Klar kam der Tod meiner Schwiegermama mit 78 nicht überraschend, auch wenn sie pumperlgesund war. Das ist nun mal das Alter, wo man üblicherweise stirbt.
Darauf kann man sich mental vorbereiten. (Weshalb es nicht weniger weh tut).
Das das aber ausgerechnet passiert, wenn ich mich in der Probezeit in einem neuen Job befinde, wo ich mir keine Schwächen leisten kann, dazu noch, wo sich Projekte in der kritischen Phase befinden - darauf habe ich keinen Einfluß. Auch nicht darauf, das mein Mann extrem am Rad dreht und ich ihn auffangen muß, meine Katze womöglich gerade jetzt an Krebs erkrankt ist, die Müllmänner mein Auto schwer beschädigt haben, die HVW meiner Schwiegermama rumzickt und uns das Leben schwer macht, wir unsere Freizeit nicht zur Erholung, sondern zum Wohnungräumen nutzen müssen etc pp, und alles gleichzeitig, auch nicht.
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18.02.2012, 07:29Inaktiver User
AW: Bringt einen jede Krise weiter?
Geändert von Inaktiver User (18.02.2012 um 07:34 Uhr)
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18.02.2012, 10:06
AW: Bringt einen jede Krise weiter?
sich bewusst zu machen, was es bedeutet: wir sind Menschen, wir sind sterblich - das geht wohl tatsächlich nie ohne gewisse Schmerzen. Aber um dies zu tun, bin ich ja nicht verpflichtet zu warten, bis jemand tatsächlich stirbt. Und nein, als meine Grosseltern starben, tat es nicht weh. Sie hatten ein gutes Leben, und einen guten Tod und glücklicherweise eine gute Gesundheit. Was will man mehr? Der Tod war absehbar, es gab genug Zeit, zu Lebzeiten sich zu verabschieden. Alles, was es an Papierkram und Erbschaft etc zu regeln gab, war schon längst vorher im Detail erledigt und vorgesehen und die richtigen Leute informiert, sodass das alles ruhig und stressfrei ablaufen konnte.
Ansonsten kenn ich durchaus die anscheinende Katastrophenregel: es kommt nie eine allein, sie haben eine Neigung dazu, sich zu häufen. Nun, da gibt es nichts, als Schritt für Schritt, eine nach der andern anzugehen und aufzuräumen. Dann wird früher oder später notwendigerweise die Situation eintreten, dass Alltag das Normale ist und Katastrophe die Ausnahme, und dann stimmt auch der Energiehaushalt wieder.
grüsse, barbara
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18.02.2012, 14:07
AW: Bringt einen jede Krise weiter?
Meine Güte.
Es war mir nicht klar, dass man hier im Thread völlig ernst sein muss.
Zur Aufklärung:
Möglicherweise konnte ich deinen Tonfall nicht richtig deuten.
Du meinen vielleicht auch nicht richtig.
Sorry dafür, das ist manchmal so, wenn man nur geschriebene Worte hat.
Ich finde es im übrigen gar nicht absurd, beim Tod eines Tieres zu leiden und traurig zu sein.
Bin ich auch.
Würde mir dennoch immer wieder eines zulegen.
Auch auf das Risiko hin, dass das irgendwann weh tut, wenn es stirbt.
Weil es vorher ja schön war.
Das ist nun mal der Lauf der Dinge und des Lebens, irgendwann kommt immer der Tod, das muss man eben so annehmen.
Allerdings sind bei mir alle Tiere an Altersschwäche gestorben, meist war ich dabei. Fürchterlich. Aber auch in sich sehr rund. Und deswegen, trotz aller Trauer, irgendwie auf eine gewisse Art und Weise auch "schön".
Auch wenn das jetzt wieder keiner verstehen mag.
"Man kann eben das Licht nicht ohne den Schatten haben."
"Freud und Leid liegen nah beieinander."
Derlei Sprüche sind schon wahr irgendwie.
LG
HexlGeändert von Hexl (18.02.2012 um 14:13 Uhr)
The difference between try and triumph is just a little "umph"
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18.02.2012, 14:08
AW: Bringt einem jede Krise weiter?
"Die Hoffnung ist das Übelste aller Übel, weil sie die Qual der Menschen verlängert"
Friedrich Nietzsche
"Wer nach allen Seiten hin offen ist, kann nicht ganz dicht sein"!
"Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt"!
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18.02.2012, 18:15Inaktiver User
AW: Bringt einen jede Krise weiter?
Ihr Tod war nicht absehbar, sie hätte genausogut noch 10 Jahre oder mehr leben können.
Und sie war leider auch nicht so vorsehend, ihre Wohnung schon mal 3 Monate vor Todeseintritt zu kündigen, räumen und renovieren zu lassen, alle Verträge zu kündigen, Todesbenachrichtigungen zu schreiben ect pp *ironie off*
Oh ja, das ist leider auch so ein Ding.Ansonsten kenn ich durchaus die anscheinende Katastrophenregel: es kommt nie eine allein, sie haben eine Neigung dazu, sich zu häufen.
