Antworten
Seite 5 von 10 ErsteErste ... 34567 ... LetzteLetzte
Ergebnis 41 bis 50 von 93
  1. Inaktiver User

    AW: Dauer-Druck als neue Realität?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Da muss schon noch ein erkennbarer Mehrwert und eine Sinnhaftigkeit her: Singen im Chor - prima, aber bitteschön der Motettenchor, der "Spiel-und-Spaß-Kirchenchor", bei dem schon zweistimmig schwierig wird, ist weniger "werbeträchtig".
    Offensichtlich geht es um Distinktionsgewinn bzw. um Status.
    Früher war die gesellschaftliche Zugehörigkeit zu einem bestimmten "Stand" klar. Man wurde hinein geboren und es gab wenige Möglichkeiten, seine gesellschaftliche Klasse zu verlassen (und wenn, dann vorwiegend nach unten).

    Vielleicht ist das, was wir heute sehen der Preis einer Gesellschaft, die sich egalitär gibt, ohne es wirklich zu sein: Man muss permanent bestimmte Signale von Zugehörigkeit, einen speziellen "Stallgeruch" aussenden, um in der eigenen Peergroup anerkannt zu bleiben.

    Die Angehörigen einzelner Gruppen kontrollieren sich gegenseitig auf subtile Weise, ob sich auch jeder an die ungeschriebenen Regeln hält.

    Bis zum nächsten Paradigmenwechsel: Wenn die Trendsetter und Early adopters, die anfangs mit Widerstand und Ausgrenzung rechnen müssen, einen Trend so weit etabliert haben, bis er mehrheitsfähig ist, springen alle auf diesen Zug auf.

    Deinem letzten Absatz stimme ich vollinhaltlich zu, Latona!

  2. Inaktiver User

    AW: Dauer-Druck als neue Realität?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Richtig. Absuderweise gehört man heute dazu, wenn man sich und seinen Lebensstil als möglichst "individuell" und "originell" verkauft. Vielleicht ist es deswegen so anstrengend, weil man kaum gleichzeitig im Mainstream mit schwimmen und unangepasst sein kann?
    Ich habe gar keine Zeit meinen Lebensstil zu verkaufen und werde vielleicht auch wegen dem fehlenden aufgesetzten Showeffekt geschätzt. Ich fand Frauen die überstark auftraten schon immer zum Gähnen und leicht durchschaubar. Bei Männern nicht anders, selbstverständlich. Das Gute ist nur, dass es denen meist nicht auffällt, dass sie nichts von einem erfahren und ich keinen echten Austausch mit ihnen will, eben weil da meist naheliegend ist, dass sie einfach zu viel Zeit haben, auch zum Tratschen, welche mir definitiv fehlt. Aber für echte Gespräche habe ich sie durchaus.

    Grundsätzlich habe ich nicht den Eindruck, dass ich mich irgendwie beweisen oder anpassen muss, um geachtet zu werden. Ich denke, dass ich recht authentisch und direkt bin. Für Spielchen fehlt mir die Zeit und der Nerv. Meine 60 Stunden-Woche kommt bedingt durch einen 2. Job und dadurch, dass mir im ersten mehr Verantwortung übertragen wurde binnen kurzem. Das war so keineswegs von mir geplant, ging aber aufgrund von Krankheit des direkten Vorgesetzten nicht anders. Ich habe ihm das auch angeboten, weil es niemand anders hätte machen können so schnell und er dringend Entlastung gebraucht hat. Wie ich weiter mache, entscheide ich in Ruhe im Januar. Gleichzeitig läuft meine Selbstständigkeit derzeit sehr gut, was ebenfalls plötzlich kam und ich zieh das jetzt eben durch, dass ich den Puffer habe mich frei zu entscheiden. Ich denke, dass es ein Unterschied ist, ob man für sich entscheidet oder meint fremdbestimmt zu sein. Das ist allerdings auch immer eine Frage der angenommenen Eigenverantwortung. Manche wollen die ja gar nicht so und klar nehme ich auch eher an Frauen wahr, dass sie sich viel zu viel mit anderen vergleichen anstatt ihren Weg doch einfach zu gehen und sich auf Wesentliche zu konzentrieren.
    Geändert von Inaktiver User (13.12.2011 um 16:45 Uhr)

  3. User Info Menu

    AW: Dauer-Druck als neue Realität?

