Ich glaube, es ist auch wichtig, sich emotional etwas freier zu machen von dem Erfolg des Projektes:
Auch wenn dir etwas daran liegt, dann liegt der Erfolg nicht in deiner Hand (sondern in der deines Chefs) und es sollte auch nicht das einzige im Leben sein, woran dir etwas liegt. Mir ist klar, dass es bei einem Ehrenamt ja auch darum geht, dass man es gerne macht. Insofern wird ja darauf gebaut, dass Mitarbeiter sich mit "Herzblut" einbringen, aber wenn man dort hofft, dass dieser Einsatz die Organisation überflüssig macht bzw. sich alles dank netter, einsatzwilliger Leute, von selbst regelt, dann ist man leider auch auf dem Holzweg.
Übrigens ist das ja in einem Job mit einer möchte-gern-kollegialen, schwachen Leitung nicht anders: Dann beginnt das Schaulaufen und das "Alles-regelt-sich-von-selbst" - Getue.
Für dich sehe ich folgende Möglichkeiten.
Gespräch mit dem Chef über sachliche Veränderungsmöglichkeiten, die den Kollegen NICHT betreffen (Gehader unter Kollegen überzeugt keinen Chef).
Dir innerhalb des Ehrenamts eine selbständigere Arbeitsmöglichkeit suchen.
Vorübergehend deine Arbeitszeit dort mit entsprechenden privaten Begründungen reduzieren - du bist schliesslich nicht an Vorgaben, wie viel du zu machen hast, gebunden. Während dieser Zeit regeln sich die Probleme vielleicht unmittelbar zwischen deinem Chef und deinem Kollegen, mit anderen Worten: er sieht, wo dessen Defizite liegen.
Grundsätzlich solltest du dich von der irren Verantwortlichkeit befreien. Die Dinge laufen oft schlecht, auch wenn du besten Einsatz zeigst - das hängt nicht immer von einem selbst ab - viele Kollegen laufen in eigenen Mustern, die sie brauchen, meist brauchen sie dafür auch ein Publikum - im Job muss man das abkönnen, im Ehrenamt eiiigentlich nicht.
Der Kollege wird sich vermutlich nicht ändern (allzuoft erlebt!), daher wird ein Gespräch mit ihm die Situation nur böse anheizen.
Nebenher vielleicht mal die Fühler ausstrecken, wo du dich im Ernstfall noch engagieren kannst. Vielleicht ergibt das einen langsamen Ausstieg mit dem guten Gefühl, woanders sinnvoller aufgehoben zu sein.
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Ergebnis 21 bis 30 von 34
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16.05.2012, 12:47
AW: Einen "gekonnten Cut", bitte!
Man sollte nie die gleiche Dummheit zweimal machen, denn die Auswahl ist groß genug.
Bertrand Arthur William Russell
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16.05.2012, 13:07
AW: Einen "gekonnten Cut", bitte!
Der Spruch spricht mir aus der Seele, zumal ich auch einen Lebensabschnitt beende, und nicht jünger werde.
Ich bin auch in diesem Spagat, mich von Leuten, die ich nicht ändern kann, die aber trotzdem "da" sind, zu distanzieren. Falls man jemandem nicht komplett aus dem Weg gehen kann, geht das nur innerlich - das ist auch das, was ich in meinem vorangegangenen Post mit emotionaler Distanz meinte.
Zwei Vorgehensweisen übe ich:
Innerliche Distanz, mit dem Gedanken, was jetzt wichtig und zielführend ist. Und ob mein Einsatz sich - rein zeitlich - lohnt. Ich merke drastisch, dass ich nicht jünger werde, also möchte ich meine Zeit gut verbringen und mich nicht mehr in Muster anderer einspannen lassen.
Eigene Muster und Bedürfnisse erkennen und sehen, warum ich diese an bestimmten Leuten unbedingt abarbeite möchte. Erkennen, wo sinnvollere Wege sind, die mir langfristig mehr helfen. Meist bedeutet das, sich von fremden Befindlichkeiten nicht allzusehr abhängig und beeinflussen zu lassen, sondern zu sehen, dass man selbst auch Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten in andere Richtungen hat.
