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    AW: Die große Liebe- Mythos oder Realität?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    Ja - hier sitzt eine. Ich bin seit 26 Jahren mit demselben Mann zusammen. Es gab eine Unterbrechung von einem knappen Jahr, in dem wir getrennt waren. Als ich ihn sah, es war in einer Duisburger Disco , wusste ich: Der isses. Eigentlich wusste ich an diesem Abend auch, dass ich den mal heiraten würde. Nur sagt man sich das als knapp 19 jährige kurz vorm Abi natürlich nicht, da läuft gerade ein ganz anderes Kopfkino.

    Es war an diesem ersten Abend eine ganz grosse Liebe. Und die ist es heute immer noch. Ich finde auch nach mehr als einem Vierteljahrhundert und verdammt noch mal jeder Menge Alltag, dass er ein ganz wunderbarer Mann ist. Älter, faltiger, mit mehr Bauch - aber für mich immer noch wunderbar. Wir haben uns auch heute noch immer wieder auf´s Neue jede Menge zu erzählen. Er ist immer noch, und immer wieder, mein bester Freund. Er ist der Mensch, der immer und bedingungslos für mich da ist. Und ich bin seine Menschin, die für ihn dasselbe symbolisiert. Das ist etwas ganz Starkes, Gewachsenes, ein dicker, verästelter Baum, der aus diesem ersten Liebes-Knöspchen gewachsen ist.

    Ich schaue ihn oft an und denke: Ja! Das isser.

    Heisst übrigens nicht, dass es da nix anderes gegeben hätte. Hat es. In dem Jahr, in dem wir getrennt lebten - was nichts mit der Liebe, aber viel mit mir und einer grossen persönlichen Krise zu tun hatte - traf ich einen Mann, der vielleicht auch das Zeug zu einer solchen Liebe gehabt hätte. Das war ein ähnliches Urknall-Ach-Du-Scheixxe-Was-Ist-Das-Denn - Erlebnis, ein ähnliches "den kenn ich doch - das ist meiner!" Gefühl. Und das hat mich damals erheblich aus der Kurve geschmissen, denn ich dachte, das kann doch nicht sein, dass einem das im selben Leben zweimal passiert, und mit unterschiedlichen Männern.

    Aber dann war es eben doch etwas anderes. Besagter Mann hat den Knall offenbar auch gespürt, aber er hatte nicht den Mumm, sich darauf einzulassen, und vielleicht war das eine weise Entscheidung. Mir hat es sicher viele schlaflose Nächte erspart, denn irgendwann hätte ich mich ja vermutlich dann entscheiden müssen für den einen, und damit gegen den anderen. So blieb es bei diesem eher diffusen Initialfunken, der irgendwo verpuffte. Eine grosse Liebe würde ich diese Luftnummer aber niemals nennen - grosse Liebe, das ist für mich eindeutig etwas, das GELEBT wird, vital, beweglich, angefüllt mit Alltag, mit Sonntag, haptisch, nicht virtuell, inklusive Krisen, grossen Freuden, und ganz kleinen, leisen, zarten, die man sehen wollen muss, damit sie nicht untergehen. Ich habe das grosse Glück, mir diesen Blick frisch halten zu können. Und einen Mann, der sich darauf ebenfalls versteht.

    Unsere Krisen haben dafür gesorgt, dass wir gar nicht erst angefangen haben, uns für selbstverständlich zu halten. Nö, es war nicht immer einfach mit uns, wir haben uns schon auch sehr weh getan so manches Mal, uns enttäuscht, und auch im Stich gelassen. Aber los gelassen, nein, das haben wir einander nie.

    Ich nenne das eine grosse Liebe, trotz Alltag, auch wenn Klodeckel für uns nie ein Thema waren
    Danke für dieses emotionale Plädoyer!

