Liebe Community,
ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit einer Sache, bei der ich irgendwie nicht weiterkomme, und hoffe auf ein paar Anregungen, Impulse, Denkanstösse etc. von aussen.
Ich habe eine gute Freundin, wir kennen uns seit etwa 2,5 Jahren. Wir haben uns zunächst über unsere Kinder kennengelernt, die in etwa gleich alt sind. Wir haben uns dann besser kennengelernt und mögen uns sehr - obwohl wir in einigen Dingen sehr unterschiedlich sind. Ich habe das lange nicht als hinderlich oder störend empfunden, da ich Freundschaften mit sehr unterschiedlichen Menschen pflege und ich Unterschiedlichkeiten zumeist als anregend empfinde (solang sie nicht wesentlich sind, schwierig wären für mich z.B. sehr unterschiedliche politische Ansichten...)
Meine Freundin hat eine Ausbildung absolviert und in diesem Beruf einige Jahre gearbeitet, dann noch ein Studium absolviert, in diesem Bereich nie gearbeitet. Seit der Geburt ihres ersten Kindes (das ist mehr als 10 Jahre her), ist sie nicht berufstätig. Ihr Mann verdient so viel Geld, dass es für die ganze Familie reicht, die von diesem Gehalt nicht schlecht leben kann. Sie verprassen ihr Geld nicht, leisten sich aber schöne Dinge, zweimal im Jahr Urlaub, achten bei bestimmten Anschaffungen auf Qualität usw.
Ich bin seit 1,5 Jahren alleinerziehend mit meinem Sohn, arbeite fast Vollzeit, arbeite auch gern in meinem Beruf, engagiere mich da sehr, mir ist Beruf wichtig. Mein Geld reicht trotzdem jedne Monat gerade so, ich kann keine großen Sprünge machen, große Anschaffungen, Reisen etc. sind nicht drin. Ich habe damit grundsätzlich kein Problem, da ich sparsam wirtschaften kann. Manchmal nervt es trotzdem, in dieser permanenten finanziellen Anspannung zu leben. Dazu kommt das oft knappe Zeitbudget.
Unterschiedlicher könnten unsere jeweiligen Leben also nicht sein... Ich schätze meine Freundin so ein, dass sie gern arbeiten würde und ihren eigenen Bereich damit hätte, ich habe aber das Gefühl, sie kann es sich nicht richtig eingestehen, hat vielleicht auch Angst, sich nach so langer Abstinenz vom Arbeitsmarkt wieder mit beruflichen Aussichten für sich zu beschäftigen. Sie verbirgt das Ganze hinter einem übergrossen Engagement für die Familie. Abgesehen davon, dass ich persönlich, wohlgemerkt ich für mich ganz subjektiv, dieses Modell
total antiquiert und auch gefährlich finde (was, wenn die Beziehung mal auseinandergehen sollte, aus was für Gründen auch immer?? oder er erwerbsunfähig wird?), spüre ich, dass meine Freundin nicht ganz zufrieden ist. Oft wirkt sie auch regelrecht frustriert. Sie hat aber auch keinen Ehgeiz, sich ein berufliches Standbein zu schaffen. Tja, und ich merke bei mir, dass ich manchmal neidisch bin... und mich gleichzeitig auch total reibe an diesem Lebensmodell. Ich beneide die finanzielle Sorglosigkeit, in der sie leben kann, dass sie viele Zeit für ihre Kinder hat, und gleichzeitig weiss ich, ich würde NIE NIE so leben wollen...
Meine Frage ist nun: Wie gehe ich mit diesen Gefühlen um? Gern würde ich es ihr gegenüber auch mal ansprechen, weiss aber nicht, wie. Und wie gehe ich mit meinem Gefühl der Unzulänglichkeit, Unvollkommenheit, Unterlegenheit um, wenn ich mit dieser Familie Kontakt habe. Alles wirkt da so gediegen, so sicher... falls ihr wisst, was ich meine. Fühle mich dagegen oft so im rauhen Wind des Lebens... Wenn es mir gutgeht, kann ich die Vorteile meines Lebens total schätzen, wenn es mir nicht gutgeht, beneide ich meine Freundin um ihre Sicherheiten...
Mich bewegt das Thema schon eine ganze Weile und möchte es jetzt gern mal angehen.
Viele Grüße
tiefblau
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10.06.2012, 11:11
unterschiedliche Lebensentwürfe in Freundschaften und der Umgang damit
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10.06.2012, 11:40Inaktiver User
AW: unterschiedliche Lebensentwürfe in Freundschaften und der Umgang damit
Liebe Tiefblau,
du fragst, wie du mit deinen Gefühlen umgehen sollst.