Grundsätzlich überschlage ich auch, wie eine bestimmte Person des öfteren reagiert hat und ob ich mich ständig und immer wieder darüber ärgere. Dann ist es Zeit, da ganz drastisch "inneren" Abstand zu suchen. Das muss nicht zu einem Abbruch oder einem direkten Konflikt führen, es bedeutet nur, die Grenzen zu sehen und bei "Alarm" nicht wieder in die alten Muster zu verfallen. Eine gewisse Höflichkeit und Freundlichkeit ist dann sogar eher möglich.
Wie gesagt, ich übe das...leicht fällt es nicht.
Man sollte nie die gleiche Dummheit zweimal machen, denn die Auswahl ist groß genug.
Bertrand Arthur William Russell
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16.05.2012, 13:19
AW: Einen "gekonnten Cut", bitte!
Zum Thema "Andere ehrenamtliche Tätigkeit suchen": Meine Erfahrung ist, dass bei den meisten Gruppen damit zu rechnen ist, dass Unprofessionalität einem den Spaß raubt. Habe einiges ausprobiert.
Ich bin deshalb dazu übergegangen, mich online bei campact zu engagieren (Vollprofis!), oder hier und da mit Geldspenden zu helfen. In Gruppen arbeite ich sehr, sehr gerne, aber wenn es nicht funktioniert, dann ist das eben so. Ich habe keine Kraft, mich irgendwo zu verschleißen, übrig. Die brauch ich für meine Existenz, und für mein Wohlergehen.
Selbst mit meiner Freundin, die völlig anders tickt im beruflichen Bereich als ich, kann ich nicht gut zusammenarbeiten. Ich arbeite die Punkte ordnungsgemäß und termingerecht ab, die wir besprochen haben, sie macht die Dinge so nach Gefühl und Wellenschlag und versteht gar nicht, wieso ich da so druckvoll...
Also machen wir unsere Projekte lieber doch getrennt voneinander, genießen es aber, spaßeshalber zusammen alles andere zu machen, gerne auch projektbedingt, aber eben nicht in einer irgendwie gearteten Abhängigkeit voneinander. Nur so ist Leben und leben lassen möglich.
Irgendwo habe ich gelernt, dass ich nichts "Wohltätiges" tun muss, wenn ich mir selber dabei schade. So hat der liebe Gott sich das nämlich überhaupt nicht gedacht, mit der Nächstenliebe.
Noch etwas: Ein Therapeut, mit dem ich manchmal spreche und dem ich sagte "Ich versthe nicht, wieso die Leute nicht alles tun für den Erfolg der Sache, darum geht es doch!", sagte
"Erfolg? Um den Erfolg geht es nie in Gruppen. Es geht immer um Selbstdarstellung!".
Mich hat das sehr erstaunt. Aber nach längerer Überlegung stellte ich fest: Stimmt. Und so habe ich beschlossen, dass ich mich anderswo selbst darstelle.
The original Karla
est. 2006











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16.05.2012, 14:18
AW: Einen "gekonnten Cut", bitte!

Ein wenig kann man es noch differenzieren. Um den Erfolg geht es für den, der die Verantwortung nach aussen trägt. Daher ist das sehr wichtig, zu erkennen, wie ein Chef agiert und sich klarzumachen, dass dieser letztendlich die Verantwortung trägt und daher auch nur er die Dinge regeln kann und muss. In der Gruppe selbst geht es häufig um Selbstdarstellung und Anerkennung durch den Chef/Leitung/Alpha-Tier oder andere Gruppenmitglieder, die nützlich sind.
Das ist eigentlich kein Problem für bescheidenere Leute, die einfach nur zielführend arbeiten wollen, wird aber dann zu einem, wenn Leute diese Selbstdarstellung versuchen zu bekommen, indem sie die anderen für ihr Schaulaufen einspannen, sich bei Gleich- oder Untergeordneten abreagieren (Lob einheimsen oder einseitig jammern), gar abwerten oder ausnutzen, um das als eigene Leistung darzustellen.