    Ich habe es sehr ähnlich erlebt. Vor 29 Jahren und seit dem. Auch mit einem Jahr Trennung, zur Selbstfindung und Neujustage, inklusive großer persönlicher Krise. Ich habe sie damals im Stich gelassen, aber niemals losgelassen. Das ist mir immer bewußt, das "hält den Blick frisch". Danke für diese Formulierungen.

    Ich habe nach dem Kennenlernen allerdings einige Monate gebraucht, um überhaupt zu erkennen, daß in mir eine Liebe wächst. Es ging sehr langsam, es gab kein WOW. Die Gefühle wachsen, trotz Alltag und Sorgen, bis heute und hoffentlich auch weiter.

    Hans
    ----------------------------------------------------------------
    "Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.

  2. Inaktiver User

    AW: Die große Liebe- Mythos oder Realität?

    Ziemlich dusselig eigentlich, oder? Da biste auf die Nase gefallen, und es tat richtig weh. Und was machste? Bleibst beleidigt liegen, statt aufzustehen, und darauf zu bauen, dass es möglicherweise weitere gute Erfahrungen für Dich geben könnte? Weh getan hat´s doch schon. Jeder könnte die Erfahrung machen, dass das auch wieder aufhört, wenn er sich ein- und vor allem Altes los lässt. Das heisst nicht, dass er es vergisst. Es heisst nur, dass er akzeptiert, dass JETZT eben ein anderer Film läuft, und er sich DARAUF einlässt, statt den Körper auf der Erde zu lassen, und mit Kopf und Gefühl in anderen Sphären zu schweben. Mir wäre mein Leben für so eine Selbst-Demontage zu schade. [/QUOTE]

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Es wäre schon viel gewonnen, wenn jeder mal bei sich bliebe, und von sich erzählte.
    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ja - hier sitzt eine. Ich bin seit 26 Jahren mit demselben Mann zusammen.
    Dann würde dir ein wenig Demut gut zu Gesicht stehen, anstatt Menschen abzuwerten die in einer Situation sind die du offenbar aus eigenem Erleben gar nicht kennst.

    Ich wünsche es dir nicht, aber vielleicht wärst du etwas mitfühlender, wenn du jetzt nach diesen 26 Jahren verlassen würdest, und vielleicht würdest auch du zunächst "dusselig" reagieren...

  3. Inaktiver User

    AW: Die große Liebe- Mythos oder Realität?

    Zitat Zitat von HansDampf Beitrag anzeigen
    Ich habe nach dem Kennenlernen allerdings einige Monate gebraucht, um überhaupt zu erkennen, daß in mir eine Liebe wächst. Es ging sehr langsam, es gab kein WOW. Die Gefühle wachsen, trotz Alltag und Sorgen, bis heute und hoffentlich auch weiter.

    Hans
    Das ist schön für dich, und es ist eben eure ganz persönliche Liebesgeschichte.

    Ich selbst würde "große Liebe" nicht mit "jahrelang funktionierender Beziehung" gleichsetzen, das sind für mich verschiedene Dinge, die zusammentreffen können, aber nicht müssen, für mich bedingen sie sich auch nicht.

    Für mich kann es sowohl eine harmonische langjährige Beziehung geben, die nicht die große Liebe ist als auch eine Begegnung, die die große Liebe ist, auch ohne dass daraus eine lange Beziehung wird.

    Mir fällt auf, wie gern letzteres abgewertet wird, ich finde das unschön. Noch dazu neigen Menschen dazu, die bei genauerem Hinsehen auch gar nicht wissen, wovon sie da sprechen, weil sie es selbst gar nie so erlebt haben. Warum muss man dann anderen absprechen, dass sie für sich anders empfinden??

  4. Inaktiver User

    AW: Die große Liebe- Mythos oder Realität?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    Dann würde dir ein wenig Demut gut zu Gesicht stehen, anstatt Menschen abzuwerten die in einer Situation sind die du offenbar aus eigenem Erleben gar nicht kennst.

