Liebe Community,
ich hoffe auf ein wenig Rat/Unterstützung oder vielleicht ein paar Meinungen von außen.
Mein Freund und ich haben uns im Februar diesen Jahres getrennt. ich bin 35 Jahre alt. Wir haben einen gemeinsamen Sohn, der 8 Jahre alt ist. Geeinigt haben wir uns auf das Modell, dass unser Sohn alle 14 Tage bei seinem Vater ist, und das klappt auch ganz gut.
Mir geht es nur im Moment nicht gut. Viele Dinge, die unsere Beziehung betreffen, kommen gerade an die Oberfläche. Ich mache eine Trennungsberatung bei einem kirchlichen Träger, die mir sehr gut tut. Nach einer Phase im Frühjahr/Sommer, in der ich meine neue Freiheit teilweise sehr genießen konnte und das auch richtig ausgekostet habe (hatte u.A. einige nette Affären) fühle ich mich jetzt meinem Alleinsein ziemlich ausgeliefert. Ich spüre die einsamkeit oft regelrecht als körperlichen Schmerz. Mein Freund hat seit dem Frühsommer auch eine neue feste Beziehung und es ist für mich schwer auszuhalten, dass mein Sohn mit den beiden an den Papa-Wochenenden Zeit verbringt... Erschwerend kommt dazu, dass ich vor einigen Jahren wegen dem Job meines Freundes 600 km von meiner Heimatregion hiergezogen bin. Hier ist eine ganz andere Mentalität, als ich sie kenne und ich hatte schon während der Beziehung, den Wunsch, zurückzugehen. Dass ich das jetzt um so mehr will,liegt auf der Hand... Ich habe hier nur wenige Kontakte geknüpft, aber eine gute Freundin gewonnen, die aber im Dezember von hier wegziehen wird. Diese Freundin ist mir eine wichtige Stütze gewesen, besonders natürlich dieses Jahr. Ich habe schon einige Bewerbungen geschrieben in die Region, in die ich wieder möchte, aber es hat sich noch nichts ergeben.
Ich fühle mich gerade so einsam, ausgeliefert, schutzlos wie noch nie in meinem Leben. Ich habe gerade das Gefühl, total verlassen und völlig auf mich gestellt zu sein. Es ist ein Gefühl, innerlich ohne Halt zu sein, und es nimmt mir viel Kraft und Energie. Schon morgens wache ich auf mit dem Gefühl: ich bin allein, meine Freundin zieht weg, ich bin total verlassen... Ich mag dann kaum aufstehen und mich dem Tag stellen. Ich fühle mich, als hätte ich kaum Ressourcen übrig. Es strengt mich an, dieses Gefühl auszuhalten und alles allein meistern zu müssen.
Es fällt mir so schwer, Vertrauen zu haben, dass sich alles fügen wird. Alles ist so offen und ungewiss und das macht mir zu schaffen. Am liebsten würde ich heute meine Sachen packen und hier weggehen, auch, um einen Strich unter die Vergangenheit zu ziehen. Aber ich brauche wirklich erst einen Job, sonst kann ich es finanziell nicht stemmen. Ich habe gerade totale Angst, in dieser Phase steckenzubleiben...
Ich freue mich über eure Meinungen, vielleicht gibt es jemand, dem es mal ähnlich ging?
Viele Grüße
tiefblau
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Ergebnis 1 bis 6 von 6
Thema: Krise
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08.11.2011, 20:40
Krise
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09.11.2011, 09:08Inaktiver User
AW: Krise
Hallo tiefblau!
entschuldige, dass ich gleich so reinplatze.....aber was ist mit Deinem Sohn? Er ist so alt wie meiner, und der liebt seinen Papa abgöttisch. Was ist mit ihm, wenn Du weggehst?
Natürlich hast Du mein Mitgefühl, und Deine Situation berührt mich. Ich finde es gut, dass Du eine Beratung in Anspruch nimmst. Dass Dein Ex-Partner wieder eine neue Beziehung hat, macht Dir zu schaffen. Das kann ich verstehen. Kennst Du denn diese Gefühle, die Du gerade hast?
