Antworten
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 19
  1. Inaktiver User

    Sich wirklich ändern - geht das?

    Zum Hintergrund der Frage im Strangtitel: ich habe schon seit ich denken kann ein großes Problem mit mir selbst. Ich fühlte mich schon immer irgendwie "falsch", habe mich jahrelang versucht, anzupassen, so stark, dass ich teilweise garnicht mehr gemerkt habe, dass ich eigentlich nur noch als Fassade lebe.

    Das Anpassen hat (was wohl nicht überraschend ist) nicht funktioniert, ich habe bereits als Jugendliche starke Depressionen entwickelt.

    Heute (bin Anfang Dreißig) habe ich drei Gesprächstherapien hinter mir, meine Probleme zumindest kopfmäßig "verstanden", aber gefühlsmäßig kann ich das nicht wirklich umsetzen.

    Ich funktioniere zwar im Alltag halbwegs, und es gibt auch schöne Momente in meinem Leben, aber ich habe immer wieder extreme Tiefpunkte und unter anderem äußern sich die Probleme auch in körperlichen Symptomen. Im Moment geht es mir wieder ziemlich schlecht.

    Irgendwie fehlt mir die Hoffnung, dass sich da noch mal grundlegend etwas ändert.
    Hat jemand die Erfahrung gemacht, dass es möglich ist, sich wirklich zu ändern? Wenn ja, wie stellt man das an?

  2. User Info Menu

    AW: Sich wirklich ändern - geht das?

    Guten Morgen emdi,

    leider kann ich dir deine Frage nicht beantworten aber ich kenne das nur zu gut. Mir gehts auch so. Habe kopfmäßig mein Problem verstanden, aber gefühlsmäßig funktioniert rein gar nichts bei mir. In der Theorie ist das "Sich ändern" so einfach, aber in der Praxis klappt es bei mir ganz und gar nicht.

    Kannst ja mal meinen Strang durchlesen:"Fühle mich wertlos"

    Was genau ist denn bei dir das Problem?

    Viele Grüße, Bambiii

  3. Inaktiver User

    AW: Sich wirklich ändern - geht das?

    Hallo emdi,
    um eventuell was dazu sagen zu können, wäre es vielleicht ganz gut wenn Du Deine Lebenssituation etwas mehr beschreiben würdest. Z.B. lebst Du in einer Beziehung, hast Du Kinder, Mann oder Frau? Was für Therapien hast Du gemacht und, wie ja auch schon bambiii fragt, was ist Dein Problem? Grundsätzlich kenne ich solche Stimmungsschwankungen auch. Ebenso das Gefühl manchmal "falsch" zu sein. Meine Therapie hat mir in einigen Punkten sehr geholfen. Es fällt mir zwar häufig noch schwer, nicht in alte Verhaltensmuster zu verfallen, aber ich kenne die Gründe und "übe" halt fleissig. Klingt sehr pragmatisch...hilft mir aber! Mein Hauptproblem war (ist), dass ich immer für alles alleine eine Lösung gesucht habe. Dass ich immer versucht habe, ohne Unterstützung durchs Leben zu kommen. Und warum? Weil ich es nie anders gelernt habe. Bevor ich jetzt hier aber abschweife....magst Du mehr erzählen?
    Viele Grüße
    Pauline

  4. Inaktiver User

    AW: Sich wirklich ändern - geht das?

    Liebe Emdi,

    wenn der Hauptteil Deiner Energie bisher dahin ging, dass Du Dich angepasst hast und versucht hast, den Ansprüchen anderer zu genügen, so ist es kein Wunder, dass Du Depressionen entwickelt hast. Wahrscheinlich hast Du das auch schon klar.

    Wenn Du Dich lange Zeit vor allem nur angepasst hast, hast Du es wahrscheinlich verlernt, auf Dich und Deine Bedürfnisse zu hören, sie überhaupt wahrzunehmen. Vielleicht schreibst Du Deinen Strangtitel mal um. Es geht nicht darum, dass Du Dich änderst, sondern dass Du zu Dir findest, Dich ernst nimmst und Deinen Bedürfnissen entsprechend lebst. Das geht nicht von einem Tag auf den anderen, aber wenn Du achtsam Dir selbst gegenüber bist, findest Du vielleicht erste Ansätze: Was tut Dir gut? Was machst Du gern? Mit welchen Menschen fühlst Du Dich wohl? - In dem Zusammenhang würde mich auch interessieren, wie Du lebst und wer Dich unterstützen könnte.

