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  1. Inaktiver User

    Was will ich wirklich noch vom Leben?

    Hallo,

    ich war 20 Jahren lang verheiratet, nun geschieden und wollte im September mit meinem Freund zusammenziehen (im Moment ist es eine Fernbeziehung). Diese Entscheidung kam ganz natürlich und ich hatte auch nie Zweifel daran. Ich wäre sowieso wieder in die Nähe von Berlin gezogen, von daher ist es für mich keine grossartige Veränderung, sondern quasi zurück in die Heimat.

    Seit drei Wochen bin ich im Urlaub, alleine, und habe somit sehr viel Zeit zum Nachdenken. Schlagartig kommen mir Bedenken - keine Zweifel an die Bindung zu meinem Freund - sondern ich sage mir: war es das dann? Ich bin Mitte vierzig und habe kein Interesse viele Partner durchzumachen, zu feiern oder mich auszuleben oder was auch immer. Und trotzdem ist da auf einmal diese Art Beklemmung: Ist es das, was ich wirklich will? Ich betone nochmal, dass es nicht darum geht, dass ich meinen Freund will, sondern will ich dieses Leben?

    Auf der anderen Seite - was ist die Alternative - meine Gedanken gehen in Richtung Aussteigertum - aber nur ganz wenig, denn ich kann mir einfach keine richtigen Alternativen zu meinem jetzigen und zukünftigem Leben vorstellen. Dazu kommt, dass ich viele Jahre lang in verschiedenen aussereuropäischen Ländern gelebt und gearbeitet habe, ich mache mir keine Illusionen, dass es woanders besser oder auch nur wirklich 'anders' ist.

    Es kommt mir oft so vor, als hätte ich schon alles gesehen, alles gekostet - von extremen Luxus bis hin zu ganz einfachem Leben, Wohnen, Essen usw. Wie ich dies so niederschreibe, kommt mir alles wie ein Luxusproblem vor, es nagt aber gewaltig an mir.

    Vielleicht hat eine von euch ähnliche Gedanken, ich freue mich über einen Austausch.

  2. Inaktiver User

    AW: Was will ich wirklich noch vom Leben?

    Morgen Kindle,
    Ich gucke mir oft, bevor ich antworte, an, was die TE schon für Themen eröffnet hat, um meine Antwort besser abwägen zu können. Bei dir habe ich es gerade gemacht und musste schmunzeln, denn auch dazu (und es betrifft ja auch dieses Thema) kann ich was sagen.

    Ich bin mit Mr Wong mit Ende 30 zusammengekommen und zusammengezogen.
    Exkurs: Mr Wong war 39, als er mit mir zusammenzog und er hatte vorher nie mit einer Frau zusammengewohnt. Jetzt sind wir 5 Jahre zusammen, verheiratet und abgesehen von "kleinen Gesprächen über das Thema Haushalt", die wir immer lösen, gibt es keine Probleme. Klar, ich musste ihm auch einige Sachen deutlich machen (Haushalt ist erst seit Kurzem Thema, da ich vorher alles gemacht, weil ich eben zu Hause war). Aber es geht.

    So, jetzt zu diesem Thema. Ich bin auch mit ihm in meine Heimatstadt zurückgezogen, wir waren zu der Zeit 15 Monate zusammen (was, das weiß ich, nicht viel ist). Ich habe es nie als Wagnis empfunden und nie bereut.
    Aber .... aus deinem Posting höre ich, du bist noch nicht soweit.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    (...) keine Zweifel an die Bindung zu meinem Freund - sondern ich sage mir: war es das dann? Und trotzdem ist da auf einmal diese Art Beklemmung: Ist es das, was ich wirklich will? Ich betone nochmal, dass es nicht darum geht, dass ich meinen Freund will, sondern will ich dieses Leben?
    (...) nagt aber gewaltig an mir.
    Das liegt sicher daran, dass wir verschiedene Ausgangslagen haben und es werden sich sicher noch andere Userinnen melden, sodass du ein breiteres Spektrum hast. Ich hatte vor Mr Wong auch mit keinem Mann zusammengelebt und eigentlich war auch meine erste richtige Beziehung (das ist jetzt meine Definition von Beziehung). Du hast ja eine zwanzigjährige Ehe hinter dir und daher sicher einen ausgeprägteren Wunsch, frei zu sein.

    suzie

  3. Inaktiver User

    AW: Was will ich wirklich noch vom Leben?