    Ich wünsche es dir nicht, aber vielleicht wärst du etwas mitfühlender, wenn du jetzt nach diesen 26 Jahren verlassen würdest, und vielleicht würdest auch du zunächst "dusselig" reagieren...
    Ich denke nicht, dass ich etwas über Demut lernen muss. Aber vielleicht liest Du meinen Text noch einmal, und gehst schlicht davon aus, dass darin keinerlei Abwertung enthalten ist. Er sagt nur, dass ICH es für MICH dusselig fände, so zu handeln. Ich habe in meinem Leben viele schwierige Erfahrungen gemacht. Dass sowas wie Liebe überhaupt existiert, war mir in meinen ersten 15, 16 Jahren nicht wirklich bekannt, bewusst. Vielleicht war ich noch jung genug, um dennoch wagen zu können, mich einzulassen - und zwar immer wieder, auch nach Phasen, die verdammt schmerzhaft waren, und in denen so mancher anderer vielleicht das Handtuch geschmissen hätte.

    Gerade weil mein Leben schon mal sehr, sehr klein war, schon quasi ausgelöscht, sage ich: es ist dusselig, es auf Sparflamme zu leben.

    Das kannst Du nun finden wie Du willst, aber eines ist es sicher nicht: Abwertend.

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    AW: Die große Liebe- Mythos oder Realität?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Das ist schön für dich, und es ist eben eure ganz persönliche Liebesgeschichte.

    Ich selbst würde "große Liebe" nicht mit "jahrelang funktionierender Beziehung" gleichsetzen, das sind für mich verschiedene Dinge, die zusammentreffen können, aber nicht müssen, für mich bedingen sie sich auch nicht.

    Für mich kann es sowohl eine harmonische langjährige Beziehung geben, die nicht die große Liebe ist als auch eine Begegnung, die die große Liebe ist, auch ohne dass daraus eine lange Beziehung wird.

    Mir fällt auf, wie gern letzteres abgewertet wird, ich finde das unschön. Noch dazu neigen Menschen dazu, die bei genauerem Hinsehen auch gar nicht wissen, wovon sie da sprechen, weil sie es selbst gar nie so erlebt haben. Warum muss man dann anderen absprechen, dass sie für sich anders empfinden??
    Reinhard Mey sang mal:

    "Nie wieder so arglos, nie mehr so naiv.
    Und nie, als sie ging, je ein Schnitt mehr so tief.
    Und ich war wie von Sinnen und war sterbenskrank,
    Doch ich lernte verlier‘n und den aufrechten Gang.
    Heute weiß ich, sie hat ihren Teil mit daran,
    Daß ich lieben und leiden und verzeihen kann.
    Vielleicht hat man‘s begriffen, wenn man erkennt:
    Nicht jede große Liebe braucht auch ein Happy-End.
    "

    Falls wir damals nicht wieder ein Paar geworden wären, wäre es doch eine große Liebe für mich gewesen. Und vielleicht auch die einzige in meinem Leben, wer weiß.

    Natürlich hat Beziehungsdauer und Beziehungsqualität nichts miteinander zu tun. Aber vielleicht ist eine langjährige harmonische Beziehung im Rückblick "die" Liebe des Lebens gewesen. Das hängt sicher davon ab, was eine "besondere" Liebe ausmacht. Das definiert vermutlich jeder von uns etwas anders.

    Hans
    ----------------------------------------------------------------
    "Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.

  6. Inaktiver User

    AW: Die große Liebe- Mythos oder Realität?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Er sagt nur, dass ICH es für MICH dusselig fände, so zu handeln.
    Ja weißt du, aus deiner momentanen Komfortzone einer langjährigen Beziehung heraus findet sich sowas leicht dusselig.

    Ich persönlich würde mich eben hüten emotionale Reaktionen in der Theorie so zu bewerten.