    @ I-dille
    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Offensichtlich geht es um Distinktionsgewinn bzw. um Status.
    Früher war die gesellschaftliche Zugehörigkeit zu einem bestimmten "Stand" klar. Man wurde hinein geboren und es gab wenige Möglichkeiten, seine gesellschaftliche Klasse zu verlassen (und wenn, dann vorwiegend nach unten).

    Vielleicht ist das, was wir heute sehen der Preis einer Gesellschaft, die sich egalitär gibt, ohne es wirklich zu sein: Man muss permanent bestimmte Signale von Zugehörigkeit, einen speziellen "Stallgeruch" aussenden, um in der eigenen Peergroup anerkannt zu bleiben.

    Die Angehörigen einzelner Gruppen kontrollieren sich gegenseitig auf subtile Weise, ob sich auch jeder an die ungeschriebenen Regeln hält.

    Bis zum nächsten Paradigmenwechsel: Wenn die Trendsetter und Early adopters, die anfangs mit Widerstand und Ausgrenzung rechnen müssen, einen Trend so weit etabliert haben, bis er mehrheitsfähig ist, springen alle auf diesen Zug auf.

    Deinem letzten Absatz stimme ich vollinhaltlich zu, Latona!
    An Deiner Analyse ist sicher was dran. Dennoch denke ich nicht, dass alle Verrenkungen, die heute gemacht werden, um von der eigenen Peergroup anerkannt zu werden, wirklich nötig sind. Das bilden wir uns nur ein, weil die Maßstäbe scheinbar so exobitant hochgeschraubt wurden. Diese Anerkennung innerhalb der Peergroup kann man auch für spezielle individuelle Leistungen bekommen und nicht für eine möglichst allumfassende Perfektion.

    Ich denke, es gibt peer groups, da sind die Mitglieder mit einem Mitglied völlig zufrieden, wenn es weiterhin die tollen Parties gibt und in Sachen Kino up to date ist. Beim anderen verlangen sie nicht mehr, als dass dieses Mitglied weiterhin so extravagant gekleidet ist und gute Witze macht. Und wer nochmal Lob einheimsen will, profiliert sich noch mit was Neuem.

    Es mag Kreise geben, wo man sich immer wieder aufs Neue als perfekt darstellen muss, um anerkannt zu werden. Dann muss man sich halt fragen, ob man nicht die falsche Peergroup hat. Das ist wirklich ein Punkt, wo man sich nur selbst unter Druck setzt.

    Und was nun diese ständigen Paradigmenwechsel angeht: Gefestigte Menschen wechseln ihre persönlichen Werte nicht mit der Mode, sondern nur dann, wenn sie von der Notwendigkeit des Wechsels aus inhaltlichen Gründen überzeugt sind.

    Das Gehopse zum immer wieder Neuen können sie getrost den Teenies und Twens überlassen, die sich noch suchen.
    Geändert von Latona (13.12.2011 um 16:52 Uhr)
    Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!

  4. Inaktiver User

    AW: Dauer-Druck als neue Realität?

    Zitat Zitat von Latona Beitrag anzeigen
    Dennoch denke ich nicht, dass alle Verrenkungen, die heute gemacht werden, um von der eigenen Peergroup anerkannt zu werden, wirklich nötig sind. Das bilden wir uns nur ein, weil die Maßstäbe scheinbar so exobitant hochgeschraubt wurden.
    Ich denke, dass die Medien (gerade Lifestyle- und Frauenzeitschriften) dabei eine unrühmliche Rolle spielen. Viele Frauen ziehen sich diesen Senf rein und tragen diese Haltung dann weiter.

