Hallo liebe Forenmitglieder, ich habe mich nach langem Zögern dazu entschlossen diesen Thread zu eröffnen, mich dafür extra hier anzumelden, weil mich etwas in meinem Leben schwer belastet und ich nicht mehr klar komme...
Es geht wie der Titel ja schon sagt um das Lügen. Und jetzt weiß ich schon gar nicht wo ich anfangen soll.
Ich hatte eine schwere Kindheit (ja ich weiß, diese "Ausrede" für jegliches Fehlverhalten kann man schon bald nicht mehr hören, aber es spielt nunmal eine Rolle denke ich), es gab die verschiedensten Probleme: wohlhabende Familie, nach außen tiptop, Vater in einer beruflich sehr angesehenen Stellung. Wir Kinder machen alle ein sehr gutes Abi und studieren mittlerweile alle. Hinter den Kulissen sieht es anders aus: v.a. mein großer Bruder machte uns anderen das Leben zur Hölle. Vater greift nie durch. Mutter ist überfordert, wird eingeschüchtert, geschlagen. Außenwirkung ist wichtig, prägt uns unsere Mutter ein, und so sind wir nach außen eine gute Familie.
Mein älterer Bruder, und das wissen nicht mal meine Eltern oder Geschwister, vergeht sich mehrere Male an mir.
Die Wohnung verwahrlost, wir hausen in Dreck. Gewalt in der Familie beherrscht unser Leben.
Meine jüngere Schwester und ich flüchten mit 8 und 10 Jahren. Sparen wochenlang unser Geld und fahren dann von der Wohnung unserer Großeltern aus (dort verbrachten wir manche Ferien) einfach weg. Hinterlassen einen Abschiedsbrief in dem wir bzw ich alles schildern, was passiert ist. Einfach alles!
Natürlich geht das schief, nach wenigen Stunden in der Stadt in der wir ausstiegen, kriegen wir Angst. Heulen, werden von Bahnbeamten aufgegriffen. Fahren wieder zurück zu den Großeltern. Die haben nach eigenen Angaben den Abschiedsbrief gelesen... aber kein Wort darüber. Nur Ärger für uns, eine Menge Ärger. Zu den Eltern kein Wort wegen des Abschiedsbriefs, wegen allem was wir erzählt haben.
Für uns war die Botschaft damals: Es hat keinen Sinn, es jemandem zu erzählen. Es ändert nichts. UND: Wir dürfen die Familie ja auch nicht verraten.
Nur noch ein weiteres Mal wage ich mich jemandem anzuvertrauen, einer Klassenkameradin und deren Mutter. Es geschieht genau NICHTS.
Jahre sind seitdem vergangen und es hat sich "normalisiert". Über früher wird nicht gesprochen. Sogar mit meinem älteren Bruder gehen wir normal um, als wäre nie was gewesen. Ich würde auch nach wie vor sagen, meine Familie zu lieben.
Bei mir hat all das aber Spuren hinterlassen. Vor allem das Schweigen und das Wegsehen aller Menschen um uns herum. Ich habe schon früh als Kind angefangen zu lügen. Sicher weiß ich dass ich es tat, seit ich 8 bin. Ich meine kein normales Lügen, was jeder im Alltag tut. Kleinigkeiten, Halbwahrheiten. Nein, es ist etwas riesiges geworden.
Mittlerweile ist es außer Kontrolle. Ich kann es nicht mehr bremsen, es ist wie ein Zwang. Bis ich ca. 16 war, tat ich das ohne große Schuldgefühle. Aber in den letzten Jahren (ich bin jetzt 22) plagt mich das schlechte Gewissen. Und das Leben in einem Minenfeld - die 1000 Lügen meines Lebens wollen aufrecht erhalten werden. Ich war ein wahnsinnig stilles Kind, kam mit dreckigen Sachen zur Schule und fand nie richtige Freunde. Ich denke, seitdem süchtet es mich nach Aufmerksamkeit. Seit ich studiere, habe ich ein paar Freunde, aber auch diese lüge ich an. Es ist ein Zwang. Ich hasse mich dafür, mein Gewissen bringt mich bald um, aber jeden Tag verlassen neue Lügen meinen Mund. Das ist nicht normal. Und es sind teilweise sehr, sehr krasse Lügen. Es ist zu einer furchtbaren Gewohnheit geworden, ich lüge, lüge, lüge. Manchmal offensichtlich um Aufmerksamkeit zu bekommen, manchmal weiß ich selbst nicht warum: letztens habe ich einer Kollegin erzählt ich hätte 4 Geschwister, ich habe nur 3. Es war kein Versehen oder so, es war schon bewusst, aber warum ich das gesagt habe? Wo es doch keinen Unterschied macht? Ich weiß es nicht.
