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  1. Inaktiver User

    AW: Liebes- und bindungsunfähig?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wenn mir jemand sagt, ich liebe dch so wie du bist, auch mit all deinen Macken, dann denke ich, dass er mich vielleicht eher braucht, eben weil ich so schrecklich eigenbrödlerisch und unangepasst bin.
    Das überrascht mich erst einmal. Wenn jemand sagt: "Ich liebe dich, wie du bist" finde ich das tolerant oder großherzig. (Ob ich es annehmen könnte, ist eine andere Frage.)
    Du schließt daraus, dass er sich anpasst und dich toll findet, weil er dich braucht. Interessant …

    In deinen Augen buckelt er, damit du lieb zu ihm bist und/ oder für ihn die Kohlen aus dem Feuer holst?
    Okay, bleiben wir mal dabei: Der Mann will etwas von dir. Du sollst ihm etwas abnehmen (neue Ideen bringen, wehrhaft sein, ihn nicht bedrängen und verschlingen). Vielleicht wollt ihr beide dasselbe? Nämlich nicht vereinnahmt werden? Für ihn klappt es, für dich nicht ganz so. Könnte das sein?

    Heute in einem Interview mit Bärbel Wardetzki gehört: Menschen, die als Kinder die Erfahrung gemacht haben, dass sie nur angenommen werden, wenn sie den Erwartungen der Eltern entsprechen, fürchten später, genau das Gleiche in Beziehungen wieder zu erleben. Diese Personen meiden Nähe, denn die bedeutet für sie: "Ich darf nicht so sein, wie ich bin".
    Dennoch bleibt es ihr Muster, schnell zu erspüren, was der andere von ihnen will und dem zu entsprechen. Irgendwann ziehen sie sich zurück, weil sie mal wieder nicht als der Mensch geliebt wurden, der sie eigentlich sind. Dabei stehen sie selbst oft nicht zu ihren eigenen Wünschen, Grenzen und Gefühlen, zu denen sie selbst kaum Zugang haben.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Obwohl, bei meiner Großmutter konnte ich Fernsehsendungen mit ihr zusammen anschauen, die mich so gar nicht interessierten, eben und nur weil es ihr Freude machte. Das ist aber vielleicht eine andere (bedingungslosere) Art on Liebe.
    Das war vielleicht wirklich Liebe von beiden Seiten!? So sollte es doch sein.

  2. Inaktiver User

    AW: Liebes- und bindungsunfähig?

    Danke für die Antworten, ich denke viel darüber nach.

    Divino: "Paula, kann es sein, dass deine bisherigen Freunde stets eher das charakterliche Gegenteil von dir selbst verkörpert haben? Ich könnte mir vorstellen, dass sich deutlicher abzeichnet, wo das Problem liegt, wenn du bei deinem Gegenüber bewusst auf sehr große charakterliche Ähnlichkeiten zu dir selbst achtest. Manchmal sieht man im Spiegel besser, was irgendwo hinter einem selbst verborgen ist."
    Nein, glaube ich eher nicht, falls ich deine Anmerkung richtig verstanden habe. Meine bisherigen Freunde waren mir charakterlich eher ähnlich, also auch sehr unangepasst und eigenwillig. Wobei die das eher etwas vor sich verneint haben. Daher denke ich dass sie das eher toll fanden, dass ich das eher offen auslebe, als dass ich mich anpasse.

    Fenimi: "Heute in einem Interview mit Bärbel Wardetzki gehört: Menschen, die als Kinder die Erfahrung gemacht haben, dass sie nur angenommen werden, wenn sie den Erwartungen der Eltern entsprechen, fürchten später, genau das Gleiche in Beziehungen wieder zu erleben. Diese Personen meiden Nähe, denn die bedeutet für sie: "Ich darf nicht so sein, wie ich bin".
    Dennoch bleibt es ihr Muster, schnell zu erspüren, was der andere von ihnen will und dem zu entsprechen. Irgendwann ziehen sie sich zurück, weil sie mal wieder nicht als der Mensch geliebt wurden, der sie eigentlich sind. Dabei stehen sie selbst oft nicht zu ihren eigenen Wünschen, Grenzen und Gefühlen, zu denen sie selbst kaum Zugang haben."
    Schönes Zitat. Es trifft eingeschränkt zu. Als mir mit 14 oder 15 bewusst wurde, dass ich von meinen Eltern nur dann geliebt werde, wenn ich ihren Erwartungen entspreche oder richtig funktionniere, habe ich mich dem nicht angepasst, sondern bin in die ziemlich passive Offensive gegangen und hab mich so verhalten wie ich wollte oder eben genau so wie meine Eltern es nicht wollten. Es bedarf schon einer gewissen Stärke, das auszuhalten aber ich habe irgendwie gefühlt, dass ich auf keinen Fall ihren Erwartungen entsprechen wollte. Die vorsichten Versuche ihnen klar zu machen, dass ich so bin wie ich bin liefen ins Leere und ich habe es dann aufgegeben. Ich hab halt diesen Weg gewählt un dbedauer das auch nicht.
    Vielleicht habe ich dieses Verhalten auch jetzt noch. Also ich denke nicht, dass ich mich meinen Partnern angepasst hätte um geliebt zu werden. Eher das Gegenteil. Also ich denke in Beziehungen viel zu viel nur an mich, meine Bedürfnisse und Gefühle als an ein "wir". Anders herum verlange ich quasi vom Partner dass er meine Gefühle und Bedürfnisse respektiert. Daher denke ich, dass ich eher nehme als gebe in den Partnerschaften. Ich glaube da tritt das alte Verhaltensmuster wieder hervor: nur nicht so sein wie meine Eltern oder irgendjemand sonst möchte, dass ich sein soll.