Du solltest aufhören deine Gefühle/Konflikte auf deine Freundin zu übertragen! Kümmere dich doch mal um diese Gefühle, die dir in Bezug auf dein Leben zu schaffen machen, ohne sie in einen Bezug zu dem Leben deiner Freundin zu setzten! Ich denke, das wäre ein guter Anfang!
Dein Lebensentwurf muss zu dir passen, und ihr Lebensentwurf muss zu ihr passen - es bringt nichts da Vergleiche zu ziehen.
LG LOtterle
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10.06.2012, 13:14Inaktiver User
AW: unterschiedliche Lebensentwürfe in Freundschaften und der Umgang damit
Ein interessantes Thema!
Denn so etwas passiert einem immer wieder im Leben. Es gehört zu Freundschaften dazu.
Ich erinnere mich an Freundinnen mit Kindern, die Jahre lang andere Kontakte bevorzugten, weil ich keine Kinder habe. Und irgendwann kamen sie wieder, weil sie mal wieder über Literatur reden wollten oder unsere Freundschaft auch im Krankheitsfall belastbar war. Nur als Beispiel.
Das Leben verläuft in Wellen. Manche Freundschaften entstehen, weil man in ähnlichen Lebensumständen steckt. Einige davon verlieren sich wieder, andere werden Freundschaften für's Leben. Anscheinend steht ihr gerade an diesem Punkt.
In jeder Beziehung gibt es auch Reizthemen, die einen verletzlich machen. Das ist dann besonders schwer auszuhalten.
Ich kann mich meiner Vorrednerin nur anschließen: Guck dir erst einmal in aller Ruhe all die Gefühle an, die eure "Konfrontation" in dir auslösen. Wenn du für dich weißt, was dir dieser Konflikt sagen will, dann kannst du vielleicht auch mal in angemessener Form deine Freundin ansprechen.
Vielleicht ist die Botschaft an dich selbst: "Mein Leben ist mir zu anstrengend, ich brauche Unterstützung!"
Oder: "Ich will Karriere machen, dafür bin ich auch bereit in eine andere Stadt zu ziehen."
Oder was auch immer.
Es ist normal (ich kenne das auch) und gleichzeitig finde ich es schwierig, dass du den Lebensentwurf deiner Freundin an sich ablehnst. Da brodelt ja dann immer etwas untergründig, wenn ihr euch trefft. Etwas, das sie nie erfahren darf, weil sie sonst zu tief verletzt wäre. Sagst du ihr denn manchmal: "Dieses und jenes … meine Sache wäre es nicht"? Dann wäre es wenigstens schon etwas ehrlicher.
So weit auseinander finde ich eure Lebensumstände gar nicht.
Sie ist ja keine 20 jährige Hausbesetzerin, die zwei Jahre ohne festen Wohnsitz war. Oder keine 90 jährige, kranke Frau im Altersheim, die Nazi-Opfer war.
Ihr seit ungefähr im gleichen Alter, habt ein Kind, eine (gute?) Ausbildung und habt in einer Partnerschaft gelebt. Vielleicht ist sie zu nah an dem dran, was du auch mal leben wolltest (Familie, Haus etc.)?
Schwierig ist der Punkt mit dem Geld, wenn es dir immer wieder einen Stich versetzt. Ich kenne das auch. Mich stört es aber nicht so, weil ich weiß, ich habe wenig Geld, weil ich mich für den (für mich) schönsten Beruf der Welt entschieden habe.
Was wäre das Gegenstück bei dir? Dein Kind? Dein Zutrauen in deine eigene Kraft? (Hast du dich aus eigenem Willen von deinem Partner getrennt?)
Was mich nervt: Wenn mir die Leute länger als 5 bis 10 min von ihren tollen Reisen erzählen und sich dann noch beschweren, dass das Wetter in Südfrankreich zu der Zeit schlechter war als in Deutschland. Da muss ich noch einen Weg finden, um darauf hinzuweisen, dass ich schon seit … 15 Jahren nicht mehr im Ausland war und dass sie mich bitte nicht über die Maßen mit Reiseberichten quälen sollen.
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10.06.2012, 16:12
AW: unterschiedliche Lebensentwürfe in Freundschaften und der Umgang damit
Tiefblau, ich befürchte ich muss es so knallhart sagen wie es ist, du bist neidisch, denn mit unterschiedlichen Lebensentwürfen hat das rein gar nichts zu tun. Wenn euch eure Lebensentwürfe trennen würde, müsste ja theoretisch deine Freundin auch auf dich neidisch sein und das ist sie ja wohl nicht oder?