Mir ging es in soweit ähnlich, dass ich mal ganz alleine für ein paar Jahre in eine fremde Stadt aufgrund eines guten Jobangebotes ging. Meine damalige Beziehung war zuvor in die Brüche gegangen, und ich kam mir auch total verlassen vor. Vom hochdeutschen Niedersachsen nach Sachsen...oh mein Gott! Es wurde mit eine der schönsten Zeiten in meinem Leben. Dafür musste ich aber auch was tun.
Ich finde er erst einmal nicht ungewöhnlich, dass Du in so ein Loch fällst. Dass es jetzt erst passiert liegt wohl an den vorherigen Ablenkungen, die Du hattest (Affären, Deine Freundin...). Mit Deiner Freundin kannst Du doch trotzdem Kontakt halten. Es gibt Mail, Telefon, Skype....
Aber bitte vergiss Dein Kind nicht!
Bis hierin erst einmal liebe Grüße
Pauline
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09.11.2011, 09:40
AW: Krise
Hallo Tiefblau,
ich finde dein Posting klar. Obwohl dir die jetzige Situation emotional zu schaffen macht, du scheinst zu wissen, wo du ansetzen kannst, um die Lage zu verbessern. Höre auf deine innere Stimme und lerne zu unterscheiden, wann das Herz zu dir spricht und wann die Angst. Wenn du fest entschlossen bist, wieder in deine Heimatregion zu ziehen, dann wird sich auch eine Möglichkeit ergeben. Jedoch man nimmt sich überall mit, wo man hingeht. Deine Gefühle werden mitkommen.
Das Ende einer Partnerschaft ist immer sehr belastend und dass der Ex-Partner sich eine (von außen gesehene!) "heile" Welt aufbaut macht die Lage nicht leichter. Jedoch das hat mit dir nichts zu tun. Du hast dich gegen einen gemeinsamen Weg mit diesem Menschen entschieden, so kannst du ihm viel Glück auf seinem weiteren Weg wünschen. Und es auch so meinen...
Viele Frauen haben das Gefühl, dass sie ohne einen Partner an ihrer Seite nicht vollständig sind, dass es ihnen was fehlt. Das kann ich gut nachbollziehen, weil ich auch in dieser Mentalität erzogen wurde. Jedoch habe ich für mich erkannt, dass ich ICH bin, egal mit wem ich zusammen bin oder ob ich mit jemandem zusammen bin. Habe mich selbst kennen gelernt mit dem Eifer, wie man einen anderen kennen lernen möchte, wenn man frisch verliebt ist, habe herausgefunden, was mir gut tut und was nicht. Habe mir selbst Geborgenheit gegeben, so gut für mich gesorgt, wie ich sorgen konnte und gelernt was es bedeutet, niemanden und nichts zu brauchen. Und kaum war ich damit fertig, schon klopfte wieder die Liebe an meiner Tür
...
Was kann dir ein anderer geben, was DU dir selbst nicht geben kannst?
Fühle dich
wenn du magst,
Ella
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09.11.2011, 09:54
AW: Krise
liebe tiefblau,
ich war nach meiner scheidung in einer ähnlichen situation wie du. ich bin nämlich aus der stadt aufs land gezogen, um meinen eltern näher zu sein. ich hatte allerdings jede menge nachbarn, mit denen ich mir die einsamkeit vertreiben konnte und abends habe ich das alleinsein richtig genossen. es war so schön, diese ruhe und einsamkeit zu spüren, nach jahren des streits und fertig-gemacht-werdens... und ich habe es genossen, die leere meines völlig freien herzens zu spüren. keine verletzte liebe mehr, das war eine befreiung.
aber dass du dich verlassen und überfordert fühlst, verstehe ich auch sehr gut. und wahrscheinlich hin- und hergerissen zwischen deinen interessen und denen deines kindes... dazu noch der verlust deiner freundin... die ablenkung durch affären ist wohl immer nur kurz.