    Fenimi: "Das war vielleicht wirklich Liebe von beiden Seiten!? So sollte es doch sein.
    So sollte es wohl wirklich sein.
    Zu meiner Großmutter hatte ich wohl eine Art Ur-Vertrauen. Obwohl wir auch häufig nicht einer Meinung waren und sie auch vieles nicht verstanden hat was ich machte,hatte ich den Eindruck, dass ich mir ihre Liebe nicht verdienen muss oder irgendwie ihren Erwartunge entsprechen muss.
    Nun muss ich diese Erfahrung wohl nur in Kopf, Bauch und Herz über die mit meinen Eltern gemachte stellen und dann auf meine Partner übertragen...

    Vor 3 Jahren habe ich auch angefangen argentinischen Tango zu tanzen. Das ist eine gute Erfahrung Nähe von anderen, meist unbekannten Menschen, zuzulassen und mich darauf einzulassen, auch körperlich. Dieses Einlassen auf den anderen und das Zulassen der auch körperlichen Nähe war anfangs ganz schön schwierig, aber ich hab den Eindruck als helfe mir das auch in anderen Beziehungen. Also ich meine damit die Erfahrung, dass ich mich beim Tanzen auch "geben" muss, alleine klappt das nicht, nur zu zweit.
    Geändert von Inaktiver User (08.06.2012 um 22:35 Uhr)

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    AW: Liebes- und bindungsunfähig?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Als mir mit 14 oder 15 bewusst wurde, dass ich von meinen Eltern nur dann geliebt werde, wenn ich ihren Erwartungen entspreche oder richtig funktionniere, habe ich mich dem nicht angepasst, sondern bin in die ziemlich passive Offensive gegangen und hab mich so verhalten wie ich wollte oder eben genau so wie meine Eltern es nicht wollten.
    Das heisst, sie haben dir in dem Moment nicht gezeigt, dass sie dich lieben, wenn du dich so verhalten hast, wie es ihren Erwartungen konträr lief? Aber sie haben es dir gezeigt, wenn es ihren Erwartungen entsprach? Ist das nicht beinahe jedem irgendwann in der Pubertät mit seinen Eltern schon passiert? Oder gab es da noch mehr, was tiefergreifend war? Das geht aus deinen Erzählungen nicht so hervor. Wichtig ist in jedem Fall, irgendwann einen Punkt zu setzen.

    Vielleicht habe ich dieses Verhalten auch jetzt noch. Also ich denke nicht, dass ich mich meinen Partnern angepasst hätte um geliebt zu werden. Eher das Gegenteil. ... Ich glaube da tritt das alte Verhaltensmuster wieder hervor: nur nicht so sein wie meine Eltern oder irgendjemand sonst möchte, dass ich sein soll.
    So weit, so logisch. Und dann kommt der Punkt, an dem dir suggeriert wird, dass genau das von dir gewollt wird, nämlich dass du bist wie du bist und gar nicht so zu sein brauchst, wie dein Gegenüber es vermeintlich erwartet. Doch was tust du dann? Scheint so eine Art Kurzschluss zu verursachen, wenn du nichtmal mehr so sein kannst, wie du bist, weil du damit ja dann doch wieder den Wunsch des Anderen erfüllst.

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    AW: Liebes- und bindungsunfähig?

    P.S.: Es ist schon schwierig, wenn man sich anders verhalten möchte als das Gegenüber es gern hätte, wenn das Gegenüber wünscht, dass man sich verhält, wie man will.

    Erleichtern würde es dir, wenn du dich darauf besinnst, was du wirklich möchtest - tief in dir drin. Und dich freimachst von Erwartungen und Wünschen anderer, die du gern bewusst gerade nicht erfüllen würdest. Letztlich läuft auch dein jetziges Verhaltensmuster darauf hinaus, dass du deine eigenen Wünsche unter die anderer ordnest, wenn auch auf konträre Weise.

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    AW: Liebes- und bindungsunfähig?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Nun muss ich diese Erfahrung wohl nur in Kopf, Bauch und Herz über die mit meinen Eltern gemachte stellen und dann auf meine Partner übertragen...
    Es wäre hilfreicher, wenn du die Menschen alle als Individuen betrachten würdest, statt positive und negative Erfahrungen mit A und B auf C zu übertragen. Das passiert schon unbewusst mehr als genug, es ist nicht erforderlich, solche Vorgänge auch noch willentlich herbeizuführen.

  6. Inaktiver User

    AW: Liebes- und bindungsunfähig?

    Liebe PPaula!

    Würdest du etwas anders machen, im Alltag oder auch allgemein, wenn du dieses Gefühl mit in den Tag nimmst, das du mit deiner Großmutter erlebt hast?
    Dieses Gefühl, dass man gern beieinander ist und dass dieses schöne Wohlwollen auch nicht in Frage gestellt wird, wenn der andere einen mal nicht versteht. Es ist einfach da und man baut darauf. Früher sagte man: Man ist sich gut. Eine sehr schöne Formulierung, wie ich finde.
    Damals hast du dich anscheinend auch als Gebende erlebt, richtig? Wie fühlte sich das an?

    Lebt deine Großmutter noch?

    @ Devino
    Sicher wird jeder im Leben immer mal wieder damit konfrontiert, dass der andere ein bestimmtes Verhalten von einem möchte.
    Dein Chef möchte, dass du pünktlich erscheinst und deine Arbeit engagiert und zuverlässig erledigst. Das weiß man und das findet man okay. Es kratzt einen nicht im Innersten an.
    Anders wird es, wenn dein Vorgesetzter erwartet, dass du dir täglich seine Scheidungsgeschichte anhörst oder ohne Murren für drei arbeitest, nur als Beispiel. Ein gesunder Mensch wird sich dann abgrenzen, innerlich oder auch mit Worten und Taten.

    Anders ist es, wenn einem das schon als kleines Kind widerfährt.
    Bärbel Wardetzki nannte als Beispiel Schneewittchen. Schon vor der Zeugung des Kindes gab es ein Bild von ihm: weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz. Kommt das Kind nun aber gelb-grün-kariert auf die Welt, hat es ein Problem. Und eigentlich auch keine andere Chance, als sich zu bemühen, es den Eltern recht zu machen und sich dabei selbst zu verleugnen.
    Und das ist dann der Umgang, den man mit der Welt erlernt hat. Entweder man wiederholt dieses Verhalten sein Leben lang und passt sich an oder man schlägt ins Gegenteil um, erhöht sich selbst und grenzt sich ab. Als Muster, also nicht situationsabhängig, und das ist das Problem, nehme ich an.

  7. Inaktiver User

    AW: Liebes- und bindungsunfähig?

    Meiner Meinung nach ist es wichtig, sich über die Art der eigenen Ängste bewusst zu werden und - man kann lange darüber diskutieren, ob es wirklich die "bedingungslose" Liebe gibt.

    Vorweg: Ich kenne diese Frage, ob ich liebes- oder bindungsunfähig bin (nein, es lag nicht an den Eltern).

    Mein Problem war immer eine gewisse Erwartungshaltung von außen - und von mir selbst. Wovor hatte ich Angst? Dass ich Schwäche zeige und dann verlassen werde! Eigentlich bin ich doch lieber alleine. Oder als Alternative: Liebe auf Distanz?

    Meine Lösung des Problems war: Authentisch sein, nicht ständig kämpfen. Willst Du wirklich so leben wie andere? Familie, Kinder etc.? Was genau willst Du (nicht andere) in Deinem Privatleben?

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    AW: Liebes- und bindungsunfähig?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    @ Devino
    Schon vor der Zeugung des Kindes gab es ein Bild von ihm: weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz. Kommt das Kind nun aber gelb-grün-kariert auf die Welt, hat es ein Problem. Und eigentlich auch keine andere Chance, als sich zu bemühen, es den Eltern recht zu machen und sich dabei selbst zu verleugnen.
    Ich denke, in den allerwenigsten Fällen ist ein Kind tatsächlich genau so, wie die Eltern es sich vorgestellt haben. Es ist ein schmaler Grad zwischen "normalen" Schwierigkeiten, die jeder in der Pubertät mit den Eltern hat und Umgangsweisen, die dann doch tiefergreifender sind.

    Und das ist dann der Umgang, den man mit der Welt erlernt hat. Entweder man wiederholt dieses Verhalten sein Leben lang und passt sich an oder man schlägt ins Gegenteil um, erhöht sich selbst und grenzt sich ab.
    Wenn aber das Umschlagen ins Gegenteil obligatorisch wird, hat das nichts mehr mit Abgrenzung zu tun sondern im Gegenteil mit Abhängigkeit, unter dem Deckmäntelchen von Unangepasstsein. Ob das auf die TE zutrifft oder nicht, kann nur sie wissen. Fakt ist bis hierher aber: Sie fühlt sich mit einigen ihrer eigenen Handlungsweisen im daraus resultierenden Ergebnis nicht wohl, also liegt hier was im Argen. Würde sie immer so handeln, wie es wirklich ihrer selbst entspricht, wäre sie mit sich im Reinen.

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