt, desto schwieriger wird es, neue Freundschaften über die Arbeit hinaus zu pflegen.
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19.06.2012, 19:14Inaktiver User
AW: Habe ich wirklich so eine schlechte Menschenkenntnis?
@ Nathalie1000
hmmm, letztlich haben uns die Arbeit und die "Affäre" verbunden, die aber zu vielen sehr tiefen Gesprächen geführt haben, die wir beide sehr schätzen. Ich konnte mich schon lange nicht mehr mit jemandem so über meine und auch seine Gedanken über das Leben, die Liebe und den Tod austauschen. Das tut sehr gut. Aber im Moment bin ich mir nicht sicher, ob er auch wirklich Interesse an den belangloseren alltäglichen Dingen hat und sich eben auch mit mir über Erfolg zB im Beruf oder kleine private Neuigkeiten freuen kann (natürlich jetzt nicht der letzte Schuheinkauf ;-)). Während wir zusammen gearbeitet haben, hat man darüber eben auch geredet. Jetzt sehen wir uns nicht mehr täglich und da fallen die oberflächlichen Themen weg. Die man aber doch auch ganz gerne teilen will. Also ich meine, dass man sich miteinander über etwas freuen kann. Irgendwie habe ich das Gefühl ihn damit zu nerven. Wenn er mich fragt, wie es mir geht, habe ich das Gefühl, dass er es nur fragt, weil man halt fragt. Kann es nicht beschreiben, war halt vorher anders. Bauchgefühl eben ;-)
Ja vielleicht darf ich das wirklich nicht mit einer Frauenfreundschaft verwechseln.
@Kelley
Ja Freundschaften mit Kollegen sind schwierig, habe bis jetzt noch mit zweien auch privaten Kontakt halten können. Da bin ich sehr froh drüber. Freundschaften aus der Schulzeit habe ich keine mehr.
Bzgl Arbeit ist es nun auch so, dass auch er in einer neuen Firma arbeitet, also keiner ist im alten Kollegenkreis zurückgeblieben, dann ist es nämlich tatsächlich noch schwerer Kontakt zu halten, da man ja micht mehr dazu gehört...
Da er ein Mann ist, tippe ich bei deinen Alternativen auf d) ;))))
Wenn er eine Frau kennen lernt erzählt er es mir, das ist kein Thema.
Ich habe eine Weile gegrübelt, bzgl. deiner Frage was ich eigentlich will. Sagen wir mal so, ich habe ihn vor etwa 5? Wochen gefragt was ich eigentlich für ihn bin. Er meinte, ich wäre für ihn Freundin, Vertraute, Geliebte. Er hätte das Gefühl mit mir über alles reden zu können und wolle letztlich eine zwanglose Affäre (ich nenne es jetzt mal so, auch wenn wir beide keine Partner haben). Und letztlich ist es genau das was ich auch will (wobei der Sex hier zweitrangig ist). Ich will die sein zu der er kommt, wenn er jemanden braucht, will mit ihm ausgehen und eben Spaß haben. Aber plötzlich ist eben alles anders und ich weiß nicht warum.
Vielleicht hat er einfach tatsächlich nur weniger Zeit (neuer Job), wenn man sich täglich sieht ist eben alles einfacher. Ich glaube ich habe einfach Angst, dass sich das auch wieder im Sande verläuft. Vielleicht ist das ja alles gar nicht so. Ich bin eben aber auch der Typ, der sich dann schnell wieder zurückzieht und das Vertrauen verliert. Ach ich weiß auch nicht.
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20.06.2012, 05:47Inaktiver User
AW: Habe ich wirklich so eine schlechte Menschenkenntnis?
Der Beginn einer Freundschaft kann so aufregend wie eine neue Liebe sein. Da werden die tiefen Gedanken zum Leben, dem Universum und dem ganzen Rest ausgetauscht. Und dann sind sie ausgesprochen. Was dann? Ist das gegenseitige Interesse groß genug, kann sich der Kontakt zu einer echten Freundschaft weiterentwickeln, dazu benötigt es ein Gespür für das Bedürfnis der richtigen Nähe für beide.
Ich habe das Gefühl, genau dieser Punkt ist bei Euch erreicht und das koinzidiert mit seiner Beanspruchung durch die neue Stelle. Er ist nicht mehr ganz dabei, seine Aufmerksamkeit ist geteilt. Und dazu kommt von Dir, was Du über Dich selbst schreibst:
Hab mal ein bisschen Vertrauen, dass Euer Kontakt weiterhin bestehen bleibt. Nicht mehr in der Form wie es war, sondern auf einer anderen Ebene, vielleicht mit größeren zeitlichen Abständen und dem Einsetzen eines gewissen Entfremdungsgefühls. Er hat formuliert, was er gerne möchteIch glaube ich habe einfach Angst, dass sich das auch wieder im Sande verläuft. Vielleicht ist das ja alles gar nicht so. Ich bin eben aber auch der Typ, der sich dann schnell wieder zurückzieht und das Vertrauen verliert. Ach ich weiß auch nicht.Entspricht das der Form von Freundschaft, die Du möchtest und Dir vorgestellt hast?Er meinte, ich wäre für ihn Freundin, Vertraute, Geliebte. Er hätte das Gefühl mit mir über alles reden zu können und wolle letztlich eine zwanglose Affäre (ich nenne es jetzt mal so, auch wenn wir beide keine Partner haben).
