Hallo Foris,
mache jetzt doch einen eigen Strang auf, weil der andere "gehört" Blondine :-)
Mir geht es ähnlich, dass ich mich sehr stark von anderen Meinungen abhängig mache und teilweise richtig "gelähmt" in meinen Handlungen bin und mich nicht traue dieses oder jenes zu tun oder auch mal zu mir und zu meiner Meinung zu stehen - also nicht immer, aber doch wie ich finde zu oft...
Ich gebe mal ein paar Beispiele:
- Job wechseln (ja oder nein) - was denken andere darüber?
- Beziehung beenden oder weiterführen, was denken dann die anderen
- meine Meinung sagen, aber was wenn die anderen anders denken und sich dann denken: oh was ist denn das für eine oder die denkt ja ganz anders als ich
- auch mal zu sagen, wenn ich genervt, enttäuscht bin, ein anderes Verhalten/Unterstützung erwartet hätte usw...
Ich hoffe ihr könnt mir noch folgen :)
Klar, weiß ich, dass ich nicht perfekt bin und auch nicht sein kann, aber ich möchte schon "beliebt" sein und ich habe Angst, dass wenn ich mich nicht öfters anpasse sich viele von mir abwenden und ich dann alleine dastehe und das macht mir Angst.
Aus welchem Grund: Weil ich 1. denke: oh dann bin ich ganz einsam und 2. Wenn sich alle/viele abwenden dann tun sie das bestimmt, weil ich es verdient hätte oder wirklich anders bin/nicht "ok" bin...
Kennt ihr das auch? Was kann ich tun? Oder bin ich selber schuld?
Danke schon mal fürs "Auseinandersetzen"
Manuela
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Ergebnis 1 bis 10 von 42
Thema: Von Anderen abhängig?
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06.03.2012, 12:49
Von Anderen abhängig?
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06.03.2012, 16:01
AW: Von Anderen abhängig?
Schade - noch gar keine Antworten
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06.03.2012, 18:59
AW: Von Anderen abhängig?
Hallo, manuela33,
„Was sagen die Leute?“ hat in der sozialen Kontrolle gegen grobes Fehlverhalten durchaus seinen Platz. Vielleicht ist es einem deshalb früher so intensiv ein getrichtert worden.
Du darfst aber nicht Dein ganzes Leben danach ausrichten, dass es den Anderen gefallen soll. Schliesslich ist es DEIN Leben, Du bist dafür verantwortlich, und niemand wird Dich aus dem Dreck ziehen, wenn Du aus lauter - hartes Wort - Gefallsucht Mist gebaut hast.
Wenn Du ständig überlegst, ob Dein Verhalten den Anderen passt oder nicht, wirst Du so unsicher, dass sich die Leute in Deiner Gegenwart unbehaglich fühlen. Oder Du wirst extrem ausgenützt. Beides scheint mir nicht wünschenswert. PS.: DARAN wärst Du dann selbst schuld.
Persönlich empfinde ich so: Wenn Du stark, sicher, freundlich und wenn möglich öfters guter Dinge bist, wirkst Du anziehend. Dabei scheint mit wichtig, dass die Stärke so intensiv wahr genommen wird, dass die Leute glauben, Du seiest FREIWILLIG freundlich. Kriecher mag niemand.
Ich selbst - etwas spinnert - benehme mich gelegentlich absichtlich daneben, um an zu zeigen: „Mir Wurst, was Ihr denkt!“ Dabei achte ich sehr darauf, niemandem zu schaden. Ein Tarzan-Schrei um Lärm ab zustellen, oder, die Noten weg zu schleudern, wenn es in der Hauptprobe nicht so läuft, wie ich es wünsche, auf das Hausdach sitzen und Seifenblasen machen, sind nur drei Beispiele. Allerdings darf man nicht übertreiben und so nicht auf einer Bank arbeiten.
„Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich's gänzlich ungeniert.“ (könnte von Erich Kästner sein)
Ein sehr verwandtes Syndrom ist es, sich auf zu opfern. Dazu habe ich in einem anderen Leben in einem anderen Forum Einiges geschrieben, was gut zu Dir passt:
<< Das Destillat daraus mit zwei kleinen Ergänzungen für Dich wäre:
- Tue nur so viel für andere, dass es Dich nicht beeinträchtigt oder gefährdet. Du musst nicht alle retten.
- Lerne zu erkennen und aus zu sprechen: „Das ist nicht mein Problem!“ Gerade diese Abgrenzung gegen Angelegenheiten, für Du nicht verantwortlich bist, ist sehr wichtig.
- Lerne „NEIN“ zu sagen. Notfalls schindest Du Zeit und sagst: „Ich überlege es mir.“
- Wenn jemand etwas von Dir will, fragst Du sich: „Wem nützt es?“
- Lerne, den „Mami sag schnell-Trick“ zu durchschauen, mit dem man jemanden unter künstlichen Zeitdruck setzt, damit er/sie nicht richtig überlegen kann.
- Lasse Dich nicht moralisch unter Druck setzen. Es passt Dir eben einfach nicht, und damit juck.
- Füttere die weibliche Intuition dauernd mit Erfahrungen (Fakten!) und höre dann auch auf sie.
- Wenn Dich jemand in eine Diskussion verwickeln will, sage ihm/ihr VORHER: „Wenn Du es wirklich wissen willst, erkläre ich es gerne, aber es ist nicht verhandelbar.“
- Gewöhne Dir eine gewisse Sturheit an, vor allem, wenn DU eine Situation nicht durchschaust.
- Budgetiere zum Voraus eine totale Summe für die Almosen und Spenden eines Jahres. Dann musst Du nicht mehr jedes Mal entscheiden, ob Du überhaupt spendest, sondern nur noch wem. Das ist leichter, und wenn es aus ist, ist es aus. PUNKT.
- Lese von Josef Kirschner „Die Kunst, ein Egoist zu sein: Das Abenteuer, glücklich zu leben, auch wenn es anderen nicht gefällt“, ist uralt, hat mir geholfen und findest Du noch, wenn Du den ersten Satz googelst. NB.: Das ist das ALLER-ALLER-WICHTIGSTE hier!
>>
An einer anderen Stelle, habe ich diese Ermahnung ausgesprochen:
- Sprich nicht schlecht von Dir, auch nicht aus Koketterie. Es ist unnötig und schadet dem Ansehen. Erzähle nur in ganz zwingenden Fällen Deine Missgeschicke weiter. Dein Date und die Arbeitskollegen gehören eisern desinformiert, der Ehepartner etwas weniger eisern.
- Werde Dir klar darüber, dass Du als lebensfrohe, funkelnde Frau interessanter und anziehender bist, als als Schatten Deiner ursprünglichen Selbst.
Werde stark und freundlich, dann passt das schon, Grüsse, Isambard
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06.03.2012, 19:30
AW: Von Anderen abhängig?
Danke für diesen schönen Beitrag, Isambard

@ manuela
fang schon morgen an, mit einer kleinen Sache, probiers mal und schau, wie es sich anfühlt!
bblumeflying is the art of falling to the ground without touching
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07.03.2012, 07:44
AW: Von Anderen abhängig?
@ Isambard
Ich kann mich Butterblume nur anschließen - vielen Dank für den wunderbaren und aufbauenden Beitrag!
Theoretisch weiß ich das alles, aber bei mir haperts oft an der Umsetzung. Da nehme ich mir vor, dies oder jenes zu tun oder eben auch mal meine Meinung stärker oder überhaupt zu vertreten, aber wenns dann soweit ist, schaff ich es dann doch nicht oder wenn dann nur so halb seiden :-( Und dafür könnte ich mich selber immer
Es sind ja keine Dinge, die so gesehen jemand schaden. Wem schadet es, wenn ich den Job wechsle? Niemand... außer mir selber, falls es schief geht oder wenn ich meine Meinung sage oder dies oder jenes mache. Ist ja nicht so, dass ich meine Mitmenschen verletzen oder schaden möchte. Ach - ich denke ihr wisst schon wie ich es meine.