Manchmal wenn ich lüge, glaube ich in dem Moment meine Lügen selbst. Übernehme diese Unwahrheit für mein Leben, als wäre sie Realität.
Manchmal bin ich mir bewusst, dass ich gerade lüge.
Ich könnte keinen meiner Freunde meinen Eltern vorstellen, denn dann würden sich einige Lügen schnell entlarven. Manche Freunde muss ich untereinander voneinander fernhalten, weil ich ihnen verschiedene Dinge erzählt habe.
Aus der Schulzeit habe ich nur eine einzige Freundin noch, und die könnte ich meinen "neuen" Freunden ebenfalls nicht vorstellen, denn zu groß wäre die Gefahr, dass sich Widersprüchlichkeiten ergeben.
Mein Leben ist ein Chaos und ich komme da nicht mehr raus. Schuld bin nur ich, aber ich finde keinen Ausweg. In Therapie war ich einmal wegen der vielen Dinge die damals geschehen... das Lügen spielte eine Nebenrolle, der Therapeut war der Meinung es verginge, wenn ich mir gestatte das, weshalb ich WIRKLICH Aufmerksamkeit möchte - nämlich meine Kindheitserlebnisse - auszusprechen und aufzuarbeiten.
Aber nein... es wird in letzter Zeit immer schlimmer.
Puh... ich weiß nicht richtig was ich hier hören will. Ich weiß, dass ich ein ganz furchtbarer, rücksichtsloser Mensch bin... der seine Mitmenschen ausnutzt. Würde ich allen Menschen über alles, was ich erzählt habe, die Wahrheit sagen, gäbe es keinen einzigen mehr, der sich noch mit mir abgeben würde, dessen bin ich mir absolut sicher. Dazu sind die Lügen zu krass. Das schlimmste ist, all die Menschen vertrauen mir, ich wirke glaubwürdig, die jahrelange Übung macht es...
Ich habe mal gelesen, dass bei pathologischen Lügnern was im Gehirn anders läuft... der Gedanke macht mir Angst. Ist es nicht abstellbar, abtrainierbar?
Was soll ich nur tun... ich muss mein Leben von Grund auf ändern, aber wie? Das Lügen zu beenden und zu lernen die Wahrheit zu sagen, ist nur der eine Teil (von dem ich auch nicht weiß, wie ich ihn bewerkstelligen soll). Wie aber lebt man weiter als Mensch, dessen Leben aus tausenden Lügen besteht, ohne weiter zu lügen? Es hat sich verselbstständigt... um alte Lügen aufrecht zu erhalten müssen neue erfunden werden.
Ich bin mir bewusst, was ich meinen Mitmenschen damit antue und zerbreche momentan an dieser Last fast. Mir schwindelt wenn ich mir klar mache, was ich alles erlogen habe.
Ich lebe auf einem Minenfeld, in der ständigen Anspannung, dass irgendetwas auffliegt.
Dennoch kann ich nicht aufhören. Wie oft habe ich es mir vorgenommen, ganz fest? Mir selbst auferlegt, vor JEDEM Satz den ich spreche inne zu halten und mir klar zu machen, dass ich die Wahrheit sagen muss.
Aber ich scheitere. Ich kann nicht aufhören. Lügen ist in meinem Alltag wie essen und trinken und atmen.
Irgendwann wird mir all das um die Ohren fliegen.
Ich wäre für Reaktionen dankbar, kann leider keine klare Fragestellung formulieren. Ich bin wirklich verzweifelt...
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 33
-
05.03.2012, 23:15
Notorisches Lügen - ich bin dabei mein Leben zu zerstören
-
06.03.2012, 07:23
AW: Notorisches Lügen - ich bin dabei mein Leben zu zerstören
Hallo Sommerlilien
es könnte sein, dass sie auch einfach endlich froh sind, die echte Sommerlilie kennenzulernen, ohne das ganze Theater.Würde ich allen Menschen über alles, was ich erzählt habe, die Wahrheit sagen, gäbe es keinen einzigen mehr, der sich noch mit mir abgeben würde, dessen bin ich mir absolut sicher. Dazu sind die Lügen zu krass.
