Hallo liebes Forum!
Kennt ihr das, wenn man euch fragt "Wie gehts dir?" und man so achselzuckend antwortet, "Naja, ist gerade halt alles n bisschen viel.."?
Ich bin üblicherweise ne ziemliche Powerfrau, kriege sehr viele Dinge in kurzer Zeit gebacken, bin vielseitig interessiert und hab eigentlich immer gut was zu tun. Im großen und ganzen bin ich mit mir und meinem Leben sehr zufrieden. Auch jetzt! Nur in den letzten Monaten kommen immer wieder Dinge, die mich aus der Spur werfen, dazu dann psychosomatische Symptome.
Als Startpunkt für das Ganze mache ich meinen Heilfastenversuch Anfang März fest. Ich war neugierig, meine Eltern schwärmten davon und so habe ich es auch ausprobiert (auf eigene Faust, mit Büchern und meinen Eltern am Telefon). Es ging ganz gut, aber ich habe nach 4 Tagen abgebrochen weil ich ins Untergewicht gerutscht bin. In der Woche danach wurde ich krank, im Endeffekt lag ich fast drei Wochen mit Erkältung / Husten / Fieber im Bett. Das hatte ich zuletzt als Kind.
Dann ging im April das Semester wieder los und somit hatte ich dann wieder einen vollen Tagesplan (das mag ich eigentlich). Dann starb recht plötzlich meine Stiefoma. Wir standen uns zwar nicht sehr nahe, aber es ist der erste Todesfall eines Menschen in meiner Familie, vorher hatte ich mit dem Tod nichts zu tun. Zusammen mit meinem Freund bin ich zur Beerdigung gefahren. Ich weiß, dass in absehbarer Zeit auch meine verbliebenen Großeltern sterben werden und daran muss ich hin und wieder denken.
Vor vier Wochen dann war ich Zeugin bei einem sehr schlimmen Verkehrsunfall (habe dazu in einem anderen Thread gepostet). Ich wollte noch erste Hilfe leisten, aber der Mann um den ich mich kümmern wollte war schon tot. Ich selbst bin noch mit einem Schock ins Krankenhaus eingeliefert worden.
Spätestens seit dem Unfall, in schwächerer Form aber auch schon vorher, habe ich Schlafprobleme. Jede Woche gibt es mindestens eine Nacht, in der ich nicht schlafe. Ich liege dann im Bett, wälz mich rum und kann einfach nicht einschlafen. Dazu gesellen sich jetzt Magenkrämpfe (Streit usw schlägt mir immer auf den Magen, geht aber normalerweise in 2-3 Stunden wieder weg, jetzt ist es ein dauernder Begleiter). Ich hab hier Tabletten zum Schlafen (pflanzliche, Baldrianzeugs), dann Buscopan gegen die Magenschmerzen, und wenn es ganz übel ist nachts und ich aber unbedingt pennen will, hab ich hier noch Lorazepam, die hat mir der Arzt nach dem Unfall gegeben. Die nehme ich aber wirklich nur im Notfall.
Hinzu kommt, dass mein Freund in der Abschlussphase seiner Dissertation steckt. Er arbeitet hart, sitzt jeden Tag 10 Stunden im Büro. Wir haben zwar viel Kontakt, aber er ist eben auch fertig vom Arbeiten. Manche Dinge, die ich mir in einer Beziehung wünsche, kann er gerade nicht leisten (habe ihn ganz offen darauf angesprochen). Und ich habe allgemein schlechte Erfahrungen damit gemacht, mich in einem psychisch labilen Zustand meinem Freund zu sehr anzuvertrauen (vor 3 Jahren: ich frisch verliebt und depressiv wegen falscher Pille, das ging sehr schief).
Mein Freund wird in etwa 1 Monat seine Arbeit abgeben - hoffentlich. Eigentlich wollte er sie bereits abgegeben haben, aber es zögert sich. Bis dahin habe ich ihm mein Wort gegeben, keine Dramen mehr vor ihm abzuziehen, weil es gestern wieder dazu kam. Ich weiß, ich muss unbedingt irgendwas für mich tun! Am allerbesten fände ich eine Reha-Kur, wo man nachts gut schläft, tagsüber gesunde Sachen isst, viel Sport macht und irgendwo in den Bergen viel spazieren geht. Aber das ist Utopie - schließlich bin ich mitten im Semester, und wer soll das bezahlen?
So, das ist jetzt ein bisschen lang geworden... Aber was meint ihr? Was kann ich tun? Ich baue vor dem Schlafen gerade so viel Angst auf, nehme dann Tabletten und fühle mich nicht gut dabei. Letzte Nacht wollte ich bei meinem Freund schlafen, aber während er schon so am wegsacken ist bin ich noch hellwach, in meinem Kopf dreht sich alles, und schließlich bin ich panisch mitten in der Nacht aufgestanden, hab mich angezogen und bin nach Hause gefahren... So will ich nicht sein!
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 23
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08.06.2012, 10:09
Meine Nerven haben so langsam keine Lust mehr
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08.06.2012, 10:17Inaktiver User
AW: Meine Nerven haben so langsam keine Lust mehr

Meine ersten Gedanken sind:
Du bist einfach ausgepowert.
Dazu kommen diese schlimmen Momente, die du gerade erlebt hast.
Warst du schon bei irgendeinem Arzt deswegen?
Ich denke, eine Kur wäre wirklich angebracht.