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20.06.2012, 07:23Inaktiver User
AW: Habe ich wirklich so eine schlechte Menschenkenntnis?
@Wynona
Ja Du hast eine äusserst schlechte Menschenkenntnis - aber nicht anderen gegenüber sondern über Dich.
Natürlich tut es weh wenn sich jemand abwendet und ja wenn man mit dem auch noch das Bett geteilt hat und Intimitäten ausgetauscht hat, dann ist die Enttäuschung sehr gross.
Du bist Ent - täuscht und zwar nicht von ihm sondern von Dir selbst.
Du hast Dir was selbst vorgemacht, die Liason ist nicht das was Du möchtest, Du hast das Modell Beziehung light versucht zu leben und das funktioniert meist nicht.
Für ihn war es anscheinend eine Episode, für Dich die Hoffnung auf mehr und da sitzt auch Dein Schmerz.
Tief in Dir drin hofftest Du nämlich, dass sich daraus mehr entwickeln würde und das tut es nicht.
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20.06.2012, 07:29Inaktiver User
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20.06.2012, 08:05
AW: Habe ich wirklich so eine schlechte Menschenkenntnis?
ich glaube, dass Freundschaften tatsächlich ein gemeinsames Projekt brauchen, eine gemeinsame Aktivität - sei es die Arbeit, sei es der Verein, oder gegenseitige Nachbarschaftshilfe, gemeinsamer Sport oder auch "so viel Sex miteinander wie möglich", aber irgend etwas muss da sein, das regelmässig einen guten Grund gibt, zusammen zu kommen, und neue gemeinsame Erlebnisse schafft, die zu gemeinsamen Erinnerungen werden können. Nur zusammen Kaffee trinken reicht nicht.
grüsse, barbara
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20.06.2012, 10:39Inaktiver User
AW: Habe ich wirklich so eine schlechte Menschenkenntnis?
Ja ich glaube ihr habt recht. Jetzt wo ich es von euch lese...
Die gemeinsamen Erlebnisse waren die Arbeit, wir haben die selben Sorgen diesbezüglich geteilt, tolle Kollegen gehabt. Es hat einfach gepasst. Wir haben viel unternommen, sind abends um die Häuser gezogen, waren allein oder mit Kollegen was trinken. Jetzt ist es vorbei.
Ich kann das nicht erhalten so wie es war, da sich ja die äußeren Umstände geändert haben. Ich würde gerne daran festhalten, aber es geht nicht. Ich vermisse die Zeit. Wahrscheinlich hat er damit einfach schneller abgeschlossen, sich auf das Neue schon eingelassen. Ich habe gehofft, dass sich zwischen uns trotzdem nichts ändert, wir weiterhin abends was trinken gehen und uns eben von den vielen neuen Eindrücken erzählen. Aber das macht er jetzt wohl mit seinen neuen Kollegen.
Ja, das ist es was ich mir vorgestellt habe.
Und auch an stecher36 und Lotterle: nein, ich will KEINE Beziehung. Der große Unterschied ist, dass ich keine Gefühle für ihn habe. Er kein Kribbeln auslöst und ich nicht ununterbrochen an ihn denken muss, es mir nichts ausmacht, wenn er sich mit anderen Frauen trifft. Er hat viel zu viele Macken, die mich in einer Beziehung wahnsinnig machen würden.
Dennoch habt ihr ein bisschen recht, sein sexuelles Verlangen hat sich natürlich von einer Freundschaft unterschieden. Das "ich WILL dich sehen" gibt einem natürlich noch die Bestätigung etwas mehr zu sein. Aber das ist eben auch nicht mehr so da. Das stört mich aber eher weniger.
Ich hätte gerne das Beste-Freundin-Gefühl: zu wissen, dass er mich anruft, wenn er mit jemandem seine Sorgen und Freuden teilen will. Denn dann kann auch ich mir sicher sein, dass ich ihn anrufen kann und es ihn auch WIRKLICH interessiert. Eben "DIE eine" für den anderen sein (losgelöst von der Mann-Frau Ebene).
Ich bin sicher, dass wir den Kontakt halten können, aber zwischen "ab und zu mal treffen und einen schönen Abend haben mit schönen Gesprächen" und "engste Vertraute" ist es eben ein himmelweiter Unterschied.
Um wieder zum Ausgangsthema zurückzukommen: Ich war in dieser Situation schon häufiger (egal ob Mann oder Frau, ob mit oder ohne Sex), aber ich schaffe es nicht, dieses Gefühl der Verbundenheit zu erhalten. Erwarte ich zuviel?
Danke für eure Beiträge, regt mich sehr zum Nachdenken an.
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20.06.2012, 10:54Inaktiver User
AW: Habe ich wirklich so eine schlechte Menschenkenntnis?
Jetzt sitze ich hier und mir kullern die Tränen

Mir fehlt einfach jemand, der mich ab und zu in den Arm nimmt und mir sagt, dass alles gut wird. Ich habe eben keinen Mann oder Familienmitglieder die das tun. Versteht ihr was ich meine?
Danke, dass ich mich wenigstens bei euch ausheulen kann.
Soll ich mit ihm darüber sprechen? Oder einfach abwarten wie es sich entwickelt, damit ich nicht das Gefühl bekomme ihn zu etwas zu drängen oder er das Gefühl bekommt zu etwas verpflichtet zu sein?





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