Antworten
Seite 4 von 10 ErsteErste ... 23456 ... LetzteLetzte
Ergebnis 31 bis 40 von 93
  1. User Info Menu

    AW: Dauer-Druck als neue Realität?

    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen
    Das, was Malina beschreibt, sind ja schon Sachen, die man *tut*, so, "heute back ich, morgen brau ich, übermorgen lern ich Chinesisch in der Muckibude und bastel eine Schultüte, die 'Mama' sagen kann". Das ist nicht als solches "Schein", aber ich empfinde es oft als fehlgeleitete Energie... Oder vielleicht nicht *so* fehlgeleitet, letztlich ist das auch nur eine neue Version des alten Primaten-Imponiergehabes. Es gibt eben keine alltägliche Tätigkeit, die man nicht noch ein bißchen komplizierter machen könnte, um zu denmonstrieren, daß man sich mehr Mühe gibt und authentischer ist als die Nachbarin. Deine 600 Meter auf dem Rad gesponnenes Garn wiegen 70 Gramm, hach, ich spinne 70 Gramm zu 800 Meter! per Hand! (Im Schnee. Bergauf. In beide Richtungen.)


    Großartig!!!!

    Das Problem ist nur, dass man oft die Pseudohaftigkeit der Probleme nicht mehr wahrnimmt.

    Und ich frage mich gerade, wenn es wirklich so einfach ist, sich dem ganzen Theater zu entziehen, warum tun es denn so wenige? Angst vor sozialer Ächtung? Ist die Angst begründet oder nur eingebildet? Man kann ja einfach sagen, kauf die Schultüte, servier der Brut Fertigpizza und nutz die Zeit, um mal wieder ein gutes Buch zu lesen oder sonst was zu tun, worauf Du wirklich Lust hast.

    Vielleicht würde es ja schon reichen, sich zu überlegen, wo man gerne und mit Freude konform ist, und wo nicht. Ich habe es z.B. am Freitag im Kollegenkreis gewagt, auf dem Weihnachtsmarkt, Raclette, eine Waffel UND noch Pommes zu essen. Den Männern war es schnuppe, die Frauen haben schon arg gezuckt. Und mir ging es prima dabei! Aber man muss es aushalten, im Fokus zu stehen und die Gedanken hinter den disziplinierten Frauenstirnen zu ertragen. Auf Dauer kann das schon auch anstrengend sein, vor allem wenn man das Umfeld nicht so ohne weiteres wechseln kann.

    Gruß,

    Malina
    Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)

  2. Inaktiver User

    AW: Dauer-Druck als neue Realität?

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    ich glaube, eine der wichtigsten Fähigkeiten von heute ist, "nein" sagen zu können.
    Das ist wirklich das A und O.
    Und wenn man einen neuen Job anfängt, sollte man von Anfang an klare Grenzen ziehen; das klappt sogar in Jobs, wo angeblich alle immer 60 Std. die Woche ran müssen. Vieles davon ist pure Gewohnheit bzw. die Angst, nicht nein sagen zu wollen.


    Zitat Zitat von Malina70 Beitrag anzeigen
    Und man muss sich auch mal überlegen, womit man heute an Ansehen gewinnt. Überstunden, Dienstreisen, ständige Erreichbarkeit machen eindeutig mehr Eindruck, als wenn man zugibt, einen netten, unaufgeregten Bürojob mit regelmäßigem Feierabend zu haben. Dem haftet ja schon gleich der Geruch der Langeweile an. Naja, wenn Dir das so gefällt... Und schon wird ist man halb in der Versager-Schublade.
    Ja, davon muss man sich freimachen (ist natürlich nicht so einfach).
    Ich wurde früher auch immer belächelt, und heute habe ich so einige Bekannte/Freunde, die aus dem Hamsterrad ausgestiegen sind und regelmäßigere Arbeitszeiten zu schätzen wissen. Irgendwann merken die meisten, dass es einem in der Regel eh nicht gedankt wird, wenn man sich für den Arbeitgeber kaputt macht, und dass viel Zeit halt auch unproduktiv verdödelt wird.

  3. Inaktiver User

    AW: Dauer-Druck als neue Realität?

