Hi!
In letzter Zeit bin ich sehr gelassen. Ich bin in einer Beziehung mit einem Mann, der von Berufs wegen sehr wenig Zeit für mich (und für sich selbst) hat und außerdem die Eigenschaft hat, ständig zu spät zu kommen. Früher hat mich das sehr gewurmt, inzwischen nehme ich es mit Gelassenheit hin. Wenig Zeit mit ihm zu verbringen stört mich nicht mehr großartig, ich vermisse ihn auch selten. Trotzdem liebe ich ihn nach wie vor. Früher fand ich die Tatsache, dass es kurz- und mittelfristig keine Besserung geben wird, sehr bedrückend. Auch dass sich das Thema Zusammenziehen wg. mangelnder zeitlicher Ressourcen und Chaotentum meines Freundes und auch das Thema Familiengründung usw. aufgrund meines fortschreitenden Alters (36) eigentlich langsam erledigt, habe ich gedanklich und emotional "durch". Als mich kürzlich eine Bekannte fragte, welche Pläne oder Wünsche ich für 2012 habe und ich ehrlich antwortete "mich nicht verschlechtern - in Gesundheit, Job und auch sonst allem", habe ich gemerkt, dass sie recht irritiert war. Für einen Außenstehenden könnte es so aussehen, als sei ich völlig deprimiert oder sogar depressiv, ist es aber nicht. Ich empfinde mich eher als "leidenschaftslos". Gedanken über meinen Zustand mache ich mir aber schon, weil ich es so von mir nicht kenne. Lebt sich eigentlich ganz gut, aber manchmal kommt es mir dann doch unnormal oder komisch vor. Unter der Woche besteht mein Alltag aus Arbeit, müde sein danach und froh sein, dass ich, wenn ich mich nicht mit Freundinnen treffe, Ruhe habe und gemütlich mit einem Buch früh ins Bett gehen kann. Am Wochenende gehen mein Freund und ich aus, was mir gut gefällt. Das wars. Ist das oberflächlich? Ich habe viele Interessen, bin dann aber oft zu groggy um das meiste tatsächlich zu tun....mir ist vieles "zu viel" und ich bin z.B. oft erleichtert, wenn eine Verabredung abgesagt wird. Wie gesagt, mir gehts damit nicht schlecht, aber wenn ich lese was ich gerade geschrieben habe, finde ich es irgendwie "wenig", was ich so aus meinem Leben mache. Bitte Meinungen dazu, bin gespannt! Danke und nen schönen Sonntag
C.
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22.01.2012, 17:15Inaktiver User
Unterschied Gelassenheit - Gleichgültigkeit?
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22.01.2012, 17:22Inaktiver User
AW: Unterschied Gelassenheit - Gleichgültigkeit?
Hallo Christella,
wie war das denn früher bei Dir? Hast Du das Gefühl, Deine früheren Leidenschaften hintenan gestellt zu haben, aus Kompromiss-Gründen oder aus Konfliktscheu? Empfindest Du keine Freude, wenn Du Deinen Interessen nachgehst?
Ich bin eigentlich auch ganz gelassen, äußerlich jedenfalls. Innendrin ist es anders. Man arrangiert sich mit bestimmten Dingen und solange keine Unzufriedenheit auftaucht, ist das ja okay. Du darfst Dich nicht kirre machen lassen, wenn Du andere Meinungen dazu hörst. Es wurde mir auch schon mal gesagt, ich wirkte desinteressiert, dabei hab ich mich nur nicht verrückt machen lassen von bestimmten Dingen. Das wurmte mich.
Was mich allerdings stutzig macht, ist, dass Du so antriebslos bist. Welche Gründe, außer Deiner Müdigkeit, gibt es, um Dinge nicht in Angriff zu nehmen? Die Befürchtung wäre ja, dass Du irgendwann aufwachst und wirklich denkst: aus meinem Leben habe ich nichts gemacht und nun ist der Zug abgefahren. Manchmal steht man sich nämlich selbst im Weg.
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22.01.2012, 17:39Inaktiver User
AW: Unterschied Gelassenheit - Gleichgültigkeit?
Hallo Mondschaf,
der Unterschied zu früher ist, dass ich mich früher fürchterlich aufgeregt habe, wenn was nicht so gelaufen ist, wie ich mir es vorstellte. Heute bin ich sehr viel realistischer geworden: Freund umkrempeln in punkto Pünktlichkeit - geht nicht; Rahmenbedingungen ändern - geht nicht solange ich mit ihm zusammen bin. Schluss machen nur deswegen: nö. Was die Interessen betrifft brauche ich jemanden, der mitzieht (z.B. Tanzkurs, Wandern). Ansonsten habe ich mir beispielsweise für teuer Geld einen prima Italienischkurs zugelegt, den ich nur mal täglich 15 Minuten machen müsste.....aber ich brauche auch ein bisschen Druck. Ein Italienurlaub! Leider mangelt es bezügl. der Interessen auch oft am Geld. Die Welt erkunden würde ich gerne, oder nen Yogaurlaub machen. Aber wenn ich mir nur 1x im Jahr nen Urlaub leisten kann, möchte ich den natürlcih mit meinem Freund verbringen......
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22.01.2012, 17:56
AW: Unterschied Gelassenheit - Gleichgültigkeit?
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Ja, stimmt, 36 Jahre ist ein furchtbar fortgeschrittenes Alter, um überhaupt noch an sowas wie eigene Kinder zu denken, geschweige denn, sie sich zu wünschen und etwas dafür zu tun, dass der Wunsch Wirklichkeit wird...
*Ironiemodus off.*
Ich denke, dass Du noch lange nicht mit der Kinderfrage durch bist. Weder emotional noch rational.
Ich denke, dass diese Frage von Dir ins "Bewusstlose" verdrängt wurde, weil diese Frage/Wunsch anscheinend mit diesem Freund, mit dem Du gerade zusammen bist, nicht zu verwirklichen ist.
Allerdings wirkst Du auf mich auch in einem gewissen Maße erschöpft. Du suchst Ruhe und bist froh, oft für Dich sein zu können. Das zeigt, dass auch Du selbst gerade einen Kinderwunsch gar nicht umsetzen könntest selbst wenn Du wolltest ,denn Du hast momentan nicht viel Energie. Kinder fordern aber Energie. Deshalb, so meine Vermutung, ist dies der zweite Grund (neben Deinem Freund, der sich "nicht auf die Reihe bekommt"), weshalb Du Dir sagen kannst, dass Du "gedanklich und emotional durch" wärest, mit dieser Frage, bzw. es Dir ganz recht ist, diese Frage - anscheinend - "durch" zu haben. Anscheinend eine Baustelle, die für Dich geklärt werden muss, weniger...
Wenn Du mit diesem Leben, das Du als oberflächlich und leidenschaftslos charakterisierst, glücklich wärst, stelltest Du Dir nicht die Frage, ob es einen Unterschied zwischen Gelassenheit und Gleichgültigkeit gäbe. Dann spürtest Du ganz einfach den Unterschied und Du könntest Dir diese Frage ganz eindeutig selbst beantworten. So aber ist diese Frage ein Indiz, dass Du von einer vermeintlichen Gelassenheit in eine Gleichgültigkeit Dir selbst gegenüber (und damit in einem gewissen Maße auch gegenüber Deinem Freund) gerutscht bist.
Ich an Deiner Stelle würde mich fragen, was ICH wirklich will. Nicht, was von Deinem Freund oder von den Umständen zu erwarten ist, um dann Deine Wünsche an diesen und diese anzupassen.
Was willst DU?
PS: Wenn es Dir gut gefällt, mit Deinem Freund am Wochenende auszugehen, dann ist das etwas sehr Schönes. Wie kommst Du darauf, dass das oberflächlich sein könnte? Das, was zählt, ist, ob Du eine gute Zeit mit Deinem Freund verbringst, und nicht, ob das von Außen "oberflächlich" aussieht. Und selbst wenn es jemand so bezeichnen würde, kann Dir das in dem Moment am Allerwertesten vorbei gehen. Was zählt ist, ob DU selbst mit Deiner Freizeitgestaltung einverstanden bist und Dich damit wohlfühlst. Und an dieser Stelle kannst Du wirklich Gelassenheit üben. Gelassenheit gegenüber den Meinungen anderer nämlich!
Alles Gute!
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22.01.2012, 19:51Inaktiver User
AW: Unterschied Gelassenheit - Gleichgültigkeit?
HAllo,
ich würde auch sagen, daß man in Deinen Zeilen einiges an Erschöpfung zu finden ist!
Ich kenne das und einerseits ist es eine interessante Erfahrung, daß so manches nicht mehr so wichtig ist-- ist ja auch ein gutes Zeichen, daß man sich nicht mehr und mehr aufhalst sondern sich lieber mit Ruhe zurückziehen kann.
Schätze aber- wenn Du mal wieder zu Deinen ganzen Kräften kommen würdest-- würde da schon mehr Lust auf "mehr" breitmachen.
Gelassenheit- hat das Wort "lassen" in sich und dazu gehört ja auch loslassen.
Nicht den anderen ändern zu wollen gehört dazu und das ist mal sicher ein guter Weg um ständigem Stress aus dem Weg zu gehen- bringt ja auch nix
Gleichgültigkeit- hat doch sehr viel von "egal" und da liegt für mich der Unterschied.
Wenn einem etwas egal ist....dann spielt es keine Rolle ob es ist oder nicht.
Bei Gelassenheit ist der Kern schon wichtig- auch wenn ich mich über bestimmte Dinge nicht mehr aufregen muss.
kenzia
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23.01.2012, 14:54
AW: Unterschied Gelassenheit - Gleichgültigkeit?
Es gibt einen amerikanischen Spruch:
Take it, change it or leave it.
Der besagt, dass Du 3 Möglichkeiten hast:
1. Du kannst etwas so nehmen, wie es ist, wenn das für Dich so (noch) okay ist.
2. Du kannst es ändern, wenn es Dir wichtig genug ist.
Hier kannst Du versuchen, den anderen zu ändern – oder die Situation, indem Du Dir Alternativen suchst.
3. Du lässt es überhaupt und beklagst Dich auch nicht mehr darüber. Du lässt es los oder gibst es auf.
Wichtig ist dabei, dass es an Dir liegt, wofür Du Dich entscheidest.
Ich habe den Eindruck, die Anpassungsleistungen, die Du mit Deinen Erwartungen an Deinen Freund machen musstest, haben Dich ziemlich erschöpft. Du hast nicht mehr viel Kraft, weil es Dich schon viel Kraft gekostet hat, Dich mit ihm auseinanderzusetzen und Deine Hoffnungen, was ihn angeht, zu begraben.
Das heißt jedoch nicht, dass Du deswegen Deine sämtlichen Erwartungen an eine Partnerschaft aufgeben sollst. Wenn Du findest, dass dieser Mann zu wenig verlässlich ist und zu wenig von seinem Leben mit Dir teilen will, dann musst Du nicht denken, dass Du überzogene Ansprüche hast, die Du gefälligst runterschrauben musst. Mit einem anderen Mann gäbe es diese Probleme nämlich nicht unbedingt.
Überlege Dir gut, ob Du mit diesem Mann zusammen bleiben willst, besonders, wenn Dir Familiengründung wichtig ist. Ich glaube nicht, dass dieser Mann Dir dankbar dafür sein wird, dass Du Dich seinen Erfordernissen so schön angepasst hast, bis hin zum Verzicht auf ein Kind. Denn Du belohnst sein Verhalten ja schon damit, dass Du bei ihm bleibst. Er hat also keinen Grund, irgendwas zu ändern.
Ich habe in Deinem anderen Strang gelesen, dass Dich soziale Kontakte anstrengen.
Das geht mir teilweise auch so. Aber gerade, wenn man eine Beziehung hat, die anstrengend ist, ist es wichtig, ein paar Wohlfühlfreunde zu haben, bei denen Du Dich wirklich wohlfühlen und fallen lassen kannst. Stellst Du den Kontakt zu denen auch noch ein, hast Du außer Deinem anstrengenden Freund keine anderen Kontakte und keinen sozialen Rückhalt mehr.
Und bei dem Mann kann es durchaus sein, dass er Dich eines Tages ganz abserviert.
Dieser Möglichkeit solltest Du ins Auge sehen.Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!
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23.01.2012, 16:11
AW: Unterschied Gelassenheit - Gleichgültigkeit?
Lies doch mal Chrisoph Heins Novelle "Drachenblut".
Ist das Gelassenheit oder Gleichgültigkeit? Oder weit Schlimmeres?
Hans----------------------------------------------------------------
"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.
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23.01.2012, 16:44
AW: Unterschied Gelassenheit - Gleichgültigkeit?
Hi Christella,
emotionale Taubheit ist kein gutes Zeichen. Normal tritt sie auf, wenn man einfach abgekämpft ist, und geht dann auch wieder weg. Wenn sie nicht weggeht, würde ich mir Sorgen machen.
Meiner Erfahrung nach ändert sich das Empfinden auch ein wenig mit dem Alter. Ein bißchen weniger Drama ist normal, oft aufgewogen durch ein bißchen mehr Humor. Trotzdem, manchmal denkt man, wo sind eigentlich die ganzen klaren Farben hin...
Gelassenheit, m.E. ist 1) das Wichtige vom Unwichtigen und das Änderbare vom nicht Änderbaren unterscheiden zu können, und 2) mit all diesen Varianten sinnvoll umzugehen.
Gleichgültigkeit dagegen erachtet nichts als wichtig und bezweifelt das Konzept der Veränderbarkeit. Was dazu führt, daß Situationen unangemessen angegangen werden, und einem das Leben aus dem Ruder läuft.
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23.01.2012, 18:04Inaktiver User
AW: Unterschied Gelassenheit - Gleichgültigkeit?
Liebe Latona,
vielen Dank, Dein Beitrag bringt mich sehr zum Nachdenken. Ich glaube, spätestens Ende des Jahres werde ich auf Änderungen in meinem Leben zurück blicken. Ich bin mir noch nicht sicher, in welche Richtung genau, aber ich denke schon, dass ich das Bedürfnis habe, etwas in meinem Leben zu ändern. Das bin ich mir wahrscheinlich schuldig....
Danke auch allen Anderen, die mir geantwortet haben. Manche Dinge mag man nicht im Freundeskreis besprechen aus Angst dass man dann irgendwie unter Druck gesetzt wird.
Liebe Grüße, C.
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23.01.2012, 19:06Inaktiver User
AW: Unterschied Gelassenheit - Gleichgültigkeit?
Hallo!
Gelassen sein, weil man weiß, dass die Dinge eh kommen wie sie kommen, dass sie sich nicht immer ändern lassen. Deshalb kann man sich trotzdem an etwas erfreuen oder wissen, dass einem mit besser geht als ohne.
Gleichgültig, weil's einem nicht wichtig ist oder eben egal. Dann macht es wohl keinen Unterschied ob man mit oder ohne ist.
LG
Kuschelchenreloaded


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