  7. User Info Menu

    AW: Die große Liebe- Mythos oder Realität?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Mir fällt auf, wie gern letzteres abgewertet wird, ich finde das unschön. Noch dazu neigen Menschen dazu, die bei genauerem Hinsehen auch gar nicht wissen, wovon sie da sprechen, weil sie es selbst gar nie so erlebt haben. Warum muss man dann anderen absprechen, dass sie für sich anders empfinden??
    Ich verstehe nicht, was Dich so verstimmt? frau-doktor fragte nach vielen verschiedenen Erfahrungen und Meinungen, und die wurden hier gegeben.

    Kritik wurde meiner Meinung nach nur darauf bezogen, dass man einer grossen Liebe ewig nachtrauert und sich somit neuen Chancen verschliesst und neue Lieben immer nur kleiner sein koennen.

    Wenn eine grosse Liebe nicht von Dauer ist, kann sie doch eine wunderschoene Erinnerung werden und das Leben bereichern, ohne es einzuschraenken.

    Ich liebe Geschichten mit Happy End wie die von c-f - doch leider ist Happy End immer Glueckssache.
    le gach beannacht

    Trautchen



    Das mit der Leiche ist zwar weniger schoen, doch muss das Leben ja weitergehen... (mehr oder weniger Hannes Wader)

  8. Inaktiver User

    AW: Die große Liebe- Mythos oder Realität?

    Zitat Zitat von HansDampf Beitrag anzeigen
    Falls wir damals nicht wieder ein Paar geworden wären, wäre es doch eine große Liebe für mich gewesen. Und vielleicht auch die einzige in meinem Leben, wer weiß.

    Eben - wer weiß. Ohne Vergleich ist das schwer zu beurteilen.

    Zitat Zitat von HansDampf Beitrag anzeigen
    Das hängt sicher davon ab, was eine "besondere" Liebe ausmacht. Das definiert vermutlich jeder von uns etwas anders.

    Hans
    Eben. Und darum kann man es doch einfach so stehen lassen, was jeder für sich als Große Liebe empfindet, ohne (was du nicht tust) das so leicht abzutun als reine Projektion, Rosarote-Brille, Lust am Drama und was noch alles zu lesen war.

    Ich frag mich dann immer: woher wissen denn das diejenigen so genau, die das doch ihrem eigenen Bekunden zufolge gar nie erlebt haben???

  9. Inaktiver User

    AW: Die große Liebe- Mythos oder Realität?

    Zitat Zitat von Trautchen Beitrag anzeigen
    Ich verstehe nicht, was Dich so verstimmt? frau-doktor fragte nach vielen verschiedenen Erfahrungen und Meinungen, und die wurden hier gegeben.
    Was mich verstimmt ist, dass von vielen nicht respektiert wird, dass eine große Liebe auch eine sein kann, die eben nicht dreissig Jahre gedauert hat. Und das hauptsächlich von Menschen, die das selbst gar nicht erlebt haben aber natürlich genau wissen, dass das nicht sein kann, und nur ihre Form der Liebe gelten lassen.

    Ich spreche doch langjährigen Paaren auch nicht ab, dass sie eine intensive und leidenschaftliche Beziehung haben können?

  10. User Info Menu

    AW: Die große Liebe- Mythos oder Realität?

    Zitat Zitat von frau-doktor Beitrag anzeigen
    der davon überzeugt ist, dass einem "sowas" nur einmal im Leben passiert.
    Wenn dies das Kriterium ist: "Die große Liebe gibt es nur einmal" - dann entspricht das nicht meinen Erfahrungen.

    Das ist wahrscheinlich ein Gedanke, der einem nach einer Trennung kommen kann, weil man befürchtet, nie wieder so sehr lieben zu können oder dann, wenn man alleine ist bzw. in einer Beziehung, die einen nicht wirklich glücklich macht.

    @chironex: Schöner Beitrag. Es gibt sowas wie freundliche Tritte in den Hintern, so habe ich Deinen Beitrag gelesen.

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