    Es hat Dich lange Zeit geschützt, dass Du Dich angepasst hast. Verdamme dies nicht. Nur jetzt ist die Zeit gekommen, wo es darum geht, dass Du DEIN Leben lebst. Ich habe hier in der BriCom mal einen Text gelesen, den ich klasse finde: "Don´t ask what the world needs. Ask what makes you come alive, and go do it. Because what the world needs is people who have come alive." (Howard Thurman) Sehr überdenkenswert, oder?

    Und damit das Ganze nicht zu "lehrmeisterig" rüberkommt: Ich kann Dich gut verstehen, bin gerade in einem ganz ähnlichen Prozess. Meine Leitsätze "Mach dich nützlich" und "Mach es allen recht" haben mich in die Erschöpfungsdepression getrieben. Das zusammen mit einem Urlaub, in dem ich seit Jahren mal wieder so richtig aufgeblüht bin, hat mir aufgezeigt, dass es so nicht weiter geht. Ich nutze auch die Unterstützung einer Therapie (die im Übrigen eine Art Ggenpol zu meinem Herumgehirne bildet, indem sie körperbetont und eher auf der emotionalen Ebene arbeitet). Die entscheidende Frage werde ich in letzter Konsequenz aber nur selbst beantworten können: Was will ich?

    Daher bin ich auch gespannt auf weitere Beiträge hier. Und wünsche Dir alles erdenklich Gute - come alive!
    Geändert von Inaktiver User (24.10.2011 um 14:20 Uhr) Grund: vergessener Buchstabe soll nicht zu Verwirrungen führen...

  5. Moderation

    User Info Menu

    AW: Sich wirklich ändern - geht das?

    Hallo emdi,

    man kann sich ändern. Allerdings kann man Depressionen nicht einfach so wegmachen oder wegdenken, das liegt nicht in der Natur der Sache.

    Intellektuelle Erkenntnis gut und schön, aber man ist das, was man tut, und man wird das, wofür man sich ausgibt. "Fake it till you make it", sagen die Amis, "tu so als ob du die Person wärst, die du sein willst, bis du sie wirst". Dabei solltest du dir natürlich realistische Ziele setzen und auch immer mal wieder gegenchecken, ob deine "Kopf"-Erkenntnis und deine Handlungen zusammenpassen. Eventuell kann eine Therapie helfen, ich würde nach etwas in Richtung kognitiver Verhaltenstherapie suchen. Denn leicht ist das natürlich alles nicht.

    Ich war mal in der Situation, daß ich... nicht wirklich mich, aber die Art, wie ich mich mit meiner Umgebung arrangiere... grundlegend ändern wollte und mußte, und ich habe mir einen zwanzig-Punkte-Plan gemacht, von Sachen, die ich ab sofort tun oder nicht mehr tun will, bzw wo ich in einem Jahr sein möchte. Da waren so Sachen drin wie "Aufhören, X zu treffen, er nervt mich doch nur. Wenn er anruft, hab ich keine Zeit" über "in die Theatergruppe gehen" bis zu "die Meinung von Leuten, die keine Ahnung haben, wovon sie reden, nicht annehmen". Ich habe dann auch Tagebuch geschrieben, um wirklich jeden Tag oder zumindest jede Woche zu sehen, wo ich stehe und was ich erreicht habe.

    Unterm Strich habe ich vielleicht 50% von dem geschafft, was ich wollte. Ich war immer noch die, die ich war -- ich habe mich nicht als großartig "geändert" empfunden -- aber ich war ganz und gar aus der Situation raus, die die "Generalüberholung" notwendig gemacht hat, und hatte viel mehr Spaß und weniger Sorgen.

    Man ändert sich nie ganz und gar, und gleichzeit ändert man sich ununterbrochen. Es ändert sich, was einem wichtig ist, worauf man wie stark reagiert, wie man mit Situationen umgeht, wie man sich selber wahrnimmt. Und wie man sich fühlt, hängt letztlich davon ab und nicht von einem imaginären Selbst, das ohne Bezug zur Umwelt irgendwo exisieren könnte oder sollte.

    Wenn du findest, daß du zu angepaßt bist, mach das an konkreten Situation fest. Wobei stört es dich? Woran hindert es dich? Womit kannst du aufhören, was kanst du anders machen? Wovor hast du Angst, und kannst du die Angst abwerfen oder herausfordern? Wenn du das nicht konkret benennen kannst, kannst du es nicht angehen, denn das Leben findet im Konkreten statt.