aber ich kann dir versprechen: du wirst nicht in dieser phase stecken bleiben. weil es im leben immer weiter geht - eine binsenweisheit, aber wahr. warum sollte es ausgerechnet bei dir anders sein? irgendwann wirst du auf die jetzige zeit zurückschauen und dir sagen, dass sie schmerzhaft, aber nötig war. und du wirst neue perspektiven im leben entdecken, neue menschen. du wirst wieder entdecken, deine freiheit zu genießen und irgendwann wirst du dein leben wieder mit einem anderen menschen teilen. vielleicht wirst du weggehen oder bleiben, das fügt sich von selbst. versuche, daran zu glauben, dass alles besser wird.
du hast erwähnt, dass du eine trennungsberatung bei einem kirchlichen träger machst. könntest du dir nicht vorstellen, dich in deiner glaubensgemeinde zu engagieren? da findet man doch menschen, die auch eine fremde aufnehmen. dass die eingewöhnung schwer ist, wenn man auf eine völlig andere mentalität trifft, habe ich auch erfahren müssen, das ist bis heute schwer. aber man findet auch menschen, die so ticken wie man selbst - du hast ja auch eine freundin gefunden. mit der du, wie schon pauline sagte, sicher weiterhin in kontakt bleiben kannst.
alles liebe,
universe
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14.11.2011, 20:39
AW: Krise
Liebe Pauline, Ella und Universe,
erstmal ganz vielen Dank für eure Antworten, ich konnte aus jeder etwas herausziehen, schön! @Pauline: mit dem Vater des Kindes habe ich schon früh nach der Trennung besprochen, dass ich wieder zurück in meine heimat möchte, das war schon Thema, als wir noch zusammen waren. Er wird eine Lösung finden (Zweitwohnung), dass er unser kind weiterhin regelmäßig sehen kann. Du fragst, ob ich diese Gefühle kenne? Ich muss sagen, dass ich mich noch nie SO gefühlt habe, klar habe ich schon Krisen erlebt, aber das im Moment übertrifft alles. Ich fühle mich mit voller wucht mir selbst ausgeliefert und weiß gar nicht, wo ich ansetzen soll. Ella, Dein Bild mit dem sich selbst kennen und liebenlernen finde ich ganz toll. Das stelle ich schon fest: ich habe mich seit der Trennung so intensiv kennengelernt wie noch nie zuvor, das ist schon eine spannende Reise.
Univere, danke für deine worte, dass es nicht so bleibt... das ist aufbauend und tut gut.
Was ich im Moment so schwierig finde, ist der Mangel an guten nahen Freunden, meine engen Freunde sind über die ganze Republik verteilt. ich habe so damit zu tun, dass meine Freundin wegzieht und frage mich immer: warum jetzt, warum sie? Aber wer weiß, was sich daraus ergibt.
Es fällt mir nicht so leicht momentan, auf andere Menschen zuzugehen, weil ich mich selbst so angreifbar und dünnhäutig fühle...
Viele Grüße
tiefblau
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14.11.2011, 21:28
AW: Krise
liebe tiefblau,
ich verstehe dich sehr gut... auch ich habe mich, wie du, angreifbar und dünnhäutig gefühlt, grenzenlos überfordert mit meiner neuen situation... heute, nach sieben jahren, bin ich das manchmal immer noch. aber ich habe gelernt, dazu zu stehen. es ist eben so. keiner kann allein mit 2 kindern rund um die uhr den wunderwuzzi spielen.
im moment fühlst du dich wohl so wie von einer riesenwelle überrollt: trennungsschmerz, einsamkeit, alles auf einmal allein machen und verantworten zu müssen... ein hammer. aber du wirst stärker aus dieser krise hervorgehen, als du dir jetzt vorstellen kannst.
liebe tiefblau, bitte verlier nicht den mut! vielleicht gibt es irgendetwas, aus dem du kraft schöpfen kannst. mir half lesen, die musik, jeden abend schwarzwälder-kirsch-eis vor dem fernseher... raus in die natur mit den kindern, was auch immer. vielleicht kannst du schon einmal anfangen, dein neues leben ein wenig zu planen oder ist das noch viel zu früh?
alles liebe,
universe


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