    Zitat Zitat von Malina70 Beitrag anzeigen
    Und ich frage mich gerade, wenn es wirklich so einfach ist, sich dem ganzen Theater zu entziehen, warum tun es denn so wenige? Angst vor sozialer Ächtung? Ist die Angst begründet oder nur eingebildet? Man kann ja einfach sagen, kauf die Schultüte, servier der Brut Fertigpizza und nutz die Zeit, um mal wieder ein gutes Buch zu lesen oder sonst was zu tun, worauf Du wirklich Lust hast.

    Vielleicht würde es ja schon reichen, sich zu überlegen, wo man gerne und mit Freude konform ist, und wo nicht. Ich habe es z.B. am Freitag im Kollegenkreis gewagt, auf dem Weihnachtsmarkt, Raclette, eine Waffel UND noch Pommes zu essen. Den Männern war es schnuppe, die Frauen haben schon arg gezuckt. Und mir ging es prima dabei! Aber man muss es aushalten, im Fokus zu stehen und die Gedanken hinter den disziplinierten Frauenstirnen zu ertragen. Auf Dauer kann das schon auch anstrengend sein, vor allem wenn man das Umfeld nicht so ohne weiteres wechseln kann.
    Ich denke, die Angst ist nur eingebildet - jedenfalls kann ich nicht erkennen, dass Leute, die sich dem entziehen, weniger Freunde/ Freude am Leben/ Befriedigung hätten; eher das Gegenteil.

    Anstrengend ist daran wohl eher, dass man sich selbst den Stress macht, darüer zu grübeln, was andere wohl über einen denken. Gerade Frauen haben in dieser Hinsicht m.M.n. viel nachzuholen.

  4. Inaktiver User

    AW: Dauer-Druck als neue Realität?

    Zitat Zitat von Malina70 Beitrag anzeigen
    Und ich frage mich gerade, wenn es wirklich so einfach ist, sich dem ganzen Theater zu entziehen, warum tun es denn so wenige? Angst vor sozialer Ächtung? Ist die Angst begründet oder nur eingebildet? Man kann ja einfach sagen, kauf die Schultüte, servier der Brut Fertigpizza und nutz die Zeit, um mal wieder ein gutes Buch zu lesen oder sonst was zu tun, worauf Du wirklich Lust hast.
    Nicht die Mutter wird offen geächtet, der Kontakt der Kinder wird unterbunden. Gründe lassen sich immer erfinden, das habe ich zu Grundschulzeiten mehrfach in der Klasse miterlebt.

  5. User Info Menu

    AW: Dauer-Druck als neue Realität?

    Lieber Staub aufwirbeln als Staub ansetzen ...

  6. User Info Menu

    AW: Dauer-Druck als neue Realität?

    Lifestylestress - sehr treffender Begriff!

    Wenn Ihr Euren Stress im Berufsleben schon nicht reduzieren könnt, dann reduziert wenigstens Euren Lifestylestress!
    Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!

  7. Moderation

    User Info Menu

    AW: Dauer-Druck als neue Realität?

    Zitat Zitat von Malina70 Beitrag anzeigen
    Und ich frage mich gerade, wenn es wirklich so einfach ist, sich dem ganzen Theater zu entziehen, warum tun es denn so wenige? Angst vor sozialer Ächtung? Ist die Angst begründet oder nur eingebildet?
    Naja, zum Teil ist es wirklich wie Kästner schon schrieb, "noch immer die alten Affen". Der Mensch will dazugehören, und er will Status, und muß das auch in gewissem Maße haben, da er als soziales Wesen sonst unerträglichem Streß ausgesetzt ist. Und wer mitspielt, kriegt die Zugehörigkeit, und kriegt einen Status zugewiesen, der als durch eigene Kraft verbesserbar empfunden wird. Und (andere) existenzbedrohende Probleme hat man nicht, da kann man sich das Spiel leisten.

    Nur, der Übergang zur Neurose ist eben fließend. Man sollte sich bewußt sein, was man erreichen kann und was man riskieren will, und seine Spielstrategie entsprechend anpassen. Immer nur gegen Verlust spielen führt zu nichts, da macht man sich tot mit.

  8. Inaktiver User

    AW: Dauer-Druck als neue Realität?

    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen
    Der Mensch will dazugehören, und er will Status, und muß das auch in gewissem Maße haben, da er als soziales Wesen sonst unerträglichem Streß ausgesetzt ist.
    Richtig. Absuderweise gehört man heute dazu, wenn man sich und seinen Lebensstil als möglichst "individuell" und "originell" verkauft. Vielleicht ist es deswegen so anstrengend, weil man kaum gleichzeitig im Mainstream mit schwimmen und unangepasst sein kann?

  9. Inaktiver User

    AW: Dauer-Druck als neue Realität?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Richtig. Absuderweise gehört man heute dazu, wenn man sich und seinen Lebensstil als möglichst "individuell" und "originell" verkauft. Vielleicht ist es deswegen so anstrengend, weil man kaum gleichzeitig im Mainstream mit schwimmen und unangepasst sein kann?
    Den Gedanken finde ich gerade sehr interessant. Dahinter stehen ja auch die ganz alten, existentiellen Themen "Zugehörigkeit" versus "Individualität". Parallel wird der eigene Lebensstil marketingmäßig aufbereitet, ich erlebe es oft, dass der "reine Spaß" als Begründung nicht ausreicht. Da muss schon noch ein erkennbarer Mehrwert und eine Sinnhaftigkeit her: Singen im Chor - prima, aber bitteschön der Motettenchor, der "Spiel-und-Spaß-Kirchenchor", bei dem schon zweistimmig schwierig wird, ist weniger "werbeträchtig". Sport ja - weil er gesund ist und dem Streßabbau dient. Ich kenne Menschen, die mich erstaunt anschauen, wenn ich sogenannte Trivialliteratur lese statt die großen Klassiker.

    Zitat Zitat von wildwusel
    Man sollte sich bewußt sein, was man erreichen kann und was man riskieren will, und seine Spielstrategie entsprechend anpassen.
    Und weiter: Man sollte sich bewusst machen, um welchen Einsatz man spielt und ob man sich den Verlust leisten kann.

  10. User Info Menu

    AW: Dauer-Druck als neue Realität?

    Wie wäre es, wenn man sich das Gefühl der Zugehörigkeit in erster Linie bei den Menschen sucht, die ähnlich ticken wie man selbst?

    Die sich vielleicht auch von einem Teil dieses Perfektionswahns befreien und nicht mehr alles mitmachen, um mithalten und mitreden zu können? Es ist ja nicht so, dass uns ohne den Austausch über das neueste iPhone, das man unbedingt haben muss, die neueste Wintermode, die man mitmachen muss, und das prestigeträchtige Hobby die Gesprächsthemen ausgehen würden!

    Wie heißt es doch so schön?

    Was sind Prestigeobjekte?

    Gegenstände, die man nicht braucht,
    aber trotzdem kauft,
    um Menschen zu beeindrucken,
    die man nicht mag

    Wer's nötig hat - bitte. Aber dann nicht über den Stress jammern, den es mit sich bringt, mithalten zu müssen.

    Immer perfekter, heißt außerdem noch lange nicht: immer individueller.

    Wirklich individuell würde bedeuten, den Lifestyle zu wählen, der einem persönlich am meisten zusagt, ohne Stress, sondern als pure Bereicherung - und drauf zu scheißen, was irgendwelche Menschen, die einem nicht mal hinreichend nahe stehen, dazu sagen!

    Und wer immer noch den Kick des Wettbewerbs braucht, kann ihn sich ja gezielt und dosiert verpassen - nur bei ganz bestimmten Gelegenheiten.
    Man überlegt sich, wie man mit seinen Kräften haushaltet und wo man Ehrgeiz entfaltet, und wo man ohne jegliches Bedauern andere ins Rennen gehen lässt.

    Vielleicht wäre das einen Extra-Strang wert: 2 Listen: Hier habe ich Ambitionen - hier lasse ich bewußt 5 gerade sein.
    Geändert von Latona (13.12.2011 um 16:34 Uhr)
    Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!

Antworten
Seite 4 von 10 ErsteErste ... 23456 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •