Hallo Safflower,
ich kann mir vorstellen, dass die Situation schwierig für dich ist. Ich denke, das würde jeden erstmal wurmen, so etwas zu hören. Wie kam es denn überhaupt dazu, dass er dir das sagte? Weil es ihn selbst störte und er sich Gedanken machte ob er "normal" ist? Hast du dich in den letzten 2 Jahren nie gefragt, warum er dir nicht sagt, dass er dich liebt? Oder hat er das und hat es jetzt sozusagen revidiert?
Prinzipiell hätte ich gesagt, er ist einfach zu verkopft und glaubt einem Bild entsprechen zu müssen, mit welchem er sich letztlich selbst unter Druck setzt: So und so muss es sein. Dies und jenes muss ich fühlen, sonst ist es keine Liebe! Wie ein Hypochonder, der seine Körperfunktionen ganz genau beobachtet und immer irgendwas findet, was nicht stimmt. So verhält sich dein Mann in gewisser Weise auch. Er beobachtet seine eigenen Emotionen und gerät in Panik, wenn er meint nicht zu fühlen, was er doch fühlen "müsste".
Als weiterer Vergleich fallen mir hier Menschen ein, die ein schlechtes Gewissen haben, weil sie nach dem Tod eines geliebten Menschen nicht "genug" oder "nicht richtig" getrauert haben. Bspw. weil sie nicht geweint haben usw. Auch sie denken: Zur Trauer, zur richtigen Trauer gehört Weinen und dies und jenes... Dabei trauert einfach jeder Mensch anders, genauso wie womöglich jeder Mensch anders liebt. Vielleicht ist dein Mann einfach 1) zu verkopft und dabei 2) ein wenig naiv?!
Wie DU mit der Sache umgehen kannst steht natürlich auf einem anderen Blatt. Denn du kannst nicht in ihn reinschauen und hast nur seine Aussage "Ich liebe dich nicht". Dass das weh tut und schwer ist, kann ich total gut nachvollziehen. Du solltest in dich reinhören, ob du mit so einem Statement umgehen kannst...du sagst du FÜHLST seine Liebe, seine Zuneigung etc. Das ist doch eigentlich das Wichtigste" ("Ich liebe dich" sagen kann jeder....).
Was ich allerdings so gar nicht verstehe, ist die Sache mit dem Heiraten. Dass er sich irgendwie noch eine "hintertüre" offen hält- wenn denn die "wahre Liebe" kommt...Das ist, wenn ich mit dem was ich oben geschrieben habe recht hätte, zwar auch nur eine Illusion und ein weiteres "Symptom" seiner überhöhten Erwartungen an sich selbst, aber mich persönlich würde das stören, weil ich dann das GEfühl hätte, er schaut sich doch ständig irgendwie noch um, ob da nicht noch was "Besseres" kommt... Ich glaube, damit umzugehen ist gar nicht so leicht.
Noch eine andere Frage: Ist das die einzige Sache, bei der er sich irgendwie "merkwürdig" verhält oder gibt es noch mehr? Dinge vielleicht, denen du nie große BEdeutung zugemessen hast? Überleg mal noch genau...
Liebe Grüße
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Thema: Nicht lieben koennen?
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25.02.2012, 01:38
AW: Nicht lieben koennen?
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27.02.2012, 12:15Inaktiver User
AW: Nicht lieben koennen?
Ich möchte mich hier kurz einklinken, weil ich glaube ein ähnlicher Persönlichkeitstyp zu sein wie dein Freund!
Auch ich kenne diese Rosarote Wölkchenphase nicht, hab mich immer gefragt, ob es diese Hollywood-Verliebtheibt tatsächlich bei manchen Menschen geben kann...
Auch beim Thema Heiraten ticke ich wohl ähnlich wie dein Freund.
Das war bei mir übrigens schon in der Teenagerphase so. Ich konnte die extreme Verliebtheibt anderer Mädchen nie so ganz nachvollziehen.
Im Gegensatz zu einigen meiner Vorschreiberinnen empfinde ich deinen Freund überhaupt nicht als übermäßig rational. Im Gegenteil läuft er immer noch dem Hollywood-Ideal nach beziehungsweise meint, dass es das auch bei ihm geben müsse. Aber seine Vergangenheit und sein Alter zeigen doch, dass er einfach nicht der Typ für solche Gefühle ist.
Vielleicht sollte dein Freund einfach lernen, sich von diesem Ideal des großen Gefühlsrauschs der einen und einzigen großen Liebe zu verabschieden. Die Beziehung, die er mit dir lebt, entspricht doch ziemlich seinem Ideal, er weiß er nur nicht, da ihm eben diese Gefühle fehlen. Das liegt aber nicht an dir und auch nicht an eurer Beziehung. Das ist er, so tickt sein Gehirn, und das ist auch gar nicht schlimm. Er muss sich nur damit anfreunden und sich so annehmen, wie er ist.
Ich wünsche euch viel Glück und weiterhin eine tolle Beziehung, die ihr ja ohne Frage habt.Geändert von Inaktiver User (01.03.2012 um 12:39 Uhr)
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27.02.2012, 12:45
AW: Nicht lieben koennen?
Es geht hier aber nicht um Verliebtheit.
Egal ob man sich je verliebt hat oder welcher Gefühlstyp man ist, man sollte sehr wohl abschätzen können ob man jemand genug liebt um zu versuchen das Leben mit ihm in guten und in schlechten Zeiten zu verbringen. Nichts anderes besagt eine Ehe. Wenn man sagt, dass kann man nicht oder man wartet noch auf was besseres, dann liebt man nicht oder nicht genug.
Und das hat nichts mit Hollywood oder rosa Wölkchen zu tun.
Es stört mich sowieso, dass man nicht mehr sagen kann, dass die Liebe, die man empfindet stark ist und man hofft, dass sie ein Leben lang hält, ohne das gleich das Hollywoodklischée bemüht wird.
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27.02.2012, 12:57Inaktiver User
AW: Nicht lieben koennen?
Ich finde, dass die Begriffe Verliebtheit und Liebe nicht wirklich klar voneinander abzugrenzen sind. Und gerade das, was in "Liebesfilmen" als "Liebe" gepriesen wird, ist doch ein rauschartiger Zustand, der zumindest nach meiner Definition, eher Verliebtheit ist. Eben diese "auf Wölkchen schweben" und dieses Gefühl der ewigen und perfekten Liebe.
Safflower schreib ja über ihren Freund: "Dazu hatte er mir folgendes gesagt: tatsaechlich entspringt seine Vorstellung von Liebe, wie sie sein sollte, dem Klischee, welches in Buechern und Filmen dargestellt wird. Dass er nicht so fuehlt, irritiert ihn selbst."
Und das ist eben genau das Gefühl, das ich meine. Er sollte dazu stehen, dass er selbst eben nicht der Typ für solche Gefühlsausbrüche ist und sich deshalb von dieser romantischen Idealvorstellung lösen. Denn erst dann kann er auch zu dieser Beziehung stehen und sich selbst eingestehen, dass das durchaus Liebe ist, die er empfindet. Nur eben nicht die Form von romantischer Liebe, die er selbst von sich erwartet.
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27.02.2012, 15:15


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