Mein Liebhaber war auch einer, der massiv gelogen hatte, als wir uns kennen lernten. Ich war vor allem froh, die Wahrheit zu erfahren als sie auskam, auch wenn mir da mehrere Male die Kinnlade runterfiel. Dass da was nicht stimmte, hatte ich allerdings schon immer gespürt.
Das Gehirn ist veränderbar. Wenn es sich um Gewohnheiten von Jahren handelt, braucht es natürlich Zeit für eine nachhaltige und wirksame Veränderung - da muss man schon mit Monaten und Jahren rechnen, bis der Prozess abgeschlossen ist - aber es ist keineswegs unmöglich. Und auch wenn es lange dauert, so werden schon schnell Veränderungen spürbar, sobald angefangen wird.Ich habe mal gelesen, dass bei pathologischen Lügnern was im Gehirn anders läuft... der Gedanke macht mir Angst. Ist es nicht abstellbar, abtrainierbar?
ja, das ist so. Das kann auch eine Erleichterung sein, es würde zwar am Anfang sehr viel Scheiaweia geben, doch am Schluss würdest du sehr genau wissen, wer deine richtigen Freunde sind.ich muss mein Leben von Grund auf ändern, aber wie?
grüsse, barbara
fang klein an. Such dir eine Person aus - eine neue lockere Bekanntschaft, ein unbeschriebenes Blatt, die dich noch nicht kennt - und übe, ihr die Wahrheit zu sagen.
Wahre Aussagen haben ihr eigenes Gewicht, sie fühlen sich anders an als unwahre Aussagen. übe regelmässig wahre Aussagen und lerne sie zu fühlen. Das kann ganz simpel anfangen wie "diese Jeans ist blau. Ich trinke gerne Kaffee. Um 14.00 Uhr muss ich an der Schule sein im Zimmer A45." Bleib so präzise wie du kannst, zB "ich sehe vier Wolken am Himmel, die Temperatur ist 15 Grad" ist besser als "das Wetter ist schön."
Irgendwann wird mir all das um die Ohren fliegen.
-
06.03.2012, 14:23
AW: Notorisches Lügen - ich bin dabei mein Leben zu zerstören
Hallo liebe Sommerlilie,
ich hab dein Thema gestern abend schon gefunden und war so betroffen, dass ich erstmal nichts schreiben konnte.
Ich würde sehr gern etwas Nützliches und für dich Hilfreiches schreiben, weil dein Problem ja wirklich nicht gerade klein ist
Ich finde Bae hat schon ganz gute Ideen gehabt.
Das sind doch echt machbare Schritte, die sie vorschlägt.
Schlimm finde ich ist dein Gefühl, dass du niemandem die Wahrheit über dich und deine Situation sagen könntest, da sich sonst deiner Ansicht nach niemand mehr mit dir abgeben würde.
Das glaube ich irgendwie gar nicht denn auf mich wirkst du eher traurig und hilflos.
Ganz ehrlich, HIER hast du doch quasi die Wahrheit gesagt, oder?
Du hast doch vieles sehr anschaulich und nachvollziebar und ich glaube auch ehrlich beschrieben.
Meine spontane Reaktion ist eher (vielleicht auch nicht so gewollt von dir, aber egal) dass du mir unheimlich leid tust.
Du bist ja noch sehr jung und ich hast schon ganz schön viele sehr unangenehme und traurige Erfahrungen gemacht.
Ich denke, dass es schwierig ist da alleine herauszufinden.
Kannst du dir vorstellen nochmal eine Therapie zu machen?
Du schriebst ja schon, dass du mal eine gemacht hast mit nicht so positivem Ergebnis.
Ich glaube, du brauchst aber jemanden, dem du dies alles ehrlich schilderst und der dir mit konkreten praktischen Tips hilft aus diesem Gewirr auszusteigen.
Versuche das doch mal, viel kannst du nicht verlieren dabei - so wie es jetzt ist, ist es doch ziemlich anstrengend.
Ich wünsch dir viel Glück!
-
06.03.2012, 18:00
AW: Notorisches Lügen - ich bin dabei mein Leben zu zerstören
Hallo ihr beiden, danke für eure Antworten und es freut mich, dass ihr mich nicht "runter gemacht" habt...
