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    Gibt es ein richtiges Leben im falschen?

    Hallo Bricom.

    Seit Jahren treibt mich ein Thema um, ohne dass ich wirklich damit weiter komme. Ich drehe mich gedanklich im Kreis und würde mich über ein paar Außenansichten und -meinungen freuen.

    Der Hintergrund ist: ich habe seit längerer Zeit das Gefühl, mit meinem Leben irgendwie eine falsche Richtung eingeschlagen zu haben. In den letzten Monaten hat sich dieses Gefühl derart zugespitzt, dass ich weder vor noch zurück komme und verzweifelt verharre, aus Angst vor Fehlentscheidungen. (Kurzes Intermezzo zu den Fakten: ich bin knapp 34, seit 2 Jahren verheiratet, seit 3,5 Jahren zusammen)

    Große Sache: mein Beruf. Ich arbeite seit 7 Jahren in einem Job, den ich damals angenommen habe, weil ich nach dem Studium schnell eigenes Geld verdienen musste. Es ist ein kreativer "Medien- und Werbungs-Beruf" mit entsprechendem forderndem Umfeld. Seit 1,5 Jahren arbeite ich freiberuflich, das läuft auch ganz gut – ich hatte gehofft, mich auf diese Weise etwas mit dem Beruf zu versöhnen. Aber: es hilft nichts. Ich finde keinen Sinn darin. Langsam verliere ich jeden Spaß an meiner Kreativität, weil sie für mich nur noch mit "Müssen" und "Leistung" verknüpft ist.

    Andere große Sache: mein Lebensraum. Vor 10 Jahren bin ich, damals der Liebe wegen, in eine (wirklich große) Großstadt gezogen. Es fiel mir von Anfang an schwer, mich hier nahtlos zu integrieren. Ich vermisse die Natur, das Alleinsein abseits der Menschenmengen und das etwas ruhigere, verbindlichere Tempo meiner Studienstadt. Es gibt Phasen, in denen ich mich einigermaßen gut arrangieren konnte, ich habe Freunde gefunden, vor zwei Jahren ist mein Mann aus einer anderen Stadt hierher gezogen. Aber immer und immer wieder gerate ich an den Punkt, an dem ich mir denke: Mensch, ich bin einfach kein Großstädter. Sobald ich vor die Tür trete, bin ich gestresst. Beruflich ist es hier perfekt für mich, die Branche ist hier breit aufgestellt.

    Noch ne große Sache: Kinderwunsch. Ich find einfach keine Entscheidung hier. Einerseits fände ich es traurig, kinderlos zu leben, andererseits habe ich irre Angst davor, plötzlich noch mehr in ein Leben gebunden zu sein, das mich so nicht erfüllt. Mein Mann ist positiv gegenüber Kindern eingestellt und würde sich freuen, besteht aber auf nichts.

    Ich habe, um aktiv etwas für meinen inneren Ausgleich zu tun, vor einem halben Jahr mit einer Sportart angefangen. Das ist sehr schön, aber sooo viel Effekt stelle ich nicht fest.

    Um ein Stück Natur in mein Leben zu holen, hab ich kürzlich einen Garten gepachtet. Als Freiberuflerin habe ich oft Leerlaufzeiten, die ich im Garten nutze. Auch das ist mit Sicherheit positiv, aber es reicht irgendwie nicht aus, um den für mich überfordernden Takt der Stadt auszugleichen.

    Vor einem Jahr habe ich eine Therapie begonnen, um mir selbst auf die Spur zu kommen. Und auch hier lauert ein ABER: Diese Gespräche sind nicht schlecht, weiterbringen tun sie mich bislang nicht unbedingt.

    Ich sitz hier wie das Kaninchen vor der Schlange, dreh mich im Kreis und stehe mir vielleicht selbst im Weg. Habe das Gefühl, mich sehr um Veränderung zu bemühen, aber nichts fruchtet. Ich war schon lange nicht mehr glücklich. Meistens kommt mir mein Leben sinnentleert vor.

    Wie komm ich nur da raus? Kann man sich auch mit Umständen gut arrangieren, die einem eigentlich wenig entsprechen? Ist das Äußere egal, wenn das Innere im Gleichgewicht ist – und geht das überhaupt? Gibt es ein richtiges Leben im falschen?

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    AW: Gibt es ein richtiges Leben im falschen?

    Hallo holunderbusch,

    willkommen hier!

    Du hast Dein Dilemma sehr anschaulich beschrieben.

    Es scheint so, dass bei Dir jeder Lebensbereich (außer der Beziehung, wie ich Deinen Zeilen entnehme) mit Kompromissen verbunden ist. Das wäre eine mögliche Erklärung für die "unrunden" Empfindungen.

    Ist das Äußere egal, wenn das Innere im Gleichgewicht ist – und geht das überhaupt?
    Interessante Frage.
    Ich persönlich glaube, dass das Innere und das Äußere in Wechselwirkung zu einander stehen. Das Äußere (hier bei Dir speziell die Umgebung, in der Du nicht heimisch wirst) hat einen nicht unbeachtlichen Anteil an unserem Wohlbefinden.

    Du suchst (und findest) Lösungen innerhalb des zur Verfügung stehenden Rahmens - die Idee, einen Garten zu pachten, finde ich toll!

    Wäre es für Dich überhaupt eine realistische Option, Deinen (Euren) Lebensmittelpunkt zu verändern?
    .

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    AW: Gibt es ein richtiges Leben im falschen?

    Die Großstadt, in der ich wohne, ist das so: Hier leben zwar 600.000 Menschen in dieser Stadt und nochmal zwei Millionen im direkten Speckgürtel drumrum, aber es gibt kaum eine Stelle, von der aus man nicht innerhalb von anderthalb Kilometer im Wald, im Weinberg oder zwischen Äckern landet. Es gibt viele vor allem kleinere Stadtteile, die sich einen dörflichen Charakter bewahrt haben, da kannst Du auch Kuhmist riechen, wenn Du willst. Und viele kleine Städte und Dörfer in direkter Nachbarschaft, wenn auch mit mehreren tausend Einwohnern jeweils, haben ebenfalls diesen dörflichen Charakter. Das muss zwar in Deiner Stadt nicht ganz so krass sein, aber auch bei Dir wird es dörflichere Stadtteile und Vororte geben, bei denen man zwar an der S-Bahn wohnt, aber auf dem Dorf ist.

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    AW: Gibt es ein richtiges Leben im falschen?

    Auch beim Beruf musst Du doch nicht unbedingt große Kompromisse eingehen: Such doch mal nach interessanten Alternativen. Als Freiberuflerin mit etwas Leerlauf kannst Du doch auch in andere Berufe reinschnuppern.

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    AW: Gibt es ein richtiges Leben im falschen?

    Ich kann mir ein Leben, das sich falsch anfühlt, nicht schön reden. Bei mir ist es so, dass ich regelrecht krank werde...meine Seele sucht sich ein körperliches Ventil um mir zu verdeutlichen, dass etwas ziemlich unrund läuft.

    Was wäre denn deine berufliche Alternative gewesen? Wenn du nicht gleich hättest Geld verdienen müssen?
    Bevor du versuchst dich weiter zu verbiegen und nach Möglichkeit die Schäden zu kompensieren : Kannst du dir vorstellen beruflich völlig neu durch zu starten?
    Ein Umzug in das Umland dieser Großstadt, oder in eine Wunschstadt?

    Mir kommt es so vor, als würdest du nach einer Behandlung für deine Symptome suchen und meinen dadurch gesund zu werden. Nur, vielleicht wäre es sinnvoller die Ursachen zu verändern?

    LG
    Geändert von _muschelkalk (16.04.2012 um 19:07 Uhr)
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    ...Und es ist gar nicht Großmut zu verzeihn,
    Dass andere ganz anders als wir glauben.
    ..(Ringelnatz)




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    AW: Gibt es ein richtiges Leben im falschen?