Das ist hier der Fall, deshalb rate ich zur Vorsicht.Man sollte nie die gleiche Dummheit zweimal machen, denn die Auswahl ist groß genug.
Bertrand Arthur William Russell
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16.05.2012, 15:41
AW: Einen "gekonnten Cut", bitte!
Jetzt verstehe ich, wieso das in ehrenamtlichen Gruppen nichts für mich ist.
Ich möchte den Gruppenleiter oder sonstwen dort nicht beeindrucken. Sondern ich möchte tatsächlich das übergeordnete Ziel mit Erfolg (für die Sache) erreichen, sonst nix. Mit dieser Einstellung bin ich ja der Revoluzzer, der Störfaktor schlechthin.
Man kann mich nicht "benutzen". Das stört natürlich.
Danke für diese Aufklärung!
The original Karla
est. 2006











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16.05.2012, 16:17Inaktiver User
AW: Einen "gekonnten Cut", bitte!
seufz, genau so geht es ab. Minus facetoface, 80 Prozent läuft virtuell ab.
Ich kann, zugegebenermaßen, sein Gesicht grade nicht mehr sehen. Es ist also gut so.
Ich mag IHM auch nicht mehr helfen. Er hat in dem Bereich eher Porzellan kaputt gemacht, er konzentriert sich nur auf sich (und bei einer Gespräch, dass ich gerne mehr machen würde, aber nicht kann, platzte aus ihm raus "Zuerst muss ich mal auf MICH schauen!").
Also ist Plan - Kontakt abbrechen, ihm nicht mehr behilflich sein (war ich in der Vergangenheit), selbst durchziehen. Und das Donnerwetter aushalten.
Am Anfang dachte ich noch - "bei den Basic-Angelegenheiten kannst du ihm doch noch helfen", jetzt möchte ich noch nicht mal das?
Kennt ihr das?
Ich meine - es ist ein ehrenamtliche Geschichte, mit Kollegen muss man klarkommen, logisch. Aber hier sehe ich eine Einseitigkeit.
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16.05.2012, 17:23
AW: Einen "gekonnten Cut", bitte!
.......
Geändert von legrain (17.05.2012 um 12:48 Uhr)
lg
legrain
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17.05.2012, 02:13Inaktiver User
AW: Einen "gekonnten Cut", bitte!
Danke dir, Ruby, ja "Befreiungsschlag" trifft es sehr gut.
Werde ich sauer, blockt er total ab. Und wird am nächsten Tag so zuckersüß (von dem KÖNNTE ich noch was lernen, hab ich aber durchschaut).
Das Ding ist, ich mag ihm nicht mal mehr helfen. Karla sprach so schön von "Profilierungssucht", das trifft es bei ihm sehr gut. Er glänzt gerne auf Events, schaut aber nicht, dass sprichwörtlich alle vom Kuchen etwas abbekommen.
Er ist sicherlich nicht durch und durch schlecht (er hat sehr viel Insiderwissen), aber er kümmert sich nicht darum, dass es auf eine solide und vor allen Dingen seriöse Basis gestellt wird. Er saugt einen richtiggehend aus.
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17.05.2012, 02:23Inaktiver User
AW: Einen "gekonnten Cut", bitte!
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17.05.2012, 23:27Inaktiver User
AW: Einen "gekonnten Cut", bitte!
Hihi, die Lebenszeituhr auf der anderen Seite anguckend, das kenn ich aber auch!
Und das ist doch gut so.
Ich möchte diese Erfahrung - und andere - nicht missen. Aber frau lernt doch hoffentlich draus, oder?
Ich möchte daraus lernen, was mich "triggert" - bisher: Lob, Anerkennung, Visionen.
Wenn es allerdings darauf hinausläuft, dass ich ständig zubuttern muss, aber nur die Drecksarbeit zuerteilt bekomme, und er glänzt - nein.
Und dann wird aus dem schönen "Lob, Anerkennung, Visionen", die er ja hatte, die er aber mittlerweise auch wieder abgelegt hat zugrunde seiner alten Muster (erst Lospoltern, dann Nachdenken), denn doch wieder nur Geblubber.


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