Viele tolle Tipps sind schon gekommen, einige möchte ich auch noch mal aufgreifen, weil sie mir auch geholfen haben:
- nicht zuviel auf einmal - jeden Tag ein paar Minuten bringt am Ende mehr als einmal in der Woche bis zur "Erschöpfung": danach lässt man es meistens wieder schleifen, weil man keine Lust mehr hat
- saubere Ecken zurückerobern ;-) Man beginnt mit einer kleinen Ecke (so klein, dass es wirklich nur ein paar Minuten dauert), versucht diese dann wirklich frei zu halten und den Radius dann immer weiter zu vergrößern
- kein Perfektionismus: mir reicht es, einmal großzügig mit dem Sauger durch die Wohnung zu gehen, ich muss nicht jedes Möbelstück einmal quer durchs Zimmer schieben, um in jede Ecke zu kommen; das mache ich, wenn mich -ganz selten- die Putzwut packt und den Unterschied sieht man nicht wirklich ...
- ich habe auch viieeel zu viele Sachen - manchmal nehme ich mir für ein, zwei Wochen vor, jeden Tag 2-3 Dinge wegzuschmeißen - das läppert sich *g
- und wenn ich ganz schlecht drauf und viel zu faul bin: dann kleister ich mir die Wohnung mit Post-its an strategischen Stellen zu, die mich daran erinnern, Kleinigkeiten sofort zu erledigen (Kaffeetasse in Spülmaschine; Werbung aus dem Briefkasten sofort in die Mülltonne usw).
... so, und wenn ich es jetzt noch schaffe, meine Tipps auch noch zu beherzigen ...![]()
Antworten
Ergebnis 21 bis 30 von 79
Thema: versinke im Chaos
-
01.02.2012, 20:59
AW: versinke im Chaos
-
02.02.2012, 08:06
AW: versinke im Chaos
Hallo Ihr lieben Chaoten,
... die Anrede ist nicht böse gemeint, lediglich dem Thread-Titel geschuldet
...
Ich selbst bin das absolute Gegenteil von chaotisch.
Alles hat seinen Platz, ich würde auch Kleinigkeiten im Dunkeln finden.
Meine Schwester hat mit der Ordnung auch so ihre liebe Not, sie ist mega-chaotisch.
An der Erziehung kann's also nicht liegen.
Einige von euch schreiben zB, sie "schaffen" es nicht, die gebrauchte Kaffeetasse in den Geschirrspüler zu räumen. Oder den Papierkram, mit dem man ja schon alleine durch die Post täglich konfrontiert ist, gleich wenigstens grob zu sortieren. Oder sie warten zu, bis irgend etwas "überquillt".
Ich käme damit überhaupt nicht klar, Unordnung würde mich erdrücken.
Es interessiert mich wirklich, wie chaotische Menschen denken und empfinden.
Offensichtlich überwiegt ja der belastende Anteil bei denen, die hier Abhilfe suchen.
Was bräuchte es - gedanklich - damit ein Umdenken/Umempfinden stattfinden könnte?
Wenn Ihr Partner habt, die anders gestrickt sind - wie funktionieren die Gegensätze im Zusammenleben? Bei meiner Schwester ist zB eine Beziehung ganz konkret eben daran gescheitert.
Neugierige Grüße
-
02.02.2012, 08:30
AW: versinke im Chaos
Ich bin auch ein ordentlicher Mensch, weil ich zu faul alles zweimal zu machen oder anzufassen und ich bin zu faul irgendetwas zu suchen. Ich könnte im Dunklen in meiner Wohnung (fast) alles finden.
Wie ich herauslese hat euer Chaos viel mit Perfektionismus zu tun. Geht es nicht perfekt, dann bleibt es dort liegen wo es ist. Die Sache mit dem Gewürzregal und den Strümpfen fand ich sehr prägnat in welchem Gedankenkarussell ihr euch befindet. Die STrümpfe bekämen bei mir einen bestimmten Platz, werden sortiert nach Strumpfhosen, Socken und das war es dann.
Was ist denn mit eurer Kreativität? Kreativität ist die schöpferische Fähigkeit, Neues zu erschaffen, das in irgendeiner Art und Weise Nutzen oder Sinn hat – also tatsächlich zu kreieren oder auch nur zu erdenken. Genau dort könnt ihr Ideen haben, wie ihr die Dinge ordnet. Wichtig ist, wie ihr sie ordnet und nicht wie es sein sollte. Wer sagt, wie es sein sollte?Ich bin eine Raupe und du ein Reh. Doch ich werd ein Schmetterling und du wirst Filet.
Die Sache mit dem streiten ist die, wenn man etwas zurückhält, arbeitet es auf lange Sicht gegen euch (Dalai Lama)
Wenn du jemand anderem vergibst, dann tust du dies deinetwegen, nicht weil der andere das verdient. (Doris Wolf, Psychotherapeutin)
-
02.02.2012, 08:34
-
02.02.2012, 08:45
AW: versinke im Chaos
Danke für die tollen Tipps.
Bei mir herrscht zwar kein riesen Chaos.
Aber die ein oder andere Anregung hier ist wirklich super.
Vor allem: Dinge nur 1x in die Hand zu nehmen.
Das werde ich jetzt umsetzen.
Kleiderschrank ausmisten habe ich vor Weihnachten auch gemacht.
Und dann vieles ins Diakonie-Geschäft gebracht.
Mein Fehler war, dass ich mir dort gleich was "Neues" mitgenommen habe.
Unser Haus ist relativ Deko-frei.
Bin der Meinung: je weniger desto schöner sieht es aus.
Also, schon ein paar Dinge, die "rumstehen", aber wirklich nicht viel.
Aber die Schubladen sind maßlos überfüllt mit irgendwelchem Krimskrams,
den eigentlich kein Mensch jemals wieder braucht.
Wird halt immer da rein geworfen - sieht ja keiner.
Da muss ich unbedingt ran!Grüße von Ziva
Ein Hund ist ein Herz auf vier Beinen.
-
02.02.2012, 09:10Inaktiver User
AW: versinke im Chaos
Genau das ist es.weil ich zu faul alles zweimal zu machen oder anzufassen und ich bin zu faul irgendetwas zu suchen.
Ordentlichkeit wegen Faulheit.
Klar, es nicht zu "schaffen", die benutzte Tasse sofort abzuwaschen, sondern erst mal in der Küche zwischenzulagern, hat auch mit momentaner Faulheit zu tun. Aber ich habe mir da angewöhnt, jedes Mal bewusst den Kopf einzuschalten und mir Folgendes zu sagen:
"okay, der Abwasch jetzt direkt nach dem Essen nervt mich. Aber es wird mich morgen noch viel mehr nerven, zuerst mal das dreckige Abendgeschirr abwaschen zu müssen, bevor ich das machen kann, was ich morgen eigentlich machen will, nämlich Frühstück."
Dass das so ist, dass es morgen noch viel mehr nerven wird, das weiss ich aus Erfahrung. Das weisst bestimmt jede von euch, die es nicht schafft, die Dinge sofort wegzuräumen, aus Erfahrung. Sagt euch das immer wieder, jedes Mal, wenn ihr vor der Entscheidung steht, etwas sofort (in einem Zug, mit nur einmal anfassen) zu machen, oder es zwischenzulagern und "irgendwann später" zu machen.
Ihr wisst genau, dass das "irgendwann später" noch viel mehr nerven wird als jetzt.
Ist wirklich eine Kopfsache. Bewusst immer wieder vorsagen. irgendwann wirds zur Gewohnheit.
-
02.02.2012, 09:34
AW: versinke im Chaos
Tut mir Leid, Unnah, das war nicht meine Absicht.
Allerdings kann ich es auch nicht schönreden, dass das Chaotentum meiner Schwester tatsächlich Probleme bereitet.
Gerade im Zusammenleben ist es schwierig, wenn der Partner in diesem Bereich völlig konträre Vorstellungen hat. Das macht den Alltag mühsam und bietet jede Menge Zündstoff.
Jemand, der sich selbst als Chaot definiert und darunter auch leidet, hat mE gute Chancen, etwas an seiner Lebensform zu ändern - wenn er denn will.
Umgekehrt kann ich mir nicht vorstellen, dass ein ordentlicher Mensch zum Chaoten mutieren möchte.
Zur Beruhigung - mein Ex war ebenso ordentlich und perfektionistisch veranlagt wie ich ... die Beziehung hielt also trotz Übereinstimmung in diesem Bereich nicht
.
-
02.02.2012, 11:22
AW: versinke im Chaos
Zur Frage nach dem Innenleben:
Ich denke, dass Chaoten zwischendurch oft "unbewusst" sind. Sie verursachen Unordnung, in dem sie viele Dinge hintereinander liegen lassen, ohne es zu merken. Sie sind im Kopf beschäftigt und u. U. sehr zielgerichtet, denken also beim Teemachen an den Tee und das nette Buch, das sie beim Trinken lesen wollen, und sind nicht JETZT im Moment und HIER in der Küche, wo sie währenddessen die Zuckerdose, die Serviettenpackung, das Teesieb liegen lassen.
BEWUSST im Moment aufmerksam zu bleiben, ist eine Möglichkeit, die innere Haltung zu ändern. Die Aufmerksamkeit bei der gerade vollzogenen Handlung zu lassen. Einfach gucken, was ich gerade in die Hand nehme und im begriff bin, irgendwo liegen zu lassen. Zen-buddhistisches Ordnung machen.
Aber auch wenn chaotisch oft unbewusst ist, ist geordnet nicht automatisch bewusst. Manchmal ist gerodnet einfach kontrollsüchtig oder innerlich leer auf Äußerlichkeiten fixiert. You never know.
Chaos kann Überforderung sein, aber kann auch Gelassenheit sein. Ordnung kann Überblick sein, aber auch Kontrollsucht und Angst.
Ganz wesentlich finde ich deshalb, die Unordnung nicht als "Versagensbeweis" zu verstehen und sich nicht zu verurteilen. Chaos in der Wohnung muss nicht heißen, dass jemand schwach ist, sondern kann einfach ein hohes Aktivitäts- und Energielevel sein.
Wenn man zulässt, dass Chaos halt einfach mal IST, kann man sich oft entspannen und die innere individuelle Struktur spüren, die darunter liegt. Die will sowieso raus! Und wenn sie zugelassen und wahrgenommen wird, ordnen sich die Dinge oft schrittweise wie von selbst und ohne Druck. Solange man sich verurteilt und dem Klischeebild von Schöner Wohnen, dem "so-wie-es-sein-soll" nachläuft, scheint jeder Versuch zum Scheitern verurteilt.
Zumindest war es bei mir so. Ich war ein unsagbarer Chaot und habe mich, sobald ich das Schwarz-weiß-Denken losgelassen habe, total entspannt gewandelt. Aber wisst ihr was? Ich fühle mich immer noch gleich. Davor hatte ich gedacht, wie "angekommen" ich mich fühlen würde, wenn nur endlich alles picobello wäre. Denkste!
Ordnung ist nur das halbe Leben - ich lebe in der anderen Hälfte. Auch wenn die mittlerweile geordnet ist. 
Versteht ihr, was ich meine?
LGL
-
02.02.2012, 12:03Inaktiver User
AW: versinke im Chaos
Das kann ich uneingeschränkt bestätigen. Indem es z.B. gelingt, das Abstellen von benutztem Geschirr zu einer bewußten Handlung zu machen, wird einem der Unsinn bewußt, die Tasse erst auf der Spüle zwischenzuparken, anstatt sie sofort in den Geschirrspüler zu stellen. Nach und nach landet dann die Tasse auch unbewußt sofort im Geschirrspüler.
