Hallo,
ich stimme mit einigen (!) der Theorien von Rüdiger Dahlke, die er in seinem Buch "Krankheit als Weg" anspricht, überein.
Da es mir im Moment gesundheitlich nicht gut geht, habe ich in dem Buch mal bei meinen "Krankheiten" nachgelesen.
Es läuft immer auf dasselbe raus: unterdrückte Aggressionen
Nun bin ich natürlich am grübeln! Es ist wahr, ich bin eine nette, hilfsbereite und geduldige Person. Keinesfalls komme ich mir ausgenutzt vor oder hege innerlichen Groll über Situationen und sage mir hinterher "dem hätte ich am liebsten .....
Ich denke von mir, dass ich schon sage, wenn mir etwas nicht passt. Es liegt mir fern, Personen anzublaffen, ich wähle lieber einen moderaten Weg.
Jetzt frage ich mich natürlich: was bedeutet "seine Aggressionen ausleben?"
Muss ich nun Rugby lernen?
P.S.: Es heisst auch, dass ich Konflikte meide, aber das finde ich nicht. Siehe meine Signatur. Ich spreche auch unangenehme Themen an, denn ungelöste Konflikte sind mir ein Greul (Gräul?)
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Ergebnis 1 bis 10 von 43
Thema: Aggressionen ausleben?
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24.10.2011, 16:46
Aggressionen ausleben?
Geändert von Schnuefflerin (24.10.2011 um 16:51 Uhr)
Nicht jene, die streiten, sind zu fürchten,
sondern jene, die ausweichen.
Marie von Ebner-Eschenbach
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24.10.2011, 17:31
AW: Aggressionen ausleben?
Ich kenne das Buch nicht, aber bist du sicher, daß da nicht irgendeine Spökenkiekerei am Werke ist?
Natürlich kann man lernen, aggressiv zu sein, aber will man das?
Eine Methode, mal Dampf abzulassen und gucken, ob es dir daraufhin besser geht, wäre eine Sportart, bei der man sich gepflegt austoben kann. Vielleicht etwas, wo man auf einen Ball einschlägt. Von Kampfsport würde ich abraten -- wenn du *wirklich* unterdrückte Aggressionen hast, ist das zu gefährlich.
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24.10.2011, 17:36
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24.10.2011, 17:45Inaktiver User
AW: Aggressionen ausleben?
Hallo Schnüfflerin!
Das Besondere an uns ist doch, daß wir eben NICHT so offensichtlich sind und daher viele Probleme haben können- sie aber andersrum nicht einfach erkennen können.
Du schreibst, daß es um "unterdrückte Aggressionen" geht.
Es muss Dir dabei klarwerden, daß dieses Unterdrücken eigentlich fettgedruckt werden müsste!
Wir unterdrücken- und das dann eben professionell.
Dahinter muss nicht ein direkt wahrnehmbares Gefühl von Wut stehen- gerade sowas kann so tief weggedrückt werden, daß wir es beim besten Willen nicht "sehen".
Wichtig ist, daß einem klar wird, daß man aus wichtigen Gründen "so" ist.
Und wir lernen ja oft als Kind, daß man sich nicht so "gehen" lassen darf- denn dann ist man nicht mehr "die liebe Kleine" und wird schlimmstenfalls abgelehnt. Genau das ist für das kleine Kind aber überlebenswichtig ( Ausschluss bedeutet der sichere Tod).
Kurz- wir bekommen Strategien antrainiert, die uns "bestenfalls" ein Leben lang begleiten
Gerade Wut ist etwas, was wir negativ belegen und was sich gerade als Frau mal gar nicht "gehört".
Ich bin davon überzeugt- würde sich jeder gehen lassen und mal losplärren, wenn ihm danach ist......es gäbe im Laufe eines Tages mit zig Menschen mal Brüllerei ( was aber ja auch nicht schlimm wäre, denn wenns jeder macht sind ja auch die Fronten sofort klar
)
Und eines dürfen wir auch nciht vergessen:
Man legt für sich immer ein Bild zurecht, was einen als " den Guten" hinstellt.
Ich mein das nicht negativ, aber man muss Vieles in sich positiv darstellen und sich innerlich belobigen - sagen wir mal als Beispiel " ich bin nun nicht wütend geworden sondern freundlich geblieben-- was ist das ein gutes Verhalten!".
Das bedeutet- das man sich selber immer wieder eine Bestätigung gibt und man dann vielleicht andere Sichtweisen gar nicht annehmen kann oder will.
Man muss sich schon sehr genau ansehen um einiges an sich zu erkennen- und dazu gehören sicherlich auch BIlder von sich zu revidieren.
Wobei klar ist...selbst wenn man jemand ist, der aggressiver im Auftreten wäre.....wäre das ja auch nichts Schlimmes sondern sogar gut......- solange man eben genau MAN SELBER ist.
kenzia
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24.10.2011, 17:54Inaktiver User
AW: Aggressionen ausleben?
Ich nochmal

jetzt aber mal zu dem eigentlichen Thema- dem Ausleben von Aggressionen.
Ich glaube, daß es zuerst mal um die Wahrnehmung geht, daß Aggressionen vorliegen.
Erst wenn das einem klar ist- kann einem auch klar werden, wo genau der Kernpunkt für die Aggression liegt ( denn das ist ja wichtig zu wissen) und in dem Moment kann man dann auch gezielter reagieren.
Man kann sicherlich mit einem Kissen auf ein Sofa schlagen und so Wut loswerden....oder da gibts auch so extra Schlagstöcke aus Schaumstoff....- aber da brauchts dann wohl ne gehörige Portion Wut und die bekommt man mal nicht vom angenervten Postboten
Wäre aber ne Idee......oder mal rumbrüllen ( hab mal von jemandem gelesen, der einfach in den Wald ging und dort rumgebrüllt hat....- Freude aller Waldbewohner
)....es geht letztlich um das Loslassen von der inneren Wut.
Du müsstest doch wissen,was Dir an Abreagieren gut tut!
Manch einer muss gutes Geschirr an die Wand schmeissen......mei..wenns hilft.....!!
Jeder hat wohl so seine eigenen Methoden oder kann sie herausfinden.
kenzia
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24.10.2011, 18:24Inaktiver User
AW: Aggressionen ausleben?
Interessant wird es erst richtig wenn man Aggression in sich zuläßt und guckt was da noch für ein Rattenschwanz an anderen Gefühlen hintendran hängt. Klar wer kurz vor dem Platzen ist sollte lieber mal um den Häuserblock rennen oder sich anderweitig körperlich ausagieren. Das ist aber letztlich keine Lösung. Es geht darum die Ursachen zu erforschen, Gefühle wahr- und anzunehmen, sich konstruktiv auszudrücken, für sich zu sorgen ectr.
Aggression an sich ist ein postiver Impuls. Wut ensteht erst wenn diese Impulse zulange unterdrückt wurden.Geändert von Inaktiver User (24.10.2011 um 18:27 Uhr)
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24.10.2011, 18:25
AW: Aggressionen ausleben?
sagt in erster Linie dass Aggressionen da sind.unterdrückte Aggressionen
Du kannst nun auf zwei Wege. Entweder diese Agression ihn dir gestatten und dich zu fragen was macht micht daran aggressiv oder sie gestatten, dir keine Gedanken machen und sie ausleben.
Der "moderate " Weg ist nicht Fisch noch Fleisch und ein typischer Fall von nicht ausleben. Du zwingst dich nicht als aggressiv oder unhoeflich rueberzukommen, unterdrueckst damit die Wut die in dir hochkommt. Du beschaeftigst dich aber auch nicht damit weil du Aggression als etwas negatives betrachtest. Damit unterdrueckst du einen Teil von dir und eine ganz natuerliche Reaktion auf eine Kraenkung.
Im Endeffekt verneinst du deine eigen Aggression durch weggucken.
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24.10.2011, 18:25
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24.10.2011, 18:33Inaktiver User
AW: Aggressionen ausleben?
Jepp, das ist der Dreh- und Angelpunkt. Einen Moment innerlich zurücktreten und die Reaktion abwägen ohne das Gefühl zu verdrängen oder abzuwerten und dann handeln.
Der Begriff Aggression ist für die meisten negativ besetzt, damit wird häufig sinnloses Drauflosgedresche assoziiert. Man sollte sich aber mal klar machen, dass Aggressionen ein lebensnotwendiges Gefühl sind, denn sie zeigen auf, wo Deine Grenzen verletzt werden, etwas Ungerechtes geschieht u.a. und eine aggressive Reaktion manchmal notwendig ist. Damit meine ich eben nicht das Ausrasten und Rasen, sondern beispielsweise ein gepflegtes In-die-Schranken-weisen. Wenn das unterdrückt wird, kann es in der Tat zu Problemen führen, denn man vernachlässigt die "innere Selbstverteidigung" und wird quasi grenzen-los.
Ich kenne das Buch von Dahlke auch nicht und finde die Theorie, dass Emotionen und körperliche Reaktionen miteinander zusammen hängen, durchaus überdenkenswert. Kritisch fände ich es, wenn konkrete Krankheiten konkreten Gefühlen zugeordnet wird. Schon solche Begriffe wie "Krebspersönlichkeit" finde ich voll daneben. Aber wie gesagt, das Buch kenne ich nicht.
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24.10.2011, 20:41
AW: Aggressionen ausleben?
Vielen Dank für die Antworten.
Sicherlich ist Sport in jeder Hinsicht wichtig, nicht nur, um Aggessionen abzubauen.
Ich denke aber, das kann nicht (ausschliesslich) der Weg sein, um die Aggressionen loszuwerden. Denn dann müsste ich die Aggressionen so lange unterdrücken, bis ich Gelegenheit habe, Sport zu machen (oder wahlweise auf was einzudreschen)
Das ich Aggressionen unterdrücke läuft sicher so unbewusst ab, dass ich denke, ich hätte eigentlich keine. So habe ich es auch in meiner Familie gelernt: eigentlich gabs da keine Aggressionen, wenn meine Mutter wütend war, war sie eher schlechter Laune.
Bestimmt ist im allgemeinen so ein Gefühl wie Aggression negativ besetzt - für mich auch.
Bei Wiki habe ich gerade gelesen, dass Aggression eine Reaktion ist auf negative Gefühle wie Frustration, Hitze, Kälte, Schmerz oder Furcht ist.
Vielleicht bin ich zu oft frustriert, was wiederum dadurch kommt, das ich mich in einigen Situationen nicht abgrenzen kann, nicht für mich Sorgen kann.
Es muss eine Möglichkeit geben, Wut zu zeigen, ohne unfreundlich zu meinen Mitmenschen zu werden. Ein gepflegtes "in-die-Schranken-weisen" wie Catamara sagt. Das muss aber erstmal erlent werden. Vielleicht lasse ich mir doch zuviel gefallen, ohne das ich es merke?Nicht jene, die streiten, sind zu fürchten,
sondern jene, die ausweichen.
Marie von Ebner-Eschenbach




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