Hallo Ilaria!
Ich finde, die von dir beschriebenen Situationen waren sehr unterschiedlich.
1. Der junge Vater:
Die Reaktionen in solchen Moment sind sehr verschieden. Natürlich reagiert eine Frau mit einem starken Kinderwunsch oder 14 eigenen Neffen und Nichten anders als eine, die kaum Kontakt zu kleinen Kindern hatte und sich gerade auf ihre Karriere konzentriert. Das ist völlig normal.
Von sehr familiär eingestellten Frauen werden solche Reaktionen dann sehr genau wahrgenommen.
Gerade wenn es um Babies geht, ist die Stimmung sehr emotional aufgeladen.
Deswegen musst du dich trotzdem nicht so verhalten, wie es von dir erwartet wird!
2. Die Kollegin:
Du hast eher ruhig und sachlich reagiert. Von dir selbst würdest du vermutlich auch erwarten, dass du so eine Situation einfach durchstehst.
Die anderen reagieren emotional. Verstärken ihre Verbindung untereinander, in dem sie Anteil nehmen und gemeinsam auf den Chef schimpfen.
Vielleicht spinnen sie auch Intrigen oder schüren die Gerüchteküche. Da ist es nur klug, sich rauszuhalten.
Aber auf der anderen Seite nimmst du an einem bestimmten kollegialen Verhalten nicht teil. Das irritiert und ärgert die anderen.
3. das würde mich interessieren: Weshalb hast du für den Mann Partei ergriffen? Weil du eine Ungerechtigkeit gewittert hast? Oder weil du das weibliche Gedöns und die Empfindlichkeit nicht verstanden hast?
Deine eher sachliche Art hat in jedem Fall auch Vorteile! Menschen, die einen kühlen Kopf behalten und nicht mit den Wölfen heulen, sind auch für eine Gemeinschaft wichtig! Ebenso wie die Menschen, die spontan jemanden in den Arm nehmen, der weint. Wir brauchen beide.
In jedem Fall solltest du dir darüber klar sein, dass du bei manchen weiblichen Ritualen und Verhaltensweisen nicht mitmachst und dadurch andere irritierst.
Wie geht es dir denn, wenn jemand sich verletzt?
Oder entlassen wird?
Oder bei jemandem, der einen kranken Angehörigen hat?
Wenn du da auch nur mit der Schulter zuckst und sagst "Das passiert doch jedem irgendwann Mal! Weshalb so eine Aufregung?", dann fände ich es schon bedenklich.
Antworten
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24.11.2011, 23:49Inaktiver User
AW: Brauche ich mehr/anderes Mitgefühl?
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25.11.2011, 18:47
AW: Brauche ich mehr/anderes Mitgefühl?
Sowohl als auch. Der Mann war zurückhaltend, hat sich der Gruppe untergeordnet und wir waren im Kurs weder nackt, noch haben wir über intime Dinge gesprochen, daher kann ich nicht verstehen, welche Rolle das Geschlecht eines Teilnehmers spielen soll.
Klar, gerade wenn es um Sport geht, möchte frau keinen klischeehaften Muskelprotz um sich haben, das hätte auch meinen Vorstellungen entsprochen, aber das war nicht der Fall.
Ich denke es kommt immer darauf an, wem etwas zustößt und was genau passiert.Wie geht es dir denn, wenn jemand sich verletzt?
Oder entlassen wird?
Oder bei jemandem, der einen kranken Angehörigen hat?
Wenn du da auch nur mit der Schulter zuckst und sagst "Das passiert doch jedem irgendwann Mal! Weshalb so eine Aufregung?", dann fände ich es schon bedenklich.
Deine Frage nach den Verletzungen erinnert mich an ein Erlebnis: wir waren mit Kollegen unterwegs, kamen an einer Parkplatzschranke vorbei, der Spaßvogel, der auch gerne mal den Kollegen einen Streich spielt, macht eine Art Limbo unter der Schranke hindurch, hebt zu früh wieder den Kopf und knallt dagegen. Es war sofort klar, dass er sich nichts getan hat, er musste selbst lachen. Die Szene war wie im Comic, ich konnte mir das Lachen auch nicht verkneifen, wurde dann aber sofort kritisiert, dass das ja auch ganz böse hätte ausgehen können.
Schicksalsschläge in meinem Umfeld nehmen mich definitiv mit, aber ich bin niemand, der das zur Schau trägt.
Der Sohn einer Freundin meiner Mutter ist vor einem Jahr im lang ersehnten USA-Urlaub tödlich verunglückt, er war ein Jahr jünger als ich. Obwohl ich ihn nur 4-5 mal getroffen habe, muss ich immer wieder mal an ihn und auch an seine Freundin und Mutter denken. Ich habe aufgrund meiner Betroffenheit damals eine Karte geschrieben, damit war meine Antrilnahme "nach außen" aber auch abgeschlossen.
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25.11.2011, 19:24
AW: Brauche ich mehr/anderes Mitgefühl?
Auch da finde ich Dich einfach ganz normal.
Mich beschäftigen Schicksalsschläge in meiner Umgebung sehr, ich denke viel darüber nach (auch weil ich schon viele erleben musste). Ich bin auch da, wenn jmand einen Gesprächspartner braucht, aber ich dränge das niemandem auf - oder spreche mit Dritten über das schreckliche Geschehnis.