    Zitat Zitat von schafwolle Beitrag anzeigen

    Wäre es für Dich überhaupt eine realistische Option, Deinen (Euren) Lebensmittelpunkt zu verändern?
    .
    Danke für das herzliche Willkommen

    Jetzt ist mein Beitrag gelöscht worden. Das mehrfache Zitieren ging irgendwie nicht. Naja.

    Also, ich könnte wohl auch in kleineren Großstädten arbeiten, in Kleinstädten eventuell auch, dann aber nicht mehr auf diesem Niveau. Das würde auch an meiner Jobmüdigkeit wohl nichts ändern. Für meinen Mann ist das anders, der ist gerade sehr auf seine "Branchen-Infrastruktur", die er hier hat, angewiesen. Deshalb wäre es für ihn sehr problematisch, in eine (mittlere) Kleinstadt oder gar aufs Land zu ziehen.

    @ Quirin, das mit den Vororten/Stadtteilen außerhalb des Zentrums ist schon richtig, da habe ich schon mehrfach nach Wohnungen geschaut. Das Problem war immer, dass Mann und ich beide im Zentrum arbeiten und eine knappe Stunde pro Arbeitsweg bis dahin bräuchten (mit der Bahn/Bus). Weil die "äußeren" Stadtteile zudem eine schlechtere Infrastruktur haben, möchte mein Mann lieber zentrumsnah leben: er hat keinen Führerschein , für ihn wäre es vor allem abends und am Wochenende ein ziemlicher Aufwand mit der Fahrerei. Er sagt auch, dass er sich in keinem dieser Stadtteile, in dem wir uns bislang umgeschaut haben, wohlgefühlt hat. Er findet es da sehr öde und mag den quirligen, kreativen Bezirk, in dem wir jetzt leben, sehr gern.

    Hm, das klingt jetzt, als würd ich meinem Mann den schwarzen Peter zuschieben. Ich möchte ihn einfach zu nichts drängen, was ihm so widerstrebt.

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    AW: Gibt es ein richtiges Leben im falschen?

    Zitat Zitat von _muschelkalk Beitrag anzeigen
    Ich kann mir ein Leben, das sich falsch anfühlt, nicht schön reden. Bei mir ist es so, dass ich regelrecht krank werde...meine Seele sucht sich ein körperliches Ventil um mir zu verdeutlichen, dass etwas ziemlich unrund läuft.

    Was wäre denn deine berufliche Alternative gewesen? Wenn du nicht gleich hättest Geld verdienen müssen?
    Bevor du versuchst dich weiter zu verbiegen und nach Möglichkeit die Schäden zu kompensieren : Kannst du dir vorstellen beruflich völlig neu durch zu starten?
    Ein Umzug in das Umland dieser Großstadt, oder in eine Wunschstadt?

    Mir kommt es so vor, als würdest du nach einer Behandlung für deine Symptome suchen und meinen dadurch gesund zu werden. Nur, vielleicht wäre es sinnvoller die Ursachen zu verändern?

    LG

    Da hast Du schon recht: Ich versuche, mir möglichst viele Pflaster zu konzipieren für diese Leere, die ich fühle.

    Ich kann mir vorstellen, beruflich komplett umzusteigen. Habe schon ganz oft drüber nachgedacht, was ich gut kann und gerne mache. Zum Beispiel würde ich sehr gerne, wenn ich mir eine solide Basis erarbeitet habe, eine Ausbildung zur Yogalehrerin machen. Ich habe mich diesbezüglich schon erkundigt: eine BDY-Ausbildung ist teuer und dauert bis zu 3 Jahre, aber das wäre es mir wert. Ich könnte das neben meinem jetzigen Beruf machen, also parallel was aufbauen. Allerdings sollte man vor Beginn der Ausbildung schon 2 Jahre oder länger Yoga geübt haben, daher ist das noch Zukunftsmusik.

    Eine andere Option wäre ein Aufbaustudiengang, der zu meinem Studium und meinen Neigungen passt . Da habe ich mal zaghaft Recherche betrieben, aber hier in der Stadt noch nichts richtig passendes gefunden.