Bei den Posteingängen gelingt es mir nur teilweise, sie nur einmal in die Hand zu nehmen, weil ich zwar die Post sofort öffne, um einen Überblick zu erhalten, aber nicht immer Zeit für eine umgehende Erledigung habe. Wichtig in diesem Zusammenhang erscheint mir zu sein, mich sofort von dem Müll zu entlasten, d.h. z.B. Postwurfsendungen, die mich nicht interessieren landen sofort im Papierkorb, den ich einmal wöchentlich ausleere, ohne ihn vorher noch einmal auf wichtige Unterlagen durchsehen zu müssen. Die wichtigen Papiere unterteile ich sofort in "nur Ablage" und in "noch etwas tun" (z.B. Rechnungen, Belege für die nächste Steuererklärung usw.) und habe dafür auf meinem Schreibtisch zwei Ablagefächer. Auf diese Weise habe ich die Dinge, die ich unbedingt noch zu erledigen habe, immer im Blick. Eine Rechnung wandert nach Überweisung z.B. sofort in das Ablagefach.
Noch eine Bemerkung zum Strangtitel: Wenn ich in vier Büchern gleichzeitig lese und sie geöffnet auf dem Schreibtisch und dem Sideboard liegen habe, mag das für einen Außenstehenden unordentlich oder gar chaotisch aussehen. Für mich besteht aber darin eine Ordnung: Meine Ordnung. Meine Wohnung ist dann allenfalls nicht aufgeräumt.
Unordnung ist für mich erst dann ein Chaos, wenn ich Dinge "aus den Augen verliere". Und das fängt im Kopf an.
-
02.02.2012, 12:16
AW: versinke im Chaos
Schönes Posting, Lil

Ja, das stimmt.Lil
Ordnung kann Überblick sein, aber auch Kontrollsucht und Angst
So genau habe ich meinen Ordnungssinn noch nie hinterfragt.
Ich war schon immer so, sogar als Kind.
Den Überblick nicht verlieren zu wollen, ist Kontrollsucht.
Die Konditionierung spielt eine große Rolle.
Besonders meine Mutter hat mit eindeutiger Mimik
und auch verbal alles und jeden abgewertet, der ihrem Sinn für Ordnung nicht entsprochen hat.
Aufräumen = brav sein.
Als Kind will man es "recht machen" und ein Automatismus wird in Gang gesetzt.
Wie alles, hat auch die Ordnung zwei Seiten.
Ganz pragmatisch, erleichtert sie das Leben und Arbeiten ungemein.
Ich brauche niemanden, der etwas für mich finden muss, dazu habe ich selbst Überblick genug ;--)
Die täglich anfallenden Dinge gehen auch schnell von der Hand, da sich nie viel ansammelt.
Andererseits ...
... möchte ich das Bild, das ich von mir selbst habe (in Richtung Perfektion) auch um keinen Preis angekratzt wissen.
Wenn ich meine Wohnung verlasse, so ist sie in der Regel sauber und aufgeräumt. Meine Kinder haben nämlich Schlüssel zu meiner Wohnung, können also jederzeit rein, auch wenn ich nicht da bin. Den Gedanken, dass sie da Mom's "Saustall" vorfinden könnten, den finde ich unerträglich ... auwei
... jetzt, wo ich das schreibe, mutet das tatsächlich etwas seltsam und verschroben an.
So sehe ich das bei meiner Schwester.Lil
Chaos in der Wohnung muss nicht heißen, dass jemand schwach ist, sondern kann einfach ein hohes Aktivitäts- und Energielevel sein.
Ich sehe Unordnung nicht als Versagen bei anderen.
Aber ich weiß, dass ich nicht so leben wollte, mir ginge es nicht gut damit.
Ordnung und Kreativität schließen einander ebenfalls nicht aus.
Weiß ich aus Erfahrung
Aber bei unordentlichen Menschen ist man eher geneigt, "kreatives Chaos" hinein zu interpretieren.
Vom Wesen her tendiere ich zur Klarheit des Feng Shui (obwohl das aber für mich kein Credo darstellt).
.


Zitieren

