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  1. User Info Menu

    Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung

    Hallo zusammen,

    ich hatte gerade bei der Arbeit ein kleines Erlebnis, dass mich sehr beschäftigt…

    Eine Kollegin fragte mich zu dem neuen Praktikanten, ob ich ihn gut kennen würde. Ich wusste nicht sofort, worauf sie eigentlich hinauswill, und dann sagte sie: ‚Er ist immer so still und redet gar nicht mit mir‘. Zufällig kenne ich den Praktikanten sehr gut und weiß, dass er sie nicht leiden kann. Die besagte Kollegin ist darüber hinaus nicht besonders nett zu den Praktikanten, immer sehr verbissen und wirkt geradezu verbittert – es kommt selten vor, dass sie mal lacht und gute Laune hat. Was mich seit dem Gespräch beschäftigt: Sie scheint keinen Schimmer zu haben, welchen Eindruck sie auf andere Leute macht.

    Und sie ist nicht die einzige Person, bei der ich denke, dass ihre Selbstwahrnehmung erheblich von dem abweicht, was andere Leute wahrnehmen. Das führt mich zu der Frage: Gibt es Leute, die einfach weniger selbstreflektiert sind als andere oder ist das tatsächlich bei uns allen so? Macht man sich etwas vor, wenn man denkt, dass man seine Außenwirkung gut einschätzen kann? Denn ich habe z.B. meiner Kollegin auch nicht ehrlich geantwortet, weil sie sicher beleidigt gewesen wäre. Habt ihr jemanden, der euch ehrlich sagt, wie ihr wirkt – auf die Gefahr hin, dass es euch verletzen könnte?

    Liebe Grüße
    MaryMary

    P.S.: Mir geht das Thema wohl so im Kopf herum, weil ich mich irgendwie für den "Gegenpart" meiner Kollegin halte... Ich achte manchmal zu stark auf die Stimmungen anderer, beziehe Dinge (vor)schnell auf mich und bin entsprechend schnell verunsichert. Das ist wohl auch keine realistische Selbstwahrnehmung

  2. Moderation

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    AW: Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung

    Nach meiner Erfahrung hat jeder blinde Flecke. Da gibt's sogar ein Modell, daß man z.B. auf Führungsschulungen vorgeführt bekommt:
    a) Dinge, die ich über mich weiß
    b) Dinge, die andere über mich wissen.
    Die Dinge, die niemand weiß, kann man getrost ignorieren, die die man selber weiß und die anderen nicht, für sich behalten, und die die die anderen wissen und man selber nicht... tja, da kann man sich nur damit behelfen zu wissen, daß sie existieren.

    Ansonsten: Jede Theorie ist nur so gut wie ihre Vorhersagekraft. Je seltener du vom Verhalten anderer überrascht wirst, desto besser ist deine Theorie, wie sie ticken (oder dein Grad an Merkbefreieung -- das ist das fiese, man weiß es ja nicht!).

    Meine persönliche Lösung ist, mit dem Unerwarteten zu rechnen, mit den Leuten auf eine Weise umzugehen, die jeder wissen darf, und nicht zu hoch von meiner Menschenkenntnis und meinen sozialen Fähigkeiten zu denken. Und jemand zu sein, dem man leicht sagen kann, wenn sie "aus dem Ruder" läuft. Wobei, wo drei Leute stehen, sind vier Meinungen. Solange mir nur eine/r etwas sagt, nehm ich das als Meinungsäußerung. Erst wenn's drei Leute sagen (oder sich verhalten als wollten sie's sagen), nehme ich's als Daten.

    Wenn es wichtig ist, frage ich auch nach. "Ich habe den Eindruck, wir können nicht besonders gut miteinander reden, geht dir das auch so? Wo fühlst du, daß es hakt? Können wir das irgendwie verbessern?" Aber oft ist es nicht wichtig. Man muß nicht jeden mögen.
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

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    AW: Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung

    Interessantes Thema, und ich mache mir auch oft Gedanken darüber.

    @MaryMary: im Falle Deiner Kollegin kannst Du ja hier und da mal treffende Fragen stellen, z.B. "warum meinst Du, ist der Praktikant so und so zu Dir?" oder "Bist Du denn freundlich und aufgeschlossen zu Kollege xy??"

    Ich persönlich versuche, mein eigenes Verhalten am Verhalten meiner Mitmenschen mir gegenüber abzulesen. Ich weiß, dass manche Leute, die mich zunächst kennen lernen, etwas irritiert auf meine oftmals sehr direkte Art sind, das aber recht schnell einordnen können. So lange ich noch spüre, das Leute gerne mit mir zusammen sind und auch neue Bekanntschaften sich gerne mit mir anfreunden und befreunden, nehme ich das als positives Zeichen meiner Außenwirkung.