Selbstverständlich hast du richtig erkannt, dass deine Freundin ein Risiko trägt bezüglich ihrer Absicherung im Scheidungsfall und bei ihrer späteren Rente. Aber entweder deine Freundin ignoriert das Thema und dann kannst du auch nichts daran ändern oder sie hat vielleicht bereits finanzielle Regelungen getroffen, die sie genau für diesen Fall absichern.
Es bleibt wie es ist, die Freundin und deren Familie hat mehr Geld. Und wenn deine Bekannte nun anfängt auch noch zu arbeiten, dann hat die Familie noch mehr Geld. Fühlst du dich dann besser?"Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
(John D. Rockefeller)
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10.06.2012, 16:37Inaktiver User
AW: unterschiedliche Lebensentwürfe in Freundschaften und der Umgang damit
Du fühlst dich unzulänglich und unvollkommen. Lässt dich die andere Familie das so spüren ? Behandelt sie dich beispielsweise von ober herab ?
Alles wirkt so gediegen. Es wirkt so, aber ob es so ist, das weiss normalerweise keiner. Woltest du ernsthaft mit dieser Familie tauschen ?
Na ja, alles im Leben hat seinen Preis. Ist ein Allgemeinplatz, ich sage es aber trotzdem.
Ich habe immer -auch mit Kind- außer Haus gearbeitet, bin seit vielen Jahren alleinerziehend. Finanziell geht es mir gut, da kann ich mich nicht beklagen. Aber ab und an bin auch ich nicht vor Gefühlen gefeit wie "die Nachbarin hat's gut, sie sitzt morgens mit Freundinnen beim Frühstück, ich muss zur Maloche". Mein Partner sagt in solchen Fällen immer zu Recht "du wolltest es doch garnicht anders!". Recht hat er !
Meine Nachbarin denkt vielleicht "Elli ist eine Rabenmutter, sie ist ist immer zum arbeiten gerannt".
Wie auch immer: jede hat ihren Lebensentwurf, jeder Entwurf hat Vor- und Nachteile. Es sollte halt nicht in Bewertungen abdriften. Das hält eine Freundschaft nämlich auf Dauer nicht aus. Gegenseitige Wertschätzung schon....
Gruß, Elli
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10.06.2012, 17:17Inaktiver User
AW: unterschiedliche Lebensentwürfe in Freundschaften und der Umgang damit
Ich finde die Situation mit unterschiedlichen Lebensentwürfen auch schwierig, wenn auch mein "Fall" ganz anders gelagert ist. Bin schon vier Monate nach der Geburt meiner Tochter wieder arbeiten gegangen (ohne "Not", also freiwillig) und grundsätzlich auch gerne berufstätig. In meinem Freundeskreis sind die meisten Frauen entweder Vollzeitmütter oder haben sich von jeglichen beruflichen Ambitionen verabschiedet und verdienen mehr oder weniger lustlos ein bißchen was dazu. Nun gibt es Freundinnen, bei denen diese unterschiedlichen Lebensentwürfe überhaupt keine Rolle spielen - und andere, bei denen der Kontakt in letzter Zeit merklich abgekühlt ist. Auch wenn die Freundschaften so unterschiedlich sind wie die Frauen, mit denen ich sie habe, so stelle ich die Tendenz fest, dass es umso besser klappt, umso zufriedener die anderen mit ihrem Leben sind (ich bin es nämlich auch
). Ich kann es absolut akzeptieren, dass eine Frau sagt: Ich möchte gerne zuhause bleiben und meinen Fokus auf das Private legen und mich dadurch auch in eine Abhängigkeit begeben (das ist eben der Preis dafür). Zumindest dann, wenn sie damit wirklich zufrieden ist. Schwierig wird es dann, wenn diese Frauen mit diesem Leben eigentlich unzufrieden sind, aber so tun, als ginge es ja gar nicht anders, weil die Kinder ja unbedingt mindestens bis zur Pubertät Rundum-Betreuung brauchen und sie sich für die Familie aufopfern. Oft schwingt dann auch noch Kritik an mir mit, die ich ja für meine Karriere offensichtlich in Kauf nehme, dass mein Kind einmal Bindungsängste und sonstige soziale Probleme bekommt
.