    [QUOTE=Inaktiver User;15998396]

    Danke dir Suzie, für deine Antwort! Bei meinem ersten Thread habe ich mich stark auf meinen Freund konzentriert, jetzt habe ich mal alle anderen ausser Acht gelassen - auch meine Kinder und Rest der Familie.

    So, jetzt zu diesem Thema. Ich bin auch mit ihm in meine Heimatstadt zurückgezogen, wir waren zu der Zeit 15 Monate zusammen (was, das weiß ich, nicht viel ist). Ich habe es nie als Wagnis empfunden und nie bereut.
    Aber .... aus deinem Posting höre ich, du bist noch nicht soweit.
    Ob ich noch nicht soweit bin - ich denke auch daran, einfach in seine Stadt zu ziehen, mir eine Anstellung zu suchen und weiter alleine zu leben, aber auch das hat keine Attraktion für mich. Zu bleiben, wo ich im Moment bin (war eine befristete Anstellung) schliesse ich total aus.

    Ich versuche, mir selber auf die Schliche zu kommen und es ist irgendwie lustig: als ich 20 Jahre alt war, hatte ich keine Probleme, mich für den "Rest meines Lebens" zu binden, heute, mehr als 25 Jahre später, denke ich: aber ich kann doch nicht die anderen 40 Jahre meines Lebens zu voraussichtlich leben!

    Irgendwie drehen sich meine Gedanken im Kreis: Wo habe ich noch nicht gelebt? Ok, in Asien. Da zieht mich aber gar nichts hin. In welchem Bereich innerhalb meines Berufes habe ich noch nicht gearbeitet? Da war ich auch überall unterwegs. Welche Lebensform? Verheiratet? Mit Freund zusammen? Mit Kindern zusammen? Mit anderen Familienmitgliedern? Die einzige Form, die ich noch nicht kenne, ist WG, da zieht es mich auch nicht hin. Ich merke, all das, was ich mal machen wollte, habe ich getan.

    Wenn ich denke, wie ich meine Zeit verbringen will und was ich noch erleben will, kommen mir sexuelle Spielarten in den Sinn und genau die will ich mit meinem Freund erleben und mit niemandem anderen.

    Kann es denn wirklich sein, dass man mit Mitte vierzig denkt, "done this, been there"? danach kommt nichts mehr???

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    AW: Was will ich wirklich noch vom Leben?

    Hallo, liebe kindle,

    Den Gedanken, aus zu steigen hast Du ja schon gehabt. Vielleicht würde es reichen, nur aus der gewohnten Situation aus zu brechen. Eine echte Herausforderung zu suchen. Je nach Deinem Reichtum und Deinen Neigungen gibt es sehr unterschiedliche Möglichkeiten:

    - Die ziemlich Reichen gründen ein Hilfswerk.
    - Forschung
    - Wenn Du etwas Reserven hast, könntest Du auch beruflich um satteln. Ich kenne eine ehemalige Physiotherapeutin, die im zarten Alter von etwas über 40 mit Erfolg Medizin studiert hat. Einen Kick gab das jedenfalls. Dr. Marianne Koch hat das auch hin gekriegt.

    Glück ist etwas anderes. Siehe dazu auch
    Formel zum Glücklichsein/Zufriedensein?
    Das Posting #18 ist von mir.


    Was immer Du auch unternimmst, so wie Du es darstellst, steht Dir ein langer Prozess der Selbstanalyse und Entscheidungsfindung bevor. Ein Schnellschuss brächte Dich im Moment nicht weiter - wenn Du dereinst bereit bist, schon. Bei mir hat es nach der Scheidung etwa 2 - 2.5 Jahre intensiver Recherchen und Überlegungen gebraucht, bis ich nur ungefähr wusste, wie das heute mit den Frauen so funktionieren könnte, was ich will, was ich kann, was geht und was nicht.

    Wenn man das ganze Leben um krempeln will, wird es nicht einfacher. Hoffentlich hast Du keine ganz so lange Leitung, wie ich.


    Persönliche Notiz:
    Jetzt, wo ich älter bin (60), mache ich mir zuweilen den Deinigen verwandte Gedanken. Vorher hatte ich dazu weder die Zeit noch die Kraft, denn es ergab sich, dass „widrige“ Umstände wie Krankheit, die teilweise Demontage der Schweizerischen Maschinenindustrie, Reibereien mit dem Chef, Scheidung, etc. mich mehrmals zum Wechseln meiner Stelle oder sogar meines Lebens zwangen. Da kam keine Langeweile auf. Es hat Nerven gekostet, aber ich hatte eine Menge Spass.


