Hallo Emdi,
ich habe eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie gemacht - mit Imaginationen, angelehnt an die Katathym-Imaginative Psychotherapie. Google das mal, mittlerweile gibt es einige Therapeuten, die auch Imaginationen anbieten. Literatur gibt es mittlerweile auch dazu.
Für mich war das perfekt, da ich so an mein "Innenleben" herangekommen bin und auch Gefühle aus der Kindheit fühlen konnte. War teilweise der Hammer - schöne Gefühle, aber auch Gefühle wie Wut, Angst etc. Jedenfalls hatte und habe ich das Gefühl, dass durch die Imaginationen und das Hervorbrechen/noch einmal fühlen meines Seelenzustandes von damals eine Menge in mir bewegt wurde und ich einzelne Baustellen nach und nach abarbeiten, bzw. "befühlen"konnte. Und jede Menge Einsichten hatte. Und Verständnis (endlich!!!) für mich selbst fand.
Redeintensiv war die Therapie auch, aber nicht nur. Gerade nach den Imaginationen musste gar nicht mehr viel gesagt werden, zu der nächsten Sitzung brachte ich dann mein gemaltes Bild von dem, was ich sah und fühlte, mit und wir haben alles noch einmal besprochen.
Das Schöne: In meiner letzten Sitzung breitete sie alle Bilder aus. Das Anfangsbild mit mir als Kind hatte ich in einer Farbe gemalt, irgendwie leblos, lieblos. Meine verstorbene Oma war auch dabei, als meine Beschützerin. Das letzte Bild war farbenfroh, ich hatte rote Sachen an, war größer, und meine Oma war auch wieder dabei (und auch nur bei diesen beiden Bildern, gemalt habe ich ca. 20). Ein Unterschied wie Tag und Nacht!
Anfangs war ich ob der Imaginationen skeptisch, es ist anfangs komisch, sich auf ein Motiv einzulassen und dazu dann einfach Bilder kommen zu lassen. Aber wenn man sich "hingibt" und den Bildern ihren Lauf lässt, kommt einiges hoch. Ich kann es nur empfehlen.
LG
fly
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13.04.2012, 13:45
AW: Nähe-/Bindungsfähigkeit erlernen?
„Hoffnung ist die Fähigkeit, die Musik der Zukunft zu hören.
Glaube ist der Mut, in der Gegenwart danach zu tanzen.“
(Peter Kuznic, kroatischer Theologe)
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13.04.2012, 13:50
AW: Nähe-/Bindungsfähigkeit erlernen?
Hallo liebe Emdi, ich habe die Erfahrung gemacht, dass das reine Reden und kognitive Verstehen nicht komplett helfen/heilen kann. Wichtig sind körperliche Erfahrungen.
Ich möchte Dir Biodanza ans Herz legen. Vielleicht gibt es in Deiner Nähe eine solche Gruppe. Die Erfahrungen, die man dort macht, helfen. Man erkennt, dass alle Menschen Nähe brauchen, Berührung, Bindung. Aber eben rein praktisch.
Hat mir als sehr rational-kognitiven Menschen anfangs Angst gemacht, aber es wirkt!
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13.04.2012, 17:36
AW: Nähe-/Bindungsfähigkeit erlernen?
Liebe Emdi,
du schreibst "Mein Mann". Heißt das, du bist verheiratet. Wie lange schon bzw. wie lange bist du mit deinem Mann zusammen?
Sorry, aber ich kann weiterhin bei dir einfach nichts "Bindungsunfähiges" feststellen. Glaube, das, was du praktisch beschreibst, hat andere Ursachen. Therapie haste schon gemacht. Noch mehr Therapie wird dir noch mehr das Gefühl geben, "falsch" zu sein.
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13.04.2012, 20:04Inaktiver User
AW: Nähe-/Bindungsfähigkeit erlernen?
Wir sind seit gut 10 Jahren zusammen.
@happy_fly: ich glaube, da muss man schon sehr großes Vertrauen zu seinem Therapeuten haben, um die Gefühle so rauszulassen, oder?