Ich weiß nicht, ob man das verallgemeinern kann, aber in dem Moment, in dem man mit dem eigenen Leben unzufrieden ist, neigt man wohl auch dazu, das Leben anderer kritisch zu beäugen und abzuwerten (oder ggfs. Neid erfüllt aufzuwerten). Und genau dann wird eine Freundschaft, die ja eigentlich von Wohlwollen geprägt sein sollte, schwierig...
An Deiner Stelle, liebe Tiefblau, würde ich das Gespräch einfach mal suchen und schauen, wie es sich weiter ergibt. Denn - auch so eine Erfahrung von mir - wenn man so etwas Zentrales ausklammert, dann ist die Freundschaft genauso in Gefahr wie wenn man auch mal etwas riskiert. Du könntest ja einfach mal fragen "Hast Du irgendwelche Pläne irgendwann mal in den Beruf zurückzukehren? Und - wenn nein - wie geht es Dir mit dieser Aussicht?"
Liebe Grüße
Tulipali
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10.06.2012, 17:19Inaktiver User
AW: unterschiedliche Lebensentwürfe in Freundschaften und der Umgang damit
Ich finde auch, dass dies ein interessantes Thema ist und ich hab mir diese Frage auch schon öfter gestellt. Müssen denn Lebensformen genau gleich sein, damit Menschen miteinander befreundet sein können? Ist das die Grundvoraussetzung für eine Freundschaft? Kann nicht eine Frau Hausfrau und Mutter sein und die Andere berufstätig mit Kind oder oder ohne Kind? Und warum erwarten wir so oft, dass unsere Freunde etwas genau so machen, wie wir es tun?
Tiefblau, Du hast überhaupt nichts sonst geschrieben, warum ihr befreundet seid. Was schätzt Du denn an Deiner Freundin außer der Tatsache, dass Ihr beide Kinder habt?
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10.06.2012, 17:29Inaktiver User
AW: unterschiedliche Lebensentwürfe in Freundschaften und der Umgang damit
beneiden im sinne von: da möchte ich auch hin, finanzielle sicherheit und ich werde mein kleines hinterteil in wallung bringen um das auch ansatzweise zu erreichen oder
beneiden im sinne: warum habe ich das nicht und überhaupt ist das leben gemein und fies?
das erste ist in meinen augen beneiden, bewundern- das zweite missgönnen.
und das zweite hält auf dauer keine beziehung, keine freundschaft aus.
wenn deine freundin sich fast schon genieren soll, oder wenigstens über ihre vermeintliche abhängigkeit unglücklich sein soll, damit du damit leben kannst?
weisst du ob und wie sie und ihr mann das geregelt haben? und was hat das mit euerer freundschaft zu tun?
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10.06.2012, 18:23
AW: unterschiedliche Lebensentwürfe in Freundschaften und der Umgang damit
Also, erstmal ganz vielen Dank für alle diese ehrlichen,direkten und teilweise knallharten Antworten.
Ich habe beim Lesen gemerkt, wie sehr mich das Thmea beschäftigt und wie lange schon... Es hat natürlich in allererster Linie etwas mit mir zu tun,sonst würde ich nicht so stark darauf reagieren, und das ist ja auch der Punkt, wo ich ansetzen will! Es stimmt, ich bin manchmal neidisch, und ich bin es aus einem Gefühl des Defizitären heraus. Ja, und ich muss mir auch eingestehen, dass ich mich oft überlastet und überfordert fühle und dadurch bei meiner Freundin natürlich nur das sehe, was ich scheinbar nicht habe. Also eine sehr einseitige Sicht, die mich selbst auch nervt, deswegen wollte ich ja mal an das Thema heran. Es fällt mit oft schwer, um Hilfe zu bitten und ich fühle mich in meiner Selbstständigkeit wohl (bzw. scheinbar sicher), und merke oft erst zu spät, dass mir gerade mal wieder alles zu viel wird - praktisch und emotional. also, da muss ich ansetzen!
manchmal frage ich mich, ob man sich Neid nicht einfach auch mal erlauben sollte... bin so erzogen worden, dass man nicht neidisch zu sein hat..., dabei denke ich, es ist ein ganz normales menschliches Gefühl, es darf halt nur nicht "kippen"....
Meine Freundin mag ich übrigens deshalb, weil sie ein Mensch mit einem großen Herzen ist, ich mag ihre praktische Veranlagung, ihre soziale Ader und ihre Unkompliziertheit...
So, das wären fürs erste meine unsortierten Gednaken zu dem Thema... Ich denke weiter nach und melde mich wieder.
Danke nochmal für alle Antworten.
Liebe Grüße
tiefblau
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10.06.2012, 18:27Inaktiver User


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