Glaub mir, liebe Barbara, ich bin im Kopf oft alle Menschen durchgegangen die ich belogen habe (alle in meinem Umfeld, ohne Ausnahme) und habe mir überlegt wie sie günstigstenfalls auf die Wahrheit reagieren würden. Da würde keiner mehr Kontakt zu mir haben wollen! Definitiv nicht. Ich habe erwähnt dass es krasse Lügen waren/sind, aber vielleicht hätte ich das präzisieren sollen. Ich habe wirklich furchtbare Dinge erzählt, manche Freunde von mir glauben zum Beispiel dass meine Mutter schwer krank ist und ich am Wochenende immer zuhause bin und sie unterstütze. Das ist gelogen. Wieder andere Freunde glauben, ich müsse extrem viel arbeiten gehen für mein Studium und mich total abrackern, damit ich es finanzieren kann. Dabei gehe ich selten und wenn nur in den Ferien jobben, mit Bafög und dem Geld meiner Eltern komme ich mehr als gut aus. Also auch gelogen. Irgendwann habe ich es behauptet und es auch gefühlt, und dann gab es kein zurück mehr... genau wie bei allem anderen.
Jedenfalls, ja, ich kann mir vorstellen, wenn man meine Verzweiflung hier in meinen Beitrag spürt (ich hab gestern auch einfach allem mal freien Lauf gelassen), dass das dann eher zu Mitleid führt. Aber stellt euch vor, eine Person der ihr vertraut und die ihr mögt, die hat euch jahrelang von vorn bis hinten belogen. Ihr wisst einfach gar nicht mehr wer dieser Mensch eigentlich ist... und das Vertrauen ist weg. Nein, ich weiß, wem auch immer ich die Wahrheit sage, der ist dann raus aus meinem Leben.
Ich weiß durch die ganzen Lügen manchmal schon selber nicht mehr wer ich eigentlich bin...
Wie kann man ein so tiefgehendes Gefühl von Bedeutungslosigkeit in Bezug auf das eigene Leben haben, dass man immerzu denkt etwas anderes erzählen zu müssen?
Danke für den Tipp mit dem "Wahrheit üben". Ich werde das mal versuchen, im Kleinen anzufangen.
Hallo cix, ich habe schon mehrfach mit Therapeuten ein bis drei "Erstgespräche" oder Kennenlerngespräche gehabt. Oftmals mit der klaren Aussage, dass mein Leidensdruck genau bei dem Problem mit dem Lügen liegt. Über meine Kindheitserfahrungen habe ich in meiner (ersten und einzigen längergehenden) Therapie genug gesprochen. Aber auch in den späteren Gesprächen mit den anderen Therapeuten ging es immer wieder um das Thema... oder auch mal wie ich mich dabei fühle wenn ich lüge. Was meine Beweggründe sind. Aber praktische Tipps? Nein... vielleicht bin ich zu ungeduldig gewesen, vielleicht aber auch wussten die selber nicht was sie da machen sollen. Ich sollte immer reden, reden, reden... aber davon allein löst sich mein Problem nicht!
Übrigens habe ich in der Therapie auch immer mal wieder die Situation gehabt, dass ich gelogen habe. Aus reiner "Routine"... Ich habe das dann aber immer richtig gestellt. Nur im normalen Leben ist das alles nicht so leicht.
Verdammt... manchmal spiele ich mit dem Gedanken, die Stadt zu wechseln (den Studienort) und nochmal von vorne anzufangen. Dann müsste ich aber von Anfang an die Wahrheit sagen... Ich würde gern mal die Erfahrung machen auch als der Mensch geschätzt zu werden der ich bin, nicht nur als der der ich vorgebe zu sein... aber wer wertschätzt eine Lügnerin? Ich müsste mich ändern, von vorn anfangen, aber dann verliere ich alles was ich jetzt habe. Alle Menschen um mich herum. Meine Sympathie für diese Leute ist echt, auch wenn man es nicht meinen würde wenn ich sie so dreist belügen kann. Aber das hat mit Sympathie oder nicht, wenig zu tun. Meine ehemals engste Freundin habe ich von allen fast am krassesten belogen... und eine der dicksten Lügen flog auf, und so habe ich sie verloren. Noch heute habe ich das Gefühl eine nie wieder gut zu machende Schuld ihr gegenüber auf mich geladen zu haben, sie war so tief verletzt und fiel aus allen Wolken. Sie meinte mich wahnsinnig gut zu kennen. Aber niemand, kein einziger Mensch kennt mich so wie ich bin.