  6. User Info Menu

    AW: Sich wirklich ändern - geht das?

    Hallo emdi,

    ich bin davon überzeugt, dass man sich wirklich ändern kann, d.h., es geht wahrscheinlich eher darum, mehr zu sich selbst zu finden, also mehr zu der Person zu werden, die man eigentlich ist, und alles abzulegen, was einen daran hindert, wirklich "sich selbst" sein zu können. Also darum, Ängste abzulegen, mutiger zu sein, mehr Vertrauen ins Leben und in sich selbst zu fassen.

    Es reicht aber nicht, seine eigene Situation nur mit dem Kopf zu verstehen, obwohl das schon ein guter Ansatzpunkt ist. Es ist wichtig, ins HANDELN zu kommen. Dabei ist es wichtig, sich oftmals Angst machenden Situationen auszusetzen, in denen man in sich hinein spüren kann und versuchen kann, Erkenntnisse auch umzusetzen. Das wird anfangs noch etwas holperig gehen und man wird Rückschläge erleiden. Aber man darf sich nicht entmutigen lassen. Dafür sollte dann allerdings ein Therapeut an der Seite stehen, nicht nur dafür, intellektuell den Ursachen auf den Grund zu gehen, sondern als Begleitung und Anleitung, um endlich zu handeln. Das eigene Leben spielt sich nämlich "da draußen" ab, und nicht (nur) innerhalb den geschützten vier Wänden eines Therapeutenzimmers.
    Geändert von bruennette_2 (24.10.2011 um 11:31 Uhr)

  7. User Info Menu

    AW: Sich wirklich ändern - geht das?

    Hmm - ich habe schon lange den Eindruck, dass wirkliche Veränderungen nur durch einschneidende Erlebnisse und Mut erfahren werden können... Worte alleine, oder etwas intellektuell zu verstehen reicht einfach nicht.

    Ich fand dazu mal ein recht interessantes Inteview mit modernen Hirnforschern, die dies bestätigen - hier mal ein Auszug daraus...

    ---------------------------

    Ein Psychotherapeut schaut nicht ins Hirn. Er hört dem Patienten zu, beobachtet ihn und zugleich seine eigenen inneren Reaktionen. In der Interaktion zwischen Patient und Psychotherapeut entstehen Bedeutungen und verändern sich, meint die Kasseler Psychoanalytikerin Professor Marianne Leuzinger-Bohleber. Dieses Verständnis von Psychotherapie aber entspreche der dynamischen Vorstellung der modernen Hirnforschung, dass sich Nervenverschaltungen ständig verändern. Man geht beispielsweise nicht mehr davon aus, dass Erinnerungen als Abbilder von Geschehnissen abgerufen werden, die man sozusagen aus einem Foto- oder Tonarchiv herausholt. Erinnerungen entstehen vielmehr im zwischenmenschlichen Austausch als ein Gemisch von Geschehenem, später daraus Gemachtem und heute Erzeugtem:

    Professor Marianne Leuzinger-Bohleber:
    Mit jeder neuen Erfahrung schreiben sich unsere Erfahrungen wieder um. Das ist kein statisches Geschehen. Erinnerung ist nicht etwas, wie wir es früher gemeint haben, das mit einer inneren Repräsentation, mit einem Bild zu tun hat, das irgendwo in einer Platte gespeichert ist, im Gehirn gespeichert ist und dann abgerufen wird. Sondern Erinnerungen werden aktiv, kreativ hergestellt in einer neuen interaktiven Situation, die Ähnlichkeiten hat mit früheren Situationen, aber auf einer sehr komplexen Sinneswahrnehmungsebene. Wo ähnliche Stimuli in früheren Situationen auch zu ähnlichen Bildern, Einfällen, Sprache führt. Also es ist ein aktiver konstruierender Akt. Es ist nicht einfach ein Druck auf einen Knopf und dann wird Wissen abgerufen.

    Autor:
    Daher reicht es auch nicht, wie die Psychoanalyse früher einmal dachte, traumatisierende Erfahrungen aus der Verdrängung wieder ans Bewusstsein zu heben. Sie müssen heute neu verarbeitet werden, und das ist nicht nur ein kognitiver, sondern ein sehr emotionaler Prozess.

    Vieles, das einen Menschen ausmacht und die Art seines seelischen Erlebens bestimmt, wird früh geprägt, bevor das Denken sich entwickelt. Das beginnt schon im Uterus, wenn Föten die Stimme ihrer Mutter hören oder deren seelisches Erleben mitbekommen, was die Hirnforschung heute bestätigt. Schon ab der achten Schwangerschaftswoche sind so genannte “limbische Kerne” aktiv, die Grundstrukturen für dasjenige System im Gehirn, in dem wir unbewusst mit Gefühlen auf Reize reagieren. Schon von dieser Zeit an, meint Gerhard Roth, verarbeitet ein Mensch emotionale Erfahrungen, lange bevor sich im dritten Lebensjahr mit der Sprache ein reflexives Bewusstsein entwickelt:

    Professor Gerhard Roth:
    Dann ist das limbische System schon weit ausgereift.... Und man muss davon ausgehen, dass unser Charakter, unsere Persönlichkeit weitgehend ausgereift sind, bevor überhaupt die jugendlichen, erwachsenen Bewusstseinsformen entstehen. Darin hat Freud fundamental Recht, und das ist auch der Grund dafür, dass Menschen sich anschließend nicht mehr wesentlich ändern außer es gibt ganz starke emotionale Erlebnisse.

    Autor:
    Zum Beispiel wenn man in eine Krise gerät. Und dann vielleicht eine Psychotherapie beginnt. Aber auch hier können Worte nur wirksam werden, wenn sie die limbischen Strukturen eines Menschen, seine Gefühle erreichen:

    Professor Gerhard Roth:
    Worte allein bewirken überhaupt nichts, außer im Cortex.... Rein neuropharmakologisch, neurochemisch ändern sich Nervennetze nur wenn massiv so genannte Neuromodulatoren, Neuropeptide ausgeschüttet werden. Dann gibt es eine synaptische Reorganisation in limbischen Zentren, sonst nicht. Und die Bedingungen kann man ganz eindeutig auflisten, unter denen so eine subkortikal-limbische Reorganisation möglich ist. Und die ist nicht durch Worte alleine, durch das Hören von Worten möglich, sondern nur wenn massive emotionale Konnotationen mit den Worten verbunden sind, dann kann man sich auch durch Worte verändern lassen.

    Autor:
    Worte müssen uns berühren, bewegen, erschüttern, damit sich die Seele ändert. Gerhard Roth spricht von einem “emotionalen Aufruhr”, den wir durchleben müssen, wenn wir uns verändern wollen.
    Um dahin zu kommen, bedarf es einer Betrachtung aller Bereiche, in denen sich menschliches Erleben abspielt: der Bedeutungen oder des Geistes, der körperlichen Empfindungen und der Gefühle. Das sagt der Münchener Psychologe und Hirnforscher Professor Ernst Pöppel. Er sieht es als eine gemeinsame Aufgabe von Hirnforschern und Psychotherapeuten an, diese Sichtweise auch für die Psychotherapie zu erarbeiten.

    Manche Psychotherapiemethoden halten es für ausreichend, die Überzeugungen, das Denken der Menschen zu verändern, damit sie ihre seelischen Schwierigkeiten lösen. Der Körper und die Gefühle bleiben dabei außen vor. Andere wiederum glauben, seelische Konflikte würden sich lösen, wenn man sie nur aus dem Körper herausschreit, und vernachlässigen das, was diese für einen Menschen bedeuten. Gedanken, Gefühle und körperliches Erleben aber gehören immer zusammen. Das hat die Hirnforschung allmählich gelernt, auch von der Psychotherapie. Nun muss die Psychotherapie erarbeiten, was diese Erkenntnis der Hirnforschung für ihre Praxis bedeutet.

    Quelle: SÜDWESTRUNDFUNK
    SWR2 Wissen - Manuskriptdienst

    “Hier irrte Freud, da lag er richtig - Was Hirnforscher und Psychotherapeuten voneinander lernen”

    -------------------------------

    LG Syriana
    Geändert von Syriana (24.10.2011 um 14:11 Uhr)
    ECSTACY
    Find ectasy within yourself.
    It is not out there.
    It is in your innermost flowering.
    The one you are looking for is you!


    "Heute: Das ist Dein Leben."
    Kurt Tucholsky

  8. Inaktiver User

    AW: Sich wirklich ändern - geht das?

    Ganz kurz- ja, das geht!!

    Wie hier schon geschrieben wurde geht es "nur" darum, daß Du lernst Dich selber zu erkennen und ganz zu DIR zu finden.

    Was so einfach klingt ist natürlich richtig Arbeit- und das im therapeutischen Bereich.
    Wie ebenso schon angesprochen- Du wirst Dich nicht über den Kopf "finden".
    Wie Du richtig erkannt hast- man kann sehr viel über den Kopf erklären, es ändert aber nichts an den ganzen tiefen Mustern und Prägungen, die wir in uns haben.

    Wichtig ist dabei eine Therapieform zu wählen, die sich tief innen drin mit Dir befasst.
    Psychoanalyse dürfte in die Richtung gehen- es wird so einiges an Therapieformen geben, die Dich mit Dir selber tief drinnen konfrontiert und Du Dich so kennenlernst.

    Wer sich nciht ständig verbiegt, der wird auch nicht krank werden...... eine Maschine, die ständig falsch bedient wird kann auf Dauer auch nciht gut funktionieren, oder??

    viel Glück
    kenzia

  9. User Info Menu

    AW: Sich wirklich ändern - geht das?

    Zitat Zitat von Syriana Beitrag anzeigen

    Ich fand dazu mal ein recht interessantes Inteview mit modernen Hirnforschern, die dies bestätigen - hier mal ein Auszug daraus...
    hallo syriana, würdest du bitte noch die quelle für dieses zitat angeben? (kein nochmaliger link auf den kompletten text, das ist nicht nötig)


  10. Inaktiver User

    AW: Sich wirklich ändern - geht das?

    Vielen Dank für eure Antworten – leider bin ich heute tagsüber nicht zum Antworten zu kommen.

    Zu meiner Lebenssituation: ich bin in Vollzeit berufstätig und lebe in einer langjährigen Beziehung, die leider auch schon unter meinen Problemen gelitten hat. Wir haben keine Kinder.
    Meine psychischen Probleme haben schon in der Kindheit angefangen, als Jugendliche kamen dann die Depressionen, die ihren „Höhepunkt“ zu Abizeiten hatten. Habe mich aber immer zusammengerissen und irgendwie weitergemacht.
    Meine Eltern waren in ihre eigenen Probleme verstrickt, habe von dort wenig Unterstützung bekommen. Heute ist das Verhältnis zu ihnen ok, aber eher distanziert. Ich merke häufig, dass bezüglich zu ihnen noch einiges aufzuarbeiten habe.
    Wer mich im Moment hauptsächlich unterstützt sind zwei Freundinnen, die selber auch ähnliche Probleme durchgemacht haben.

    Mein Problem ist, dass mein Selbstwert eigentlich komplett von äußeren Faktoren abhängig ist. Ich sehne mich immer noch nach der Anerkennung durch meine Eltern und beurteile mich selbst und meine Handlungen durch ihre Augen. Ich habe auch in meiner Beziehung immer alle Gefühle/Wünsche/Bedürfnisse unterdrückt, die bedeutet hätten, auf Konfrontation zu gehen. Im Zweifel stecke ich zurück, wenn ich mir dadurch Liebe/Anerkennung von anderen Menschen sichern kann.

    Neben regelmäßigen depressiven Episoden mit Suizidgedanken habe ich immer massiver werdende körperliche Beschwerden; ich merke auch, dass meine Muskeln eigentlich immer unter Strom stehen.
    Zudem bin ich eigentlich kaum in der Lage, echte Beziehungen aufzubauen. Im Umgang mit anderen Menschen bin ich eigentlich immer damit beschäftigt, meine Fassade aufrecht zu erhalten und alles „richtig“ zu machen. Wenn mir jemand zu nahe kommt weiche ich instinktiv zurück.

    Meine Therapie bisher waren klassische Gesprächstherapien. Sie haben mich stabilisiert, es tat gut, mit jemandem reden zu können. Aber mein Gefühl war immer, dass die Therapeuten meinen Leidensdruck nicht sehen, bzw. dass ich vielleicht auch nicht wirklich gut darin war/bin, diesen zu kommunizieren.

    @ bruennette_2: die Frage ist nur, wo man so einen Therapeuten findet. Gibt es da eine Strategie?
    @kenzia: ist eine Psychoanalyse nicht auch sehr sprach- und kopflastig? In dem Bereich habe ich noch keine Erfahrungen. Mir schwebt eigentlich etwas in Richtung Körpertherapie vor, aber weiß nicht, was da das Richtige für mich wäre.

    @Syriana: das Interview ist sehr interessant – allerdings auch nicht gerade ermutigend.

    @Catamara: das Zitat gefällt mir - und ist glaube ich auch ziemlich treffend für meine Lebenssituation.

Antworten
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •