Hallo an alle,
mich beschäftigt seit einiger Zeit folgende Frage bzw. setzt mir hart zu:
Lohnen sich Beziehungen eigentlich? Lohnen sich die ganze Anstrengung, die Ängste, der Frust, das ständige an-sich-arbeiten etc.?
Ich meine das in Bezug auf Männer, aber auch auf Frauen-Freundschaften.
Für die meisten Leute ist man doch austauschbar, speziell für Männer....
Ich bin bestimmt kein Gutmensch, habe andere ganz sicher auch verletzt und gekränkt - jedoch habe ich oft den Eindruck, dass für mich Beziehungen viel wichtiger sind als für andere.
Dass andere oft relativ gut über Verluste hinweg kommen, während ich sehr, sehr lange daran nage u. extrem deprimiert bin.
Seit einigen Monaten empfinde ich eine große Beziehungsmüdigkeit. So der Eindruck "Leute kommen in mein Leben und gehen auch wieder" also, was soll der ganze Stress. Hab keine Lust und keine Zeit mehr, will mich lieber Aufgaben und Inhalten noch mehr widmen.
Aber mein Wesenskern möchte etwas anderes....zwar sind mir außer Beziehungen auch immer Arbeit und andere Inhalte wichtig gewesen, aber Beziehungen an letzte Stelle meines Lebens zu setzen fällt mir sehr schwer.
Aber das müsste man eigentlich tun, aus Gründen des Selbstschutzes - das ist so ein momentaner Gedankengang.
Ich meine jetzt auch nicht so eine Beziehungsfixiertheit, sondern dass Freundschaften/Ehen halten. Dauerhaft sind. Irgendwie scheint das niemanden außer mir wichtig zu sein.
Ich kenne aus der Generation meiner Eltern Freundschaften und Ehen, die lebenslang gehalten haben und soweit ich das einschätzen kann/konnte - auch qualitativ gut waren.
Was meint Ihr? Ich freue mich auf einen Austausch!! Wenn möglich aber nicht so in der Art: Du siehst dich als Opfer etc, denn das meine ich nicht mit dem Posting.
Ich würde mich über eure ERfahrungen freuen!
Bin gespannt LG Rosie
Momentan bin ich auch nicht mehr bereit, viel Zeit und Energie rein zu investieren.
Antworten
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15.12.2011, 14:29
Lohnen sich Beziehungen wirklich!
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15.12.2011, 14:39
AW: Lohnen sich Beziehungen wirklich!
An den Punkt bin ich in meinem Leben immer wieder gekommen.

Und trotzdem habe ich jetzt eine Ehe. Wo auch nicht immer nur Eierkuchen angesagt ist, natürlich nicht. Dennoch ist für mich Liebe in ihren verschiedenen Formen das aller-allerwichtigste auf der ganzen Welt.
Gönn dir doch einfach die Zeit des keine-Lust-habens. Das ist doch normal, zwischendurch. Irgendwann geht es von alleine wieder andersrum.
Darf ich dich fragen, wie alt du bist?
LG KarlaThe original Karla
est. 2006











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15.12.2011, 14:53
AW: Lohnen sich Beziehungen wirklich!
Hallo Karla,
ich bin 49. Und eine Ehe habe ich auch. Und Kinder.
Und trotzdem fühlt es sich nicht wie eine Phase an. Éher wie ein schreckliches Gefühl, so viel meiner Lebenszeit verplempert zu haben.
Zuviel andere, zuwenig ich....bitte nichts auf die Wechseljahre schieben, das ist langweilig:-)
Dieses Gefühl hatte ich schon vor 20 Jahren. Nur nicht so bewusst wie heute. LG R.
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15.12.2011, 15:01
AW: Lohnen sich Beziehungen wirklich!
Hallo leben17
hmm so ganz verstehe ich es noch nicht
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Denkst du zuviel in all deinen Beziehungen, sei es deine Ehe sei es in Freundschaften investiert zu haben?
Fehlen dir liebe Lebensmenschen die DICH mögen und lieben und dich schon lange begleiten?
Fühlst du dich in deiner Ehe geborgen und geliebt?
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15.12.2011, 15:03Inaktiver User
AW: Lohnen sich Beziehungen wirklich!
Und das haben Dir wahrscheinlich auch Deine Beziehungen gespiegelt oder in diesen hast es so empfunden.
Bitte nicht in den falschen Hals bekommen aber die einzige, die die Pflicht hat sich aus dieser Opferrolle rauszulösen bist Du selbst.