Vielleicht hat jemand noch weitere Tipps für mich? Aber das mit den Seifenblasen werde ich die Tage ausprobieren. Ich stell mich vor einem Supermarkt und mach das - ist das blöd?
Liebe Grüße
Manuela
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07.03.2012, 09:08
AW: Von Anderen abhängig?
Lass mal das Nudelholz weg. Wissen und Umsetzen, das sind zwei Paar Schuhe. Mach Dir klar, dass eine Veränderung immer Zeit braucht, v.a. wenn es sich um die Veränderung jahrzehntealter Verhaltensweisen handelt. Das ist sogar ein neurologischer Prozess: Durch das neue Verhalten werden neue neurologische "Pfade" gegangen. Und wenn Du es Dir mal bildlich vorstellst: Du bahnst Dir einen Weg durchs Dickicht, da braucht es schon viele Gänge, bis aus dem Trampelpfad ein breiter Weg geworden ist. Das alte Verhalten hingegen ist quasi schon eine Autobahn.

Ändere Dein Verhalten, Dein Denken, aber bestrafe Dich nicht, wenn es mal nicht klappt. Das ist normal und gehört dazu. Reflektiere es und gut ist. Du brauchst Geduld mit Dir. Wenn Du anfängst, Klavier zu spielen, dauerts ja auch ein wenig, bis Du Bachs "Wohltemperiertes Klavier" spielen kannst.
Für wichtig halte ich, dass Du Dir bewusst machst, wenn Du in Situationen gerätst, in denen Du anderen zuliebe etwas tun willst, was Du sonst anders getan hättest. So machst Du Dir klar: Autobahn oder Trampelpfad?
Ein weiterer Tipp: Finde heraus, was Du gern tust, was Dir gut tut. Und tue das so oft wie möglich. Das ist Selbstpflege, die Dich stärkt und Dir ein Stück weit aufzeigt, wo Dein Weg sein kann.
@ Isambard: Toller Beitrag!
Mache das sichtbar, was ohne dich vielleicht nie gesehen werden würde.
- Robert Bresson -
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07.03.2012, 11:39
AW: Von Anderen abhängig?
Hallo, zusammen,
Herzlichen Dank für Eure freundlichen Reaktionen, die mir sehr wohl tun. Mit einem Augenzwinkern: Offensichtlich bin ich doch nicht so ganz gegen die Urteile meiner Mitmenschen immun.
Herzlichen Dank auch für die sehr wertvollen Ergänzungen. Jemand anderem habe ich mal geschrieben: „Nein, es ist nicht einfach, sondern ein langer Prozess. Darum habe ich auch mit etwas angefangen, wo Dir ... wirklich nichts passieren kann.“ Diesmal habe ich im Gewühl eine entsprechende Bemerkung vergessen. Das Problem ist zu verzwickt und geht mir persönlich nahe ans Lebendige. -> Fussnote
Deshalb, liebe manuela33: Fang mal im Kleinen an und übe täglich aber ganz unverkrampft. Der mit dem Nudelholz bezw. dem Weglassen desselben (LaRimbecca) hat mich schmunzeln lassen.
Bitte, erlaubt mir eine persönliche Fussnote, nur zur Illustration und ohne besonderen Wert:
Aus Veranlagung und aus frühkindlichen Erlebnissen bin ich mit einem etwas übereifrigen Gewissen geschlagen und ursprünglich scheu. Ich habe mir zur Befreiung über Jahrzehnte hinweg „realistische“ (?) Regeln gesetzt. Wenn ich ihnen gehorche, lässt sich das Gewissen im Zaume halten. Nur einige Beispiele:
- Ich schade möglichst niemandem, kann aber nicht die ganze Welt beschützen.