Dann kommt man sich wirklich vor wie Hiob.
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18.02.2012, 18:23Inaktiver User
AW: Bringt einen jede Krise weiter?
Ich verstehe das schon.
In gewisser Weise "warte" ich schon Jahre, das meine alte Katze stirbt, sie ist jetzt 19.
Es ist schön, das es ihr immer noch gut geht *klopf auf Holz*, aber ihr Leben hat sie ja schon gelebt.
Allerdings ist mir das erste Mal vor einem Jahr passiert, das ich eine junge Katze (3 Jahre) einschläfern lassen mußte, nach 1 Woche barbarischem Leiden.Von jetzt auf gleich, vorher ging es ihr gut. "Entzückenderweise" kam hinzu, das mein Mann und ich beide krank mit 40 Grad Fieber im Bett lagen, und in diesem Zustand die Entscheidung treffen - und hochfiebernd zum Tierarzt fahren mußten, um es machen zu lassen. Natürlich sprang das Auto nicht an ..... Siehe Hiob.
Das hat mich schon in gewisser Weise traumatisiert, muß ich sagen.
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18.02.2012, 20:49
AW: Bringt einen jede Krise weiter?
ganz ohne Ironie, meine Grosseltern mütterlicherseits haben das so gehandhabt und alles schon lange vor ihrem Tod organisiert. Meine Eltern sind jetzt daran, es zu tun - jetzt, wo sie noch fit genug sind, um es tun zu können.
Wenn's dir ein Trost ist, bei Hiob gibt es ein Happy End am Schluss.
grüsse, barbara
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18.02.2012, 22:22Inaktiver User
AW: Bringt einen jede Krise weiter?
@Lorelei-
ich verstehe dich, aber komplett!!
Insbesondere was die Haustierthematik betrifft.
Auch wenn man sich zig mal auf kognitiver Ebene klar macht, dass das nunmal der circle of life ist,
dass man bei der Anschaffung schon weiß, dass man die Viehschas höchstwahrscheinlich überleben wird (alles andere wäre auch mehr als verantwortungslos!), auch wenn sie einem soooo irre viel geben-
wenn sie gehen müsen, ob viel zu früh und qualvoll, egal wie sehr man alles menschenmögliche bis zur moralischen und finanziellen Schmerzgrenze versucht hat,
oder auf der anderen Seite nach sooo vielen gemeinsamen Jahren, Jahrzehnten fast-
die (wahrscheinlich hypothetische, aber doch berechtigte) Frage:
warum tut man sich diesen vorprogrammierten Schmerz eigentlich an???"
wird doch wohl sinnsuchend erlaubt sein!
Und dass man Menschen, nahe Angehörige, in meinem Fall beide (chronisch kranken) Elternteile nacheinander verliert (die Nennung an zweiter Stelle sagt nichts über die Gewichtung aus!!!, ich schreib mir nur von der Seele), deren Tod man "hätte kalkulieren können", nur leider auch erst 10 oder 20 oder 30 Jahre später, was man Optimismus oder Realitätsverkennung nennen mag, und die aufgrund des eben genannten für themself für ihr Ableben nicht vorgesorgt haben, und deshalb neben der Trauer, dem dem menschlichen Verlust, dem Schmerz und der Lücke auch noch ein heilloses Chaos, organisatorische, behördliche, erbrechtliche und materielle Maximalbelastung hinterlassen-- kenn ich!
Dazu ist man noch selbst grad physisch angeschlagen (in meinem Fall ein "harmloser" Kiefereingriff, der mir eine massive Infektion bescherte, mich körperlich fast völlig außer gefecht setzte, als ich am meristen leisten musste, mich genau in dieser Zeit monatelang mit höllischen Schmerzen peinigte unter denen ich dennoch alles Nötige abgewickelt habe und nebenher noch arbeiten ging, um meinen Job nicht zu verlieren und der noch immer mein bis dahin, pardon, makelloses Gesicht zeichnet)-
auch darüber darf man sich durchaus mal hier und dort beklagen, oder?
Btw- das waren nur mal so die Highlights der letzen 14 Monate... es gibt noch mehr unerfreuliche Details.
Und wenn dann alles zusammen und immer noch was nachkommt, wenn man eh schon am Limit läuft,
dann ist m.E. es durchaus legitim, dass man das in Summe mal so richtig zum kotzen findet und sich selbst gewaltig leid tut!
Exkurs:
Und dann kommen zu allem Überfluss noch Leute daher und wollen einem ohn Unterlass ein Gespräch bzgl. des Liebskummers aufnötigen, den man ihnen vor Jahren mal durch Zurückweisung zugefügt hat und glauben, man hätte noch Sinn für ihre Probleme und seinerseits noch "Klärungsbedarf"...boah.
Ja, echt, DIE Sorgen hätt ich wirklich gern- hab ich aber nicht :(
Fazit: ich lebe noch.
Ich habe erfahren, dass ich viel- auf einmal- abkann, ohne komplett (sondern nur beinah) zusammenzuklappen und dass sich jede Lage (bislang zumindest) irgendwann wieder entspannt,
wenn man breit ist, nicht zu verzweifeln und manche Dinge eben als unabänderlich zu ertragen und sich darin- im wieso weshalb warum und ausgerechnet ich!- nicht verliert.
Kann einigen Vorschreiberinnen nur beipflichten, wie lächerlich einem manche (jugendlichen) selbst hochgepushten, völlig überzogen gewichteten, im Grunde so nebensächlichen und hausgemachten Dramen im Rückblick erscheinen, wenn man erlebt hat, was wirklich nicht zu ersetzende Verluste (und nicht nur rotierende Kopfdisko) sind.
Über vieles würd ich mich heutzutage gar nimmer aufregen, was mir vor wenigen Jahren noch massive Sinnkrisen und seelische Totaleskalationen beschehrt hätte.
What for wegen objektiv gesehen belangsloser Lapalien am Rad drehen?
Dafür ist mir meine Energie und Seelenruhe mittlerweile echt zu schade.
ich teile viel besser in wesentlich und unwesentlich ein.
Das ist durchaus ein Vorteil- keine Ironie.
So eine geballte Ladung per Kraftakt hinter sich gelassener Sch**ße macht aber, fürchte ich, nicht nur abgeklärt-
sondern auch etwas (oder sogar ziemlich?
) selbstgerecht.
Ich beobachte zumindest bei mir, dass sich mein Mitgefühl für anderer Leute "banaler", durchaus durch marginales Umdenken lösbarer und in meinen Augen mangels existenzieller Sorgen aufgebauschter "Problemchen" schleichend, aber zunehmend verabschiedet.
Also ich bin nicht toleranter geworden, soviel steht fest.
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19.02.2012, 09:57Inaktiver User
AW: Bringt einen jede Krise weiter?
Bezüglich der Lebenserwartung von Haustieren: ich habe Katzen und Schildkröten.
Schildkröten haben bekanntlich eine lange Lebenserwartung, ich bin 30 Jahre älter als sie, dh. sie werden mich doch mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit überleben.
Ich weiß nicht, ob mir diese Perspektive lieber ist. Denn was macht man als Kinderlose mit diesen Tieren?
Allgemein zum Thema: ich habe nicht den Eindruck, dass mich meine Krisen weitergebracht haben. Vielmehr kam v.a. meine größte Krise (mehrere Todesfälle im engen Familienkreis innerhalb kurzer Zeit) absolut zur Unzeit, nämlich, als ich im Job 150-200% Einsatz hätte zeigen sollen - es kam, wie es kommen musste: Burnout und schließlich die Kündigung meinerseits.
Ich merke, dass ich sehr verbittert und misstrauisch geworden bin, vor allem, was die Arbeitswelt betrifft.
LG,
Lakritze
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19.02.2012, 10:09Inaktiver User
AW: Bringt einen jede Krise weiter?
Hihi, das hab ich auch erlebt: Dass einem mitten im persönlichen Weltuntergang (Trauer, Krankheit, Verzweiflung) dann auch noch der Außenspiegel abgefahren wird und man Zahnschmerzen bekommt oder so. Und man denkt: Boah, die Welt hat sich gegen mich verschworen.
Für mich hat da ebenfalls das Resilienztraining gefruchtet. Mit der simplen Frage: Hat das eine wirklich was mit dem anderen zu tun? Nein. Also kann man es inmitten der Katastophe genauso leicht nehmen, wie man es zu jeder anderen Zeit des Lebens nehmen würde: Ein kurzer Ärger, man muss es in Ordnung bringen, fertig. Und kann der Versuchung widerstehen, solche Vorkommnisse auf einen großen Haufen Leid zu werfen und ihn damit noch größer zu machen.
Was einzelne Menschen als Krise ansehen, scheint sehr verschieden zu sein. Den Tod von Angehörigen im Alter sehe ich zum Beispiel nicht als solche an (und ja, ich hab auch schon Wohnungen aufgelöst und so weiter ...). Ein geliebtes Tier bei einer schweren Krankheit zu begleiten, kann schlimmer sein als der friedliche Tod der 90jährigen Großmutter. Einen geradezu traumatisierenden Liebeskummer habe ich auch schon bei anderen erlebt und möchte es wahrhaftig nicht haben. Das Urteil, was im eigenen Leben eine Krise ist und was nicht, kann man nur für sich selbst treffen. Und auch das ist unterschiedlich. Meine dritte Fehlgeburt war eine Totalkatastrophe für mich, meine vierte bloß eine Enttäuschung. Schon darum würde ich sagen: Irgendwie hat es mich anscheinend weitergebracht. Nicht zum Besseren oder Schlechteren, aber zu einer Veränderung meines Verhaltens.
Grüße, Cariad
PS: Beim Lesen denke ich: Das klingt ein bisschen so, als würde man ein besserer Mensch dadurch, dass man lernt, mit Krisen umzugehen. Das ist natürlich Quatsch! Für mich persönlich ist es nur so, dass dadurch meine Lebensqualität steigt.Geändert von Inaktiver User (19.02.2012 um 10:26 Uhr)



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