Es wird dir nicht viel helfen, wenn du jetzt so weiter machst.
Ich schätze, dann wird sich nichts ändern.
Wie gesagt, sind erst einmal nur so Gedanken, die mir beim Lesen gekommen sind.
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08.06.2012, 10:20Inaktiver User
AW: Meine Nerven haben so langsam keine Lust mehr
Smilla, ich würde die einzelnen Baustellen versuchen, aufzudröseln, denn es ist zwar die Summe der Ereignisse, die dazu beiträgt, dass Du angeschlagen bist, aber ich meine, noch etwas anderes herauszulesen: ein verschlepptes Thema, zwischen Dir und Deinem Freund.
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08.06.2012, 10:22Inaktiver User
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08.06.2012, 10:28Inaktiver User
AW: Meine Nerven haben so langsam keine Lust mehr
Smilla erwähnt, dass sie sich auch in anderen, weniger stressigen Phasen ihrer Beziehung mit ihren Problemen nicht an ihn wenden konnte:
Mir gibt das zu denken.Und ich habe allgemein schlechte Erfahrungen damit gemacht, mich in einem psychisch labilen Zustand meinem Freund zu sehr anzuvertrauen (vor 3 Jahren: ich frisch verliebt und depressiv wegen falscher Pille, das ging sehr schief).
Ebenso wie das fluchtartige Verlassen seiner Wohnung...
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08.06.2012, 10:31Inaktiver User
AW: Meine Nerven haben so langsam keine Lust mehr
Das ist aber nicht die Ursache ihres Zustandes.
Ihre Frage war, was sie tun kann, damit es ihr besser geht.
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08.06.2012, 10:32
AW: Meine Nerven haben so langsam keine Lust mehr
Danke für eure Antworten.
Es ist nicht so, als wäre mein Freund nicht für mich da. Bei der Unfall-Sache hat er sich sehr gut um mich gekümmert. Wir sind erst seit einem halben Jahr zusammen, die Beziehung, in der ich depressiv war, ging deswegen in die Brüche. Und eben da habe ich gelernt: Schwäche zeigen, jemanden brauchen, das geht nicht gut, das musst du mit dir selbst ausmachen. Und mein jetziger Freund weiß, dass ich grad ne anstrengende Phase habe und wir reden auch darüber, aber er selbst geht halt wegen der Arbeit auch gerade so n bisschen auf Grundeis.
Und fluchtartiges Wohnungsverlassen - was sollte ich tun, er war schon am schlafen, ich lag da rum in meinen Gedankenkreisen und es wurde immer schlimmer. Ich wusste, ich muss aufstehen, irgendwas machen - und er braucht ja auch seinen Schlaf.
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08.06.2012, 10:35Inaktiver User
AW: Meine Nerven haben so langsam keine Lust mehr
Ich würde mich an deiner Stelle an einen psychologischen Notdienst wenden oder zur Not sogar die Seelsorge anrufen, ihnen meine Situation erläutern und fragen, was ich machen kann.
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08.06.2012, 10:37
AW: Meine Nerven haben so langsam keine Lust mehr
Oje, ziemlich viele Baustellen auf einmal. Ich denke, ich würde sie jeweils einzeln angehen. Da eine Kur zeitlich erstmal nicht drin ist (und ich weiß auch nicht, ob und wie schnell die Kassen sowas genehmigen), musst du dir selbst ein bisschen helfen.
In einer ähnlichen Phase hat mir ganz gut geholfen, abends statt fernsehen einen ausgedehnten Spaziergang zu machen. Allein, mit Freund (dem das in seiner stressigen Phase sicher auch guttut) oder Freundin. Nicht unbedingt über die Probleme reden, sondern die Gedanken einfach kommen und gehen lassen. Zumindest mein Schlaf hat sich dadurch ziemlich verbessert in der Zeit.
Ängste vor dem Verlust von lieben Menschen sind normal, gerade unmittelbar nach einem Todesfall. Mich hat das meist veranlasst, den Kontakt wieder ein bisschen zu intensivieren, Oma und Opa häufiger zu besuchen, die Zeit mit ihnen gut zu nutzen. Das verlängert ja nicht wirklich deren Leben, aber es hat uns allen gutgetan.
Um deine Abwehrkräfte zu stärken, gibt es ja zahlreiche Möglichkeiten. Gesunde Ernährung geht ja auch zu Hause, gerade im Sommer find' ich es leicht, mal mehr Obst und Gemüse zu essen. Machst du Sport? Sauna?
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08.06.2012, 10:41Inaktiver User
AW: Meine Nerven haben so langsam keine Lust mehr
Es klang so, als ob es derselbe Freund gewesen sei, dem Du Dich anvertraut hast. Ein halbes Jahr ist nicht lange, das stimmt, ich dachte, Ihr seid schon länger ein Paar.
Trotzdem finde ich Deinen Ansatz, dass Du keine Schwäche zeigen darfst, problematisch - Du wirst immer wieder Phasen in Deinem Leben haben, in denen Du stärker und dann wieder schwächer bist. Gute Beziehungen (nicht nur Mann-Frau-Beziehungen) halten das aus und vor allem tragen es mit.
Doch sinnvoll ist es auf jeden Fall immer, sich in extrem belasteten Lebensabschnitten evtl. doch professionelle Unterstützung zu suchen. Das entlastet auch die Beziehung(en).


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