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    AW: Warum haben manche Menschen alles?

    Ich habe vor kurzem eine Doku-Filmbiographie über Putin gesehen. Dieser Mann hat sich aus einfachsten Verhältnissen hochgearbeitet, indem er beim KGB Karriere machte und, als das Sowjetreich zusammenfiel, schnell das Fähnchen gedreht hat. Er ist ein absoluter Machtmensch, zäh, gerissen, undurchschaubar, und hat sich durch diese Eigenschaft auf einen Platz gehievt, an dem er sich nun wirklich jeden materiellen Wunsch erfüllen kann, zudem ist er der mächtigste Mann Russlands.

    Möchte ich mit ihm tauschen?

    Nein!

    Schon bei der Vorstellung gruselt es mich.

    Und ja, es gibt sicher auch Menschen, die ein Leben leben, das ich auch gerne hätte. Aber ich bin ich und, wenn ich mir wünsche, so zu leben, wie jemand anderes, oder gar dieser Jemand zu sein, dann müsste ich ja mein eigenes Leben aufgeben. Und das hieße, dass ich auch alles, was gut ist an mir und an meinem Leben aufgeben müsste. Nein, ich will niemand anderes sein als mich selbst und ich möchte gerne einfach weiter auf meinem Weg gehen. Am meisten bei mir selbst, am offensten, am klarsten, am liebevollsten, war ich oft immer dann, erstaunlicherweise, wenn es nach Außen gar nicht danach aussah.

    Und ich bin immer noch auf der Suche nach einer Antwort danach, was es heißt, eigentlich, "alles" zu haben, obschon ihr schon viele wunderbare Beiträge geschrieben habt, die mir viel Gedankenfutter geben.

    Wirklich ein sehr komplexes Thema!!!!

  2. Inaktiver User

    AW: Warum haben manche Menschen alles?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich denke, deswegen gibt es keinen so extremen, offenen Neid.
    Ich habe manchmal den Eindruck das so eine spezifische, mißgünstige, absolut kleingeistige Neidform speziell in Deutschland sehr verbreitet ist.

    Kennt jemand das Buch von Götz Aly, "Warum die Deutschen, warum die Juden" ?
    Dieses Buch führt den ganzen Judenhass, der in Deutschland verbreitet war, bis hin zur Shoa, auf dieses kleingeistige Neidgefühl gegenüber den jüdischen Aufsteigern zurück, weil eben in Deutschland, das immer aus aus unbedeutenden Kleinstaaten bestand, das Selbstbewußtsein des Durchschnitts-Michels so schlecht war. Anders als z.B. bei Franzosen, die sich selbst als Teil der "Grande Nation" wahrnehmen, dito Engländer.

    Ich mag das Buch zwar nicht, da es viel zu grobschlächtig verallgemeinert und vor schleimigen Philosemitismus quietscht .....´
    Aber so ein Quäntchen scheint mir daran doch wahr zu sein ....
    Geändert von Inaktiver User (21.03.2012 um 14:46 Uhr)

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    AW: Warum haben manche Menschen alles?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Bei ihm klafften zwischen Selbstbild und Realität Welten.
    Allerdings - und sowas hat Gründe.

    Da das Ganze so negativ ausgegangen ist, denke ich, dass das alles eine so tragische Situation war, dass niemandem die Schuld zu geben ist. Ich könnte aber nicht sagen, dass ich das toll finde, so am Tropf der Eltern zu hängen und nichts selbst auf die Reihe zu kriegen, das vermutlich ständig vorgehalten zu bekommen und dann auf eine seltsame Art zu rebellieren. Ziemlich übel und wer weiss schon, was genau dahinter steckt.

    Bei diesem Ende kann man wohl nicht einfach davon ausgehen, dass das ein verwöhntes Bübchen war und gut ist...

    ...es zeigt aber, dass materieller Wohlstand nicht alles ist!
    Man sollte nie die gleiche Dummheit zweimal machen, denn die Auswahl ist groß genug.

    Bertrand Arthur William Russell

  4. Inaktiver User

    AW: Warum haben manche Menschen alles?

    Zitat Zitat von bruennette_2 Beitrag anzeigen
    Und ja, es gibt sicher auch Menschen, die ein Leben leben, das ich auch gerne hätte. Aber ich bin ich und, wenn ich mir wünsche, so zu leben, wie jemand anderes, oder gar dieser Jemand zu sein, dann müsste ich ja mein eigenes Leben aufgeben. Und das hieße, dass ich auch alles, was gut ist an mir und an meinem Leben aufgeben müsste. Nein, ich will niemand anderes sein als mich selbst und ich möchte gerne einfach weiter auf meinem Weg gehen.
    Schön auf den Punkt gebracht.

    Ich möchte eigentlich auch kein anderes Leben.

    Klar denke ich mal, das es nett wäre, nicht arbeiten zu müssen und mit einer noblen Yacht eine Weltumsegelung zu machen.
    Andererseits mag ich meine Arbeit, speziell, seit ich den Job gewechselt habe + angenehmere Rahmenbedingungen habe.
    Und ich langeweile mich schnell, wenn ich nichts Sinnvolles tue.
    Ich möchte auch meine Freunde regelmäßig treffen, und in Locations gehen, die ich mag.
    Außerdem habe ich Katzen, und die werden leicht seekrank.

    Nö, insgesamt paßt es schon.

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    AW: Warum haben manche Menschen alles?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich habe manchmal den Eindruck das so eine spezifische, mißgünstige, absolut kleingeistige Neidform speziell in Deutschland sehr verbreitet ist.
    Ich habe nicht den Eindruck, dass das auf Deutschland beschränkt ist. Beispielsweise habe ich schon Erzählungen von Einheimischen und Expats in Indonesien oder Thailand gehört, dass dort auch Neid und Gier herrscht. Ich denke, dass es das - in unterschiedlicher Ausdrucksform - überall gibt und dass es ein Gruppenphänomen ist. Wäre es nicht so, dann müsste es ja irgendwo eine Gemeinschaft geben (ich meine nicht religiöse oder vereinzelte, angeblich glückliche bzw. sozialromantisch verklärte Ethnien), die bei ausreichendem Wohlstand aller dann mal zufrieden ist. Das gibts aber nicht.

    Nebenbei verweise ich auf die Maslow-Pyramide. Die lässt genug Raum nach oben hin offen.



    Noch was hierzu, wobei das Thema echt offtopic ist...

    Kennt jemand das Buch von Götz Aly, "Warum die Deutschen, warum die Juden" ?
    Dieses Buch führt den ganzen Judenhass, der in Deutschland verbreitet war, bis hin zur Shoa, auf dieses kleingeistige Neidgefühl gegenüber den jüdischen Aufsteigern zurück, weil eben in Deutschland, das immer aus aus unbedeutenden Kleinstaaten bestand, das Selbstbewußtsein des Durchschnitts-Michels so schlecht war.
    Sicherlich gibt es einen "deutschen Sonderweg", aber da man im Mittelalter noch nicht von einem deutschen Staat sprechen kann, es aber dennoch auch im fränkischen Reich Judenverfolgung oder -ausgrenzung gab, liegen die Wurzeln nicht nur im spezifisch nationalen Gefühl der Deutschen. Deutsche gab es damals eben nicht.

    Die Wurzeln liegen ganz allgemein im Umgang mit Fremden und kultureller Andersartigkeit - was das angeht, so hat jedes Land, ja jede Gruppierung oder Gruppe in diesem Bereich spezifische Probleme - dafür sollte man mal genauer betrachten, wie England oder Frankreich, aber auch die USA mit ihrem Kolonialismus umgegangen sind.

    Durch den integralen Nationalismus des späten 19. Jh. hat sich das allerdings alles noch extremer ausgeprägt, bis hin zu Rassismus (dies betrifft allerdings ganz allgemein alle europäischen Nationen). Natürlich nicht zuletzt und vor allem auch in Deutschland, das ist klar!

    Damit möchte ich weder Deutschland noch irgendein anderes Land in Schutz nehmen oder be-, geschweige denn verurteilen.
    Geändert von Elwyn (21.03.2012 um 15:04 Uhr)
    Man sollte nie die gleiche Dummheit zweimal machen, denn die Auswahl ist groß genug.

    Bertrand Arthur William Russell

  6. Inaktiver User

    AW: Warum haben manche Menschen alles?

    Zitat Zitat von Elwyn Beitrag anzeigen
    Ich habe nicht den Eindruck, dass das auf Deutschland beschränkt ist.
    Ich sagte ja: so eine spezielle kleingeistige Variante.

    Wer GIER erleben will, kann mal als Tourist z.B. in Ägypten Urlaub machen ....
    Sicherlich gibt es einen deutschen Sonderweg, aber da man im Mittelalter noch nicht von einem deutschen Staat sprechen kann, es aber dennoch auch im fränkischen Reich Judenverfolgung oder -ausgrenzung gab, liegen die Wurzeln nicht im spezifisch nationalen Gefühl der Deutschen. Deutsche gab es damals eben nicht.
    Die Pogrome früherer Zeiten in ganz Europa kann man m.E. nicht im mindestens mit der Mordmaschinerie und Ideologie der Nationalsozialisten vergleichen.
    Das hatte eine ganz andere Qualität.

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    AW: Warum haben manche Menschen alles?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    Die Pogrome früherer Zeiten in ganz Europa kann man m.E. nicht im mindestens mit der Mordmaschinerie und Ideologie der Nationalsozialisten vergleichen.
    Das hatte eine ganz andere Qualität.
    Auf jeden Fall! Daher ja auch mein Verweis auf den integralen Nationalismus des 19. Jh. in Europa insgesamt. Der hat das und vieles andere mit vielen zusammenhängenden Kleinfaktoren hervorgebracht - der Nationalsozialismus ist ein spezifischer und extremer Fall, aber nicht der Einzige.
    Man sollte nie die gleiche Dummheit zweimal machen, denn die Auswahl ist groß genug.

    Bertrand Arthur William Russell

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    AW: Warum haben manche Menschen alles?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Das hatte eine ganz andere Qualität.
    Was aber keine andere Qualität hatte, (damit halbwegs zurück zum Thema ), ist generell das Schielen auf Andere, das Vergleichen von Wertvorstellungen und kultureller Andersartigkeit und insgesamt das Bereichern oder Erhöhen des Selbstbildes oder des eigenen Wohlstandes auf Kosten anderer.

    Vielleicht kann uns ein Soziologe darüber Auskunft geben...
    Man sollte nie die gleiche Dummheit zweimal machen, denn die Auswahl ist groß genug.

    Bertrand Arthur William Russell

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    AW: Warum haben manche Menschen alles?

    Ich persönlich kenne keinen Menschen, der alles hat. Viele verstecken sich hinter Beruf, Geld usw., um die eigenen Komplexe und Ängste besser verstecken zu können.
    Ich fürchte, nicht alle Menschen können mit dem, was sie haben, zufrieden sein, da gibt es den Drang nach mehr, man orientiert sich an Menschen, die scheinbar das erreicht haben, was man doch selbst gerne wollte...

    Oh ja, ich hätte auch gerne mehr Geld (wer nicht), aber wäre ich dann wirklich glücklicher? Ich kann genauso noch krank werden oder es kann alles mögliche im Leben noch passieren. Wir leben in Stationen, die sich ständig ändern können, sowohl positiv als auch negativ.
    Tanzen ist wie träumen - nur mit den Füßen
    22.06.06 "Bienie" , 04.04.11 "King" , 24.05.17 "Raica" 29.09.21 "Pirry"

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    AW: Warum haben manche Menschen alles?

    Ich staune, dass aus meiner provokativen und banalen Eingangsfrage so ein umfangreicher Thread geworden ist.

    Es ging mir wirklich weniger um meinen Bruder auf den ich zu keinem Zeitpunkt in meinem Leben neidisch war. Dafür sind wir viel zu verschieden.

    Ich finde es normal, dass ich mich mit anderen gleichaltrigen Menschen vergleiche und auch mal messe. Ein gesunder Wettbewerb zwischen Altersgenossen befördert auch gute Dinge nach oben.
    Vielleicht setzt man sich doch nochmal auf eine Schulbank und versucht beruflich mehr zu erreichen, vielleicht ist es doch gar nicht so schlecht ein Kind zu haben, vielleicht spart man doch mal auf eine Weltreise, vielleicht versucht man es doch nochmal mit seinem Partner, weil die oder der das auch schafften und es einem gefällt.

    In meinem Umfeld gibt es einige Leute, die ich bewundere, wie sie das so alles auf die Reihe bekommen. Ich würde vieles auch gern besser machen, aber es gelingt mir eben nicht. Und würde es mir gelingen, dann würde ich zu große Opfer bringen müssen, so dass es zwar dann für meine Außenwelt passend erscheint, aber für meine Innenwelt nichts mehr stimmt. Hat das jemand überhaupt verstanden?

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