Niemand zwingt Dich, Dich für andere aufzugeben, weder Dein Partner noch Deine Kinder. Diejenige, die dafür verantwortlich ist bist Du selbst.
Meist wird einem so ein Verhalten in der Kindheit bereits gelernt, dann musst Du es als Erwachsener irgendwann anpacken und zwar ganz allein bei Dir selbst.
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15.12.2011, 15:10
AW: Lohnen sich Beziehungen wirklich!
Mir geht es auch so. In meinem Leben gab es schon so viele Abschiede auch durch Tod, dass ich heute wenig Interesse verspüre mich für Freundschaften zu engagieren. Oft kommt nicht mal eine Antwort und alles verläuft im Sande. Man trifft sich einmal, unternimmt etwas und dann war es das. Seitdem es mir gleichgültig ist, bin ich zufriedener mit meinem Leben und ich habe nicht mehr das Gefühl für Freundschaften kämpfen und mich einbringen zu müssen. Ich nehme die Menschen so wie sie kommen und so wie sie gehen.
Gerade heute hatte ich ein Erlebnis. Eine Kollegin hat morgen ihren letzten Arbeitstag und geht in Rente. Ich freue mich für sie. Heute morgen haben wir ihr Abschiedsgeschenk überreicht und sie war in Tränen aufgelöst.Ich bin eine Raupe und du ein Reh. Doch ich werd ein Schmetterling und du wirst Filet.
Die Sache mit dem streiten ist die, wenn man etwas zurückhält, arbeitet es auf lange Sicht gegen euch (Dalai Lama)
Wenn du jemand anderem vergibst, dann tust du dies deinetwegen, nicht weil der andere das verdient. (Doris Wolf, Psychotherapeutin)
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15.12.2011, 15:33Inaktiver User
AW: Lohnen sich Beziehungen wirklich!
Hallo Leben17!
Dass Du es aus der Generation Deiner Eltern anders kennst, kann ich nachvollziehen. Ich würde es am ehesten damit begründen, dass schon das räumliche Netzwerk beschränkt war, in dem man sich "damals" bewegt hat. Freundschaften vom Kindergarten an über Schule, Berufsschule und danach vielleicht soziale Gruppen aufrechterhalten und damit gestärkt wurden, so dass sie nicht hinterfragt wurden, sondern einfach da waren. Heute ist es zum Teil vielleicht auch noch so, aber spätestens, wenn die Kinder dann ihren eigenen Horizont erweitern, erweitert sich schließlich auch die Spanne neuer Menschen, die dann eintreten, wohingegen andere zurückbleiben.
Ich investiere gerne in Freundschaften und zwischenmenschliche Beziehungen. Denn für den Moment, gewisse Momente geben sie mir so unendlich viel zurück, und wenn es ein Abend mit einer Freundin war wo ich hinterher gedacht hab, tolles Gespräch, toller Abend. Für mich lohnt sich aus diesem Grund eine Freundschaft.
Ich merke aber auch selbst, dass sich Zeiten durchaus ändern können. Ich bin bisher sehr unstet bzw. örtlich und geistig wechselfreudig gewesen in meinem Leben, und den Kontakt zu Freunden aus vergangenen Zeiten zu halten ist enorm schwer, wenn aus der "neuen" Phase neue Bekannte dazukommen, die dann mit der Zeit und gemeinsam Erlebten zu Freunden werden. Aber ich denke, ich habe es gut geschafft, mir vereinzelte Kostbarkeiten aus der Vergangenheit gut zu bewahren, vielleicht auch, weil ich mir Freunde gut (unbewusst) aussuche, die mir ähneln und ähnliche Werte vertreten.
Somit ja, für die wirklich schönen Momente, die ich sehr oft mit anderen Menschen teile, lohnen sich Freundschaften zu diesen Menschen.
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15.12.2011, 15:38Inaktiver User
AW: Lohnen sich Beziehungen wirklich!
Könntest Du Dir denn vorstellen, dass - wenn Du Dich Dir wirklich entsprechenden Aufgaben und Inhalten widmest, dass dann auch Beziehungen entstehen können, die Du jetzt vermisst?
Kann es sein, dass Du Dich in Kreisen bewegst, in denen Du Dich nicht wiederfindest? Dir deshalb dieses Gefühl von Angenommen- bzw. -angekommen-Sein fehlt?
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15.12.2011, 17:09
AW: Lohnen sich Beziehungen wirklich!
