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  1. User Info Menu

    AW: negatives im leben komplett verdrängen....

    Die Beispiele im Eingangspost würde ich unterschiedlich bewerten. Die Brustkrebs-Patientin macht sich positive Gedanken, diese Diagnose ist oft ein Schock, stellt das Leben in Frage. Tage, an denen es einem gut geht, man keine Schmerzen hat und evtl. nette Freunde trifft, empfindet man da womöglich wirklich als Geschenk.

    Im zweiteren Fall ist es entweder so, dass er sie wirklich für ne tolle Partie hält - warum auch immer oder er will sie vor der Öffentlichkeit nicht bloßstellen. Kann ihm ja beides keiner verübeln.

    Ansonsten zähle ich mich auch zu den Verdrängungskünstlern. Geht mir gut damit. Mittlere Katastrophen kann ich mühelos kleinreden, in der verfahrensten Situation seh ich noch was Positives und wenn ich nur lange genug allen erklärt habe, dass alles bestens ist, das ist es das meist wirklich. Fühlt sich jedenfalls so an. Hat allerdings den Nebeneffekt, dass mir andere Menschen besonders gern ihr Leid klagen - weil ich ja mit positiver Energie Wasser in Wein verwandeln kann ... Ich musste lernen, da ein paar Grenzen zu ziehen.

  2. Inaktiver User

    AW: negatives im leben komplett verdrängen....

    Zitat Zitat von Elwyn Beitrag anzeigen
    Naja, Blender gibts halt auch...
    Ich finde diese Lobeshymnenart generell unschön. Anstrengend ist es. Selbst, wenn das Essen gut schmeckt.
    Als Gast zeigt man ja, dass es schmeckt und sagt es dann auch.

    Mir persönlich ist es direkt unangenehm, wenn Gäste voll des Lobes sind.

    Ich hatte im Sommer u.a. einen Nudelsalat zu unserer Gartenparty gemacht und der wurde gelobt und gelobt.
    Am liebsten hätte ich gesagt: es ist NUR ein Nudelsalat ohne Raffinessen.
    Ich habe mich zwar für das Lob bedankt, aber gedacht: bekommt ihr sonst nichts zu essen?

    Vielleicht bin ich daher gegenüber "Schönrednern" so verhalten.
    Doch eine Art "Trigger"??

  3. Inaktiver User

    AW: negatives im leben komplett verdrängen....

    doppelt

  4. User Info Menu

    AW: negatives im leben komplett verdrängen....

    Zitat Zitat von yvi68 Beitrag anzeigen
    Ansonsten zähle ich mich auch zu den Verdrängungskünstlern. Geht mir gut damit. Mittlere Katastrophen kann ich mühelos kleinreden, in der verfahrensten Situation seh ich noch was Positives und wenn ich nur lange genug allen erklärt habe, dass alles bestens ist, das ist es das meist wirklich. Fühlt sich jedenfalls so an.
    Zwischen Verdrängen und Verarbeiten liegen aber Welten. Ich kann nicht gut verdrängen, aber verhältnismässig gut verarbeiten (auch wenn das ein längerer Akt ist). Verdrängte Dinge kommen - meine Erfahrung - irgendwann schlimmer wieder hoch.

    Daher finde ich das nicht unbedingt so erstrebenswert, auch wenn Verarbeiten anstrengender ist.

    Ja, wenn ich manchmal zu schwarz sehe, bzw. einfach mal Abschalten sollte, dann würde ich mir das Verdrängungstalent mancher Leute wünschen.

    Extremfall, den ich kenne: Da hatte sich ein entfernter Bekannter gerade mit seinem Vater geprügelt und ihn (unter ziemlich üblen Umständen) vorläufig aus der Wohnung rausgeworfen - und konnte doch fünf Minuten später mit seinen Freunden herzlichst rumalbern und rumlachen. Man hätte ihm nie etwas angemerkt und er hat mir selbst gesagt, dass er nach aussen nichts über seine Familienverhältnisse rauslässt.

    Das finde ich nicht schlecht, diese Fähigkeit, aber auch irgendwie erschreckend.
    Geändert von Elwyn (28.03.2012 um 13:59 Uhr)
    Man sollte nie die gleiche Dummheit zweimal machen, denn die Auswahl ist groß genug.

    Bertrand Arthur William Russell

  5. Inaktiver User

    AW: negatives im leben komplett verdrängen....

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich denke nicht (obwohl ich nicht linedance bin).
    Es geht wohl eher in die Richtung, dass öffentlich gepriesen wird und nichts dahinter steckt.
    Ja na und, hat ihn jemand dazu gezwungen das zu tun .....

  6. Inaktiver User

    AW: negatives im leben komplett verdrängen....

    Zitat Zitat von Luczia Beitrag anzeigen
    Ich habe mich sofort gefragt, was wäre, wenn die Personen schlicht und einfach die Wahrheit sagen?
    Was wenn es der Krebskranken tatsächlich noch nie so gut ging wie jetzt? Wer will das bewerten? Du?

    Ich muss sagen, ich bin von Deiner Frage etwas verwirrt. Ist es so eine Art Selbstschutz für Dich, nicht zu akzeptieren das andere Menschen etwas anders empfinden können als Du?
    Die Aussage der Krebskranken kann durchaus für sie stimmig sein, muss also kein
    Schönreden dahinter stecken.Menschen, die eventuell "dem Tod ins Auge" sehen
    leben oft bewußter, sehen das was sie noch haben, freuen sich an vielem.
    Ich selber habe mal ein FSJ gemacht, in einer Einrichtung mit jugendlichen
    Schwer-und Schwerstbehinderten.Die meisten fühlten sich subjektiv "glücklich"!
    Wäre es für sie besser gewesen wenn sie tagein tagaus sich ihr "schreckliches
    Los" vor Augen geführt und geweint hätten !?
    Viele "Gesunde" sitzen nur ihre kostbare Zeit ab - und machen sich wegen nüx
    das Leben schwer; da hört man natürlich auch von anderen lieber wie schrecklich
    alles ist und wie bescheuert die anderen sind.....

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    AW: negatives im leben komplett verdrängen....

    Ich denke, es ist schon so eine Art Selbstschutz. Meine Oma z.B. ist Meisterin des Verdrängens. Wahrscheinlich wäre sie ohne diese Fähigkeit auch nicht weitestgehend ohne nennenswerte gesundheitliche Probleme (vor allem psychische Gesundheit) 91 Jahre alt geworden. Und dennoch kann ich sie kaum ertragen, gerade wegen dieser Fähigkeit.

    Sie ist eine rechthaberische, taktlose, herrische Person, die meinem Vater nicht nur als Kind und später auch meiner Mutter das Leben zur Hölle gemacht hat. Für meine Mutter hatte sie nur Verachtung übrig und heute, wo meine Ma die einzige ist, die noch da ist, um sich um sie zu kümmern, benimmt sie sich immer noch wie ein Feldwebel und es kommt nicht einmal ein Danke oder eine Entschuldigung.

    Als mein Vater, ihr eigener Sohn, im Sterben lag (über drei Monate ans Bett gefesselt) ist sie sage und schreibe einmal bei ihm gewesen - einmal. "Es würde sie zu sehr runterziehen" war ihr Argument.

    Nehmt es mir nicht übel, aber diese Art der Verdrängung aus dem Munde einer Person, die sich Mutter nennt, finde ich erbärmlich, denn schließlich war es auch zum großen Teil ihre Verantwortung, dass mein Vater so früh gestorben ist, denn als Mutter hat sie nunmal komplett versagt.

    Trotzdem ist sie der Überzeugung, in ihrem Leben alles richtig gemacht zu haben. Leben tut sie damit natürlich besser und länger. Trotzdem kann sie keiner leiden in unserer Familie - aber auch das wird von ihr verdrängt. Was auch sonst.
    It`s not only fine feathers that make fine birds.

  8. Inaktiver User

    AW: negatives im leben komplett verdrängen....

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Die Aussage der Krebskranken kann durchaus für sie stimmig sein, muss also kein
    Schönreden dahinter stecken.Menschen, die eventuell "dem Tod ins Auge" sehen
    leben oft bewußter, sehen das was sie noch haben, freuen sich an vielem..
    Und selbst wenn es schönreden und verdrängen sein sollte: Geht das irgendjemand was an, außer der Betroffenen ?!?!

    Ich wundere mich doch arg über das Eingangsposting .....

  9. User Info Menu

    AW: negatives im leben komplett verdrängen....

    Zitat Zitat von Elwyn Beitrag anzeigen
    Zwischen Verdrängen und Verarbeiten liegen aber Welten. Ich kann nicht gut verdrängen, aber verhältnismässig gut verarbeiten (auch wenn das ein längerer Akt ist). Verdrängte Dinge kommen - meine Erfahrung - irgendwann schlimmer wieder hoch.

    Daher finde ich das nicht unbedingt so erstrebenswert, auch wenn Verarbeiten anstrengender ist.
    Ich habe auch festgestellt, dass es zwei unterschiedliche Paar Schuhe sind. Aber das eine zieht manchmal das andere mit. Ich werde gebraucht, habe keine Zeit darüber nachzugrübeln, durchzuhängen usw. Also verdränge ich erstmal und fokussiere mich auf die positiven Dinge des Alltags. Und wenn ich das nächste Mal Zeit habe, in mich reinzuhorchen und nach dem Problem zu suchen, ist es tatsächlich schon viel kleiner. Oder zumindest ist der erste Schock verdaut und ich kann viel rationaler darüber nachdenken. Es gibt nicht wenige Menschen in meinem Umfeld, die glauben, ich hätte üüüüberhaupt keine Probleme. Eine Freundin war regelrecht glücklich, als mich mal mitten in der Nacht irgendwo mit dem Auto abholen konnte, weil mein Zug liegengeblieben war

  10. Inaktiver User

    AW: negatives im leben komplett verdrängen....

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    kennt ihr auch solche menschen?

    ich kenne immer mehr solche menschen und frage mich, WARUM das so ist?
    die realität holt einen ja doch ein - und zwar unerbittlich.

    z.b. eine bekannte, die an brustkrebs operiert wurde und sage und schreibe bis jetzt 26 kilo abgenommen hat.
    auf die frage, wie es ihr geht - wohlgemerkt zu den eigenen angehörigen, sagt sie:
    "mir ging es noch nie so gut!"

    eine familie, wo die frau nicht arbeitet, die schwiegermutter für alle kocht und eines der kinder täglich in den kindergarten bringt, ER wenn er nach hause kommt, alle hausfrauenpflichten übernimmt, seine frau in hohen tönen lobt...sie mache das soooo toll.
    was denn? sie geht noch nicht mal einkaufen.

    ich könnte jetzt beliebig weitere beispiele aufzählen, wo vor anderen was schön geredet wird, wo jeder weiss, es ist nicht schön und schon garnicht so, wie dargestellt.

    ist das so ne art selbstschutz?


    Vielleicht eine verschiedene Sicht der Dinge:
    die Frau, die gerade dabei ist, ihren Krebs zu bekämpfen, spürt vielleicht zum ersten Mal, wieviel Kraft sie mobilisieren kann.
    Ich weiß (habe leider schon einige Menschen zu früh verloren), dass man bei Menschen, die gerade um ihr Leben kämpfen, nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen sollte - oft empfinden sie pures Chaos, für einen Gesunden schwer nachzuvollziehen.
    Immerhin. Ich finde es klasse, dass sie ihrer Lage etwas Gutes abgewinnen kann.

    Und der Mann mit der "faulen" Frau?
    Vielleicht liebt er sie einfach und "schönt" sie ein wenig, warum auch nicht. Vielleicht schreibt sie tolle Gedichte in ihren "faulen" Zeiten, oder befasst sich mit sonstigen Dingen, die andern verborgen bleiben.
    Urteilen kann ein Außenstehender da nicht.

    Manchmal empfinden Leute einfach nur unterschiedliche Dinge "schön".
    Und manchmal kann man sich eine unangenehme Lage etwas erträglicher machen, wenn man fiese Dinge ein bißchen rosarot anmalt.
    Ist eine Art Strategie, bei manchen erstaunlich effektiv...andere finden es unrealistisch.

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