Auch, wenn ich selbst betroffen bin, trage ich das nicht sehr nach außen. Als mein Mann starb, habe ich sehr heftig und jahrelang getrauert, mich aber sehr zurückgezogen - auch vor der teils übergriffigen "Anteilnahme" und der Vereinnahmung durch andere.Thank you for observing all safety precautions.
(aus Dark Star von John Carpenter)
Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
sonst normale Userin
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25.11.2011, 20:10Inaktiver User
AW: Brauche ich mehr/anderes Mitgefühl?
Wenn es keine zu persönliche Frage ist, würde mich interessieren, welche Art der Anteilnahme du als übergriffig empfunden hast. Und was als Vereinnahmung.
Mir fällt es auch manchmal schwer, die richtigen Worte für einen Kondolenzkarte zu finden, aber ich finde es wichtig, in so einem Fall auf den trauernden Angehörigen zuzugehen.
Viele Leute wechseln ja dann sogar die Straßenseite, weil ihnen ein Kontakt unangenehm ist und sie nicht wissen, was sie sagen sollen. Das ist für die Angehörigen auch oft schlimm.
Besonders, wenn sie das Gefühl bekommen, auf die anderen zugehen zu müssen, um diese zu trösten oder ihnen die Angst zu nehmen.
Ich hoffe, es ist verständlich, was ich meine.
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25.11.2011, 21:16
AW: Brauche ich mehr/anderes Mitgefühl?
Ist verständlich
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Ich hatte diese Scheu auch mal. Das meine ich aber nicht.
Vereinnahmend empfand ich die, die mit meiner ganz persönlichen Katastrophe auflebten und mir ihre Vorstellungen vom Leben nach dem Verlust - nicht mit dem Verlust - aufdrängen wollten.
Ganz übergriffig fand ich die Neugierigen, die auf der Straße oder in einem Laden nach Einzelheiten fragten, als ganz Fremde (für mich) dabeistanden.
Oder eine Freundin aus Kindertagen, die in solchen Situationen zur Hochform aufläuft. Sie hätte am liebsten noch die Beerdigung organisiert. Sie hat auch die letzten Tage meines Mannes mit einer Zufallsbekannten diskutiert, die in genau diesem Krankenhaus gearbeitet hat. Und sie hat mir das auch noch erzählt. Sie meint das nicht böse, aber sie ist so verletzend und gedankenlos in ihrer wichtigen Art.
Als übergriffig empfand ich die, die so genau wussten, was gut für mich ist, wie ich zu trauern habe. Und die, die mir einreden wollten, dass etwas mit mir nicht stimmt, weil ich fast nie öffentlich zusammengebrochen bin und weil ich allein sein wollte.
Wirklich geholfen haben mir die Freunde (und ein paar wenige Bekannte, die dann mit der Zeit zu Freunden wurden), die mich schweigen ließen, die mir sagten oder schrieben, dass ihnen die Worte fehlen.Thank you for observing all safety precautions.
(aus Dark Star von John Carpenter)
Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
sonst normale Userin
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25.11.2011, 22:28Inaktiver User
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27.11.2011, 11:04
AW: Brauche ich mehr/anderes Mitgefühl?
Ich finde es schwierig, Menschen nach ihrer Gefühlslage in richtig oder falsch einzuteilen.
Wer gefühlstechnisch bei Problemen oder glücklichen Umständen anderer keinen Gefühlstaumel von sich gibt - weil er eben so gestrickt ist - ist vollkommen in Ordung.
Aber andere, die dabei in intensivem (wenn echtem!) Maße mitfühlen, und das auch kundtun, eben auch.
Man muss das nicht bewerten. Man darf die Menschen einfach so lassen, wie sie sind.Man wandelt nur das, was man annimmt.
C.G. Jung
Nein ist ein ganzer Satz.
Keine Ahnung von wem
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27.11.2011, 14:05Inaktiver User
AW: Brauche ich mehr/anderes Mitgefühl?
Wenn alle das tun würden, wäre es ja auch völlig in Ordnung. Aber Ilarias Gedanken kommen ja daher zustande, dass ihre Reaktion eben be-/abgewertet wird:oder Naja, und ich gebe ehrlich zu: Bei aller Toleranz gehen mir Prinzipienreiter wie Ilaria sie bei dem Sportkurs beschreibt, manchmal gehörig auf die Nerven.
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27.11.2011, 14:08
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27.11.2011, 14:28
AW: Brauche ich mehr/anderes Mitgefühl?
Für mich passt das dritte Beispiel nicht zu den anderen beiden. Zwei mal lässt es dich relativ kalt, was deinen Mitmenschen widerfährt, aber bei Bsp. 3 setzt du dich plötzlich für denjenigen ein, der sich den Regeln des Studios widersetzt hat. Bei Bsp. 2 passierte Ähnliches, die Kollegin hat eine Richtlinie nicht beachtet und wurde dafür vom Chef zusammengestaucht. Einmal handelt es sich um eine Frau, das andere Mal um einen Mann. Liegt es vielleicht daran?


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