    Ein typisches Beispiel dafür ist für mich die Aktion "Ohne Models". Viele Frauen freuten sich schon, dass endlich auch "normale" Frauen gezeigt würden. Dabei war von vornherein absehbar, wie das aussehen würde: Die Schraube wird noch einmal enger gedreht, weil das toll aussehende Model plötzlich als Vorbild verkauft wurde, das nicht nur toll aussieht, sondern auch noch einen interessanten Beruf ausübt (womöglich einen kreativen) vier Kinder und einen tollen Mann hat und in einer angesagten Gegend wohnt.

    Natürlich kann man sich dem entziehen. Als Erwachsene ist das kein Problem. Aber viele Mütter glauben, sie seien es ihren Kindern schuldig, damit diese nicht isoliert werden.

  5. User Info Menu

    AW: Dauer-Druck als neue Realität?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Der Philosoph Sloterdijk schrieb schon vor Jahren über dieses Thema. Sinngemäß meinte er, es wäre sehr erstaunlich, dass das Phänomen des allgemeinen Wohlstands nach dem zweiten Weltkrieg nie thematisiert wurde. Dass es den Menschen materiell besser geht als jemals zuvor, sie aber trotzdem immer über Probleme sprechen, auch wenn diese Probleme längst nicht mehr existenzieller Natur sind, sondern mit Lebensstil und Selbstoptimierung zusammen hängen.
    "Maslowsche Bedürfnispyramide", der Mensch strebt nach "Höherem".

    Die unteren drei Stufen in der Pyramide (und auch Teile der vierten) nennt man auch Defizitbedürfnisse. Diese Bedürfnisse müssen befriedigt sein, damit man zufrieden ist, aber wenn sie erfüllt sind, hat man keine weitere Motivation diese zu befriedigen (wenn man nicht mehr durstig ist, versucht man beispielsweise nicht mehr zu trinken). Siehe dazu auch das Erste Gossensche Gesetz.

    Unstillbare Bedürfnisse können demgegenüber nie wirklich befriedigt werden. Diese treten ab der fünften Stufe auf, teilweise aber auch schon ab der vierten.
    Quelle Wikipedia
    Der Blick über`n Tellerrand war ein Blick in´s Zauberland ... (Keimzeit)

  6. User Info Menu

    AW: Dauer-Druck als neue Realität?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ein typisches Beispiel dafür ist für mich die Aktion "Ohne Models". Viele Frauen freuten sich schon, dass endlich auch "normale" Frauen gezeigt würden. Dabei war von vornherein absehbar, wie das aussehen würde: Die Schraube wird noch einmal enger gedreht, weil das toll aussehende Model plötzlich als Vorbild verkauft wurde, das nicht nur toll aussieht, sondern auch noch einen interessanten Beruf ausübt (womöglich einen kreativen) vier Kinder und einen tollen Mann hat und in einer angesagten Gegend wohnt.
    Ja, und das Üble daran: jetzt sind es nicht mehr nur Models, die perfekt aussehen, sondern "normale" Frauen - harhar! Jetzt kann ich mich nicht mehr damit trösten, dass Dünn- und Schönsein eben zu deren Kernkompetenz und Anforderungsprofil gehört, sondern quasi nebenbei läuft. Ich glaube durchaus, dass die Absicht dahinter mal eine gute war. Leider ist sie m.E. mittlerweile zum blanken Gegenteil verkommen.

    Ich glaube darüber hinaus auch nicht, dass man sofort ausgegrenzt wird, wenn man nicht allen Maßstäben der Peer Group genügt. Aber man fühlt sich dann eben unzulänglich, weil man fast automatisch vergleicht. Und gekonnte Selbstdarstellung und Selbstvermarktung ist halt auch zu einem Dauerbrenner geworden.

    Und wir sehnen uns alle mehr oder weniger intensiv nach Zugehörigkeit und Anerkennung. Ich glaube, das lässt sich nicht so schnell abstreifen. Und blöderweise gehören wir eben nicht nur einer Peer Group an, sondern mehreren gleichzeitig mit konkurrierenden Werten. Das war früher vielleicht auch etwas einfacher, weil die Welt, in der man sich bewegt hat, homogener war. Heute muss ich im Job u.U. die toughe Karrierefrau sein und beim Meeting den Vorstand von einem neuen Projekt überzeugen, danach hetze ich in den Kindergarten zum Laternenbasteln, um dann zu Hause noch plattenweise exquisites Fingerfood aus dem Ärmel zu schütteln, für Freunde, die ganz zwanglos auf ein Glas Wein vorbeischauen wollen. Und wenn ich nicht allem gerecht werden kann, dann muss ich entscheiden, welche Peer Group mir gerade am wenigsten wichtig ist, wo ich mich am ehesten entziehen kann. Im Job bin ich am wenigsten selbstbestimmt, im Kindergarten leidet womöglich das Kind, wenn es als einziges ohne selbstgebastelte Schweinchenlaterne zum Martinsumzug kommt, und das Fingerfood zuzubereiten macht mir von allem am meisten Spaß. Und schon stecke ich in der Falle.

    Gruß,

    Malina
    Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)

  7. Moderation

    User Info Menu

    AW: Dauer-Druck als neue Realität?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Richtig. Absuderweise gehört man heute dazu, wenn man sich und seinen Lebensstil als möglichst "individuell" und "originell" verkauft. Vielleicht ist es deswegen so anstrengend, weil man kaum gleichzeitig im Mainstream mit schwimmen und unangepasst sein kann?
    Den Eindruck habe ich gar nicht. Ja, es wird erwartet, daß man so eine kastrierte Kreativität an den Tag legt wie sie beim Basteln in der Schule schon aufgebaut wird, damit man seine Zeit totschlagen kann ohne auf dumme Gedanken zu kommen, und man darf zwischen zwei Sorten Vanilleis die exklusivere nehmen. Die Varianzen haben sich aber gefälligst strikt im akzeptierten Rahmen zu halten, wenn man mit ihnen als cool gelten möchte. Und wenn man sich in eine Subkultur begibt, die Schokoladeneis ißt, sagen die ganzen Vanilleisesser, "Die sind doch alle gleich!" Eigentlich ist das lustig.

    Brian: "Ihr seid doch alle Individuen!"
    Menge, im Chor: "Ja, wir sind alle Individuen!"
    Einer, aus der Menge: "Ich nicht."


    Zitat Zitat von Malina70 Beitrag anzeigen
    Ja, und das Üble daran: jetzt sind es nicht mehr nur Models, die perfekt aussehen, sondern "normale" Frauen - harhar!
    War es nicht Claudia Schiffer, die sagte, ohne zwei Stunden in Garderobe und Maske sähe sie auch nicht wie Claudia Schiffer aus?

    "Ehret die Schneider!
    Sie nähen und schaffen
    Himmlische Kleider für irdische Laffen,
    Flechten der Mode beglückendes Band!
    Stopfen die Mängel mit Werg und mit Watte
    Wo die Natur nur Äsopenform hatte
    Schaffen Apolle mit kundiger Hand!"

  8. Inaktiver User

    AW: Dauer-Druck als neue Realität?