@Reduktion: ich habe gerade mal nach Biodanza gegooglet - das klingt für mich auch mal etwas beängstigend. Aber das Konzept finde ich trotzdem ganz ansprechend.
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13.04.2012, 21:11
AW: Nähe-/Bindungsfähigkeit erlernen?
10 Jahre eine feste Partnerschaft?! Ist doch mal ganz ordentlich für jemanden, der "bindungsunfähig" ist, hm?
Und geheiratet habt ihr auch! Klingt doch schonmal fundiert.
Was das andere angeht: Dass eine Beziehung immer wieder pendelt zwischen dem Wunsch nach Nähe und dem Wunsch nach Distanz ist ja eigentlich auch normal.
Dass jeder auch "bei sich" bleiben will. Wie siehst du das bei dir?
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14.04.2012, 14:27Inaktiver User
AW: Nähe-/Bindungsfähigkeit erlernen?
Mir fällt es schwer, in der Beziehung bei mir zu bleiben, vielleicht reagiere ich auch deshalb oft so extrem. Das passt wohl zu dem Theme Grenzen ziehen, das LaRimbecca angesprochen hat.
Und ich habe das Gefühl, bei meinem Mann ist dieser Konflikt zwischen Nähe und Distanz so nicht vorhanden. Er scheint gar keine Distanz zu brauchen.
Mir fällt es schwer, zu beurteilen, was diesbezüglich "normal" ist. Ich merke jedenfalls, dass ich mich momentan in der Beziehung nicht wohl fühle und immer wieder den Wunsch habe auszubrechen.
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14.04.2012, 18:09
AW: Nähe-/Bindungsfähigkeit erlernen?
Was sind Beispiele für dein "extremes" Verhalten? Würde es mir gerne besser vorstellen können.
Dein Partner braucht weniger Distanz, weil DU ja immer automatisch für Distanz sorgst.
Wärst du anhänglicher, bedürftiger, würde er mit Sicherheit auf Distanz gehen.
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14.04.2012, 22:54Inaktiver User
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15.04.2012, 00:31
AW: Nähe-/Bindungsfähigkeit erlernen?
Ja, man kann es schaffen. Ob es sich mit bloßem Verstand erlernen lässt, glaube ich weniger. Bei mir war es das böse Erwachen durch den Verlust eines Menschen, der mich mit Anschwung fallenlassen hat, weil er die Kälte nicht ertrug. Irgendeine eingefrorene Synapse hat dadurch plötzlich Regungssignale freigesetzt. Geholfen hat es akut nicht, aber später. Nach mehrjährigem Versuch, die aufgewachte Synapse zum Schweigen zu bringen, hat sie irgendwann einen Kurzschluss veranstaltet und seitdem bin ich "frei".
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15.04.2012, 00:44
AW: Nähe-/Bindungsfähigkeit erlernen?
Mach dir bewusst, dass du in einem selbst errichteten Betonbunker lebst, mit festgeketteten Händen. Der Bunker bietet zuverlässigen Schutz, sowohl vor Verletzungen, als auch vor anderen Emotionen, was leider die unerwünschte Nebenwirkung ist. Die Nebenwirkung ist der Preis für die Pseudo-Sicherheit. Dass du spürst, was du spürst, ist ein gutes Zeichen. Es zeigt, dass du Kraftreserven hast, um auszubrechen - denn umso länger du in deinem Verlies verharrst, desto weniger werden jegliche Empfindungen werden und desto größer die Taubheit, die im Folgestadium langsam eintritt. Wenn du den Bunker verlässt, wirst du dich wundern, wie zügig sich die Empfindungen einstellen, von denen du glaubst, dass du sie gar nicht fühlen kannst. Starte sofort, denn umso später, desto schwieriger wird es.
Denk nicht über wie, wann, wo und warum nach - lege los und beginne die Verarbeitung davon später, wenn du draußen bist. Und der einzige Weg, nicht jämmerlich zu erfrieren und ersticken, ist der nach draußen - koste er, was er wolle.


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