    Zum Umzug siehe mein letzter Beitrag – da hängt unter anderem auch mein Mann mit in der Gleichung. Er sagt, ich solle mir vorher einen Plan machen, vorher einen Traum haben...statt hier weg zu wollen und dann woanders erstmal auf mich selbst zurück geworfen zu sein. Das schien mir dann auch einleuchtend.

    Das mit den "Ursachen verändern" ist ja so ganz grundsätzlich auch mein Ansatz. Und dann kommt wieder einer und sagt das Umgekehrte: wenn man innen nicht zufrieden ist, kann man an den Umständen rumdoktern bis zum jüngsten Tag, und es wird doch nichts helfen.

    Ich bin mittlerweile vollkommen planlos, welche von beiden die "richtige" Herangehensweise sein könnte.

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    @Quirin nochmal, zum Thema "Reinschnuppern in andere Berufe". Ganz naive Frage von mir – wie könnte sowas denn aussehen? Über Praktika? *grübel*

    Noch zum Hintergrund meiner Tätigkeit: ich weiß vorher nie, wann ich einen Auftrag habe und wie lange er dauern wird. Das läuft so, dass ich einen Anruf bekomme mit einer Anfrage, und dann muss ich meist schon einen oder wenige Tage darauf am Start sein. Der Auftrag kann dann zwei Tage oder zwei Monate dauern, das weiß ich halt immer erst mit der Anfrage.

    Meine Befürchtung ist, dass ich durch das "Reinschnuppern" Aufträge absagen muss oder aber im "Schnupperjob" nicht zuverlässig arbeiten kann, was auch doof wäre.

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    AW: Gibt es ein richtiges Leben im falschen?

    Das hängt natürlich davon ab, wie Deine Selbständigkeit aussieht. So lange Du da flexibel in der Zeit bist, kannst Du Praktika oder gar einen Job mit z. B. 2 h/Tag übernehmen.

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    AW: Gibt es ein richtiges Leben im falschen?

    Zum Wohnort: Ich wohn hier schon immer in meiner Stadt und kenn mich aus, vielleicht setzt Ihr Euch einfach mal in die U-Bahn oder S-Bahn und fahrt ein bisschen die Strecken ab. Ich kenn hier zig U-Bahn-Haltestellen, die quasi im Grünen liegen mit netten Häuschen drumrum, die Felder auf der einen Seite, der Wald auf der anderen, aber man ist in zehn Minuten im pulsierenden Leben der Großstadt. Das gibt es bei Euch vielleicht auch, aber Ihr kennt die Ecken noch gar nicht.

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    AW: Gibt es ein richtiges Leben im falschen?

    Er sagt, ich solle mir vorher einen Plan machen, vorher einen Traum haben...
    Das hört sich gut an. Wenn du also einen Plan/Traum hast, würde er zu dir stehen.

    Machst du schon Yoga?
    Ich bin mir nicht sicher, kann mich derzeit auch sehr schlecht konzentrieren {multi-multitasking;-) }, es klingt bei dir so...Angst vor dem Schwimmen. Du mögst gerne an das andere Ufer, weil es dort viel grüner usw. ist. Aber, das Wasser ist so tief und auch so kalt und dann weiß man ja auch nicht, ob es wirklich grüner auf der anderen Seite ist.
    Schwierig. Auf der einen Seite ist es natürlich wichtig eine gewisse Sicherheit zu haben. Gerade, wenn man eigentlich nicht wirklich weiß, was die 'glückseeligmachende' Alternative ist. Auf der anderen Seite dieses Bauchgefühl, es gibt sie ... im richtigen Leben.

    Was hättest du gemacht, wenn du nicht so schnell eigenes Geld hättest verdienen müssen? Hattest du damals einen Traum?

    Weißt du, wann du falsch abgebogen bist?
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    ...Und es ist gar nicht Großmut zu verzeihn,
    Dass andere ganz anders als wir glauben.
    ..(Ringelnatz)




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