Am Wochenende habe ich Freunde besucht. Es war so, wie ich mir das schon mein ganzes Leben gewünscht habe: Freunde gingen ein und aus, das Paar stammt jeweils aus einer Großfamilie (auch Patchwork) und alle wohnen in unmittelbarer Nachbarschaft. Das heißt, es sind bei einer Familienfeier schnell mal 30 und mehr Leute zusammen und es ist immer irgendjemand da.
Ich selbst stamme aus einer Kleinfamilie, alles sehr sehr überschaubar und klassisch, und die paar Verwandten leben irgendwo verstreut in Deutschland und leben auch diese Vereinzelungs-Lebensform, d.h. Kontakt zur restlichen Familie ist mehr als sporadisch. Bei einer Familienfeier sitzt nur die Kernfamilie zusammen, das wars. Auch Freundschaften pflegen meine Eltern kaum bis gar nicht.
Und ich merke mit meinen 32 Jahren, dass ich ebenfalls in dieser Schiene stecke, schon allein was meine Freizeitgestaltung angeht: ich tendiere dazu, einzelne Freunde/ Bekannte zu treffen und mit diesen dann eine verbindlichere Ebene anstrebe, als es bei Großgruppentreffen möglich wäre. Das widerspricht aber völlig meiner Sehnsucht nach einem Freundeskreis, der ja auch eine Art Ersatzfamilie sein kann.
Spricht da nur die Prägung, die man vorgelebt bekommen hat? Klar, eine Großfamilie kann ich mir nicht herzaubern, aber die Sehnsucht danach bleibt und besteht, seit ich denken kann.
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02.04.2012, 18:48
Wiederholung dessen, was man kennt. Zufall?
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02.04.2012, 19:11
AW: Wiederholung dessen, was man kennt. Zufall?
Hm...
Also, bei mir war das ähnlich wie bei dir mit meiner Familie.
Anders als du war es mir aber schon in meiner Kindheit wichtig, eine verzweigte Gruppe von Freunden und Bekannten um mich zu haben. Ich brauchte das. Das hat sich bis heute so erhalten und da bin ich auch froh drum.
Ich denke, eine Prägung ist wie eine Veranlagung/Disposition. Man hat eine Neigung zu bestimmten Verhaltensweisen.
Eine Neigung ist eine Neigung. Nicht mehr und nicht weniger.
Einer Neigung kann man ja auch entgegenwirken und in eine andere Richtung steuern.
Das kannst du auch, sofern du das möchtest!
Rein nur Prägung wird dein Verhalten nicht sein.
Es sei denn, du bist immer noch Kind im Grunde deines Herzens und wirst von der Vergangenheit gesteuert und die lebt dein Leben. Wahrscheinlich ist es nicht so.
Man kann auch nicht immer alles haben.
Ein paar wirklich enge Vertraute. Und gleichzeitig einen großen, weit verzweigten Freundeskreis.
Das gibts, muss man aber auch erstmal finden und aufbauen.
LG
HexlThe difference between try and triumph is just a little "umph"
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02.04.2012, 19:24
AW: Wiederholung dessen, was man kennt. Zufall?
Wie macht man das, Hexl? ;-)
Ich habe das in jüngeren Jahren versucht zu praktizieren, nahezu wahllos und oberflächlich Menschen in mein Leben gelassen und um jeden Preis diesen großen Kreis gewollt. Mich verbogen, immer fröhlich, immer bereit für jeden Spaß. Ich war sehr beliebt, vor allem bei den Männern.
Vor einiger Zeit habe ich aufgehört damit und mich konsequent getrennt von allen "Freunden", die nicht gut für mich waren. Bei den Männern übe ich noch ;-)
...die Konsequenz ist, ich bin mehr bei mir selbst und ausgeglichener, habe aber eben auch mit viel mehr "Einsamkeit" zu kämpfen.
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02.04.2012, 19:32
AW: Wiederholung dessen, was man kennt. Zufall?
Wie man das macht?
Ich weiß es nicht, ehrlich gesagt.
Vielleicht brauchts auch ein bisschen Glück und Gelegenheit. Ich weiß nicht, ob man sowas planen und forcieren kann.
Denn einfach einen Haufen oberflächliche Bekannte zu haben, darum gehts dir ja genau gerade nicht.
Wenn die Konsequenz ist, dass du nun mehr bei dir bist und ausgeglichener bist, dann ist es doch eigentlich ganz gut so wie es ist.
Die von dir beschriebene Situation von deinen Freunden ist natürlich super. Das ist sicherlich schön - für manche. Für andere wärs wahrscheinlich ein Graus.
Ich mag aber sowas auch und kann deshalb schon verstehen, dass du dich da sehr wohl gefühlt hast und dir für dich sowas auch wünschen würdest.
Insgesamt würde ich jedoch immer eher zu Qualität statt Quantität raten.
Und das mit der Einsamkeit...
Ist es denn Einsamkeit? Oder doch nur "alleine sein"?
LG
HexlThe difference between try and triumph is just a little "umph"
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02.04.2012, 19:51
AW: Wiederholung dessen, was man kennt. Zufall?
Ich sehe richtig vor mir, wie toll das wirkte, dieses Fest. Lauter nette, fröhliche Leute, ein und ausgehend...Wie im Kino!
Man übersieht bei so einer Stippvisite aber, dass solche Konstellationen oft auch von Problemen gebeutelt sind, die man mit kleinerer Familie schlicht nicht hat. Ich sehe das bei meiner Freundin z.B.:
Vier Schwestern, und glaubt es mir, eine ist immer beleidigt
, weil...oder wegen...ganz zu schweigen von der Mutter oder den Brüdern...den angepatchworkten...
Nie ist allen eine Sache recht so, wie sie gemacht wird...Nö also das muss ich nicht haben. Die lieben sich, klar, aber anstrengend hoch drei.
Neid ist nicht nützlich.
Man denkt immer, hinter anderer Leut Fenster brennt das Licht heller.
Mitnichten, mitnichten!!
Das zu genießen, was man ist/hat, ist Lebenskunst.
Und das strebe ich an.
Nicht immer gucken "Was fehlt?" sondern "Wofür kann ich dankbar sein".
Vielleicht auch für dich ein Denkanstoß?
LG KarlaThe original Karla
est. 2006











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09.04.2012, 12:51Inaktiver User
AW: Wiederholung dessen, was man kennt. Zufall?
Ich denke es liegt daran, dass man in dem alten System eine bestimmte Rolle hatte, bestimmte Verhaltensweisen, die einfach dazu gepasst haben. Dieses Verhalten behält man weitgehend bei und findet den nächsten Deckel zum verbeulten Topf - also Menschen, die einen grade zu dem gemacht haben und einen weiterhin bei der Stange halten so zu bleiben wie man gerade ist.
Man müsste sich selber komplett ändern. Dann zieht man auch andere Menschen an. Ist aber nicht einfach, denn man hätte plötzlich ein komplett anderes Ich. Das ist wahrlich nicht einfach. Und das System zwingt einen immer wieder ins alte Muster hinein. Die Kraft reicht meist nicht aus, um sich trotzdem zu ändern.
Bzw. man darf sich nicht über die anderen aufregen und versuchen, sie zu ändern, damit es besser passt. Man muss sich selbst ändern. Und dann wird man aus dem System ausbrechen, weil es nicht mehr passt.
Man kann sich Schritt für Schritt ändern, doch hat man meist schon wieder Menschen um sich herum, die eben ins alte Muster passen und sich da dann zu ändern. Also ich schaff' es schonmal nicht
Bei mir ist es so, dass ich den Absprung einfach nicht schaffe, weil ich kräftemäßig zu weit unten bin. Und ich will auch oft nicht unbedingt aufgeben, weil ich wieder den nächsten anziehen würde, der mir nicht gut tut. Und es liegt bei mir selber so viel im Argen, dass ich da glaube ich niemals raus komme. Entweder jetzt oder gar nicht.
Allen anderen wünsche ich viel Glück und Kraft
LG
Muffeltuff
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09.04.2012, 14:23Inaktiver User
AW: Wiederholung dessen, was man kennt. Zufall?
Ofenkatze,
wir bewerten unsere Umgebung ständig und meist fallen uns besonders Dinge auf, die völlig entgegengesetzt zu dem sind was wir selbst kennen bzw. leben.
"Die Kirschen in Nachbars Garten sind immer besser als die eigenen"
es hat alles seine Vor- und Nachteile und Du kannst Dir ja die Erlaubnis geben es selbst einmal auszuprobieren. Wenn man mal näher hinschaut, dann sieht man auch bei Deinen Freunden, das diese Art zu leben auch manche Nachteile mit sich bringt.
Das ist ein wenig vergleichbar mit verlieben, man sieht nur die Sonnenseiten, später dann kommen die weniger tollen Dinge zu tragen.
Versuch mal hinter das eigentliche Bedürfnis von Dir zu kommen was Dir im Moment fehlt und falls Du es Dir im Moment nicht geben kannst versuch es Dir mit Ersatzmöglichkeiten zu befriedigen.
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09.04.2012, 18:32
AW: Wiederholung dessen, was man kennt. Zufall?
Lieber Stecher, danke für deine einfühlsamen Worte. Ich weiß schon, was mir fehlt, und das ist ganz, ganz schwer aus sich selbst heraus zu "holen": das Gefühl nach Zugehörigkeit. Nach Verbindlichkeit, nach Wärme. Danach, wichtig zu sein für andere (so, wie sie es für mich sind)
..Gut, ich komme gerade aus einer Beziehung die nicht all zu glücklich war, weil der arme Mann Depressionen hat und nicht herauskommt. Da kann man keine Gefühle "erwarten".
Wenn ich arbeite (ein sehr "geselliger" Beruf mit vielen Menschen um mich herum), blühe ich auf. Es tut mir gut dort dazuzugehören und den ganzen Tag mit dem Stimmengewirr um mich herum klarzukommen.
Vielleicht erwarte ich einfach ZU viel. Normalerweise bekomme ich es auch richtig gut hin, mich über das zu freuen, was ich habe. Das Erlebnis bei den Freunden war aber so eine Art "Schlüsselerlebnis", da wurde wieder eine Seite in mir wachgerufen, die ich verdrängt hatte.
Im Grunde sehne ich mich, wie wohl viele Frauen in meinem Alter, nach einer (eigenen) Familie. Da hilft alles Wegdenken nichts.


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