- Ich lasse mich nicht manipulieren. Die Abwehr rechtfertigt auch ein unfreundliches Verhalten und das ohne schlechtes Gewissen.
- Ich töte nicht zum Spass, zögere aber nicht, wenn es notwendig ist. Schnelle, eher brutal aussehende Notschlachtungen habe ich schon gemacht und finde ich richtig, auch wenn ich mich im Moment mies fühle. Es ging darum entsetzliches und unnötiges Leiden abzukürzen. Jagd wäre absolut tabu.
- Auf Geringschätzung reagiere ich ohne schlechtes Gewissen heftig. Auch wenn „man so etwas nicht macht: Es muss sein, denn ich sehe etwas zu harmlos aus und es ist mir wichtig, die Leute davon überzeugen, dass das eine Täuschung sein könnte.
- Ich bringe mich ein, töne häufig sehr bestimmt und ziemlich extrovertiert, ertrage es aber, wenn mal etwas nicht in meinem Sinne läuft. Im Gegenzug spare ich nicht mit Lob und Komplimenten, wenn es gut läuft, denn man muss die Guten in ihrem Verhalten bestärken. Meine Ärzte und Ärztinnen sind handverlesen, auf dass sie dieses Verhalten ertragen.
- Anbaggern fällt mir unglaublich schwer. Jetzt, im reiferen Alter, wobei nur das Alter reif ist, rettet es mich zu Weilen, dass eine bestimmte Frau zu schade ist, um sie vorbei ziehen zu lassen. Was kann sie mir schon gross anhaben? Die letzten beiden haben sich sehr gefreut, so dass ich mich trotz der Körbe auch freuen konnte. Ich bin (immer? noch?) Single, aber nicht einsam, sondern gut eingebettet.
Grüsse und nochmals Komplimente und Danke schön, Isambard
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07.03.2012, 11:58
AW: Von Anderen abhängig?
Bitte liebe Isa für das Kompliment :-) Hast Du auch verdient! Aber auch der Beitrag von LaRimbecca hat mir sehr, sehr gut gefallen!
Und ich werde versuchen und zu üben
Ich habe oft auch ein Problem zu meiner (!) Meinung oder meinen Gefühlen zu stehen, weil ich denke, dass die falsch ist oder zumindest manchmal für die "Masse", aber sich bei mir genau richtig anfühlt und das ist dann die Krux, ich will dazu stehen, weil ich mir denke, so und nicht anders gehts es mir/fühle ich mich bei gewissen Dingen, aber was ist wenn ich "falsch" fühle.....dann fühle ich mich wieder schlecht und schlechter als die Anderen :-(
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07.03.2012, 12:33
AW: Von Anderen abhängig?
Hallo, manuela33,
ich kann's nicht lassen, nur noch einmal:
Dein Problem:
- ist nicht, wie es für die anderen ist, sondern ob es für DICH funktioniert.
- ist nicht, dass Du „falsch“ fühlen könntest, sondern, dass dich diese Werweisserei lähmt, in die falsche Richtung schubst oder krank macht. So schlingerst Du durch das Leben, wie ein betrunkener Seemann.
„Ein Offizier, der falsch entscheidet, ist mir lieber, als einer, der nicht entscheidet (zaudert?)“ (Napoleon Bonaparte)
Grüsse Isambard
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07.03.2012, 12:53
AW: Von Anderen abhängig?
Danke Isa, deine Zeilen machen mir echt Mut!

Und bei dem betrunkenen Seemann musste ich echt schmunzeln, das trifft es ziemlich gut!
Jetzt habe ich noch eine Bitte an Dich und natürlich an die anderen Foris, habt ihr kleine oder größere "Übungen" für mich, an denen ich mich mal versuchen könnte. Ich überlege da immer hin und her und mir fällt da nichts so recht ein.
Also bin offen und dankbar für alle Vorschläge und Tipps, egal wie die aussehen mögen!


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