Hallo liebes Forum!
Kennt ihr das, wenn ihr euch plötzlich in einer Situation wieder findet, in der ihr schonmal wart und dort nie nie wieder hin wolltet? Das habe ich gerade...
Vor 3 Jahren: Mega Gefühlsachterbahn. Ich war frisch verliebt, in der Uni lief es gut, ich war in meine erste eigene Wohnung gezogen. Dann Semesterferien - Freunde alle unterwegs, ich allein in meiner Wohnung; Wechsel der Pille brachte Depressionen. Der Tagesinhalt bestand darin, darauf zu warten dass ich mit meinem neuen Freund Zeit verbringe. Der allerdings hatte einen Vollzeitjob und natürlich auch noch Hobbies und andere Freunde. Wenn er dann mal nicht konnte, habe ich mich sehr zurückgewiesen gefühlt, habe ihn dann mit meiner Erwartungshaltung unter Druck gesetzt sodass er mich dann irgendwann verlassen hat. Fiese Zeit. Ein paar Monate später die Erkenntnis: Wenn es mir nicht gut geht, muss ich selber dafür sorgen, dass sich das ändert. Ich trage die Verantwortung für mich, und nur ich.
Heute: Rein von außen betrachtet bei weitem nicht so schlimm. Mit meinem jetzigen Freund bin ich ein knappes halbes Jahr zusammen. Jetzt sind Semesterferien, mit denen ich dieses Mal recht gut umgehen kann (habe schon als Kind immer Schwierigkeiten mit Ferien und Leerlauf gehabt...). Jetzt bin ich allerdings seit knapp 2 Wochen krank, was ich so von mir auch überhaupt nicht kenne. Grippaler Infekt, dann Nasennebenhöhlenentzündung. Bettruhe! In meiner WG (das Alleinewohnen bekam mir nicht, bin dann recht schnell da wieder ausgezogen) bin ich auch meist alleine, beste Freundin ist jetzt im Urlaub, und aufgrund von Ansteckungsgefahr mag mich sonst auch eigentlich keiner besuchen - verständlich. Mein Freund kam immer mal wieder vorbei, worauf ich mich immer sehr gefreut habe. Aber irgendwann schien es dann zu kippen. Ich fühlte mich hier einsam und war frustriert, weil ich einfach nicht gesund zu werden schien, und ich wollte, dass er sich noch mehr um mich kümmert.Er allerdings ist gerade sehr viel am Arbeiten und hat natürlich Angst vor Ansteckung.
Er fühlt sich von mir unter Druck gesetzt, mich "sehen zu müssen", und dass ich klammere. Und schon bin ich wieder in der selben Situation von vor drei Jahren. Und das ist furchtbar, da wollte ich nicht wieder hin! Er soll mich sehen wollen, von sich aus, und wenn nicht, soll es für mich auch ok sein! Schließlich kann ich - rein rational - ja absolut nachvollziehen wie seine Sachlage ist. Und es ist ja überhaupt nicht so, als dass er sich nicht kümmert.
Versteht ihr, was ich meine? Ich bin (auch sonst, im gesunden Semesterzustand) sehr schnell gekränkt von Zurückweisungen, und wenn es auch nur Kleinigkeiten sind wie z.B. dass er keine Zeit auf nen spontanen Kaffee hat. Wie kann das sein? Und vor allem: Was kann ich dagegen tun?
Wir haben uns jetzt erstmal darauf geeinigt, dass die Initiativen fürs Sehen nur von ihm ausgehen. Ich hätte auch gerade zu sehr Angst, ihn zu fragen und ihn damit unter Druck zu setzen / eine Zurückweisung zu erhalten. Aber das kann doch kein Dauerzustand sein??
Schreibt doch einfach mal, was ihr dazu denkt!
Danke und gute Nacht!
Smilla
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26.03.2012, 00:15
Nähe / "Klammern" / Distanz / Erwartungen
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26.03.2012, 01:52
AW: Nähe / "Klammern" / Distanz / Erwartungen
hallo smilla,
lass dich erstmal drücken!
So wie du schreibst, genauso geht es mir auch!! Meine letzte Beziehung ging aufgrund von meinerseits zuviel Nähe haben wollen in die Brüche. Und je mehr ich abgewiesen wurde, desto gekränkter wurde ich natürlich, was mich wiederum noch panischer machte. Ein Teufelskreis, in den ich auch nie nie wieder zurückwollte. Kann dich in der Hinsicht also sehr gut verstehen. Ich hoffe zwar auch, diese Erfahrungen nie wieder zu erleben, und bin mittlerweile auch viel gelassener, aber ansatzweise habe ich das Problem mit der Zurückweisung immer noch. Aber daran arbeite ich noch und es wird auch immer besser.
Ich denke was du hier schreibst ist doch schon mal eine sehr gute Einsicht, an der du unbedingt weiterarbeiten solltest.
Dazu passend habe ich neulich das Buch "Frauen die Prosecco trinken" entdeckt, über dessen Klappentext ich herzlichst lachen musste:
Es liegt an den Männern heutzutage, an diesen verdammten Neurosen, die sie alle mit sich rumschleppen. Angst vor Nähe, Angst vor Verantwortung, blablabla.
Lade dir einen obdachlosen Analphabeten nach Hause ein, und er wird sich schleunigst in seinem Pappkarton verschanzen, weil er Angst hat, daß du hinter ihm her bist und ihn einfangen möchtest.
Wünsche Dir in diesem Sinne eine gute Besserung
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26.03.2012, 07:39
AW: Nähe / "Klammern" / Distanz / Erwartungen
Liebe Smilla_,
mir ist in Deiner Ausführung als erstes aufgefallen, dass Du schlecht allein sein kannst. Nun ist der Mensch ein soziales Wesen, alles gut. Aber so gar nicht mit sich allein sein zu können - da würde ich mal hinschauen. Was macht es Dir so schwer?
Brauchst Du das Feedback von anderen Menschen? - Kann dazu führen, dass man sich davon abhängig macht.
Lenkst Du Dich von Dir selbst ab? - Was willst Du von Dir selbst nicht wahrnehmen?
So platt und "ausgeleiert" es klingen mag, aber ich glaube, dass eine Partnerschaft dann größere Chancen auf Langfristigkeit hat, wenn jeder eine gewisse Unabhängigkeit pflegt und sich damit auch wohl fühlt. Ansonsten kommt dem Partner nämlich die Aufgabe zu, den Gesellschafter (oder was auch immer) zu mimen. Damit kommt eine Schieflage in die Beziehung, die auf Dauer destruktiv werden könnte. Oder man gerät an einem Partner, der genau diese Abhängigkeit möchte - auch nicht gut.
Hast Du Hobbies? Welche Musik magst Du gern? Sportelst Du, liest Du? Traust Du es Dir zu, auch mal alleine etwas zu unternehmen?
Auch von mir: Gute Besserung!
Mache das sichtbar, was ohne dich vielleicht nie gesehen werden würde.
- Robert Bresson -
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26.03.2012, 08:03
AW: Nähe / "Klammern" / Distanz / Erwartungen
Hallo ihr beiden,
danke für eure schnellen Antworten. LaRimbecca, ganz so schlimm ist es denke ich nicht. Eigentlich fühle ich mich mit mir selbst ganz wohl und kann auch super mal 1-2 Abende alleine verbringen, das brauche ich auch (und habe das auch meinem Freund durchaus schon gesagt, so nach dem Motto, "Vielleicht sehen wir uns erst morgen, heute brauche ich ein bisschen alone time"). Aber wenn ich ohnehin schon den ganzen Tag alleine bin dank Krankheit und das über längere Zeit geht, habe ich ja genug alone time gehabt
Ich geh auf jeden Fall meinem eigenen Leben nach. Neben dem Studium hab ich einen Nebenjob, ein Ehrenamt, zwei Gruppen mit denen ich Musik mache und natürlich auch Freunde. Manche sagen mir nach, ich wäre mega aktiv, und es stimmt, ich brauche auf jeden Fall "Action" um mich wohl zu fühlen. Ich bin prinzipiell ein sehr leistungsorientierter Mensch. Das heißt nicht, dass ich nicht mal Fünfe gerade sein lassen kann oder n Wochenende vor dem Fernseher abhänge. Aber wohler fühle ich mich, wenn ich am Tag was geschafft habe. Einen Tagesablauf und -inhalt zu haben, das hilft mir. Und wenn das wegfällt (Grusel Semesterferien) wirds schwierig. Ich suche mir dann Sachen, mach im Ehrenamt mehr oder auch mehr Sport, und dieses Mal ging das auch über einen Monat gut - dann wurde ich krank und lag hier völlig ohne Tagesinhalt (abgesehen von Inhalieren und Tabletten schlucken) rum.
Vielleicht liegt es daran, dass ich mich mega einsetze und halt grundsätzlich viel Energie zur Verfügung habe, und demnach auch erwarte, dass andere sich ebenso für mich einsetzen, obwohl das manchmal über das hinausgeht, was andere für mich leisten können. Ich will versuchen, eine Haltung zu bekommen, die einfach froh das annimmt was kommt und das, was mir fehlt, will ich mir irgendwie selber geben. In den Zeiten, in denen ich gut und positiv gelaunt bin, geht das auch ganz gut. Aber nach einer Woche mit Fieber und Tee wirds eben schwierig...
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26.03.2012, 17:10
AW: Nähe / "Klammern" / Distanz / Erwartungen
Liebe Smilla,
was du beschreibst kenn ich sehr gut. ich habe ähnliche probleme. zuerst einmal stellt sich mir die frage: glaubst du, dass ihr ein ähnliches nähebedürfnis habt? es gibt menschen, die eher anhänglich sind und solche, denen schnell die nähe zuviel wird.
wenn du jetzt krank bist, dann finde ich es ganz normal, dass man anlehnungsbedürftiger als sonst ist - zumal ihr ja auch nicht zusammen wohnt und du den ganzen tag alleine bist.
versuche nicht zu viel zu grübeln über seine zuneigung und sein verhalten. lenk dich ab.
liebe grüße
mariabel
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27.03.2012, 19:55Inaktiver User
AW: Nähe / "Klammern" / Distanz / Erwartungen
Hallo Smilla,
erst mal gute Besserung!
Also ich kenne beide Seiten: das Gefühl, eingeengt zu sein, aber auch das Gefühl,
nicht die Nähe zu bekommen die man sich wünscht.
Wenn Du krank bist und alleine, kann ich es gut verstehen, dass Du Dich nach
Deinem Partner sehnst-das ist verständlich.
Und ich finde es- ehrlich gesagt- merkwürdig, dass Ihr ausgemacht habt, dass
nur er die Initiative ergreifen soll. Ich meine, man sollte doch einen Kompromiss
finden zwischen Deinem Bedürfnis nach Nähe, und seinem Bedürfnis nach Rückzug.
So hört es sich für mich an wie: wenn er Lust hat, kommt er. Aber wenn Du Dich
nach ihm sehnst, dann darfst Du das nicht artikulieren (warum nicht? Hast Du Angst dass
er Dich dann verlässt?). Ein bisschen Bedürftigkeit sollte man schon zeigen dürfen, wenn
man krank ist! Und das sollte ein Partner dann auch verstehen ( Du schreibst ja, dass
Du sonst schon gut alleine sein kannst).
Ich würde Dir raten zu Deinen Bedürfnissen zu stehen (sachlich, ohne meckrig zu werden)-
und wenn er das nicht konfrontieren kann, dann passt es nicht.
Ich wundere mich, wieviele Frauen hier im Forum immer die eigenen Bedürfnisse
verleugnen- ich bin da ja auch nicht frei von :-)-um es den Herren so angenehm
wie möglich zu machen.
Wenn ein Mann zum Beispiel Familie möchte, kann er ja auch nicht sagen:
Nö! Bei dem kranken Kind bleib ich jetzt nicht, das engt mich ein. Das ist mir
zu schwierig....
Also artikuliere Deine Bedürfnisse, und vielleicht auch Diene Angst- wenn er Dich mag,
werdet ihr einen Kompromiss für die Zeit finden.
Alles Gute! Merretich
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28.03.2012, 09:26
AW: Nähe / "Klammern" / Distanz / Erwartungen
Hallo Smilla

Gute Besserung!!!
Laut Deiner Beschreibung bist Du ein unternehmungslustiger Mensch der mit beiden Beinen im Leben steht. Grundsätzlich hast Du also keine Probleme. Jetzt fühlst Du Dich krank, möchtest Nähe von Deinem Partner und fragst Dich ob Du klammerst.
Ich empfinde Deinen Wunsch nach Nähe wie viele andere hier allerdings als völlig normal. Das Empfinden Deines Partners ist allerdings ein anderes als Deins und darüber solltet ihr Beide reden. Dabei geht es aber nicht um Vorwürfe: "Du klammerst." oder "Du willst mich nicht sehen.", sondern um gegenseitiges Verstehen des anderen und eine gemeinsame Lösung. Die jetzige Lösung berücksichtigt Deine Bedürfnis überhaupt nicht und scheint mir daher ungeeignet. Richtig ist die Lösung erst dann, wenn ihr beide damit zufrieden seit.
Bedenke bitte auch das dieses Nähebedürfnis deinerseits einen Auslöser hat, nämlich die Krankheit. Dein Freund kann Dir doch kein Klammern vorwerfen, wenn Du ansonsten nicht klammerst."Bei unvorhergesehenen Ereignissen muss man sich den Gegebenheiten anpassen."
Loriot

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28.03.2012, 14:32
AW: Nähe / "Klammern" / Distanz / Erwartungen
Hallo ihr Lieben,
das euch gemeinsame Zeit mit eurem Partner wichtig ist könnte auch ganz einfach an eurer Liebessprache liegen. Gary Chapman hat in seinem Buch "Die 5 Sprachen der Liebe" geschrieben, das sich jeder Mensch durch etwas bestimmtes besonders geliebt fühlt, also entweder durch Lob und Anerkennung, gemeinsame Zeit und Gespräche, Berührungen, praktische Hilfe oder Geschenke.
Es kann durchaus auch sein, das man 2/3 Liebessprachen in unterschiedlicher Priorität hat. Am einfachsten, so wie ich es gerade in meiner neuen Beziehung erlebe, ist es, wenn man dieselben Liebessprachen in derselben Priorität hat. Ansonsten gilt es eben für jeden, die Fremdsprache des anderen zu erlernen, also die Liebessprache der Partnerin oder des Partners. Falls sich jemand ausführlicher für das Thema interessiert, da gibt es noch eine Kurzbeschreibung dazu im Internet unter "iPersonic die fünf Sprachen der Liebe".
Es hat eben meist weniger mit Klammern zu tun, als vielmehr damit, das man eben als Liebessprache gemeinsame Zeit, genauer gesagt Zweisamkeit, mit dem Partner hat.Geändert von sternschnuppe2 (28.03.2012 um 14:40 Uhr)
Eine erfolgreiche Beziehung besteht nicht darin, den richtigen Partner zu finden, sondern darin, füreinander die richtigen Partner zu sein!
Beziehung bedeutet Entwicklung zu zweit, denn was beide angeht, können auch nur beide lösen!
Der Verstand kann uns sagen, was wir unterlassen sollten und das Herz kann uns sagen, was wir tun müssen.
Wenn wir anderen mit einer Fackel den Weg erleuchten, bleibt es nicht aus, das wir dabei unseren eigenen Weg auch erleuchten.


Er allerdings ist gerade sehr viel am Arbeiten und hat natürlich Angst vor Ansteckung.
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