    Bleib dran und halt die Ohren immer schön steif!

    Dass Du Deinen neuen Weg finden mögest und auch sonst alles Gute wünscht Dir Isambard

  5. Inaktiver User

    AW: Was will ich wirklich noch vom Leben?

    Auch dir, Isambard, vielen Dank für deine lange Antwort

    Ich war während meiner Ehe und als meine Kinder noch klein waren (immer im Ausland, verschiedene Länder) immer ehrenamtlich tätig - Waisenhaus, therapeutische Gymnastik uvm. Seit 6 Jahren bin ich geschieden, habe auch schon beruflich umgesattelt und seitdem innerhalb einer Firma in drei Bereichen gearbeitet und davor in 2 anderen Firmen gearbeitet.

    Den Gedanken, aus zu steigen hast Du ja schon gehabt. Vielleicht wrde es reichen, nur aus der gewohnten Situation aus zu brechen. Eine echte Herausforderung zu suchen. Je nach Deinem Reichtum und Deinen Neigungen gibt es sehr unterschiedliche Möglichkeiten:
    Ich befinde mich m.M schon lange nicht mehr in einer gewohnten Situation, sondern alle 2 Jahre in einer neuen. Ich habe auch erst mit 39 studiert. Meine finanziellen Mittel erlauben mir leider nicht alles.

    Ich habe auch mehr als vier Jahre Selbstfindung und Ausprobieren (speziell im Bereich Beziehung) hinter mir. Viel gelesen, viel mit gleich neugierigen Menschen geredet, im Web recherchiert usw. Ich sehe einen grossen Unterschied heute und noch vor 2 Jahren.
    Wenn man das ganze Leben um krempeln will, wird es nicht einfacher.
    Ich habe lange nachgedacht, vielleicht ist auch nach meinem Leben, wo sich immerfort was geändert hat, wo ich immer neue Herausforderungen zu meistern hatte, der Gedanke wieder von vorne anzufangen - neue Stelle, zusammenziehen, keine Kinder im Haus beängstigend.

    Nur - diesmal weiss ich was schiefgehen kann, in meine Ehe ging ich noch ziemlich blauäugig.

    Bleib dran und halt die Ohren immer schön steif!
    Dass Du Deinen neuen Weg finden mögest und auch sonst alles Gute wünscht Dir Isambard
    Danke!

  6. User Info Menu

    AW: Was will ich wirklich noch vom Leben?

    Liebe Kindle!

    Bei deinem Posting und den Antworten darauf, stellte sich für mich die Frage: Warum muss es immer etwas Neues sein, etwas, was du noch nie gemacht hast? Egal ob beruflich oder privat.

    Bitte versteh mich nicht falsch. Ich mein damit nicht, auf der Stelle treten, keine neuen Inputs mehr etc.
    Ich meine eher damit "ankommen".

    Überleg doch einfach mal in die andere Richtung. Wo hast du dich besonders wohl gefühlt? Wohnung/Haus, alleine lebend, mit einem Partner, beruflich, welche beruflichen Bereiche....

    Denke, man kann sein Leben sehr vielseitig, mit vielen Inputs gestalten. Sei es, dass du einen Kurs machst, eine neue Sprache lernst, interessante Reisen unternimmst, eine neue Sportart ausprobierst etc.
    Oder auch wie vorgeschlagen sozial engagierst, ehrenamtliche Arbeit suchst etc.

    Ich führe - von außen gesehen - ein ganz normales Leben. Bin schon lange in meinem jetztigen Beruf, lange an meinem Wohnort etc. Auf der anderen Seite brauch ich aber auch ganz viel Input. Ich war zum Beispiel vor kurzem bei einer super interessanten Vorlesung (d.h. eher Seminar, hat den ganzen Tag gedaurt) an der Uni, hab vor ein paar Jahren angefangen Spanisch zu lernen, reise sehr viel, hab den Tauchschein gemacht, probier im Fitness-Studio immer wieder neue Kurse aus, habe Freunde mit denen ich über die verschiedensten Theman diskutieren kann etc. Ich denke, du weißt was ich meine.

    Alles Gute beim Suchen

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