-
06.03.2012, 18:59Inaktiver User
AW: Notorisches Lügen - ich bin dabei mein Leben zu zerstören
Erstmal: ich finde Dich wahnsinnig mutig, Dich dem Wahnsinn Bri so offen auszusetzen.

Für uns ist es natürlich auch einfacher: Wir haben Abstand, sind nicht betroffen und kennen Dich nicht persönlich. Auch der Therapeut hats einfach, da er hoffentlich gelernt hat, sich emotional abzutrennen.
Ich finde es gut, einfache wahre Sätze (ohne Konsequenzen) zu üben.
Genauso gut könnte aber auch sein, Cross-Situationen zu üben und auszuhalten (Ich mag Wulff, ich mag Wulff nicht) oder sich zu fragen, wie Sympathie entsteht oder vergeht. Bestimmt nicht , weil jemand bzgl Wulf ne andere Meinung hat, nicht.
Dein Therapeut ist nicht umgefallen, als er Deine Lügenbeichte (ihm gegenüber) anhören musste. Warum? Kannst Du daraus lernen bzgl anderer Beziehungen?
Wie stehts mit Empathie? Kannst Du Dich in Deine Opfer hineinversetzen?
Frag doch mal Deinen Therapeuten, ob es Sinn macht, Opfer und Täter "kommunizieren" zu lassen, in dem Du beide Sichweisen wahweise innehast.
Zum Nutzen: Klingt zwar abgeplättet: Aber brauchst Du die Distanz der Anderen im Moment und Deine Methode ist gerade unpassend? Gibts ne andere Methode, das gleiche zu erreichen.
Übrigens könnte ich es verstehen, wenn Du niemanden Deine Eltern kennenlernen willst. Die würden sie vielleicht ja noch total nett finden oder nicht glauben, was Du (wahr) erzählst.
Ich finde, Du solltest solche innere Warnungen ernst nehmen
-
06.03.2012, 20:16
AW: Notorisches Lügen - ich bin dabei mein Leben zu zerstören
Vielleicht ist das ja machbar mit der anderen Stadt?
Weisst du, was man sich oft in jungen Jahren gar nicht so vorstellen kann ist, dass gewisse Dinge die dir heute riesig und wichtig erscheinen irgendwann einfach gar nicht mehr so wichtig sind (für dich nicht und auch für die anderen)
Möglich wäre es sicher auf so genanntem 'neutralen Boden' einen Neuanfang zu machen.
Allerdings könnte ich mir auch vorstellen, dass das eine gewisse Verlockung weiterhin zu lügen mit sich bringen könnte, da niemand dein Umfeld kennt, würde auch kaum jemand deine Aussagen anzweifeln.
Aber du würdest es ja für dich tun und da du doch durchaus deine Problematik erkennst, wäre es vielleicht ein Weg.
Natürlich ist es leichter HIER nach deinen Erläuterungen Verständnis für dich aufzubringen als wenn man direkt betroffen wäre.
Auf mich wirkt deine Ehrlichkeit hier auch eher mutig und ich kann deine 'Motivation' für deine Lügen ein wenig verstehen, auch dass sich dieses manchmal verselbständigt.
Andrerseits bin ich in der Realität eher jemand der Lügen seltsam findet, weil sie mir irgendwie so künstlich und unnötig vorkommen und ich lieber das 'Echte' mag oder irgendwas in der Art. Ist etwas schwer zu beschreiben.
Auf jeden Fall kann man doch jemandem gar nicht richtig nah sein, wenn es lauter Lügen gibt.
Hast du einen Freund?
Wie sollte denn eine echte, enge Beziehung so funktionieren? Kann ich mir nicht vorstellen.
Ich finde, du solltest so oder so alles daran setzen mit der Lügerei aufzuhören.
Und wenn du dann aus deinem sozialen Netz fällst, mußt du eben versuchen damit klar zu kommen.
Vielleicht könntest du es als eine Art 'Sühne' sehen.
Ich würd's probieren. Es wird ja nicht leichter je länger du wartest.