    Zitat Zitat von Malina70 Beitrag anzeigen
    Jetzt kann ich mich nicht mehr damit trösten, dass Dünn- und Schönsein eben zu deren Kernkompetenz und Anforderungsprofil gehört, sondern quasi nebenbei läuft.
    So ist es.
    Zitat Zitat von Malina70 Beitrag anzeigen
    Ich glaube durchaus, dass die Absicht dahinter mal eine gute war.
    Da bin ich nicht so sicher. Es ging immer darum, die Leserinnen zu einer möglichst starken Identifikation mit den abgebildeten Frauen zu verlocken und gleichzeitig das Schönheitsideal nicht aufzugeben.
    Abgesehen von ein paar Teenies identifiziert sich niemand mit dem Leben eines Models, es juckt uns nicht. Wenn aber die "Nachbarin um die Ecke" so perfekt ist, dann triggert das unser Konkurrenzbedürfnis. Dafür spricht auch, dass diese Art von sozialem Druck mit zunehmendem Alter deutlich abnimmt.
    Zitat Zitat von Malina70 Beitrag anzeigen
    Und wir sehnen uns alle mehr oder weniger intensiv nach Zugehörigkeit und Anerkennung. Ich glaube, das lässt sich nicht so schnell abstreifen. Und blöderweise gehören wir eben nicht nur einer Peer Group an, sondern mehreren gleichzeitig mit konkurrierenden Werten. Das war früher vielleicht auch etwas einfacher, weil die Welt, in der man sich bewegt hat, homogener war. Heute muss ich im Job u.U. die toughe Karrierefrau sein und beim Meeting den Vorstand von einem neuen Projekt überzeugen, danach hetze ich in den Kindergarten zum Laternenbasteln, um dann zu Hause noch plattenweise exquisites Fingerfood aus dem Ärmel zu schütteln, für Freunde, die ganz zwanglos auf ein Glas Wein vorbeischauen wollen. Und wenn ich nicht allem gerecht werden kann, dann muss ich entscheiden, welche Peer Group mir gerade am wenigsten wichtig ist, wo ich mich am ehesten entziehen kann. Im Job bin ich am wenigsten selbstbestimmt, im Kindergarten leidet womöglich das Kind, wenn es als einziges ohne selbstgebastelte Schweinchenlaterne zum Martinsumzug kommt, und das Fingerfood zuzubereiten macht mir von allem am meisten Spaß. Und schon stecke ich in der Falle.
    So ist es!

  9. Inaktiver User

    AW: Dauer-Druck als neue Realität?

    Hallo!

    Sehr interessantes Thema. Ich weiß auch nicht, wie die Leute das alles hinkriegen. So viel. Alles perfekt und sie sind voll Power und Energie. Mir ein Rätsel. Würd' ich nicht schaffen.

    Da hat man dann die Mutter, die verwitwet ist, und sich wundert, warum irgendwie niemand so richtig Zeit hat, um ihr eine Lampe anzumachen oder dies oder jenes. Ich bemitleide schon den Sohn der Nachbarin, der jedes Mal 5 Kilometer fahren muss, wenn das Altpapier rausgestellt werden muss. Seine Mutter kann das alleine nicht mehr.

    Ich fühle mich überfordert mit der Technik. Mit dem PC muss man umgehen können und und und. Man hat ja nicht immer grad jemanden zur Hand, den man fragen kann. Und der hat natürlich auch alle Hände voll zu tun und oft keine Zeit. Genauso im Handel. Muss man sich alles selbst rausfingern, wenn man rausfinden möchte, welches Elektrogerät denn jetzt am Besten ist usw. Die Verkäufer haben oft gar nicht die Schulungen und somit keine Ahnung und auch keine Zeit mehr für Beratungsgespräche. Wobei es oft sowieso darum geht, dem Kunden das teuerste Gerät zu verkaufen.

    Man hetzt und hetzt und fragt sich letztlich wofür. Wird ja auch immer mehr auf den kleinen Mann abgewälzt. Die Mülltrennung z. B. Da muss die Müllabfuhr irgendwann nicht mehr so oft kommen, das Geld streichen sie aber trotzdem ein. Finden dann irgendwas anderes, warum es wieder teurer wird. Und die alte Oma muss zusehen, dass sie ihren Krempel auf die Wertstoffdeponie bringt - naja, oder halt 15 Euro berappen für den Sperrmülldienst.

    Ich hab' hier auch so viel zu tun, dass ich gar nicht weiß, wann ich noch arbeiten gehen soll. Hört sich jetzt total doof an. Ist aber so. Ich arbeite daran, die Sachen, die mir nicht wirklich was bringen auszusortieren. Aber so leicht ist das nicht. Prioritäten setzen. Also das tun, was wirklich viel bringt.