Ich finde nicht, dass die Menschen, zu denen ich Beziehungen habe, einfach austauschbar sind. Auf manche mag das sicher zutreffen, aber bestimmt nicht auf enge Freunde! Und ich bin sicher, dass ich auch für diese Menschen selbst nicht einfach austauschbar bin.
Klar, Beziehungen sollen einem persönlich was bringen, sie sollen mehr an Bereicherung denn an Frust bringen. Ist es umgekehrt, darf zu Recht gefragt werden, ob es noch Sinn macht, diese Beziehung aufrecht zu erhalten.
Ob Beziehungen sich lohnen, hängt natürlich auch von den Erwartungen an sie ab, und die können in der Tat überzogen sein. Wer immer wieder merkt, dass andere sich von ihm zurückziehen, hat vermutlich überzogene Erwartungen an eine Beziehung.
Es macht auch Sinn, Beziehungen zu Menschen zu pflegen, wo man sich nicht dauernd anstrengen und abarbeiten muss. Ist das der Fall, dann hat man Beziehungen zu den falschen Leuten. Und es muss auch möglich sein, sich mal eine Zeitlang zurückzuziehen, ohne dass der andere das gleich als persönlichen Affront nimmt.Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!
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15.12.2011, 17:23
AW: Lohnen sich Beziehungen wirklich!
Hallo an euch alle,
danke für die unbequemen, aber inspirierenden Antworten!
@stecher: Natürlich hast du m E. recht mit dem, was du schreibst.
@Latona: Danke für deine differenzierte Antwort!
@stecher: Ich hatte aber geschrieben, dass ich mich nicht als Opfer fühle- auch wenn bei dir der Eindruck entstanden ist.
Es geht mir darum, dass mir das Zusammensein mit Menschen viel bedeutet, mir Freude und Spass brachte. Vor langer Zeit.
Nur erlebe ich immer wieder, dass Verabredungen einige Stunden vorher platzen, Leute sich einfach nicht mehr melden. Das geht anderen auch so; aber die nehmen es nicht so schwer.
Da ich eher der verbindliche, auf Dauer fixierte, treue und beständige Typ bin, macht mir das schwer zu schaffen. Ich komme mir dabei blöde vor, irgendwie doof.
Ich habe das Gefühl, dass sich mein Umfeld leichtfüssig, wendig und stromlinienförmig nach vorne bewegt, während ich seltsam altmodisch (überholte??) Werte bewahren will, die niemand außer mir gut findet.
Mein Problem ist, dass ich nicht bereit bin, meinen Wesenskern aufzugeben, um mich anzupassen. Ich bin aber bereit für eine Korrektur!
Auch die Story mit der Kindheit ist mir bekannt.
Mir geht es aber um mehr: Ich möchte weg von dieser Küchentisch-Psychologie (sorry, stecher).
Denn im Gegensatz zu vielen meiner Mitmenschen glaube ich nicht, dass alle, die Beziehungen an erste Stelle ihres Lebens setzen, deshalb einen Knacks weg haben. Menschen sind unterschiedlich.
Ganz provokativ gefragt: Vielleicht haben viele einen Knacks weg, weil sie sich aus Angst, abhängig zu werden, vor Beziehungen permanent schützen müssen? Ist es nicht auch ein Zeichen von Stärke und Mut, sich zu Abhängigkeiten zu bekennen?
Klar, allzu viel ist ungesund -aber zuwenig, ist das nicht Selbstverleugnung? Sind wir nicht Bindungswesen?
Was ich denke, geht eher in die Richtung: Wie schütze ich mich bessser vor emotionalen Abstürzen, wie gehe ich mit meinen - offenbar zu hoch gegriffenen Erwartungen an andere - um?
Ein guter Ansatz scheint mir der von Pana. zu sein, mehr im Moment zu leben und mich mehr in Kreisen zu bewegen, die meine Interessen teilen.
Allerdings ist für mich eine Freundschaft etwas von Dauer und nicht das Teilen guter Momente. Es ist auch das Teilen von Krisen und Streitigkeiten.
Bin gespannt auf weiteren Austausch! LG Rose
PS: und an PH 69: Nein, ich fühle mich in meiner Ehe nicht besonders geliebt, obwohl mein Mann dies beteuert. Und ja, klar, es fehlen mir Menschen, die ein bisschen ähnlich ticken wie ich. Werde mich jedoch auf die Suche machen:-))!
Sorry an alle für das Gedankenchaos!!Geändert von leben17 (15.12.2011 um 17:31 Uhr)


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