    Schwieriger wird es bei den Äußerlichkeiten: Meine größte Angst ist, als Ü40 trutschig zu wirken, finde das aber manchmal recht schwierig. Ganz tief in mir drinnen, also gefühlt, ist noch das junge, schlanke Mädchen von früher, und wenn ich mich manchmal unvermutet irgendwo im Kaufhausspiegel oder in der Schaufensterscheibe sehe, sehe ich auch, dass ich es nicht mehr bin......

    Gegenbeispiel: Meine eigene Kollegin: Die findet sich so was von toll - innerlich und äußerlich. In Wahrheit ist sie nicht gerade die hellste Kerze im Leuchter - ich würde krass sagen sogar dumm, ungebildet und nicht bereit, weiterzudenken oder weiterzulernen, das kleinste Fünkchen Allgemeinbildung beschränkt sich auf DSDS und GNTM. Rein äußerlich das gleiche Dilemma: sie findet sich toll, schick und attraktiv - wie es wirklich aussieht, möchte ich hier nicht im Detail erläutern. Da ist es oftmals wirklich schwer für mich, die contenance zu bewahren.
    ...........und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen. (Astrid Lindgren)

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    AW: Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung

    Gutes Thema!

    Ich erlebe es oft, dass da Welten zw. Selbst - und Fremdwahrnehmung klaffen!

    Bei Bekannten undc Kollegen stört es mich wenig(er)

    Bei Freunden oder Partner dagegen sehr.

    Aber ich hab mittlerweile auch entdeckt, dass manche Menschen es für ihr Selbstwergefühl brauchen um sich nicht nur wertlos zu fühlen.
    Denn gerade in DEN Bereichen, in denen sie glauben endlich mal gut zu sein, Fehler gesagt zu bekommen, täte mehr als unnötig weh.

    Insgesamt erfordert es für mich bei diesen Menschen rel. viel Diplomatie mit ihnen darüber zu reden

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    AW: Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung

    Also, ich sage niemandem ungefragt, was er für ein "Problem" hat. Oder welches "Defizit". Ich bin doch nicht größenwahnsinnig und meine, anderen mein Empfinden mitteilen zu müssen!
    Allerdings schränke ich den Kontakt auf ein für mich erträgliches Maß ein, wenn ich merke, es "paßt" nicht, es "nervt".
    Aber andere erziehen...ogottogott... mit welchem Recht denn? Und woher die Zeit/Kraft nehmen?

    Feedback von anderen: Meine Reaktion kommt ganz darauf an, welchen Stellenwert ich demjenigen einräume. Ein Feedback interessiert mich eigentlich immer. Aber ob ich etwas verändere, ist eine ganz andere Frage. Auch, ob ich überhaupt reagiere. Ich meine, jeder kennt die Situationen, wo man denkt "was stört es eine deutsche Eiche, wenn eine Wildsau sich an ihr wetzt?", ne?

    Außerdem findet Feedback - in meinem Leben - seltenst in vernünftigen ruhigen Gesprächen statt. Sondern mehr in Nebensätzen. Und da finde ich es dann schwierig, political correct zu antworten. Im allernächsten Umfeld - gerne, alles was du willst. Aber im weiteren Umfeld... dann möge man sich doch bitte auch Zeit nehmen, und nicht drei Worte hinwerfen und nun sonstwas für Interesse erwarten. Soviel Zeit muss sein. Vielen Leuten geht es nur um "Genöle". Die sind meistens neidisch. *schulternzuck*
    The original Karla
    est. 2006


  6. Inaktiver User

    AW: Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung

    Hallo Mary,

    ja, ich stimme zu, dass Selbst- und Fremdwahrnehmung vermutlich bei vielen Menschen auseinanderliegen. Ich selber könnte die Frage aber gar nicht beantworten, weil ich nicht weiß, wie die anderen mich wahrnehmen.
    (Außer in meinem jährlichen Reflektionsgespräch mit meinem Chef...)
    Die meisten Menschen sind auch eher bereit, andere zu kritisieren, als sie zu loben.

    Im Grunde möchte ich selber gar nicht so genau wissen, was andere Leute meinen , ich habe beispielsweise eine Bekannte, die der Meinung ist, ich könnte optisch "viel mehr aus mir rausholen" und dann auch gern mit Kommentaren kommt -> ich mit einem neuen T-Shirt, fühle mich gerade richtig gut "Ist der Ausschnitt nicht ein bisschen zu hoch?"

    Im Grunde sind doch die Menschen am besten dran, die sich selbst richtig gut und schön finden, egal wie sie auf der Messlatte von "GNMT" oder so liegen.

    Im Fall deiner Kollegin könntest du sie doch ermuntern "Ach, wenn du ihn ganz nett ansprichst, dann klappt das schon."

    Im übrigen bin ich davon überzeugt, dass jede Eigenschaft auch einen "Spiegel" hat, soll heißen, wer unordentlich ist, sieht vieles auch nicht so verbissen z. B...

    LG
    Birke

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    AW: Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung

    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen
    Solange mir nur eine/r etwas sagt, nehm ich das als Meinungsäußerung. Erst wenn's drei Leute sagen (oder sich verhalten als wollten sie's sagen), nehme ich's als Daten.
    Hmm, auch da differenziere ich: Wenn mir drei Zeugen Jehovas sagen, dass ich zu wenig in der Bibel lese, mag das aus deren Warte so sein. Ich vermute aber eine gewisse Absicht dahinter, und ähnliches in anderen Kontexten auch bei anderen Menschen. Die Frage, ob das Gegenüber mit seinem Feedback ggf. eine Absicht verfolgt, finde ich bei der Beurteilung dieses Feedbacks wichtig.

    Aber Du hast schon recht, eine Rückmeldung, die häufiger kommt, sollte man sich mal genauer anschauen.

    Zu dem, was hier gesagt wurde, möchte ich noch ergänzen, dass ja auch die Fremdwahrnehmung durch eine subjektiv eingefärbte Brille geschieht, nämlich die des jeweiligen Gegenübers. Und auch die kann situationsbezogen anders ausfallen. Sehr komplexes Thema.
    Mache das sichtbar, was ohne dich vielleicht nie gesehen werden würde.

    - Robert Bresson -

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    AW: Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung

    Zitat Zitat von Karla48 Beitrag anzeigen
    Also, ich sage niemandem ungefragt, was er für ein "Problem" hat. Oder welches "Defizit". Ich bin doch nicht größenwahnsinnig und meine, anderen mein Empfinden mitteilen zu müssen!
    Allerdings schränke ich den Kontakt auf ein für mich erträgliches Maß ein, wenn ich merke, es "paßt" nicht, es "nervt".
    Aber andere erziehen...ogottogott... mit welchem Recht denn? Und woher die Zeit/Kraft nehmen?
    Nee, ich will auch nicht von anderen aufgedrückt bekommen, dass ich ein "Problem" habe... Aber wenn man nicht einschätzen kann, wie man auf andere wirkt, bekommt man doch auch immer wieder Reaktionen, die man nicht einordnen kann...? Zum Beispiel das klassische "so hätte ich dich am Anfang gar nicht eingeschätzt". Das höre ich immer wieder, weil ich wohl etwas verschlossen wirke, wenn ich jemanden neu kennen lerne. Das über mich selbst zu wissen dient nicht zwingend dazu, mich selber ändern zu wollen - stattdessen versuche ich das erst mal anzunehmen und kann besser verstehen, warum neue Bekannte deshalb auch erstmal etwas zurückhaltender sind. Und nicht gleich zu denken, 'die Welt ist gegen mich und keiner mag mich'.

  9. User Info Menu

    AW: Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Im Grunde möchte ich selber gar nicht so genau wissen, was andere Leute meinen , ich habe beispielsweise eine Bekannte, die der Meinung ist, ich könnte optisch "viel mehr aus mir rausholen" und dann auch gern mit Kommentaren kommt -> ich mit einem neuen T-Shirt, fühle mich gerade richtig gut "Ist der Ausschnitt nicht ein bisschen zu hoch?"
    Liebe Birke, das klingt schon eher nach Stichelei und Missgunst... Ich würde grundsätzlich auch nur auf (direkte) Meinungen von Menschen etwas geben, von denen ich denke, dass sie mir Gutes wollen.

    Meine Gedanken gehen ist die Richtung... Inwieweit reagieren andere auf meine Art und ich merke das gar nicht und wundere mich? Und wo zieht man die Grenze und denkt sich, 'speziell mit ihr/ ihm stimmt die Chemie nicht, wir sind nicht auf einer Wellenlänge'?

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    AW: Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung

    Zitat Zitat von MaryMary Beitrag anzeigen
    Er ist immer so still und redet gar nicht mit mir‘. Was mich seit dem Gespräch beschäftigt: Sie scheint keinen Schimmer zu haben, welchen Eindruck sie auf andere Leute macht.
    Na offenbar hat sie aber doch das Problem erkannt. Der Praktikant redet nicht mit ihr. Dann fragt sie dich, was sein könnte und bekommt keine ehrliche Antwort. Wie realistisch soll denn dann eine Selbsteinschätzung sein? Wenn niemand Klartext redet muss man doch annehmen, dass alles in Ordnung ist.


    Zitat Zitat von MaryMary Beitrag anzeigen
    P.S.: Mir geht das Thema wohl so im Kopf herum, weil ich mich irgendwie für den "Gegenpart" meiner Kollegin halte... Ich achte manchmal zu stark auf die Stimmungen anderer, beziehe Dinge (vor)schnell auf mich und bin entsprechend schnell verunsichert. Das ist wohl auch keine realistische Selbstwahrnehmung
    Vielleicht denken dann die Leute über dich auch nicht, die ist aber selbst reflektiert, sondern glauben vielleicht du seist emotional instabil und keiner wills dir sagen, weil alle Angst haben du bringst dich dann um.

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