Gerade bin ich sehr frustriert. Ein mir schon bekanntes Phänomen setzt wieder bei mir ein: ich bin so verkopft. Das meiste, was ich sage oder mache, geht wie durch einen Filter. Wird analysiert, auf alle möglichen Kriterien hin überprüft. Wie formuliere ich am besten? Kann ich das jetzt so sagen / machen, oder nerve / störe / irritere ich den anderen damit? So viel Unsicherheit ist da, soviel Selbstkontrolle, Selbstüberprüfung, Selbstdarstellung. Das ist nicht nur frustrierend - weil es Spontanität, Lebensfreude, Lockerheit, Leben nimmt - sondern auch unglaublich anstrengend. Der Kopf ist im Dauereinsatz. So viel Starre. Schwere. Besonders schlimm erlebe ich das im momentanen Kennenlernen eines Mannes. Habe das auch früher in Beziehungen besonders arg erlebt. Allerdings auch in Freundschaften und teils auch im Büroleben - in letzterem aber nicht ganz so schlimm, vielleicht weil ich da eine feste Rolle habe, für die Sache einstehe und nicht so sehr für mich.
Mitte August habe ich mich von meinem Freund getrennt. Fühlte mich danach nicht gut, aber irgendwie wieder selbstbestimmt, frei, lebendig. Nun habe ich - schneller als erwartet - wieder jemanden kennengelernt. Und falle in alte Muster, von denen ich weiß, dass sie unnötig und kontraproduktiv sind: ich versuche, alles recht zu machen, passe mich an, traue mich nicht, meinen Mund aufzumachen - und das in den einfachsten Dingen wie Abendgestaltung und so. Ich bin einfach so passiv. Dabei war es die erste Zeit im Kennenlernen - vermutlich weil es so ungeplant und schleichend kam - noch ganz anders, ich war einfach ich. Und ich weiß ja auch, dass das immer das Beste ist - und dass es in einer Beziehung nicht nur mich, sondern auch den Partner glücklicher und zufriedener macht, wenn ich einfach ich bin, mit Ecken und Kanten und meinen Bedürfnissen. Warum nur ist es in der Theorie so viel einfacher? Wie bekomme ich die Hemmungen weg? Hat jemand einen Tip? Oder kennt das auch von sich? Ich stehe mir so sehr selbst im Weg...![]()
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Ergebnis 1 bis 10 von 17
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16.01.2012, 17:25
Wie bekomme ich den Filter weg?
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16.01.2012, 18:00Inaktiver User
AW: Wie bekomme ich den Filter weg?
Hallo Quietscheente,
ich kenne das auch! Ich leide nicht direkt drunter, weil ich auch die guten Seiten daran sehe und die Vorteile davon. Außerdem hilft es mir, mich besser anzunehmen, wenn ich es nicht komplett weg haben möchte. Im Beruf ist es zB sehr vorteilhaft, weil ich diejenige bin, die schneller einen anderen Blickpunkt auf Dinge bekommt und damit objektiver beurteilen kann. Ich kann auch "komplexer" denken, weshalb ich oft Durchblick hab. Naja, genug der "Selbstliebe", wobei Dir das sicher auch gut tun könnte
Gut formulieren, so dass es diplomatisch ist, kann ebenfalls von enormem Vorteil im Beruf sein! Und wenn Du lernst, Kritik und tiefere Gedanken so zu verpacken, dass Du niemanden angreifst, kann es sein, dass Du Diskussionen, Freundschaftsaussprachen oder Beziehungsgespräche länger aufrecht erhalten kannst, statt schnell mit Tellern zu werfen..
Wenn Du Dir weniger einen Kopf machen würdest, was Du wie sagst in der Liebe, bei normalen Dingen, lernst Du schnell, dass es wirklich nichts ausmacht. Denn der Mann wird bei Dir bleiben. Selbst wenn es Missverständnisse gibt, die kann man doch ausräumen? Hast Du Angst vor Konfrontation? Und wenn sich jemand an solchen Kleinigkeiten, wie ungeschickte Formulierungen, aufzieht, dann ist er es eh nicht wert, sich zu zermartern. Was denkst Du darüber?
Was mir natürlich fehlt in der Verkopftheit, ist das Genießen. Geht es Dir auch so? Hierfür hätte ich auch gerne einen Tipp oder einen neuen Gesichtspunkt. Ich kann es kaum. Und wenn mich die Dinge überrumpeln, so wie es bei Dir mit dem Kennenlernen des Mannes war, dann bin ich auch irgendwie ich und kann plötzlich genießen. Relativ schnell kommt dann aber das Gewissen hoch und ich drehe und wende alle möglichen Aspekte, die damit zusammenhängen könnten. Dann kommen die Hemmungen und das nervt. Wobei mein Gefühlsleben sehr reich ist und ich oft intuitiv entscheide, aber ich zeige es nach außen nicht so. Das ist wie zwei Welten. Ich möchte mich so gern hinreißen lassen können, mehr noch als bisher (es ist irgendwie bisschen besser geworden, da spielte ein bestimmter Mann eine Rolle).
LG
Mondschaf
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18.01.2012, 22:24
AW: Wie bekomme ich den Filter weg?
Hallo Quietscheente,
was Du schreibst, trifft bei mir genau ins Schwarze - ich kenn das auch, ganz genau so. Ich habe das Gefühl, dass ich irgendwie immer neben mir stehe und mir zuschaue, mich beurteile, und bei allem abwäge, was für einen Eindruck mach ich gerade.
Interessanterweise ist es bei mir auch so, dass das bei der Arbeit viel weniger ausgeprägt ist. Ich denke auch, dass das an der Funktion liegt, die man dort verkörpert, das bin nicht ich persönlich, das ist eben eine Rolle - und zum Glück eine, die ich ganz gut kann. Und wie Mondschaf sagte, hier hat diese Eigenheit sogar auch ihr Gutes.
Im Privaten finde ich sie aber auch sehr belastend. Durch dieses gefilterte Verhalten ist es ja unmöglich, authentisch zu sein, man stößt dann zwar niemanden vor den Kopf, kommt aber schwammig, unlebendig, langweilig rüber. Es ist dann z.B. auch schwer, echte Freundschaften aufzubauen, weil die anderen mein eigentliches Ich hinter dem Filter nicht sehen können.
Auf der Beziehungsebene ist das für mich allerdings komischerweise kein großes Problem gewesen. Ich weiß gar nicht, warum, aber da konnte ich offensichtlich genug Vertrauen aufbauen, dass mein Partner tatsächlich mich liebt und nicht meine Außendarstellung. Allerdings hatte ich bisher auch nur zwei langjährige Beziehungen (bin jetzt in der zweiten), die sich jeweils sehr allmählich entwickelt haben. Da hatte ich vielleicht einfach Glück.
Leider habe ich keine Tips für Dich - würde mich selbst über welche freuen. Ich habe allerdings das Gefühl, dass es sich mit dem Älterwerden bessert und hoffe, dass dieser Trend anhält.
Dass ich mich vor kurzem hier im Forum angemeldet habe, hat übrigens auch damit zu tun: Ich will jetzt ernsthaft an dieser Baustelle arbeiten und sehe das Forum als eine Möglichkeit, in der Anonymität zu üben, mich "ungefiltert" zu äußern. Bist Du schon lange dabei, und hast Du das Gefühl, dass das so funktioniert?
Es ist ganz tröstlich, dass ich nicht die Einzige mit dieser seltsamen Macke bin
Viele Grüße
Lizabeth
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19.01.2012, 00:25
AW: Wie bekomme ich den Filter weg?
Hallo Quietscheente,
ich würde dein Problem nicht in deiner Tendenz sehen, dein Verhalten zu bewerten und zu analysieren, sondern darin, daß du Angst hast, nicht gemocht zu werden. Mit genau der gleichen Fähigkeit zur Selbsterkenntnis könnte man sich zum Beispiel sagen, "Es ist mir wichtiger, daß ich mich mag als daß ich so bin, wie andere es von mir erwarten, denn was andere denken, kann ich sowieso nicht beeinflussen, und ich verschwende meine Energie damit, ihnen was vorzuspielen". Oder so.
Du stellst dir vor, was alles schiefgehen kann, wenn du dich nicht verbiegst, und dann vielleicht noch, was alles schiefgehen kann, *wenn* du dich verbiegst. Versuch vielleicht statt desse mal, dir vorzustellen, was alles gut gehen kann, wenn du dich nicht verbiegst: Was du dann tätest, was dir wichtig wäre, und wie sich das anfühlen würde.
Wenn du besser für eine Sache einstehen kannst als für dich, vielleicht kannst du deine Ziele als Projekt betrachten?
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19.01.2012, 16:45
AW: Wie bekomme ich den Filter weg?
Mir gefällt dieser Vorwurf des Verkopften überhaupt nicht. Damit werden Menschen diffamiert, die eben etwas mehr als die Mehrheit der Menschen nachdenken.
Situationen zu analysieren ist wichtig, um sich vor Gefahren und unnötigen Risiken zu schützen.
Das Problem mit Menschen, die jedoch zu viel grübeln, ist, dass sie ihren eigenen Schutzmechanismen nicht wirklich trauen. Deshalb wird immer nochmals alles in Frage gestellt, anstatt dass man bei einer gründlichen Analyse und deren Ergebnissen bleibt.
Damit macht man sicher natürlich unnötig das Leben schwer.
Man sollte sich sagen: "So, jetzt habe ich die Situation überdacht, war gründlich, und wenn sie sich nicht ändert, habe ich keinen Grund mehr, weiter darüber nachzugrübeln. Erst wenn eine wichtige Änderung eintritt, werde ich mich nochmals damit befassen. Bis dahin fahre ich den festgelegten Kurs."Der Mann wird den Eindruck von Dir bekommen, dass Du entweder sehr pflegeleicht oder sehr langweilig bist, je nachdem, wie er zu weiblicher Anpassungsbereitschaft steht. Willst Du einen Mann, der Dich nur mag, wenn Du pflegeleicht und anspruchslos bist? Wenn nein, dann wird es für Dich höchste Zeit, ein wenig Profil zu zeigen! Sollte ihn das vergraulen, hast Du nicht viel verloren!Und falle in alte Muster, von denen ich weiß, dass sie unnötig und kontraproduktiv sind: ich versuche, alles recht zu machen, passe mich an, traue mich nicht, meinen Mund aufzumachen - und das in den einfachsten Dingen wie Abendgestaltung und so.
Du fängst am besten damit an, indem Du die nächste Abendgestaltung vorschlägst – und zwar mit etwas, was DICH besonders interessiert. Wenn es nicht etwas sehr Weibliches ist, dann stehen die Chancen gut, dass er drauf eingeht.
Mache immer wieder solche Versuche und Du wirst sehen, dass Dir dabei gar nichts passieren kann – im Gegenteil, der Mann wird Dich als interessanter und anregender wahrnehmen, wenn auch mal was von Dir kommt: Vorschläge und Meinungen!Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!
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19.01.2012, 21:50
AW: Wie bekomme ich den Filter weg?
Hallo Quietscheente,
wenn Du das Gefühl hast, Du passt Dich zu sehr an und bist nicht Du selbst - weißt Du dann, was Du eigentlich willst, wagst es aber nicht zu zeigen, weil Du Uneinigkeit fürchtest? Oder ist es eher so, dass Du gar nicht richtig erkennen kannst, was Du willst oder was Deine Meinung zu irgendetwas ist, weil Du ganz damit beschäftigt bist, die Erwartungen zu erraten oder zu erforschen, die Dein Gegenüber an Dich haben könnte?
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25.01.2012, 16:38
AW: Wie bekomme ich den Filter weg?
Vielen Dank für eure Anregungen, Fragen und Erfahrungsberichte! Irgendwie habe ich ein paar Tage gebraucht, mein Kopf war wahnsinnig voll und wollte weder irgendwelchen neuen Input annehmen, noch Sinnvolles wieder ausspucken
Liebe Mondschaf, ja, ein bisschen Selbstliebe täte mir sicher ganz gut... Manchmal gelingt es mir, die positiven Seiten an mir zu sehen - die vor allem in dem oben beschriebenen liegen: ich glaube schon, dass ich sehr reflektiert und "sachlich" Gespräche dieser Art führen kann. Bis es dazu kommt, dauert natürlich ewig, weil ich erstmal überlege, ob ich dem anderen jetzt wirklich so ein Gespräch aufbürden möchte und ob meine Gefühle / Gedanken / Sorgen / Irritationen auch ihre Berechtigung haben. Aber da sind wir schon bei einer meiner großen Baustellen: mich selbst wichtiger nehmen als andere. Ich arbeite daran :-)
Dieser Erfahrung habe ich schon einmal gemacht, in meiner vorherigen Beziehung. Mühsam habe ich es mir erarbeitet, dass ich lernte, Dinge anzusprechen und meine Bedürfnisse zu formulieren und habe damit immer positive Erfahrungen gemacht! Das ist ja das Paradoxe, dass ich jetzt mit einem neuen Mann in diese ganz alten Muster zurückfalle und es wieder als so schwierig empfinde, auch nur die kleinsten Schritte vorwärtszukommen. Aber vermutlich wirds nur so gehen: kleine Schritte machen und mich von Erfolgserlebnissen anspornen lassen...
Wenn Du Dir weniger einen Kopf machen würdest, was Du wie sagst in der Liebe, bei normalen Dingen, lernst Du schnell, dass es wirklich nichts ausmacht.
Ohja, das kenne ich nur zu gut und das ist wohl auch ein Hauptgrund für meinen Post hier: irgendwie habe ich "Blut geleckt", was die Lockerheit und das Genießen angeht und nun kommt dieser blöde Kopf wieder dazwischen! Ich ganz frisch begonnen, mich mit Meditation zu beschäftigen, um den Kopf zwischendurch mal leer zu bekommen. Mal gucken, ob das auf Dauer klappt. Gestern konnte ich damit meinen Kopf "reseten" und einen wirklich schönen Abend genießen. Vielleicht ein Rezept?
Was mir natürlich fehlt in der Verkopftheit, ist das Genießen. Geht es Dir auch so? [...] Relativ schnell kommt dann aber das Gewissen hoch und ich drehe und wende alle möglichen Aspekte, die damit zusammenhängen könnten.
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25.01.2012, 16:44
AW: Wie bekomme ich den Filter weg?
Liebe Lizabeth,
so gehts mir auch. Ich möchte authentisch sein und echt und lebendig - und habe das Gefühl, dass das vor lauter Denken gar nicht möglich ist, weil ein so großer Teil dessen, was ich bin und fühle und möchte nur in meinem Kopf stattfindet und gar nicht nach außen dringt. In Freundschaften bin ich komischerweise sehr sehr offen, kann sehr gut über meine Gefühle und Gedanken reden. Aber dass das den Großteil der Gespräche einnimmt, das ständige Gedanken- und Probleme-Wälzen, macht die Freundschaften irgendwie auch schwer.
Ich kann mir vorstellen, dass es dir helfen kann, zu lernen dich auszudrücken und Feedback zu bekommen - du solltest es zumindest nicht unversucht lassen! :-) Da ich mich im sonstigen sozialen Umfeld - vor allem in Freundschaften - ziemlich offen äußern kann (außer über Dinge, die konfliktträchtig sind - bin da auch sehr harmoniesüchtig und tue mich schwer, meinen Mund aufzumachen, wenn mir Sachen aufstoßen), ist das Forum in dem Punkt nicht so eine wichtige Spielfläche für mich.
Dass ich mich vor kurzem hier im Forum angemeldet habe, hat übrigens auch damit zu tun: Ich will jetzt ernsthaft an dieser Baustelle arbeiten und sehe das Forum als eine Möglichkeit, in der Anonymität zu üben, mich "ungefiltert" zu äußern. Bist Du schon lange dabei, und hast Du das Gefühl, dass das so funktioniert?
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25.01.2012, 16:47
AW: Wie bekomme ich den Filter weg?
Liebe wildwusel,
klar, das hängt ziemlich nah zusammen. Danke für deinen Rat, ich werde versuchen, meinen Blick auf die positiven Aspekte des Nicht-Verstellens zu lenken. Positive Visualisierung ist sicher besser als worst-case-Szenarien zu erschaffen...
Meine Ziele als Projekt betrachten - auch darüber denke ich nach. Vielen Dank!
Liebe Grüße!
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25.01.2012, 16:54
AW: Wie bekomme ich den Filter weg?
Liebe Latona,
danke auch für deinen Input. Nein, ich möchte natürlich keinen Mann, der mich nur pflegeleicht und anspruchslos möchte und ich weiß theoretisch ja auch, dass ich mich damit im Zweifel nur langweilig und konturlos gebe. Die positive Erfahrung, dass man mit Ecken und Kanten und eigenem Profil viel mehr und als anregender wahrgenommen wird und die Beziehung daran nur wächst, habe ich ja schon gemacht. Und trotzdem kostet es jetzt aufs Neue die Kraft, als müsste ich zum wiederholten Male laufen lernen. Das frustriert mich gerade sehr...
Einen Versuch in Richtung Abendgestaltung habe ich letzte Woche gemacht - er hat dem auch zugestimmt. Leider ging der Abend dann aufgrund verschiedener äußerer Umstände ziemlich in die Hose. Blöd, dass es ausgerechnet beim ersten Versuch "schiefging", aber ich lasse mich nicht unterkriegen :-) Nur so kann ich das ja in den Griff bekommen.
Liebe Grüße!


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