-
06.03.2012, 21:59Inaktiver User
AW: Notorisches Lügen - ich bin dabei mein Leben zu zerstören
Liebe Sommerlilien-
mich hat Dein Post auch sehr bewegt.
nur ein paar Gedanken:
als Allererstes ist es absolut not-wendig, dass Du Dich selbst nicht in Grund und Boden bezichtigst !!
Ja, es ist mit Sicherheit ein problematisches Verhalten, das Du da entwickelt hast.
(Wobei ich jetzt nach Deinen anfänglichen Andeutungen noch viel krassere Lügen vermutet hätte, als Deine eigene nicht wahrheitsgemäße Wochenendgestaltung, die ja nur Dich selber betrifft und niemandem- außer Deiner Seele- schadet.)
Das Lügen hat irgendwann einmal eine wichtige Schutz-Funktion für Dich dargestellt, die jetzt inzwischen vielleicht nicht mehr (über)lebenswichtig sein mag (weshalb Du jetzt darunter leidest)- die aber dennoch wertgeschätzt sein will!
Sei wohlwollend und nachsichtig und freundlich mit Dir selbst, sonst kann sich schonmal überhaupt gar nichts zum Besseren verändern !
Ich könnte mir denken, dass das Lügen Dir vielleicht auch als einziges Hilfsmittel gedient hat, damit Du fühlen kannst: "Ich bin nicht allem hilflos ausgeliefert-! (wie Deiner familiären Situation früher?) "Ich kann selbst bestimmen."
Ein Mechanismus, sich nicht ohnmächtig zu fühlen. Gar nicht soo selten übrigens.
Auch wenn Du große Skepsis gegenüber Therapeuten hast:
Manchmal dauert es ein wenig, den richtigen zu finden und man muss Geduld aufbringen.
Wenn Du das reine Darüber-Sprechen als problematisch empfindest (wobei 3 Stunden wirklich nicht ausreichen, sich ernsthaft auf eine tiefgreifende Analyse beispielsweise wirklich mal einzulassen!),
dann wäre vielleicht ein anderes Verfahren für Dich geeigneter, das mit Körperausdruck oder künstlerischer Gestaltung oder Pantomime ("Psychodrama" heißt das ) arbeitet?
Gibt einige davon !
Alles Liebe Dir
Geändert von Inaktiver User (06.03.2012 um 22:04 Uhr)
-
06.03.2012, 22:17
AW: Notorisches Lügen - ich bin dabei mein Leben zu zerstören
Vielleicht wärst Du auch überrascht, oft wissen Freunde dass jemand lügt...sprechen es aber nicht an weil es zu peinlich ist.
Gute Freunde sind strapazier - fähig...Wahrheit macht frei, gönne es Dir.Los lassen ist einer der besten Geschenke die man sich geben kann.
Mckenzie
-
06.03.2012, 22:37
AW: Notorisches Lügen - ich bin dabei mein Leben zu zerstören
Hallo sommerlilien
in meinem näheren Umfeld gibt es eine Person, die mich während längerer Zeit belogen hat, da waren noch ein paar krassere Dinge dabei als jene, die du aufgezählt hattest. ich war einfach nur froh, als alles ausgekommen ist und die Beziehung dann auf eine neue Basis von Ehrlichkeit gestellt werden konnte.
ausserdem habe ich auch bei deinem ersten Beitrag gewisse Zweifel hinsichtlich einiger Details. Da fühlt sich für mich nicht alles stimmig an. Aber egal, der Kernpunkt ist ja, dass du notorisch lügst und darunter leidest und es ändern möchtest und dieser Punkt ist ja gegeben.
Wenn deine Fantasie mit dir davon galoppiert und du das authentisch rüberbringen kannst; erwäge eine Karriere als Schriftstellerin. Ja, das mein ich ernst und keineswegs ironisch. Pack alle Fantasien in fantastische Geschichten, dann kannst du dich im Leben um das Reale kümmern.
grüsse, barbara
-
06.03.2012, 22:42
AW: Notorisches Lügen - ich bin dabei mein Leben zu zerstören
>Verdammt... manchmal spiele ich mit dem Gedanken, die Stadt zu
>wechseln (den Studienort) und nochmal von vorne anzufangen.
genau das empfehle ich dir!
sag mal, war dein eingangsposting ehrlich oder hast du da auch - gewohnheitsmaessig - geflunkert?
luciernago
LEBE LIEBER UNGEWÖHNLICH


Zitieren