    Ist es im Übrigen nicht so, dass ein Manager eines Unternehmens, also der Chef, immer viel beschäftigt wirkt, im Grunde aber doch mehr Zeit hat als seine Angestellten? Die wirken wichtig. Und doch können sie doch während der Arbeitszeit mal einen Fußpflegetermin einlegen. Dann heißt es: der Chef hat einen Termin außer Haus. Er kann längere Mittagspausen einschieben, weil er vielleicht noch einen Geschäftstermin damit abwickelt - angeblich?! So nach dem Motto, wenn die Arbeit geschafft wird, ist es nicht sooo wichtig, dass er die volle Zeit über da ist. Klar hat er auch viel Verantwortung, aber den richtigen Stress haben doch die, die ganz unten sind und keinen haben, der ihnen die Arbeit abnimmt, die im Gegenteil immer noch mehr aufgebürdet kriegen für immer weniger Geld.

    LG


    MrsInkognito
    Geändert von Inaktiver User (13.12.2011 um 19:50 Uhr)

  10. Inaktiver User

    AW: Dauer-Druck als neue Realität?

    Ich nehme in meinem offenbar auch überdurchschnittlich gestressten Umfeld sehr oft wahr, dass es vielfach um drei Dinge geht:

    - gut aussehen, dem gängigen Ideal entsprechen, d.h. vor allem schlank und kleidungstechnisch hochqualitativ ausgestattet sein (Marken, auch bei Kinderkleidung), nach der Schwangerschaft direkt auf die tägliche 1000-Kalorien Diät, weil man "so dick" nichtmals mittelfristig mehr aussehen mag...

    - familien- und berufstechnische Optimierung, auf Kosten eigener Zeit: Oberstes Ziel: alles perfekt unter einen Hut bringen, d.h. Kinder als unbedingt förderungsbedürftiger Mittelpunkt (Ballett, Musikstunden, Fremdsprachen, Pfadfinder, Nachhilfe - Hobbies über Hobbies und Pflichten, zu denen man die Kinder karrren muss. Reine Freundeskontakte, d.h. "Spielen" eher unter ferner liefen...), Ehefrauen/Mütter im Vergleich zu den Ehemännern allesamt nicht voll berufstätig, sondern in geringer Teilzeit und in permanentem Spagat zwischen Job, Mann, Haushalt und Kindern, rund um die Uhr gestresst, abends um halb 9 so gut wie bettreif.

    - höchst aufwendig gestaltete/r Freizeit/Urlaub ohne wirkliches "Zur-Ruhe-kommen":
    Stichwort (gefühlt): "Nur wer stets busy ist, ist auch wichtig". Wochenendtrips, Realisierung von aufwendigen Hobbies (Segeln, Segelfliegen, Tauchen), Besuche bei Familie/Großeltern beider Seiten (meist verbunden mit langen Fahrtzeiten).
    Beispiel: "Wie, du warst noch nie in Südamerika oder auf den Seychellen? Weil dir der Flug zu weit ist? Und dich die Kulturen nicht sonderlich interessieren? - Unverständlich - denkst du da nich, dass du was verpasst?!"
    Insgesamt: Schlimm - ich versuche mich inzwischen von manchen Leuten aus altem Freundeskreis abzugrenzen, weil mich die Leute in meinem Lebensrhythmus stören und mir permanent ein ungerechtfertigt schlechtes Gewissen einzureden versuchen.
    Ich mag meinen Müßiggang inkl. der Erkenntnis, dass ich nicht alles gehabt haben muss um mich wohl zu fühlen. Ich mag auch die Erkenntnis, dass ich mit niemandem von denen, deren Leben ach so irre vollgepackt und daher zunehmend normorientiert und "trendy" sind, tauschen will.
    Geändert von Inaktiver User (13.12.2011 um 20:15 Uhr)

Antworten
Seite 5 von 10 ErsteErste ... 34567 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •